Moov im Test: Fitness-Fußfessel als Personal Trainer

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Der Personal Coach Moov kommt ans Fuß- oder Handgelenk.
Der Personal Coach Moov kommt ans Fuß- oder Handgelenk.(© 2015 CURVED)

Moov ist das etwas andere Fitness-Wearable. Es zählt weder Schritte noch Kalorien, sondern ist zusammen mit Apps auf Smartphone oder Tablet ein sehr günstiger Personal Trainer, der Anleitungen für vier Sportarten gibt und sich gerade in der Fortbildung für die fünfte befindet und noch viel mehr lernen kann.

Schritte zählen ist zwar ein guter Anfang, reicht aber alleine nicht aus, um richtig fit zu werden. Das eine vernünftige Ernährung ebenfalls wichtig ist, wissen wir alle, schaffen es aber nicht immer, uns daran zu halten. Mehr Bewegung schadet auch nicht, und deswegen habe ich mir einen Personal Trainer gegönnt - in Form eines Wearables mit zugehörigen Apps. Moov ist zu meiner persönlichen Fitness-Fußfessel geworden, die bei den meisten Sportarten aber ans Handgelenk gehört.

Raketentechnologie für mehr Fitness

Der Moov ist ein kleines rundes Gehäuse, das man in zwei unterschiedlich langen Bändern für Hand- und Fußgelenk befestigt. Im Inneren befindet sich ein System zur Erkennung von Bewegungen, Geschwindigkeiten und der genauen Haltung mit insgesamt neun Achsen, das nach Angaben des Herstellers bisher nur in Interkontinental-Raketen zum Einsatz gekommen sei und jetzt erstmals zivil genutzt werde.

Mit seiner Hilfe erkennt und analysiert der Moov, beziehungsweise seine Apps, Eure Bewegungen und gibt Hinweise für ein besseres Training. In der Praxis erkennt der Moov zum Beispiel, ob Ihr zu fest auftretet, wirklich ruhig haltet oder die Arme hängen lasst, statt sie zur Deckung hoch zu nehmen.

Bisher steht der Moov als Personal Trainer für vier Sportarten zur Auswahl, und bald soll mit Radfahren eine fünfte dazu kommen. Bisher stehen Apps für Schwimmen und Cardio Boxing für iOS sowie für Joggen, und ein 7+-Minuten-Workout für iOS und Android zum Download bereit. Bisher sind sie jedoch nur mit englischer Sprachausgabe erhältlich, so dass es sinnvoll ist, ein paar Sportvokabeln zu lernen, damit man die Anweisungen richtig umsetzen kann.

Die Silikonbänder für Arm und Bein haben viele Öffnungen für den Verschluss und somit einen großen Spielraum für unterschiedlich dicke Gelenke. Sie tragen sich angenehm auf der Haut, selbst wenn man schwitzt und lassen sich bei Bedarf mit Wasser reinigen. Der Verschluss könnte etwas komfortabler sein, aber solange man nicht in Hektik ist, bekommt man ihn gut zu. Sorgen, dass er sich beim Sport öffnet, muss man sich nicht machen. Den Moov klickt Ihr in die harte Kunststoffhalterung in der Mitte der Bänder, wo er sicher sowie fest sitzt und sich trotzdem unkompliziert entfernen lässt.

Mehr als ein Triathlon

Ich habe mit Moov bisher geboxt, das 7+-Minuten-Workout gemacht und bin Laufen gewesen, nur ins Schwimmbad habe ich es mit dem selbstverständlich wasserdichten Wearable mit einer Tauchtiefe von zehn Metern noch nicht geschafft. Vor der ersten Benutzung des Moov musste ich mir ein Benutzerkonto einrichten, das besonders praktisch ist, falls Ihr die Apps auf verschiedenen Geräten installiert - zum Beispiel die Lauf-Anwendung auf einem kleinen Smartphone und die Box-App bequem auf einem großen Tablet. Die Kopplung zwischen Android- oder iOS-Gerät sowie dem Moov per Bluetooth klappte ohne Probleme und sehr schnell.

Cardio Boxing erinnert an Spiele wie Guitar Hero. Symbole nähern sich einer Linie, und Ihr müsst im richtigen Moment den vorgegeben Schlag ausführen. Je präziser und kräftiger er ist, desto mehr Punkte erhaltet Ihr. Für Box-Laien gibt es eine kurze Einführung in die verschiedenen Schläge, so dass man nach wenigen Minuten mit dem Training starten kann.

Ich musste allerdings schnell feststellen, dass Boxen mit einem Moov nur halb so viel Spaß macht. Damit die App alle Schläge von beiden Händen erkennt, benötigt Ihr zwei der Wearables. Solltet Ihr Cardio Boxing als Eure primäre Sportart erwählt haben, dann solltet Ihr unbedingt den angebotenen Doppelpack bestellen - dessen Sinn sich mir allerdings auch erst nach dem Ausprobieren der Box-App erschlossen hat.

Für das 7+-Minuten-Workout genügt ein Moov an einem Handgelenk. Das Training besteht aus sechs Übungen (Jumping Jacks, Squats, Plank, Lunges, Push-Ups und Crunches), die in drei Intervallen wiederholt werden. Mit jedem Level steigt die Zahl der Wiederholungen an, wobei man nicht mit Level 1 starten muss. Selbstverständlich gibt es jeweils eine Zeitvorgabe, in der die einzelnen Übungen absolviert werden müssen, und der Moov ist sensibel genug, um zu erkennen, wenn man eine Aktion nicht richtig ausführt oder nicht stillhält, wenn man es soll. Wer zu früh startet, hat Pech, denn der virtuelle Personal-Trainer zählt die Wiederholungen erst nach seinem Startsignal.

Während beim Workout und beim Boxen das Tablet oder Smartphone vor Euch stehen sollte, empfiehlt es sich die Jogging-App auf einem möglichst tragbarem Gerät zu installieren. Vier verschiedene Trainingsarten stehen zur Auswahl: Ihr könnt zwischen schnellen Gehen, effizienten Laufen, einem Intervall-Training mit Sprints oder einem Fokus auf Geschwindigkeit und Ausdauer wählen. Unterwegs gibt die App wie ein Personal-Trainer Anweisungen, wenn Ihr schneller oder langsamer laufen sollt und informiert auch darüber, ob man die anvisierte Schrittfrequenz einhält oder sogar übertrifft.

Auf Musik müsst Ihr beim Laufen nicht verzichten, da sich die zwei Apps nicht gegenseitig behindern - zumindest auf meinem Android-Gerät. Kopfhörer empfehle ich dringend zum Laufen mit Moov. Niemand außer Euch muss die Anweisungen der App hören, und vor allem sind diese ansonsten unterwegs meist nur sehr schlecht zu verstehen.

Bereit für stundenlanges Training

Der Akku des Moov war nach etwas mehr als zwei Stunden Training, die sich über zwei Wochen verteilten, noch zu etwas mehr als 50 Prozent geladen. Insgesamt dürfte die Laufzeit der Batterie damit bei vier Stunden liegen, was für mich bisher völlig ausreichend ist, und auch Profisportler trainieren selten vier Stunden ohne Pause. Der Hersteller verspricht sogar eine Laufzeit von bis zu acht Stunden bei aktiver Nutzung und einem Monat im Stand-by. In 40 Minuten soll die Batterie des Gadgets wieder aufgeladen sein.

Natürlich kann man den Moov austricksen. Anders als ein menschlicher Personal Trainer gibt sich das Wearable bei Kniebeugen zum Beispiel schon damit zufrieden, dass man nur den Arm richtig bewegt und merkt nicht, dass man ansonsten stehen geblieben ist. Aber wer sich die Mühe macht, den Moov zu kaufen und anzulegen, dürfte wenig Interesse an solchen Schummeleien haben.

Bisher als Import-Ware erhältlich

Sollte ich jetzt Euer Interesse für Moov geweckt haben, so muss Ich Euch leider sagen, dass Ihr nicht einfach in den nächsten Elektronikfachmarkt rennen könnt, sondern die Fitness-Fußfessel bisher nur direkt auf der Homepage des Herstellers oder bei Amazon.com bestellen könnt.

Regulär kostet das Wearable inklusive zweier Bänder für Hand- und Fußgelenk 119 Euro. Dazu kommen noch 20 Dollar Versandkosten, so dass sich ein Gesamtpreis von 139 Dollar ergibt, der nach aktuellem Umrechnungskurs 130 Euro entspricht. Bisher hat der Hersteller aber regelmäßig Rabattaktionen durchgeführt, die den Moov bis zu 40 Dollar günstiger machen. Bei Amazon ist der Preis ständig im Wandel und der Versand nach Europa auch nicht wirklich günstiger.

Damit ist der Moov ähnlich teuer wie andere Fitnesstracker - Fitbit Charge HR oder Jawbone Up24, um zwei zu nennen - und vor allem deutlich günstiger als ein echter Personal Trainer. Ein Mensch hat dagegen andere Vorteile: Er kommt zu Euch, lässt keine Ausreden zu und sich nicht austricksen.

Zudem hat er nicht nur die richtige Bewegung von Hand- oder Fußgelenk, sondern Euren ganzen Körper im Blick. Insgesamt bin ich bisher mit dem Moov sehr zufrieden und schaffe es bisher noch, mich auch selber zu motivieren, ihn anzulegen und eine Runde zu laufen oder mich anders zu betätigen. Nur das Schwimmbad konnte mich noch nicht in den Bann ziehen.

Mit den bisher unterstützen Sportarten ist das Potential des Moov anscheinend noch nicht ausgeschöpft. Im Präsentationsvideo des Wearables ist es auch beim Golfen, beim Yoga oder beim Gewichtestemmen im Einsatz. Wir dürfen uns also auf weitere Apps freuen, die den Kreis der unterstützen Sportarten erweitern.


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