Motorolas Moto E im Test: Hundert Neunzehn Euro!

Unfassbar !50
Motorola Moto E: Es geht auch preiswert und gut
Motorola Moto E: Es geht auch preiswert und gut(© 2014 CURVED)

Motorola dreht an der Preisschraube und wirft das Moto E für 119 Euro auf den Markt. Nicht nur beim Preis, sondern auch bei der Ausstattung ist man weit von den Top-Smartphones entfernt. Trotzdem erweist sich das Moto E im Test als alltagstauglich und dann ist da ja noch das Preis-Leistung-Verhältnis.

"Kleines" Display und gummierte Rückseite

Mit 4,3 Zoll misst das Display des Moto E. Damit liegt das Smartphone natürlich weit unter den Maßen des Galaxy S5 oder eines HTC One M8. Der Vorteil: Ihr könnt das Gerät mit einer Hand bedienen.

Das Display verfügt über eine Auflösung von 540 x 960 Pixeln und bietet ein sattes Schwarz und schöne Farben. Nur bei direkter Sonneneinstrahlung reicht die Helligkeit nicht mehr aus. Falls Ihr ganz genau hinschaut, könnt Ihr eine leichte Unschärfe erkennen, die im Alltag aber nicht weiter aufstößt.

Als Material für das Gehäuse verwendet Motorola Kunststoff. Trotzdem wirkt das Moto E nicht billig verarbeitet. Die Tasten bieten deutliche Druckpunkte, nur die Lautstärkewippe könnte etwas länger sein. Mit der leicht rauen Oberfläche liegt die gummierte Rückseite sicher in der Hand. Die abgerundeten Kanten - erinnern ein wenig an das iPhone 3GS - sorgen dafür, dass es nicht nur sicher, sondern auch bequem in der Hand liegt.

Langsame Hardware, die viel schafft

Motorola verbaut im Moto E den mit 1,2 GHz getakteten Dual-Core-Prozessor Snapdragon 200 von Qualcomm. In der Praxis sorgt er zusammen mit dem 1 GB großen Arbeitsspeicher dafür, dass die reine Android-Oberfläche flüssig läuft. Einfache Apps starten zügig, nur bei großen Spielen, wie etwa Asphalt 8, müsst Ihr länger warten als bei den Quad-Core-Boliden. Nach dem Laden flitzen die Autos aber genauso ruckelfrei über das Display.

Der nur vier GB große interne Speicher lädt allerdings nicht dazu ein sich zwei GB große Spiele-Apps zu installieren. Daran ändert auch der Steckplatz für eine microSD-Karte mit einer maximalen Kapazität von 32 GB nichts, da sich Apps nicht komplett auf sie auslagern lassen. Angesichts der genügsamen Hardware und des "kleinen" Displays hält der fest verbaute 1980-mAh-Akku bei durchschnittlicher Nutzung einen Tag durch.

Das Moto E hat zwar nur einen Lautsprecher, aber dieser befindet sich auf der Vorderseite und bringt Musik und den Sound von Spielen direkt in Eure Ohren und beschallt nicht sinnlos die Umgebung. Audio-Liebhaber dürften mit dem Klang hadern, aber für Hintergrundgeräusche und etwas Musik-Berieselung sowie Untermalung von Spielen ist er völlig ausreichend.

Eine Kamera für Schnappschüsse und Android ohne viel Schnickschnack

Nehmt Ihr gerne Selfies auf, dann ist das Moto E nichts für Euch. Die Frontkamera ist dem Rotstift zum Opfer gefallen. Stattdessen verbaut Motorola eine 5-Megapixel-Kamera auf der Rückseite. An die Bildqualität dürft Ihr also keine großen Ansprüche stellen, für Schnappschüsse, die Ihr auf dem Smartphone betrachtet oder bei Facebook einstellt, reicht sie aus. In voller Auflösung solltet Ihr Euch die Aufnahmen aber lieber nicht anschauen und zudem dafür sorgen, dass Euer Motiv vernünftig beleuchtet ist.

Die installierte Kamera-App bietet einige schöne Funktionen. So ruft Ihr das Menü mit einem Wisch von links nach rechts auf und gelangt mit einem Wisch von rechts nach links in die Galerie. Bewegt Ihr Euren Finger auf dem Touchscreen von oben nach unten, verstellt Ihr den vierfachen Digitalzoom. Aber den könnt Ihr Euch sparen, schließlich verschlechtert sich dadurch das Bild. Was uns gar nicht gefällt: Berührt Ihr das Display, nimmt die Kamera ein Foto auf. Ihr habt dabei aber überhaupt keine Möglichkeit zu bestimmen, welcher Bereich im Bild den scharf abgebildet werden soll. Und: Die Kamera-App von Google könnt Ihr leider nicht als Ersatz installieren.

Aktuelles Android mit praktischen Zugaben

Auf dem Moto E installiert Motorola ab Werk Android 4.4.2 KitKat und verspricht Euch mindestens ein Update auf die nächste große Version von Googles Betriebssystem. Da der Hersteller noch zu Google gehört - der Verkauf an Lenovo ist noch nicht abgewickelt, erhaltet Ihr die Nexus-typische Oberfläche und App-Auswahl ohne viel Schnickschnack. Motorola ergänzt nur zwei praktisch Anwendungen: Motorola Migrieren hilft Euch beim übertragen der Daten von Eurem alten Android-Gerät oder iPhone auf das Moto E.

Die Assist-App nimmt Euch regelmäßig wiederkehrende Aufgaben, wie das Stummschalten des Smartphones in der Nacht, ab. Praktisch: Ihr könnt Favoriten festlegen, die Euch wecken dürfen. Gleiches lässt sich für Anrufer festlegen, die zwei mal innerhalb von fünf Minuten anrufen. Gebt Ihr der Anwendung Zugriff auf Euren Terminkalender, schaltet das Moto E bei Besprechungen den Klingelton aus oder aktiviert die automatische Antwort-Funktion.

Motorola liefert das Moto E nur mit einem USB-Kabel zum Aufladen aus. Ein Ladegerät befindet sich nicht im Lieferumfang des Smartphones. Wenn es nicht Euer erstes Smartphone ist, befindet sich aber sicherlich bereits ein passendes Netzteil in Eurem Besitz. Es könnte aber auch wie beim Moto G laufen, dem viele Händler von sich aus noch ein extra Netzteil beilegten.

Dafür könnt Ihr Farbe ins Spiel bringen. Ab Werk liefert Motorola das Moto E mit schwarzer oder weißer Rückseite aus. Die Abdeckung könnt Ihr aber leicht abnehmen und der Ankündigung des Herstellers zufolge bald durch bunte Cover in Rot, Blau, Grün, Gelb, Türkis, Pink oder Lila ersetzen.

Fazit: Warum sind die anderen Smartphones so teuer?

Motorola liefert mit dem Moto E ein Smartphone ab, das alle Grundbedürfnisse befriedigt und alles kann, was ein Smartphone können muss - dabei aber verdammt wenig kostet. Gut gefällt auch die Android-Version, die nicht mit überflüssigen Apps verunstaltet wurde. Leider gilt das Update-Versprechen von Motorola nur für die nächste große Aktualisierung. Eine Verdopplung des internen Speichers von 4 auf 8 GB würde den größten Nachteil des Moto E ausbügeln und es noch attraktiver machen.

Aber hey: 119 Euro! Dafür ist das Moto E das perfekte Zweitgerät, das Ihr am Wochenende in die Partytasche, im Sommer mit aufs Festival oder in den Urlaub nehmen könnt, wenn Ihr Euch sorgen um Euer teures Smartphone macht. Falsch machen könnt Ihr mit dem Moto E zu diesem Preis nichts. Zumal es nicht ungewöhnlich wäre, wenn die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers von 119 Euro von den realen Verkaufspreisen der Händler noch unterboten wird.

Weitere Artikel zum Thema
Die ersten iPhone X verlas­sen China
Francis Lido4
Das iPhone X ist ab dem 27. Oktober 2017 vorbestellbar
Das iPhone X könnte zum Verkaufsstart wohl schwer erhältlich sein. Die erste verschiffte Ladung enthielt angeblich nur 46.500 Einheiten.
Schwere WLAN-Sicher­heits­lücke KRACK betrifft vor allem Android-Smart­pho­nes
Francis Lido
WLAN-Verbindungen sind derzeit besonders gefährdet
Experten warnen davor, dass der WPA2-Standard von WLAN massive Sicherheitslücken aufweist. Android-Geräte seien besonders davon betroffen.
Huawei Mate 10 Lite vorge­stellt: Das kann der Mittel­klasse-Able­ger
Christoph Lübben3
Das ist das Huawei Mate 10 Lite in Blau
Das Huawei Mate 10 Lite ist offiziell: Zu den Besonderheiten des Mittelklasse-Smartphones gehören zwei Dualkameras sowie ein Front-LED-Blitz.