Nikon Coolpix S810c im Test: Nix für Schnappschüsse

Weg damit !8
Nikon Coolpix S810c: Eine Kompaktkamera mit Android. Passt das?
Nikon Coolpix S810c: Eine Kompaktkamera mit Android. Passt das?(© 2014 CURVED)

Nikon wagt einen zweiten Versuch und bringt mit der Coolpix S810c nach einer längeren Pause wieder eine Kompaktkamera mit Android auf den Markt. Diese hat gegenüber den Galaxy Cameras von Samsung einen minimalen Vorteil, verspielt ihn aber auf ganzer Linie.

Eine kleine Anmerkung vorweg: In diesem Test geht es weniger um Details bei der Bildqualität, sondern vielmehr darum wie sinnvoll Android als Betriebssystem auf einer Kamera ist und wie gut sich mit der Coolpix S810c Fotos in der Praxis aufnehmen lassen. Kurzum: Es geht um die Frage, wie praktisch eine Kamera mit Android überhaupt ist.

Kamera mit zwei Gesichtern

Nikon vertraut bei der Coolpix S810c nicht nur Android, sondern installiert auch seine herkömmliche Digitalkamera-Software. Was eine gute Entscheidung ist, aber am Ende auch nicht viel hilft. Aber fangen wir vorne an.

Nikon installiert auf der Coolpix S810c Android 4.2.2 und damit leider eine etwas ältere Version. Auf ein Update können wir derzeit nicht wirklich hoffen. Daneben befindet sich aber noch die Nikon-Software auf der Kamera, die auch die anderen Modelle mit Touchscreen an Bord haben. Damit lassen sich Fotos schneller und bequemer aufnehmen als mit Android. Die Startzeiten der Kamera fallen dafür deutlich kürzer aus: Ihr müsst zudem weder ein Display entsperren, noch eine Kamera-App öffnen.

Mit einem Druck auf die Home-Taste, die wirklich eine Taste ist und leider nicht die beste, startet Ihr das Kamera-Android. Googles Betriebssystem ruckelt zwar nicht, läuft aber sehr träge und langsamer als bei Einsteiger-Smartphones wie dem Motorola Moto E. Bei einem Smartphone würde die geringe Geschwindigkeit zu sehr schlechten Bewertungen führen, bei einer Kamera neigt man dazu, sie hinzunehmen. Dabei werden Schnappschüsse so unmöglich! So bleibt der Spaß am Fotoapparat schnell auf der Strecke und ich greife für Bilder für Facebook und Co. weiterhin zum Smartphone.

Ein Blick auf die Hardware liefert dann auch Hinweise, warum das Android so langsam läuft: Nikon verbaut in der Coolpix zwar einen ein Gigabyte großen Arbeitsspeicher, hält gleichzeitig aber einen Single Core-Prozessor mit 800 Megahertz Taktrate für ausreichend. Eigentlich eine Frechheit. Denn damit verkauft sich heute kein Einsteiger-Smartphone mehr. Wohlgemerkt: Die Nikon rangiert preislich bei rund 300 Euro. Immerhin könnt Ihr den vier Gigabyte großen internen Speicher mit einer microSD-Karte aufrüsten. Die Einrichtung des WLAN gestaltet sich - wie bei Android üblich - unkompliziert.

Die Sonne als Feind des Fotografen

Seid Ihr mit der Coolpix S810c unterwegs, wird die Sonne nicht Euer Freund. Sie sorgt zwar für erleuchtete Motive, spiegelt sich allerdings auch stark in dem 3,7 Zoll großen Display mit einer Auflösung von 854 x 480 Pixeln. So fällt die Benutzung des Touchscreens nicht nur schwer, sondern macht auch keinen Spaß. Zudem wirkt das Gehäuse der Nikon lieblos gestaltet. Der Kunststoff lässt es klobig und schlecht verarbeitet erscheinen, wirkliche Mängel sind dabei aber gar nicht zu entdecken.

Sowieso empfinde ich einen Touchscreen zur Bedienung einer Kamera schon als grenzwertig. Da hat mich noch kein Hersteller mit seinen Lösungen überzeugen können. Allerdings schafft es Nikon bei der Coolpix S810c, auch Tasten zu verbauen, die die Bedienung nicht erleichtern. Ihre Druckpunkte sind schlecht zu spüren und die Kamera reagiert mit starker Verzögerung auf die Eingaben. Wollt Ihr das Objektiv mit zwölffachem Zoom und einer ins Kleinbildformat umgerechneten Brennweite von 25 bis 300 Millimetern benutzen, werdet Ihr Euch über dessen langsame Geschwindigkeit ärgern. Richtig unschön wird es aber immer dann, wenn die Linse nicht auf die Bewegungen der Zoomwippe reagiert.

Für die Fotos ist ein 1/2,3-Zoll-CMOS-Sensor zuständig. Es handelt sich somit um einen typischen Chip für Kompaktkameras. So sind die Unterschiede zu anderen Modellen nur in Details zu finden. Insgesamt ist die Bildqualität der Aufnahmen mit maximal 16 Megapixel für die Geräteklasse typisch und damit allein durch die größere Sensorfläche besser als bei den meisten Smartphones.

Vergleich mit Samsungs Galaxy Cameras

Der einzige Kamerahersteller, der mit eigenen Android-Modellen in Konkurrenz zur Coolpix S810c tritt, ist Samsung mit der Galaxy Camera 2 und der Systemkamera Galaxy NX. Der Koreaner setzt bei seinen Geräten komplett auf Android, was sie insgesamt langsamer macht. Dafür sind die Displays größer und besser als bei Nikon, auch die Hardware ist schneller. Android läuft flüssiger, hat aber immer noch längere Startzeiten als eine normale Kompaktkamera. Außerdem stehen auch Modelle mit SIM-Karten und mobiler Datenverbindung zur Auswahl.

Fazit: Android und Kameras? Das gehört (noch) nicht zusammen

Noch will das Konzept der smarten Kameras nicht zünden. Das mobile Betriebssystem ist für die Fotoapparate zu groß und mächtig und bleibt ein schlechter Kompromiss. Fotografen mit Anspruch werden sich ihre herkömmliche Kamera zurückwünschen. Wer die Bilder schnell online stellen will, wird doch wieder zum Smartphone greifen. Für die Kamera-Hersteller ist es in meinen Augen vielversprechender, ihre Kamera-Software nutzerfreundlich um die Anbindung zu Facebook, Twitter und einigen anderen Diensten zu erweitern.


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