Nextbit Robin im Hands-on: das Cloud-Phone vom Schöpfer des HTC One M7

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DAs Nextbit Robin
DAs Nextbit Robin(© 2015 CURVED)

Wenn sich Branchenveteranen zusammenschließen, um ein neuartiges Android-Smartphones mit außergewöhnlichen Konzept zu bauen, kann doch nur was Gutes herauskommen, oder? Wir konnten in Berlin schon mal einen Prototypen von "Robin" in die Hand nehmen und mit dem Chef-Designer Scott Croyle sprechen. Dem Mann, der einst bei HTC mit dem One M7 bewies, dass Android-Smartphones auch schick sein können.

Minimalistisches Design

Das Robin hebt sich schon alleine optisch von anderen Smartphones ab: Es ist eckig und kommt zum Verkaufsstart in zwei Farben: weiß/hellblau wie ein sommerlicher Himmel mit Federwolken oder dunkelgrau/schwarz wie ein Gewitter. Es liegt zwar gut in der Hand und ist sehr leicht, fühlt sich aber durch die gerade und glatte Rückseite etwas gewöhnungsbedürftig an.

Der Power-Knopf rechts ist gleichzeitig ein Fingerabdrucksensor. Das ist ziemlich cool, denn so entsperrt sich das Telefon beim Halten, ohne dass man erst einen bestimmten Finger der anderen Hand unten auf den Homebutton legen muss - diesen gibt es beim Robin auch nicht. Die Lautstärke-Tasten sind kreisrund und liegen sehr flach an der linken Seite des Handys. Das fühlt sich noch nicht optimal an. "Im fertigen Modell werden wir sie wahrscheinlich höher und griffiger gestalten", so Scott Croyle, ehemaliger Design-Chef von HTC und Mitgründer von Robin, gegenüber CURVED.

Mit dem USB-Typ-C-Anschluss und einer Schnellladefunktion ist das Smartphone technisch auf Augenhöhe. Unter der Haube finden wir einen Snapdragon 808 mit 3 GB RAM. Die Kameras lösen mit 13 bzw. 5 Megapixel auf und machen auf den ersten Blick gute Fotos.

Vorne tönen zwei Lautsprecher, damit Videos auch in Stereo wiedergegeben werden können. Wie gut das klingt und ob es wirklich so viel besser ist als die gängigen Handylautsprecher, ließ sich beim Vorserienmodell noch nicht testen.

Das Killerfeature ist die Cloud

Intern besitzt das Robin einen 32-Gigabyte-Speicher. Einen Slot für Micro-SD-Karten wird es nicht geben. Den braucht es auch keineswegs. Denn was das Robin so besonders macht ist die intelligente Speicherverwaltung. Nicht benötigte Apps und Fotos werden automatisch in eine 100 Gigabyte große Cloud ausgelagert. Apps, die man länger nicht verwendet, werden automatisch vom Smartphone entfernt. Zurück bleibt ein farbloses App-Icon.

Möchtet Ihr eine ausgelagerte App doch mal wieder nutzen, kann diese mit einem Klick wieder aus der Cloud geladen werden - inklusive aller Einstellungen und automatischen Logins, sodass es sich anfühlt, als wäre sie nie weg gewesen. Die Synchronisation und das Auslagern passieren automatisch, wenn das Handy am Stromnetz hängt und eine WLAN-Verbindung anliegt.

Das hat in unserem Handson auch sehr schnell und unkompliziert funktioniert. Da probiert man plötzlich ein Konzept aus, von dem man vorher gar nicht wusste, dass man es unbedingt haben will. Tolle Idee! Und möchte man verhindern, dass Apps bei Nichtnutzung archiviert werden, lassen sich diese auch einfach "anpinnen".

Auch Fotos in hoher Auflösung werden automatisch in die Cloud geworfen, wenn der interne Speicher knapp ist. Auf dem Handy sind die Fotos dennoch in Bildschirmauflösung vorhanden. Möchte man nun ein Bild per Mail verschicken, wird bei vorhandener WLAN-Verbindung das hochaufgelöste Motiv aus der Cloud verschickt. Bei einer Mobilfunkverbindung fragt das Betriebssystem, welche Version versendet werden soll.

Eigener Cloudspeicher und anderes OS möglich

Wer jedoch trotz Verschlüsselung keine Lust auf die Cloud hat, die übrigens auf Servern des Onlineshop-Riesen Amazon liegt, wird vielleicht auch die Möglichkeit haben, auf seinem eigenen PC oder Laptop zu Hause eine Art Cloud einzurichten, auf die dann die Daten ausgelagert werden. "Wir haben diesen Wunsch schon öfter von unseren Unterstützern und Interessenten gehört und denken denfinitv darüber nach", so Scott Croyle.

Für Fans von alternativen Projekten wird es auch eine Version des Android-Betriebssystem Cyanogenmod für das Robin geben. Diese wird aber wahrscheinlich keinen Cloud-Support haben. Das Handy ist dann als normales Gerät mit 32-GB-Speicher nutzbar. Toller Aspekt: Spielen die Robin-Nutzer ein anderes Betriebssystem auf, erlischt die Garantie für das Telefon nicht. Wenn es innerhalb des Garantie-Zeitraums kaputt geht, wird es trotzdem ersetzt. Das versteht Entwickler Nextbit als Service, den Kunden diese Freiheit zu lassen.

Widgets sind nur noch zweitrangig

Im Gegensatz zu anderen Android-Smartphones gibt es beim Robin keinen standardmäßigen Widget-Bildschirm mehr. Ihr startet gleich mit der Liste aller Apps - und müsst dadurch nicht erst durch einen Klick den App-Drawer aufrufen. Widgets gibt es trotzdem, sie sind aber sekundär und legen sich bei Bedarf halbtransparent über den Bildschirm. "Widgets verwirren die meisten Menschen", so Croyle.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, Apps alphabetisch anzuordnen oder sich nur die anzeigen zu lassen, die ausgelagert oder angepinnt wurden. Andere Menüs, wie zum Beispiel die Einstellungen, sind wie vom Stock-Android gewohnt aufrufbar.

Fazit: Mit eigener Cloud eine geniale Idee

Das Robin hebt sich definitiv von der Masse an Smartphones ab. Optisch hat es mich noch nicht überzeugt, doch wenn es die Möglichkeit gibt, eine eigene Cloud auf meinem eigenen Computer aufzusetzen, wird das Robin ein richtig spannendes Telefon. Denn so gehören meine Daten immer noch mir und liegen nicht, wie auch bei Apple und Co., auf amerikanischen Servern. Im Januar sollen die ersten fertigen Geräte verschickt werden - dann zeigt sich, wie gut das Konzept am Ende wirklich ist.


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