Nokia 6 im Test: das Schnäppchen für Android-Puristen

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Das Nokia 6
Das Nokia 6(© 2017 CURVED)

Mit einem Preis ab 759 Euro ist das Google Pixel recht teuer. So viel muss man nicht für ein pures Android-Erlebnis zahlen, sagt zumindest Nokia-Bauer HMD Global. Deswegen kostet das Nokia 6 nur 229 Euro. Was Ihr dafür bekommt, klärt der Test.

Wer zeitig die neueste Android-Version haben wollte, brauchte ein Google-Gerät. So war es bislang. Früher waren es die Nexus-Geräte, von denen das Nexus 4 und das Nexus 5 sogar noch recht erschwinglich, aber auch schwer zu bekommen waren. Heute müsst Ihr zum Pixel (XL) greifen. Googles High-End-Smartphone garantiert zwar pünktliche Updates, bewegt sich preislich aber auf iPhone-Niveau. Für alle, die nicht so viel für die aktuelle Android-Version und zeitnahe Updates bezahlen können oder wollen, könnte das Nokia 6 das richtige Smartphone sein.

Pures Android im schicken Gehäuse

Das Gerät hatte der Hersteller HMD Global Anfang Januar 2017 erfolgreich in China auf den Markt gebracht und auf dem Mobile World Congress Ende Februar 2017 neben dem Nokia 3310 für Europa vorgestellt.

Die Ansage: ein ansprechendes Design und aktuelles Android für wenig Geld. Und tatsächlich: Das Nokia 6 liegt angenehm in der Hand, ist leicht und gut verarbeitet. Dazu kommt ein Design-Kniff: HMD Global lässt die Antennen-Streifen fast verschwinden. Wie beim iPhone 7 verbannten die Designer die Streifen auch beim Nokia 6 auf die Oberseite. Die Folge: ein sauberer Look.

Die restliche Verarbeitung ist nicht spektakulär, aber grundsolide. Die Tasten an der Seite bieten einen guten Druckpunkt, unterscheiden sich aber nicht durch Riffelungen oder ähnliches voneinander. Dem Preis geschuldet ist wohl der micro-USB-Anschluss, der statt des neueren Typ-C zum Einsatz kommt. Ein bisschen bei Lenovo bedient hat man sich bei der Gestaltung der Kamera. Das sieht schon nach Moto-Smartphone aus. Vorn erinnern die Sensor-Tasten an das OnePlus 3.

Richtig gut gefällt mir die Software. Ganz einfach, weil es sich hier um Stock-Android handelt. Keine eigene Oberfläche, kein Schnickschnack, einfach pures Android. Dazu auch noch in der allerneusten Version 7.1.1. Und das Versprechen von HMD Global: "Pure, secure and up to date." Heißt: Betriebssystem-Updates werden schnell geliefert, außerdem gibt es die monatlichen Sicherheitspatches pünktlich. Dafür arbeite man sehr eng mit Google zusammen, hieß es damals am Messestand in Barcelona. Das scheint zu stimmen. Schon jetzt verspricht der Hersteller ein schnelles Update auf das kommende Android O. Spitze!

Die Mittelklasse-Ausstattung reicht für das Meiste

Das 5,5 Zoll große LC-Display löst mit Full-HD auf, was in dieser Preisklasse absolut okay ist. Was im Test besonders im Außeneinsatz negativ auffiel: Selbst bei voll aufgedrehter Helligkeit blieb Bildschirm relativ dunkel. Bei starker Sonneneinstrahlung war so kaum noch etwas zu erkennen. Schade. Denn bei passender Belichtung überzeugt es durchaus mit knackscharfer Darstellung.

Auch beim Chipsatz, Arbeitsspeicher und Co. ist das Nokia 6 in der Mittelklasse angesiedelt. Das ist bei dem Preis zu erwarten. Mit dem Snapdragon 430 und drei Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher erreicht man in den diversen Benchmarks keine Höchstwerte. So kommt das Nokia 6 im AnTuTu auf rund 47.000 Punkte, im Geekbench 4 auf 681 Punkte im Singe- und 2858 Punkte im Multicore-Test. Überragend ist das im Vergleich zur aktuellen Smartphone-Spitze nicht. Zum Surfen, Zocken und für Social-Media-Apps reicht die Ausstattung aber locker aus. Allerdings müsst Ihr bei aufwendigeren Games wie “N.O.V.A Legacy” dann Einbußen beim Aussehen und den Ladezeiten in Kauf nehmen. Trotzdem laufen die Spiele in einem erträglichen Rahmen.

Für Fotos, Daten und Apps stehen Euch 32 Gigabyte erweiterbarer Speicher zur Verfügung. Reicht Euch das nicht aus, rüstet Ihr per microSD-Karte Speicher nach. Ein Akku mit 3000 mAh komplettiert die Ausstattung. Er trägt Euch locker über den Ta. Ist er aber leer, ist Geduld angesagt. Denn eine Schnellladefunktion gibt es beim Nokia 6 nicht.

Die Kamera auf der Rückseite löst mit 16, die Frontkamera mit acht Megapixeln auf. Beide sind durchaus zu gebrauchen. Die Knipse auf der Rückseite lieferte lebendige Farben, viele Details und kommt auch mit Kontrasten gut zurecht. Die Frontkamera bietet neben dem normalen auch einen Verschönerungsmodus. Angenehm: Der ist nicht ab Werk eingestellt und, wie die anderen Kamerafunktionen, gut versteckt.

Fazit: das Schnäppchen für Android-Puristen

Natürlich bewegen sich die Leistung und die Kamera nicht auf dem Niveau eines Pixels. Auch der Launcher ist nicht zu 100 Prozent derselbe. Trotzdem liefert HMD Global mit dem Nokia 6 genau das ab, worauf sicherlich viele Android-Fans in der Mittelklasse gewartet haben: ein günstiges Smartphone mit purem Android. Wer mit den Leistungseinbußen im Vergleich zu Top-Geräten kein Problem hat, bekommt mit dem Nokia 6 eine kostengünstige Alternative zum Preis von 229 Euro.


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