Motorola Moto G6 im Test: Spartipp oder Sparflamme? [mit Video]

Eine Dualkamera, ausreichend Leistung und eine Rückseite aus Glas. Was nach einem ziemlich teuren Smartphone klingt, gibt es schon ab 249 Euro. Das Moto G6 macht es möglich. Aber kann so günstig noch gut sein? Der Test.

Viel hilft viel. Dieses abgedroschene Motto könnte sich glatt auf Smartphones anwenden lassen. Denn wer viel Leistung und viele Funktionen will, der muss in der Regel viel Geld ausgeben. Die Lenovo-Tochter Motorola widerlegt diese These jährlich mit den Smartphones der G-Serie. Auch beim mit dem 2018 vorgestellten Moto G6 will man beweisen: Gutes muss nicht teuer sein. Das Smartphone kostet in der Grundausstattung nur 249 Euro.

Wie fühlt sich das Moto G6 an?

Bei so einem günstigen Preis gibt es bei anderen Herstellern noch ein Gehäuse aus Kunststoff. Motorola lässt sich dagegen nicht lumpen. Das Unternehmen zeigt, dass man für eine Rückseite aus Glas und einen Rahmen, der fast so hochwertig aussieht, wie einer aus Metall, keinen hohen dreistelligen Betrag investieren muss. Aber wie jedes andere Smartphone hat auch Motorola mit den üblichen Problemen bei dieser Materialkombination zu kämpfen: Die Verarbeitungsqualität ist zwar sehr hoch und besonders wenn das Licht direkt auf die Rückseite trifft, sehen die Lichtreflexionen teilweise auch sehr schick aus, trotzdem bleibt eine Glasrückseite anfällig für Fingerabdrücke. Außerdem wirkt ein Smartphone dadurch natürlich zerbrechlicher.

Das Gute: Motorola ist sich das Problems bewusst und legt direkt eine Schutzhülle aus Kunststoff bei. Bei hochpreisigen Geräten wie dem Galaxy S9, dem Huawei P20 Pro oder auch dem iPhone 8 ist das kein Standard. Die Hülle hat einen weiteren Vorteil: Sie gleicht die Unebenheit aus, die durch die ikonische, aber auch sehr große Kamera auf der Rückseite entsteht. Allerdings geht auch das Premium-Feeling, das ihr für diesen günstigen Preis bekommt, durch die Hülle verloren. Ansonsten gibt es bei der Verarbeitung des Moto G6 aber wenig zu beanstanden. Das Gerät liegt dank der geschwungenen Seiten auf der Rückseite sehr gut in der Hand, alle Knöpfe lassen sich mit einer Hand bedienen. Nur: Wasserdicht ist es nicht.

Die Vorderseite wird natürlich durch das 5,7 Zoll große Display bestimmt. Anders als es Motorola angibt, ist der Bildschirm aber nicht wirklich randlos. Zwar sind die Balken nicht mehr so massiv wie bei Vorgängern, aber dennoch deutlich zu sehen. Dem Hersteller bei dem Preis einen Strick daraus zu drehen, wäre aber zu viel des Guten. Schließlich haben andere günstige Smartphones, etwas das Honor 7X, ähnlich dicke Balken.

Was kann man mit einem Smartphone für 249 Euro machen?

Inhalte zeigt der Bildschirm mit 2160 x 1080 Pixeln. Das ist bei der Größe scharf genug, um Inhalte von YouTube, Netflix und Co. gut darzustellen. Ein Problem bleibt auch beim Moto G6 das Seitenverhältnis von 2:1. Weil Filme, Serien und YouTube-Videos in den allermeisten Fällen im 16:9-Format produziert werden, seht ihr links und rechts vom Bild mehr Schwarz als nötig. Zwar könnt ihr die Inhalte auf die volle Breite aufziehen, dann seht ihr aber nicht mehr alles vom Bild. Das ist aber der einzige Makel, der im Test auffiel.

Leistungstechnisch könnt ihr mit dem G6 vieles machen, was auch mit höherpreisigen Smartphones funktioniert – wenn auch etwas eingeschränkter. So sind Spiele aus dem Play Store grundsätzlich kein Problem. Leistungshungrige Games wie "Playerunknown's Battlegrounds" ("PUBG") könnt ihr allerdings nur in den niedrigen Grafikeinstellungen wirklich ruckelfrei spielen. Zum Vorteil wird Dauerzockern die gute Akkulaufzeit. Der Akku mit 3000 mAh trägt euch gut über den Tag. Fällt der Ladestand trotzdem zwischendurch in den roten Bereich, ist das Smartphone dank Schnellladefunktion fix wieder aufgeladen.

Wie gut ist die Kamera?

Bei günstigen Smartphones wird die Kamera oft zum Knackpunkt. Schnelle Schnappschüsse gehen zwar immer, viel mehr ist oft aber nicht drin. Beim Moto G6 ist das anders. Hier stimmt die Farbwiedergabe. Fotos haben bietet zudem einen hohen Detailgrad. Mit Spitzenkameras, etwa der Dreifach-Knipse im Huawei P20 Pro, kann das sich das Moto G6 allerdings nicht messen. Dennoch: Fürs Instagram-Profil reichen die Bilder bei Tageslicht vollkommen aus.

Bei genauer Betrachtung sieht man: Überm rechten Auge fehlt ein Teil des Rahmens.(© 2018 CURVED)

Mit Vorsicht solltet ihr den Bokeh-Modus der Dualkamera genießen. Auch wenn man die Kamera nach den Anweisungen auf dem Bildschirm bedient und auf die korrekten Abstände achtet, passiert es oft, dass der Modus ein paar Details verschluckt – auf unserem Beispielbild etwa einen Teil der Brille. Aber auch Ohren und Haare wurden teilweise falsch ausgeschnitten und dadurch unscharf.

Die Frontkamera wiederum überzeugt mit Detailreichen Selfies, die ihr auf Wunsch auch mit Augmented-Reality-Filtern a la Snapchat aufpeppen könnt. Darüber hinaus gibt es den Modus "Poträtverbesserung", der die Falten gealterter Redakteure ein wenig glättet, ohne das Ergebnis zu künstlich aussehen zu lassen. Videos könnt ihr in Full HD mit 60 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Außerdem gibt es einen Zeitlupenmodus, der sich aber nicht mit den Superzeitlupen im Sony Xperia XZ2 oder dem Samsung Galaxy S9 messen kann.

Was muss ich sonst noch wissen?

Als Betriebssystem installiert der Hersteller Android 8.0 Oreo und nicht das brandaktuelle Android 8.1. Immerhin lässt der Hersteller aber vieles unangetastet, verzichtet zum Beispiel auf eine eigene Oberfläche. Stattdessen installiert Motorola lediglich einige wenige Apps vor. Eine davon ist die Moto-App, mit der ihr die virtuellen Tasten ausblenden könnt, über die ihr normalerweise durch die Benutzeroberflächen navigiert. Stattdessen wird die Bedienung auf den Fingerabdrucksensor unter dem Display ausgelagert.

Ein kurzer Tipp bringt euch wieder auf den Homescreen, Wischgesten ersetzen die Zurück-Taste und den Button für die Multitasking-Übersicht. Der Vorteil für euch: Ihr habt mehr Platz auf dem Homescreen. Übrigens müsst ihr zum Entsperren des Smartphones nicht zwingend den Fingerabdrucksensor nutzen. Motorola integriert auch eine Gesichtserkennung. In den Einstellungen gibt das Unternehmen an, dass diese unsicherer sei als eine PIN oder ein Muster. Mit einem Selfie ließ sich die Funktion immerhin aber nicht austricksen.

Fazit: Günstig und gut

Wer auf der Suche nach einem neuen Smartphone ist, aber nicht viel Geld ausgeben möchte oder kann, der sollte sich das Moto G6 auf jeden Fall näher ansehen. Für 249 Euro bekommt ihr hier ein grundsolides Smartphone im modernen Design mit (vom Bokeh-Modus einmal abgesehen) brauchbarer Kamera und ausreichend Leistung für aktuelle Spiele.

Korrektur: In der ursprünglichen Fassung war von einem Rahmen aus Metall die Rede. Der Fehler wurde korrigiert.

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