Microsoft Band im Test: Das unfertige Zwischending

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Microsoft Band
Microsoft Band(© 2014 CURVED)

Alle reden nur über Smartwatches mit Googles Android Wear, die Apple Watch oder spezielle Fitness-Armbänder wie das Jawbone UP – aber keiner hat auch nur ansatzweise Microsoft und dessen Band auf dem Schirm gehabt. CURVED-Redakteur Shu hat sich den neuen Fitness-Tracker mit Smartwatch-Funktionen aus Redmond importiert und zum Test um den Arm geschnallt.

Am 29. Oktober 2014 entließ Microsoft mit dem kurzen und einfachen Namen "Band" ein Produkt in die Freiheit, mit dem kaum einer gerechnet hatte. Es ist weder Smartwatch noch Fitness-Tracker, sondern beides in einem. Und es wird noch besser, denn Microsofts Band versteht sich nicht nur mit Windows Phone, sondern auch mit iOS und Android. Da können sich Google und Apple mal eine gehörige Scheibe von der neuen Microsoft-Offenheit abschneiden!

Design nicht vorhanden, aber klasse Verarbeitung

Das Microsoft Band gibt es in drei verschiedenen Größen. Ihr müsst Euch also vor dem Kauf überlegen, welche für Euch infrage kommt. Zur Auswahl stehen S, M und L, wobei S sicher nur für zarte Frauenhandgelenke gedacht ist und Männer eher zu M oder L greifen. Aber keine Sorge: Das Band lässt sich, zumindest im Falle meines Testgeräts in Größe M, noch großzügig mit der einstellbaren Schnalle anpassen. In der Schließe sitzt auch der optische Pulsmesser. Zusammen mit den beiden 100-mAh-Akku-Wulsten im Armband sorgt das für eine hässliche Optik, solange das Band nicht getragen wird.

Für sein Design wird das Microsoft Band also definitiv keinen Preis gewinnen. Aber wie sieht es mit der Technik aus? Anders als beim Samsung Gear Fit, das von den Features und vom Design her dem Microsoft Band am nächsten kommt, wird hier ein flaches TFT-Display mit 11 x 33 mm verbaut, welches im wesentlich größeren Gehäuse etwas verloren wirkt. Die Auflösung von 320 x 106 Pixeln ist auch nicht umwerfend, aber für die Kacheln und Informationen, die das Microsoft Band auf dem Display darstellt, ist es mehr als ausreichend und scharf. Leider ist das Display bei unserem importierten Band anscheinend nicht korrekt eingepasst worden. Denn bei genauem Hinsehen fällt eine leichte Schieflage zur rechten Seite auf. Schade, da das Band von der Verarbeitungsqualität her einen sehr guten Eindruck macht.

Tragekomfort: angenehm eng

Das Band ist eine sehr steife Konstruktion und wenig flexibel. Einige Träger werden das als störend empfinden, aber ich finde das angenehm. Auch dass die beiden Akku-Wulste im Armband mein Handgelenk wie eine Schraubzwinge in die Mangel nehmen, ist durchaus angenehm. Denn das sorgt einfach für einen festen Halt. Umgewöhnen musste ich mich aber tatsächlich: Das Microsoft Band wird nicht mit dem Display nach außen getragen, sondern nach Innen. Jetzt macht auch das flache und gerade Display-Design wieder Sinn, denn so lässt sich der Arm beim Schreiben ablegen und das Band von Microsoft stört etwas weniger. Wer es lieber etwas lockerer haben möchte, der kann das Band dank der verstellbaren Schnalle auch etwas lockerer tragen.

Sensoren und Funktionen im Überfluss

Es ist kein Wunder, dass das Microsoft Band so eine Wuchtbrumme geworden ist. Die Entwickler haben es mit so vielen Sensoren ausgestattet wie kaum eine andere Smartwatch, geschweige denn einen anderen Fitness-Tracker. Neben den obligatorischen Gyroskop, Beschleunigungssensor und dem optischen Pulssensor stecken im Band noch ein UV-Sensor, ein Temperatursensor, GPS und auch noch ein galvanischer Hautsensor.

Per Bluetooth koppelt Ihr die Uhr mit Eurem iPhone, Android-, oder Windows Phone 8.1-Smartphone. Die Microsoft-Health-App gibt es für alle drei Systeme, aber vorerst nur in den jeweiligen US-Stores, da das Band auch nur in den Staaten erhältlich ist. Neben den Standard-Fitness-Funktionen wie Schritt- und Kalorienzähler sowie einen für den Herzschlag zeigt das Microsoft Band auch Benachrichtigungen für Mails, SMS, Anrufe, Facebook und Twitter. Maximal können 13 Kacheln auf dem Band angezeigt werden. Versteckt in den Einstellungen könnt Ihr auch noch den Watch-Modus aktivieren, sodass das Gerät im Standby immer die Uhrzeit und das Datum anzeigt. Um zu den Funktionen zu gelangen, muss aber immer den Einschaltknopf betätigt werden. Das Display erkennt nämlich nicht per Gyroskop wie bei einer Moto 360 oder LG G Watch R, wenn Ihr auf die smarte Uhr gucken wollt. Dass diese Kopplung fehlt, stört mich als Autofahrer weniger, denn bei den Android-Wear-Smartwatches geht bei jeder Lenkbewegung das Display an und stört während der Fahrt.

Cortana nur mit Windows Phone

Auch wenn der Redmonder Softwareriese für das Band eine App für iOS und Android anbietet, so gibt es doch eine Funktion, die es nur in Verbindung mit einem Windows Phone 8.1-Smartphone zur Verfügung stellt: Cortana. Die Sprachassistentin ist vergleichbar mit Apples Siri und Google Now. Auf Knopfdruck erwacht Cortana und wartet auf Anweisungen. Es können Anrufe getätigt werden, oder man lässt Cortana den schnellsten Weg zum nächsten Cafe suchen. Schade ist nur, dass auf dem Microsoft Band zwar die Anzahl der gefundenen Cafes angezeigt wird, ich zum Starten der Navigation aber doch wieder das Nokia Lumia 1320 aus der Tasche kramen muss. Auf dem Weg zum Café bleibt das Band auch stumm, denn anders als die aktuellen Smartwatches mit Android Wear 2.0, werden auf dem schmalen Display keine Richtungsangaben angezeigt. Achso, hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass Cortana sich in der Beta-Testphase befindet und auch nur in englischer Sprache zur Verfügung steht? Man muss also die Systemsprache komplett auf Englisch umstellen und alle Sprachbefehle müssen auf Englisch gegeben werden.

Akkuleistung: Dauerläufer

Microsoft verspricht 48 Stunden Akkulaufzeit und diese erfüllt das Microsoft Band auch eben so – zumindest, wenn man den Watch-Modus deaktiviert. Natürlich kann die Akkulaufzeit bei noch intensiverer Nutzung kürzer ausfallen, aber in der Regel sollte das Band mindestens 24 Stunden durchhalten. Die Akkuleistung ist insofern erstaunlich, weil Microsoft im Band „nur“ zwei kleine 100-mAh-Akkus eingebaut hat und mit diesen im Normalbetrieb auf nahezu 48 Stunden kommt. Eine Moto 360 oder auch die LG G Watch R besitzen die anderthalbfache bis doppelte Akkukapazität und kommen damit nur über einen bis anderthalb Tage. Hier ist das kleine Display des Microsoft Band wohl der größte Stromsparfaktor.

Fazit

Das Microsoft Band ist eine gelungene Mischung aus Smartwatch und Fitness-Tracker, das für Microsoft typisch als öffentlicher Beta-Test und als Proof of Concept in die Ladenregale ging und auch sofort ausverkauft war. Mehr als eine Smartwatch mit Android Wear kann das Band aus Redmond aber nun auch nicht. Es ist wieder nur eine Verlängerung des Smartphone-Displays, das man am Handgelenk trägt und das einem das Suchen nach dem Smartphone erspart. Das ständige Messen des Pulses und der UV-Messer sind nette Spielereien, aber gerade Letzteres ist in Deutschland sicher nicht notwendig. Mit einem Preis von 199 US-Dollar ist das Band kein Schnäppchen, auch weil es ein US-only Produkt ist und zum Preis noch der Versand nach Deutschland plus Einfuhrgebühren hinzukommen. Der Import lohnt nicht wirklich, es sei denn, man besitzt ein Smartphone mit Windows Phone 8.1 und braucht eine zuverlässige Smartwatch mit integriertem Fitness-Tracker.


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