Marshall London im Hands-on: Cooler Look, guter Sound, schwaches Innenleben

Mit dem "London" betritt der Sound-Spezialist Marshall Neuland: Es ist das erste Smartphone der Marke, die vor allem für Rockmusik-Fans ein wohlklingender Name ist. Wir haben das Marshall London ausprobiert.

Es gibt nicht viele Smartphones, auf die ich mich wirklich freue – denn wenn man ehrlich ist, ähneln sich viele Geräte doch sehr. Die Leistung und Ausstattung der Modelle verschiedener Hersteller variiert kaum noch. Wie denn auch? Wir sind in den goldenen Smartphone-Zeiten, überall gibt es Höchstleistung.  Da fällt es den Anbietern natürlich auch umso schwerer, sich mit den eigenen Modellen abzuheben. Dass es ziemlich gut funktioniert, wenn man sich auf einige Features konzentriert, diese dafür exzellent umsetzt, das zeigt Marshall mit dem London.

Klingelt es bei Marshall in den Ohren? Soll es auch: Der Soundspezialist ist weltweit bei Musiker und Musikliebhabern für coole Lautsprecher bekannt. Seit einiger Zeit versucht das Unternehmen, auch den Consumermarkt mit wohlklingenden Kopfhörern und Lautsprechern zu erobern. Wir haben verschiedene Modelle getestet und waren ziemlich angetan. Nicht nur vom Sound, auch vom Look der Geräte.

Rock on – sogar auf dem Akku

So ist es kein Wunder, dass Marshall auch beim ersten eigenen Smartphone vor allem auf Äußerlichkeiten setzt. Schon die Verpackung ist cool: Statt Kunstoff verwendet Marshall Papier und Pappe, um Telefon und Zubehör zu schützen. Und damit man ja nicht vergisst, dass die Geschichte des Unternehmen mit Rockmusik zu tun hat, sieht man beim Öffnen des Kartons gleich ein Gitarren-Plektrum. Auch cool: Auf dem 2500 mAh-Akku, der sich austauschen lässt, prangt der Schriftzug: "Long Live Rock 'n' Roll".

Ganz klar, das London fällt auf: Das schwarze Gehäuse in der für Marshall obligatorischen Lederoptik ist gummiert, hat so ordentlich Grip und liegt gut in der Hand. Um das 4,7-Zoll-Display schafft eine weiße Linie ein echtes Highlight. Auch der große Marshall-Schriftzug unterhalb des Displays fällt sofort ins Auge. Statt einer Lautstärke-Wippe nutzt Marshall für das London ein ins Gehäuse eingelassenes und goldfarbenes Rädchen. Es erinnert mich ein wenig an das Jog-Dial-Rädchen alter Sony-Handys.

Wenig Power unter der Haube

Aber natürlich geht es bei dem London vor allem um Musik – und das zeigt sich schon dadurch, dass gleich zwei Ausgänge für Kopfhörer oder Lautsprecher auf der Oberseite eingelassen sind. Dazwischen prangt der goldene M-Button. Ein Druck darauf startet den Musikplayer. Dieser spielt Musik aller gängigen Formate ab, also auch unkomprimierte Dateien.  Und um den schwachbrüstigen Prozessor zu entlasten - Marshall nutzt für das London lediglich einen Snapdragon 410 - wird die Soundausgabe von einem zusätzlichen Soundchip unterstützt.

Ob es an diesem Chip, der Software oder an den Lautsprechern liegt, kann ich nach dem kurzen Test nicht sagen – aber der Sound ist für ein Smartphone wirklich top. Die Stereo-Speaker klingen für die geringe Größe prächtig, aber richtig Dampf kommt natürlich über die beiden Aux-Ausgänge – deren Ausgabe-Lautstärke sich übrigens getrennt voneinander regulieren lässt.

Kurzum: Marshall hat mit dem London einen hübschen Soundzauberer präsentiert. In dieser Diszplin macht dem Neuzugang in der Smartphone-Welt so schnell kaum ein anderes Gerät etwas vor. Aber leider nur in dieser Disziplin. Der Rest ist lediglich Standard, teilweise sogar unterer Standard, wie beim Prozessor. Das LCD-Display schafft gerade einmal eine Auflösung von 720p, die Kamera nimmt Bilder mit acht Megapixeln auf, für Selfies stehen zwei Megapixel zur Verfügung. Für Musik und andere Dateien sind 16 Gigabyte interner Speicher verbaut, der sich per micro-SD um bis zu 128 Gigabyte erweitern lässt.

Fazit: witzig, aber teuer

Der erste Eindruck ist trotz der eher schwachen Hardware ausgesprochen gut, das Marshall London hat diesen besonderen Coolness-Faktor – man möchte das Smartphone unbedingt in die Hand nehmen. Und das kann nun wirklich nicht jeder Hersteller von seinen Produkten behaupten. Nur der Preis trübt meinen dann doch positiven Gesamteindruck: 549 Euro will Marshall für das musikalische Kleinod haben. Eine Menge Geld für einen MP3-Player mit Telefonfunktion.


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