MeMO Pad 7 ME572 im Test: Ein Model auf Speed

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Asus Memopad 7
Asus Memopad 7(© 2014 CURVED)

Ein Tablet wie eine Damenhandtasche — oder genauer gesagt, eine Clutch, wie das Neudeutsch heißt. Aber nicht nur optisch soll ASUS' neues MeMO Pad 7 etwas hermachen, auch die unter der trendigen Schale verbaute Hardware verspricht auf dem Papier Spaß. Der Preis ist ebenfalls sehr konkurrenzfähig. Wir haben den auf der IFA vorgestellten 7-Zoller im kuriosen Look getestet und verraten Euch, ob er eine Alternative - etwa zum auslaufenden Nexus 7 von 2013 - sein kann.

Mit dem MeMO Pad 7 HD sorgte ASUS im Sommer 2013 für ein bisschen Aufsehen, hatten die Taiwaner doch fortan ein 7-Zoll-Tablet im Portfolio, das zu einem Kampfpreis von rund 150 Euro eine besonders günstige Alternative zum damaligen Primus, dem Nexus 7, darstellte. Kurz danach brachte Google aber den ebenfalls von ASUS gebauten Nachfolger seines Tablets auf den Markt, der dann mit Snapdragon S4-Power, Full HD-Display und einem nur 100 Euro höheren Preisschild ein wenig Wind aus den MeMO-Segeln nahm.

Das Nexus 7 2013 ist Geschichte und ASUS hat das MeMO 7 upgegraded — die Bühne ist also frei für den nächsten Versuch der Taiwaner, mit einem günstigen, guten und diesmal besonders schicken 7-Zoller Furore zu machen.

Design und Haptik des MeMO Pad 7 ME572: Für den Laufsteg gestaltet

Würde auch auf einem Cocktail-Empfang eine gute Figur machen: Das MeMO Pad 7

Ob ASUS beim Design des ME572 nun wirklich ein vorrangig weibliches Publikum im Sinn hatte, oder einfach mal was anderes versuchen wollte — herausgekommen ist ein 7-Zoller, der sich optisch gewaltig von allem unterscheidet, was wir bislang in diesem Produktbereich gesehen haben. Auf der IFA-Pressekonferenz tatsächlich als "Clutch" bezeichnet, erinnert das MeMO Pad 7 rückseitig dann auch stark an so ein kleines Handtäschchen: Wie eine umgelegte Klappe ruht eine Hochglanz-Ebene abgesetzt auf dem matten Korpus des Tablets und ... erfüllt sonst keine Funktion. Das Ganze ist wirklich ein rein optischer Effekt, denn besonders gut in der Hand liegt der 7-Zoller dadurch nicht. Dennoch: Ein mutiger und innovativer Gestaltungsschritt, den ASUS da gewagt hat und der mancher potenziellen Käuferin möglicherweise wirklich besser gefallen könnte als die planen Einheitsrücken anderer Modelle.

Die seitlichen Ränder sind rund ...

Die langen Ränder sind abgerundet und beherbergen rechterhand den micro SD-Kartenslot, der bei nur 16 GB verbautem Festspeicher im kleineren Modell ohne LTE — die 32 GB-Version mit Mobilfunkmodul kostet mit 299 Euro schon etwas mehr —, von denen aufgrund der zahlreichen vorinstallierten Apps lediglich rund 11 GB für den Nutzer zur Verfügung stehen, auch mehr als willkommen ist. Links finden sich Powerbutton, Laustärkewippe und beim LTE-Modell der SIM-Kartenschlitten. Die oberen und unteren Ränder sind plan und werden mittig jeweils von den Stereo-Lautsprechern unterbrochen. Die sind damit allerdings denkbar ungünstig positioniert: Speziell beim Spielen im Querformat werden sie von den haltenden Händen zu oft versehentlich abgedeckt. Sinnvoller wäre es da gewesen, das Potenzial das solche bei mir ja stets willkommenen Dual Speaker entweder seitlich mehr zu einem der beiden langen Ränder hin zu verlegen oder gleich auf die Front zu packen.

... Ober- und Unterkante plan

Apropos Front: Das Full HD-Display liegt auf dem Tablet auf und unterstreicht diesen Eindruck auch noch dadurch, dass die Ecken des Display-Glases abgerundet sind, während der Korpus eher eckig daherkommt — auch das ist in jedem Fall eine interessante Art der Gestaltung. Mit Abmessungen von 200 x 114 x 8,3 Millimetern und einem Gewicht von 279 Gramm ist das MeMO Pad 7 dennoch minimal schlanker und leichter als das Nexus 7 aus dem Vorjahr (8,7 Millimeter, 290 Gramm).

Das Display liegt auf ...

Das Display: überraschend hell

Bei einer UVP von unter 200 Euro könnte man nun erwarten, dass ASUS da irgendein gerade mal so brauchbares Display ins MeMO-Pad baut — exakt das Gegenteil ist der Fall: Nicht nur ist der 7-Zoll-Screen dank Full HD-Auflösung von 1.920 x 1.200 Pixeln ausreichend scharf, auch strahlt den Nutzer das IPS LCD-Panel auf höchster Helligkeitsstufe derart an, dass man sich in dunklerer Umgebung fast schon geblendet fühlen kann. Das lässt sich aber natürlich manuell oder automatisch nachjustieren.

... und ist richtig gut

Die Blickwinkel sind IPS-mäßig sehr stabil, die Farben wirken echt und ausreichend lebendig, Weiß ist weiß und schwarz könnte wie gehabt bei LC-Displays wenigstens im vergleich mit AMOLED-Screens etwas dunkler sein. Alles in allem bietet das ASUS MeMO Pad 7 damit aber ein für seinen Preis erstaunlich befriedigendes visuelles Erleben, das beispielsweise dem Nexus 7 2013 in nichts nachsteht.

Performance: 64-Bit mit Dampf

Bezüglich der Leistungsfähigkeit des verbauten vierkernigen Intel Atom Z3560-Chipsatzes mit 1,8 GHz Takt war ich im Vorfeld ebenso skeptisch, wie hinsichtlich des Displays — und wurde auch in diesem Fall eines Besseren belehrt: Das Teil hat Dampf und beschleunigt das MeMO Pad so ausreichend, um auch aktuelle, grafikintensive Spiele wie Reckless Racing 3 oder Sky Force weitestgehend ruckelfrei genießen zu können. Die verbauten 2 GB RAM sind State-of-the-Art und werden ihren Teil zur Gesamtperformance beisteuern.

Und: Der Intel-Prozessor ist 64-Bit-fähig, womit das ME572 der erste 7-Zoller ist, der diese neue Fähigkeit der kommenden Android-Version 5.0 Lollipop unterstützen wird (sofern es das Update von ASUS spendiert bekommt, davon gehen wir jetzt aber mal aus). Bislang läuft das Tablet mit einer entsprechend Kernel-seitig angepassten Version von Android 4.4.2; gut möglich, dass unter 5.0 dann noch einmal ein Performance-Schub erfolgt.

Benchmark-Ergebnisse können wir aktuell leider nicht präsentieren. Das liegt schlicht daran, dass die erste Fuhre der Testgeräte, die ASUS ausgeliefert hat, die Installation sämtlicher Tools zum Auslesen von Systeminformationen u.ä. verweigert. Auf Rückfrage wurde uns aber ein entsprechend offeneres Gerät zum Nachtesten für die kommende Woche versprochen. Wir werden also AnTuTu-, CF- und Geekbench-Scores an dieser Stelle in den kommenden Tagen nachreichen. Wir machen uns zwar ob der subjektiven Erfahrungen diesbezüglich keine Sorgen, dass diese im oberen Bereich landen werden. Wer es dennoch ganz genau wissen will, schaut in der kommenden Woche hier noch einmal vorbei.

Update vom 5. November 2014: Inzwischen ist ein zweites Testexemplar des MeMO Pad 7 bei uns eingetroffen und wir haben gebenchmarkt — im AnTuTu erreicht der 7 Zoller 39.742 Punkte, im CF Bench sind es 32.281 und im Geekbench 3 stehen 2429 (Multi-Core). Das sind wie erwartet ordentliche Werte, die beinahe auf einem Niveau mit Smartphones wie dem LG G3 oder Sonys Xperia Z3 anzusiedeln sind und Tablets wie eben das Nexus 7 oder LGs G Pad 8.0 deutlich hinter sich lassen.

Akku, Software, Kamera

Rund 4.000 mAh Kapazität — ASUS gibt diesen Wert in 15 Wh an — bringt das MeMO Pad 7 ins Spiel und das ist ein ebenso großer Stromvorrat wie beim Nexus 7 2013. Dennoch kitzelt das neuen Tablet merklich mehr Laufzeit aus dem Akku. Das dürfte vorrangig am Intel-Prozessor liegen, möglicherweise auch an Software-Optimierungen, die die Taiwaner am OS vorgenommen haben. In Laufzeit sind die Ergebnisse bei Tablets immer etwas schwieriger anzugeben als bei Smartphones, da hier mal Datenverbindungen berücksichtigt werden müssen, mal nicht und die Benutzungs-Intensität von Tablets etwas fluktuierender ist, als beim quasi ständig aktiven Hosentaschen-Begleiter. Selbst bei richtig intensiver Nutzung und hellem Display hält das MeMO Pad 7 aber locker einen ganzen Tag lang durch.

Das Tablet kommt mit einer 5 MP-Kamera

Die Software lässt ASUS wie üblich halbwegs naturbelassen — soll heißen: beinahe so, wie Android auch auf Nexus-Geräten aussieht — erweitert sie nur hier und da mit gelungenen Funktionen und Features, wie beispielsweise diverse Optionen im App Drawer, Schnellzugriffe in der Benachrichtigungsleiste, einen angepassten Lockscreen und den Dual Apps-Modus, der ähnlich wie bei Samsung-Geräten die parallele Benutzung zweier Applikationen auf dem dann zweigeteilten Display erlaubt. Einziges Manko ist, dass sich auf dem MeMO Pad eine ziemlich große Menge ASUS-eigener Apps finden, über deren Nutzen sich trefflich streiten lässt und die sich nicht deinstallieren lassen.

Rückseitig ist das MeMO Pad 6 ME572 mit einer 5 MP-Kamera ausgestattet, die brauchbare, wenn auch keine brillanten Ergebnisse liefert. Und auch das 2 MP-Modul auf der Front dient eher zur Videotelefonie, denn zur Aufnahme zeigenswerter Seflies.

Fazit: Gelungene Nexus 7-Ablöse mit exotischer Gestalt

Die Stereo-Speaker sind etwas ungünstig platziert

Wer kein Nexus 7 2013 mehr abbekommen hat, jetzt aber genau so einen 7-Zoller sucht, der sollte beim ASUS MeMO Pad 7 ME572 zugreifen — zumal es in der 16 GB-Version mit 199 Euro UVP auch noch vom Start weg ein echtes Schnäppchen ist. Klar, man darf sich nicht an der ungewöhnlichen, manch einem dann vielleicht doch zu (fast hätte ich "feminin" geschrieben und damit gewiss einen #Aufschrei ausgelöst) schicken Optik stören.

Abgesehen davon aber bietet das MeMO Pad 7 mit Top-Performance — die unter Android 5.0 vielleicht noch ein bisschen besser wird — und einem Display, an dem es nichts zu meckern gibt, mehr, als man andernorts so von einem 7-Zoller dieser Preisklasse erwarten kann: Lesen, surfen, Videos schauen und sogar Zocken ist alles kein Problem für das ME572. Einzig die unglücklich platzierten Speaker sowie die vielen ASUS-Apps trüben den Gesamteindruck, das aber wirklich nur minimal.


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