Microsoft Lumia 535 im Test: Windows Phone für 119 Euro

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Microsoft Lumia 535
Microsoft Lumia 535(© 2014 CURVED)

Das Lumia 535 ist das erste Smartphone, auf dem nicht mehr Nokia, sondern Microsoft als Schriftzug prangt. Mit einem Preis von 119 Euro ist es der günstige Einstieg in die Welt von Windows Phone und erinnert mich ein wenig an das iPhone 5c.

119 Euro: Mit diesem niedrigen Preis bietet sich das Lumia 535 für mehrere Anwendungsszenarien an: Es könnte ein Zweitgerät für Android- und iOS-Nutzer werden, die Windows Phone ausprobieren wollen. Es könnte aber auch das erste Smartphone für Teenager sein, denen man kein Gerät für mehrere hundert Euro in die Hand geben will, für die aber ein simples Handy allein zum Telefonieren nicht mehr ausreicht.

Als dritte Option bleibt noch der klassische Einsteigerbereich mit den Nutzern, die zum ersten Mal ein Smartphone kaufen oder auch für ihr zweites oder drittes Gerät nicht viel Geld ausgeben wollen und technisch nicht das Nonplusultra an Ausstattung benötigen.

Fünf Farben und Gorilla Glass 3

Das Gehäuse des Microsoft Lumia 535 ist aus Kunststoff gefertigt und erinnert mich mit seiner bunten Rückseite an das iPhone 5c, dabei hat Nokia schon vor Apple auf bunte Farben bei seinen Smartphones gesetzt. Microsoft stellt Euch bei seinem ersten Smartphone unter eigenem Namen fünf verschiedene Varianten zur Auswahl: Orange, Blau, Grün, Weiß und Schwarz. Mit seinem Gewicht von 146 Gramm wirkt es schwer, liegt aber dank der abgerundeten Kanten trotzdem angenehm in der Hand. Nur auf der Vorderseite dürften die Kanten und der Übergang zur Rahmen um das Display für meinen Geschmack noch geschmeidiger sein.

Der Touchscreen des Lumia 535 ist fünf Zoll groß und verfügt über ein IPS-Display, das für große Betrachtungswinkel sorgt. Diese könnt Ihr allerdings nicht komplett auskosten, da sie zuvor durch Spiegelungen auf dem kratzfesten Gorilla Glass 3 gestört werden. Die Auflösung liegt bei 960 x 540 Pixeln und erreicht nicht einmal HD-Niveau.

In der Praxis finde ich die qHD-Auflösung - wichtig ist hier das kleine q, denn eine QHD-Auflösung wie beim LG G3 sind 1440 x 2560 Pixel - allerdings ausreichend. Zumindest wirkt der Bildschirm weder pixelig noch unscharf. Nur wenn man sich einige Symbole oder Schriftarten sehr genau anschaut, fallen geringe Unschärfen auf. Bei einem Einsteiger- oder Zweitgerät, kann man das aber gut verschmerzen.

Anders als zum Beispiel beim Lumia 635 verfügt das Display des 535 nicht über die Clearblack-Technologie. Das macht sich im direkten Vergleich in einem deutlich schwächeren Schwarz bemerkbar, das beim 119-Euro-Smartphone eher grau wirkt. Insgesamt sind die Farben und die Helligkeit des Bildschirms in Ordnung. Man kann gut mit ihm arbeiten und hat nicht das Gefühl, auf einen verwaschenen Farbbrei zu schauen. Allerdings darf man das Display auch nicht direkt neben die von Modellen wie dem iPhone 6 oder Galaxy S5 halten - da kann das Lumia nicht mithalten.

Zwei Kameras für bessere Selfies

Microsoft stattet das Lumia 535 mit zwei 5-Megapixel-Kameras aus, so dass die Selfies die gleiche Auflösung haben, wie die "normalen" Fotos des Smartphones - und immer noch mehr Pixel als bei den meisten anderen Smartphones. Die Frontkamera ist mit einer Brennweite von 24 Millimetern etwas weitwinkliger als die Kamera auf der Rückseite mit 28 Millimetern, was für Selfies nur hilfreich ist. Dafür befindet sich auf der Rückseite eine LED-Leuchte neben der Linse, die das Motiv bei Bedarf erhellt.

Apropos Licht, beide Kameras sind auf eine gute Beleuchtung angewiesen. Schon ein wolkenverhangener Hamburger Himmel sorgte dafür, dass die Aufnahmen dunkel und grau wirken und Farben nicht gut zur Geltung kommen. Zudem weisen die Bilder einen Rotstich auf. Das perfekte Selfie-Phone ist das Lumia 535 damit nicht. Ist die Beleuchtung in Ordnung, entstehen aber schöne Fotos, die nicht nur in sozialen Netzwerken geteilt werden, sondern auch - zumindest in kleinen Formaten - ausgedruckt werden können, ohne zu pixelig zu sein.

Die Videoauflösung beider Kameras liegt bei 848 x 480 Pixeln und passt damit zur geringen Auflösung des Displays. Allerdings hat sich eine HD-Auflösung selbst bei Smartphones inzwischen als Standard etabliert. Und fünf Megapixel sind für eine Selfie-Kamera zwar ganz nett, aber das Desire Eye von HTC hat schon 13 Megapixel auf der Frontseite im Angebot - kostet aber auch viermal so viel, wie das Lumia 535.

Windows Phone 8.1 und ein Snapdragon 200

Auf dem Lumia 535 läuft Windows Phone 8.1 und Microsofts Betriebssystem steht in vollem Umfang zur Verfügung. Die Sprachassistentin Cortana ist ebenso vorhanden wie Skype, der Facebook Messenger, Outlook, Office und viele Apps mehr.

So langsam habe ich mich auch an die Kacheloberfläche gewöhnt, die so ganz anders als die Oberflächen von iOS und Android ist – ich muss zugeben: Mit Windows Phone kann man gut arbeiten. Größter Nachteil ist immer noch die im Vergleich zum App Store und Play Store kleine Auswahl an Apps, die Microsoft aber stetig erweitert.

Unter der Haube werkelt der Snapdragon 200 mit vier Rechenkernen und einer Taktrate von 1,2 Gigahertz. Ihm zur Seite steht ein ein Gigabyte großer Arbeitsspeicher. Zusammen sorgen sie dafür, dass die Benutzeroberfläche flüssig läuft, und auch die Startzeiten von Apps sind völlig in Ordnung. Es ist kein Geheimnis, dass es schnellere Hardware gibt, aber beim Benutzen des Lumia 535 verursachten die Ladezeiten keinen Frust.

Der interne Speicher des Lumia 535 ist allerdings mit acht Gigabyte knapp bemessen. Besonders, da Windows Phone schon rund drei Gigabyte und die vorinstallierten Programme noch einmal rund ein Gigabyte belegen. Bleiben am Ende also nur etwa vier Gigabyte für Eure Daten. Immerhin lässt sich die Speicherkapazität mit einer microSD-Karte unkompliziert um bis zu 128 Gigabyte erweitern - und seine eigenen Cloud-Dienste hat Microsoft natürlich auch ins System eingebunden, so dass Ihr Daten auf den Servern des Unternehmens auslagern könnt.

Für Einsteiger, Jugendliche und als Zweitgerät

Mit den Top-Smartphones kann und sollte man das Lumia 535 nicht vergleichen. Stattdessen gilt es festzuhalten, dass Microsoft ein Smartphone mit sehr gutem Preis-Leistung-Verhältnis auf den Markt gebracht hat. Es mögen zwar nicht alle Details perfekt sein, aber insgesamt gibt es keinen handfesten Grund, der gegen das Lumia 535 spricht.

Auf mich wirkt es zudem besser als die meisten Android-Modelle in dieser Preisklasse. Ausnahmen wie das Motorola Moto E bestätigen diese Regel. Damit sollte klar sein, dass sich das Lumia 535 nicht nur als Zweitgerät zum Kennenlernen von Windows Phone eignet, sondern auch als günstiges erstes Smartphone für Einsteiger oder Teenager gute Dienste leistet.


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