Meizu MX 4 vs. MX4 Pro im Doppeltest: Achtkernige Typen

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Meizu MX4 und MX4 Pro
Meizu MX4 und MX4 Pro(© 2015 CURVED)

Auf der Suche nach leistungsstarken und günstigen Smartphones fallen immer wieder die Namen Xiaomi Mi4 und OnePlus One. Aber aus dem Reich der Mitte gibt es noch mehr attraktive Geräte, die Beachtung verdienen. Wir haben unseren Blick schweifen lassen und sind bei Meizu auf die beiden ungleichen Zwillinge MX4 und MX4 Pro gestoßen – und haben diese für Euch getestet. 

Muss man eigentlich für ein aktuelles Highend-Smartphone wie ein Samsung Galaxy Note 4 oder ein Apple iPhone 6 immer gleich über 600 Euro ausgeben? Geht es nicht günstiger? Aber klar geht das. Da wäre zum einen die Möglichkeit, bei Android-Smartphones einfach ein paar Monate zu warten und den natürlichen Preisverfall der Top-Geräte abzuwarten. Oder aber man sucht sein Glück in importierten Modellen von großen chinesischen Herstellern. Xiaomis Mi4 und das OnePlus One haben bewiesen, dass Vertreter aus dem Reich der Mitte durchaus mit der Konkurrenz von Samsung, LG und Apple mithalten können. Neben diesen beiden Geräten schicken sich nun auch das MX4 und das MX4 Pro von Meizu an, das Smartphone-Establishment auf den Kopf zu stellen.

Design und Verarbeitung: Zum Verwechseln ähnlich

Wer immer auch bei Meizu für das Design verantwortlich war, der mag es nicht extravagant, dafür aber schlicht und elegant. Beide Smartphones zeichnen sich deshalb durch klare Linien gepaart mit einer leicht gewölbten Rückseite aus. Fast könnte man meinen, dass Meizus Designer ein iPhone 6 mit einem Moto X gekreuzt haben. Als einziges optisches Unterscheidungsmerkmal zwischen dem MX4 und dem MX4 Pro ist nur der Homebutton zu nennen. Während beim MX4 ein beleuchteter Softtouch-Button unterhalb des Displays zum Einsatz kommt, besitzt das MX4 Pro einen physischen Homebutton, der auch noch einen Fingerabdrucksensor enthält. Für einen ersten optischen Eindruck könnt ihr euch noch einmal unser Hands-On-Video der beiden Chinakracher anschauen:

Bei der Verarbeitung müssen sich die beiden Meizu-Samrtphones nicht vor der Konkurrenz verstecken. Alle Teile sind sauber zusammengebaut worden – sowohl das MX4 als auch das etwas größere Schwestermodell MX4 Pro wirken sehr robust und solide. Einzig bei unserem weißen MX4 stört die Materialbeschaffenheit des Backcovers: Das Hochglanz-Polycarbonat zieht fettige Fingerabdrücke geradezu an. Ein schönes mattes Finish wie beim grauen MX4 Pro wäre nach meinem Geschmack die bessere Wahl gewesen. So aber erwische ich mich selbst dabei, wie ich immer wieder die Rückseite am Pullover oder an der Jeans sauber wische.

Die Displays: Full HD oder WQHD?

Bei den Displays verfolgt Meizu wieder unterschiedliche Ansätze. Zwar nutzen beide Geräte ein IPS-Panel, aber bei der Auflösung scheiden sich dann die Wege. Das MX4 schafft bei einer Bildschirmdiagonale von 5,36 Zoll eine Auflösung von 1.920 x 1.152 Pixeln, während das MX4 Pro bei 5,5 Zoll hochauflösende 2.560 x 1.536 Bildpunkte darstellt. Für Freunde von Pixeldichten ergeben sich so Werte von 418 beziehungsweise 546 ppi. Damit liegt das MX4 knapp hinter dem Moto X von Motorola (424 ppi), während das MX4 Pro LGs G3 (538 ppi) schlägt. Natürlich werden beide Displays durch Gorilla Glass 3 vor Kratzern geschützt.

Im Alltag sind beide Screens knackig scharf, sehr hell und auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln gibt es kaum Farbverschiebungen. Den Vorteil der höheren Auflösung des MX4 Pro erkennt man aber kaum bis gar nicht.

Leistung: Zweimal acht Kerne mit big.LITTLE-Technik

Meizu hat sich entschieden, bei den zwei ungleichen Geschwistern auf Prozessoren mit jeweils acht Kernen zusetzen. Beide Octa-Core-Prozessoren nutzen dabei ARMs big.LITTLE-Architektur. Kurz und knapp erläutert: Diese Chips bestehen aus jeweils vier stromsparenden ARM Cortex-A7- und vier schnellen ARM Cortex-A15-Prozessoren. Das Betriebssystem kann je nach Leistungsbedarf dynamisch entscheiden, welche Kerne gerade benötigt werden und schaltet entweder Prozessoren hinzu oder ab.

Von der Basis her gleichen sich die beiden achtkernigen Prozessoren also, aber sie weisen trotzdem Unterschiede auf: Im MX4 pocht ein mit maximal 2,2 GHz getakteter MediaTek MT6595, während im MX4 Pro der maximal mit 2 GHz arbeitende Samsung Exynos 5430 schlägt. Letzterer wird auch schon im Galaxy Alpha verwendet, dort aber mit 1,8 GHz Taktfrequenz. Im AnTuTu-Benchmark ist erstaunlicherweise der MediaTek-Prozessor schneller und schlägt alles, was wir bis dato getestet haben. Dem stolzen Wert von über 52.000 Punkten stehen knapp 44.000 beim MX4 Pro gegenüber. Auch im CF Bench ist das gleiche Bild zu sehen: Das günstigere MX4 schlägt das teurere MX4 Pro. Das Bild dreht sich dann aber wieder bei Benchmarks wie 3DMark, Geekbench 3 und PCMark – hier hat dann das MX4 Pro knapp die Nase vorn, was an der etwas besseren GPU und dem um 1 GB größeren RAM liegt.

Was hat das nun im Alltag zu bedeuten? Zum Testzeitpunkt rein gar nichts. Beide Smartphones sind absolut flüssig bei der Darstellung von Games und dem Abspielen von Videos. Auch das Navigieren durch die Homescreens läuft geschmeidig und es ist kein Ruckeln zu bemerken.

Software: Android auf chinesische Art

Xiaomi hat MIUI, Huawei tauft seine Nutzeroberfläche EMUI, bei Oppo heißt sie ColorOS und Meizu nennt sein mobiles Betriebssystem Flyme. In der Basis sind sie alle aber immer eine Android-Software, die mit einer an iOS angelehnten UI versehen wird. Gleichzeitig schmeißen die chinesischen Hersteller sämtliche Google-Apps inklusive dem Play Store aus dem System. Ein guter Importhändler weiß das natürlich und wird das Gerät bereits mit den nachinstallierten Diensten ausliefern.

Bei einem Smartphone macht eine gute Software viel aus. Die Optik ist natürlich auf den ersten Blick das Wichtigste, man muss sich wohlfühlen. Ich fühle mich bei Meizu auf jeden Fall wohl, was sicherlich daran liegen mag, das mir die Icons und Schriften im hippen Flat-Design entgegenlachen. Typisch für die meisten chinesischen Android-Smartphones ist auch das Fehlen eines App-Drawers. Sämtliche Apps werden also auf den Homescreens abgelegt, was mir persönlich besser gefällt. Alles in allem ist das Design für meinen Geschmack durchaus gelungen, nur die Lokalisierung ist noch nicht ganz komplett. Die Standard-Wetter-App zeigt den Ort nur auf Chinesisch an und in den Systemeinstellungen muss man sich durch eine Mischung aus deutschen und englischen Einträgen manövrieren.

Meizus Flyme OS hat auch noch ein paar schöne, sehr nützliche Features. So lassen sich das MX4 und auch das MX4 Pro durch ein Doppeltippen auf den Bildschirm aus dem Standby aufwecken. Neben dem Einschalten des Displays kann man durch weitere Wischgesten im Standby-Modus das Handy entsperren, die Benachrichtigungen anzeigen lassen, die Kamera oder eine zuvor festgelegte App starten. Beim MX4 Pro können so bis zu acht verschiedene Apps durch das Zeichnen von Gesten auf dem deaktivierten Display gestartet werden, beim MX4 ist es nur eine.

Beim MX4 Pro gibt es auch noch den "mTouch" getauften Fingerabdruckscanner. Dieser bietet zusätzlich die Möglichkeit, das Telefon durch den eigenen Fingerabdruck zu sichern. Klasse hierbei: Das System erkennt ähnlich wie beim iPhone 5s und den 6ern flott und präzise die Finger und entsperrt das Smartphone. Im Laufe des Jahres wird es mittels mTouch möglich sein, im Meizu Store, bei Weibo und WeChat einzukaufen und mit dem Fingerabdruck zu bezahlen.

Ein sehr unscheinbares, aber nützliches Feature befindet sich dann noch in der Kamera-App. Um den Auslöse-Button befindet sich ein blauer Halbkreis, der einerseits künstlicher Horizont und Wasserwaage ist und Euch gleichzeitig als visuelle Speicherplatzanzeige dient.

Gewöhnungsbedürftig ist aber der Umstand, dass Flyme OS nicht wie gewohnt einen Zurück- und einen Multitasking-Button im unteren Teil des Bildschirms einblendet. Stattdessen gibt es nur den Homebutton auf den Geräten. Um in die Multitasking-Ansicht zu gelangen, wischt man links oder rechts vom Homebutton hoch in Richtung Display. Nun werden diese laufenden Apps angezeigt und man kann durch antippen in die jeweilige App springen oder man schliesst die ausgesucht App durch eine Wischbewegung auf das entsprechende Icon. Beim MX4 klappt das auch sehr gut, beim MX4 Pro muss man ab und zu mehrere Anläufe nehmen, um den Taskswitcher zu öffnen.

Im großen und ganzen ist Flyme OS 4 ein richtig gutes und vor allem benutzerfreundliches System. Man muss sich natürlich darauf einlassen und Zeit nehmen, sich damit vertraut zu machen. Die schlechte Lokalisierung nimmt man als Nutzer eines importierten Gerätes ohnehin in Kauf.

Kamera: Gut und schnell

Meizu verbaut in beiden Smartphones eine 20,7-Megapixel-Hauptkamera mit Sony IMX220 Exmor RS-Sensor. Um den Nutzern bei der Bildgestaltung zu helfen, hat Meizu der Kamera-App noch zahlreiche Aufnahmemodi verpasst. Neben den üblichen Panorama-Shots, HDR und den für Selfies gedachten Schönheitsmodi gibt es auch eine Möglichkeit, selbst die Kontrolle über sämtliche Einstellungen zu übernehmen. Ein ambitionierter Smartphone-Fotograf wird sich freuen, an ISO-Werten, Belichtungskorrektur und Brennweite herumzuspielen. Im Ergebnis sind die Bilder für Smartphone Verhältnisse durchaus gut und scharf.

Auf der Videoseite sind beide Meizus in der Lage Bewegtbilder in 4K aufzuzeichnen. In diesem Modus werden 30 Bilder pro Sekunde aufgenommen. Natürlich gibt es auch eine Slow-Motion-Funktion, hier wird bei 120 Bildern pro Sekunde aber die Auflösung auf 720p heruntergefahren.

Alltägliches: Akku und Sound

Die Sprachqualität ist bei beiden Smartphones durchweg gut. Meine Gesprächspartner konnten mich gut verstehen und auch ich habe sie sehr gut verstanden. Die Ausgabe über den Lautsprecher ist dagegen nur mittelmäßig. Hier hätte Meizu sich vielleicht nicht Apple als Vorbild nehmen sollen und den Lautsprecher rechts unten im Rahmen installieren sollen. Lieber wäre es mir gewesen, wenn Meizu sich an HTC und deren Boom Sound-Lautsprechern orientiert hätte.

Beim Akku können die zwei Meizu-Geräte mit ähnlich langer Nutzungsdauer aufwarten. E-Mails schreiben, Social Media und gelegentliche Telefonate – bei meinem Anwendungsverhalten hielten beide Smartphones gut einen kompletten Arbeitstag aus, selbst mit zusätzlichen langen Zugfahrten nach Berlin, bei denen das Mobilfunkmodul ständig auf Netzsuche ist. Nutzt Ihr den Energiesparmodus aktiv, dann gewinnt Ihr einige wertvolle Stunden, wenn Ihr auf einer längeren Reise keine Möglichkeit habt, das Smartphone zwischendurch aufzuladen.

Fazit:

Beide Smartphones spielen technisch und von der Leistung her in einer Liga mit den aktuellen Top-Android-Smartphones à la Galaxy S5, Sony Xperia Z3 oder LG G3. Auch können die Meizus mit der Konkurrenz aus China, allen voran dem Xiaomi Mi4, locker mithalten. Aber wenn man den Preis mit einbezieht, dann ist nur das MX4 attraktiv. In China gibt es das 16-GB-Modell schon ab 1799 Yuan – das sind umgerechnet knapp 245 Euro. Für das MX4 Pro verlangt Meizu in China 2499 Yuan, was umgerechnet 342 Euro entspricht. Wenn man sich eines der beiden Geräte beim Importeur kauft, fallen die Preise natürlich höher aus: Unser Händler des Vertrauens ruft für das MX4 zwischen 297 Euro für die 16-GB- und 327 Euro für die 32-GB-Variante aus. Für diesen Preis ist das Meizu MX4 absolut eine Empfehlung wert. Das MX4 Pro ist mit einem Importpreis zwischen 407 Euro und 457 Euro kein Schnäppchen. Zu diesem Kurs gibt es auch schon ein LG G3.


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