OnePlus 2 im Test: Ein heißes Stück Technik

Das OnePlus One war ein echter Überraschungshit. Mit schickem Design, toller Hardware, Highend-Specs und einem günstigen Preis fand es schnell viele Fans. Kann der Nachfolger OnePlus 2 genauso überzeugen? Wir haben ihn getestet.

Nimmt man das OnePlus 2 das erste Mal in die Hand, fällt sofort auf: Das Gerät wirkt mit seinem Metallrahmen noch einmal deutlich wertiger als der ohnehin schon gut verarbeitete Vorgänger mit seinem Plastikrahmen. Der Eindruck verstärkt sich sogar noch, wenn man die ebenfalls aus Metall gefertigte Lautstärke-Wippe und den Schiebeschalter an der Seite benutzt. Würde man es nicht wissen, käme man nie auf die Idee, dass es sich hier preislich eher um ein Mittelklasse-Smartphone handelt.

Tolle Verarbeitung und Metallrahmen

Mit seinem 151,8 x 74,9 x 9,85 mm ist das OnePlus 2 minimal schmaler und kürzer als das One, allerdings auch einen guten Millimeter dicker. Zudem wiegt es mit 175 Gramm knapp 13 Gramm mehr als der ohnehin schon nicht ganz leichte Vorgänger. So fühlt es sich schwerer an als andere Phablets, stört mich aber noch nicht.

Beim Design orientierte sich OnePlus deutlich an seinem schlicht gehaltenen Vorgänger. Auch beim OnePlus 2 stört keine Hersteller-Logos die schlichte Vorderseite. Allerdings ist das Gehäuse etwas kantiger geworden. Das liegt daran, dass die sanften Schwünge des oberen und unteren Randes, die beim One noch zum Einsatz kamen, nun verschwunden sind. Ein weiterer deutlicher Unterschied: Während das One noch rein kapazitative Buttons besaß, die nur wenn sie aktiv waren, durch ein sanftes Leuchten auf sich aufmerksam machten, besitzt das OnePlus 2 einen sichtbaren Homebutton. Der ist streng genommen allerdings gar kein Knopf - sondern nur eine rechteckige Kuhle, in der sich der Fingerabdruckscanner befindet. Rein optisch erinnert das OnePlus 2 durch die ähnliche Form des Buttons nun trotzdem an Samsung-Smartphones.

Die Rückseite besitzt wieder die bekannte Sandstein-Textur und fühlt sich ähnlich griffig an wie beim One. Wer sein Smartphone lieber glatt mag, kann sich eines der sogenannten Style-Swap-Cover zulegen. Die in drei Holzsorten und einer Kevlar-Variante vorliegenden Rückseiten lassen sich mit wenig Aufwand und ohne Werkzeugeinsatz tauschen. Pro Rückseite verlangt OnePlus 26,99 Euro. Auf die Sandstein-Variante zu verzichten und stattdessen lieber eine der anderen zu wählen, ist aber nicht möglich.

Schnelle Technik mit Hitzeproblem

Doch nicht nur bei der Verarbeitung hat OnePlus zugelegt, auch technisch hat das OnePlus 2 einiges zu bieten. So besitzt es einen Snapdragon 810 mit einer Taktrate von 1,8 Gigahertz sowie vier Gigabyte DDR4-RAM. Dass der Snapdragon gerne überhitzt und dann gedrosselt werden muss, ist bekannt. OnePlus hatte versprochen, das Problem zu lösen. Das ist leider nicht gelungen. Bei stärkerer Belastung wird das OnePlus 2 spürbar wärmer, nach einer 10-minütigen 4K-Aufnahme ist es am Metallrand sogar schon unangenehm heiß.

Um abzukühlen, taktet der Snapdragon dann herunter - und zwar drastisch. Im ausführlichen Benchmark-Test zeigte sich das in erschreckender Deutlichkeit. Im Antutu-Benchmark klafften die Werte extrem auseinander. So fiel der gemessene Gesamtwert von guten 54.766 auf 35.851 - selbst das über ein Jahr alte OnePlus One schafft einen Wert um 50.000. Beim aktuellen Samsung Galaxy S6 sind Werte jenseits der 70.000 drin. Die gedrosselten Werte erreichten Spitzen-Geräte bereits vor zwei Jahren. Die Marketing-Ansage vom OnePlus 2 als Flaggschiff-Killer 2016? Im wahrsten Sinne des Wortes heiße Luft. Eines muss man OnePlus aber lassen: Auch bei Hitze waren in der normalen Benutzung keinerlei Ruckler zu bemerken, die Bedienung blieb stets flüssig.

Helles Display in 1080p

Das Display hat OnePlus merklich aufgewertet. Es bleibt bei einer Diagonale von 5,5 Zoll, auch die Auflösung liegt weiter bei 1920 x 1080 Bildpunkten. Allerdings ist es deutlich heller als das des OnePlus One. Zudem ist das Bild etwas wärmer, Farben wirken etwas kräftiger und das Schwarz satter. Der Blickwinkel ist ähnlich groß wie beim Vorgänger, die Farben bleiben auch bei schräger Betrachtung gut erkennbar. Dann stört schon eher die starke Spiegelung. Die sorgt auch dafür, dass sich das Display trotz seiner starken Helligkeit im Sonnenlicht nicht immer ohne Probleme betrachten lässt.
Die Entscheidung auf Full-HD statt eines QuadHD-Displays zu setzen, freut nicht jede. Zwar sieht man mit dem bloßen Auge kaum einen Unterschied, für VR-Anwendungen ist die höhere Auflösung aber natürlich besser geeignet. Da sie aber immer noch kein Massen-Phänomen sind, ist die Entscheidung für die Akku-schonende 1080p-Variante vermutlich sinnvoll.

Kamera: Bei Tageslicht hui, bei Nacht meh

Eine der größten Schwächen des OnePlus One war die Kamera. Sie machte zwar bei gutem Licht sehr ordentliche Bilder, unter schlechteren Bedingungen sah das leider aber schnell anders aus. Beim OnePlus 2 hat sich das ganz klar verbessert. Zwar hat die Kamera die gleiche Auflösung von 13 Megapixeln, auch die Blende bleibt bei f2.0. Doch die Verbesserungen beim Sensor und der Laserfokus machen sich deutlich bemerkbar.
So zeigte sich im Vergleichstest, dass das OnePlus 2 bei Tageslicht durchaus mit den Spitzenkameras im LG 4 und dem Galaxy S6 mithalten kann. Das ist durchaus beeindruckend. Die Bilder sind scharf, die Kontraste gut und die Farben sehr natürlich. Die einzige Schwäche sind sehr hell beleuchtete Bereiche. Hier neigt das OnePlus 2 zum überblenden, Details gehen verloren. Durch den Laserfokus löst die Kamera zudem sehr schnell aus.

Bei schlechterem Licht sind die Aufnahmen weniger verrauscht als beim OnePlus One, trotzdem ist das Rauschen deutlich zu sehen. Zudem hat das OnePlus 2 auch im Dunkeln Probleme mit hellen Lichtquellen. So gehen die Farben von Lampen oder Neon-Anzeigen verloren. Das ist schade, denn eigentlich sind die Aufnahmen auch bei schlechtem Licht recht hell und detailreich. Mit den guten Lowlight-Aufnahmen des LG G4, des Galaxy S6 und auch des iPhone 6 kann die Kamera aber ganz klar nicht mithalten.
Die Kamerasoftware bietet einige kleinere Spielereien wie HDR, Panorama und eine Funktion namens “Clear View”, wirklich groß sind die Möglichkeiten aber nicht. Etwas Ungewohnt: Die Bilder werden im 4:3-Format gespeichert. Wer gerne sein Bild manuell einstellen möchte, wird enttäuscht - und muss auf eine andere Kamera-App umsteigen.
Video zeichnet das OnePlus 2 mit 720p, 1080p und in 4K auf, wobei die 4K-Aufnahme auf 10 Minuten beschränkt ist. In 720p sind sogar Zeitlupen möglich. Auch ein Zeitraffer ist an Bord. Die Bildqualität ist bei allen Modi in Ordnung. Der optische Bildstabilisator macht seinen Job gut und gleicht kleinere Wackler zuverlässig aus.

Schneller Fingerabdrucksensor mit Macken

Ein neues Feature des OnePlus 2 ist der Fingerabdrucksensor. Er befindet sich im ebenfalls neuen physischen Home-Button.Der Scanner reagiert in der Praxis sehr schnell und größtenteils auch zuverlässig. Der Finger wird auch in schrägem Winkel in der Regel erkannt, nur manchmal muss man die Position ändern. Was leider nicht ganz so gut funktioniert, ist die Möglichkeit, das Gerät über den Scanner aufzuwecken, es also nicht extra einschalten zu müssen. Das klappte das leider nur unregelmäßig, oft blieb es im Standby. Im Alltag nervte die Funktion daher, man gewöhnt sich schnell an, vor dem Scannen noch den Power-Button zu drücken. So relativiert sich der schnelle Scanner leider etwas.
Als eines der ersten Smartphones setzt das OnePlus 2 auf den neuen USB-C-Standard. Anders als bisherige USB-Stecker lässt er sich beidseitig einstecken. Das altbekannte Suchen nach der richtigen Seite entfällt. Damit das auch beim Rechner oder Ladekabel so ist, hat OnePlus auch das Ende mit dem herkömmlichen USB-Anschluss so gestaltet, dass es sich mit beiden Seiten einstecken lässt. Eine sehr praktische Lösung.

Ordentliche Akkulaufzeit

Wie die meisten Highend-Smartphones ist auch das OnePlus 2 kein Langstreckenläufer. Bei einer normalen bis starken Benutzung hält es fast immer den ganzen Tag durch, meist ist sogar noch eine kleine Reserve übrig. Ein zweiter Tag war aber nie drin. Anders als viele aktuelle Geräte unterstützt das OnePlus 2 leider kein Quick Charge: Eine volle Ladung dauert knappe vier Stunden. Auch das immer weiter verbreitete kabellose Laden beherrscht es nicht. Damit ist das OnePlus 2 in Hinsicht auf den Akku in Ordnung, aber nicht umwerfend.

Standard-Ausstattung ohne NFC

Die sonstige Ausstattung des OnePlus 2 ist weitgehend Standard, mit zwei Ausnahmen. So bietet das Smartphone Platz für eine zweite Nano-SIM-Karte mit LTE, was hierzulande immer noch nicht alltäglich ist. Zudem hat sich OnePlus aus unerfindlichen Gründen dafür entschieden, auf eine NFC-Unterstützung zu verzichten. Als Begründung nannte OnePlus-Chef Carl Pei, dass keiner die Funktechnik nutzen würde. Zwar hat er damit sicher nicht ganz Unrecht, denn NFC wird zur Zeit wirklich für sehr wenige Einsatzmöglichkeiten tatsächlich genutzt. Trotzdem ist die Entscheidung, auf ein Feature zu verzichten, das jedes 150-Euro-Smartphone bietet, kaum nachzuvollziehen.

Oxygen OS 2.0: Aufgebohrtes Stock-Android

Als das OnePlus One auf den Markt kam, war es das erste Smartphone, dass ab Werk mit der beliebten Cyanogen-Mod ausgestattet war. Dann zerstritten sich die beiden Unternehmen. Das OnePlus 2 setzt daher auf das selbst entwickelte Oxygen OS 2.0, das bald auch für das OnePlus One erscheinen soll. Es läuft meist stabil, manchmal reagiert es aber nur verzögert oder beim zweiten Tippen. Kleine Instabilitäten, die OnePlus hoffentlich bald beseitigt. Basis für das System ist das aktuelle Android Lollipop 5.1.1, das lediglich in Details verändert wurde. Die bringen allerdings eine Reihe cooler Features.

So lassen sich etwa die kapazitiven Buttons völlig frei belegen. Die sind übrigens standardmäßig anders herum angeordnet als beim Vorgänger. Statt wie bei Samsung und dem OnePlus One auf der rechten Seite befindet sich der Zurückbutton beim OnePlus 2 auf der linken - wie bei Stock-Android. Die vom OnePlus One bekannten Gesten feiern beim OnePlus 2 trotz Verzicht auf Cyanogen ein Comeback. Mit ihnen lassen sich auf dem ausgeschalteten Display Aktionen starten, etwa startet ein mit dem Finger gezeichneter Kreis die Kamera-App. Eine weiteres Software-Feature ist die Möglichkeit, das ganze System in einen Nacht-Modus zu schalten, in dem alle weißen Flächen dunklen weichen. Mit dem standardmäßig abgeschalteten Widget “Shelf” erhalten Nutzer eine Auflistung häufig genutzter Apps und Kontakte, die sich durch ein Wischen nach rechts vom Homescreen erreichen lässt. Besonderes Schmankerl: Wie schon Cyanogen und auch das kommende Android Marshmallow erlaubt Oxygen, Apps Rechte einzeln zu entziehen. Datenkraken und Schnüffel-Apps haben so keine Chance.
Wann das Oneplus 2 das Upgrade auf Android 6 Marshmallow erhält, ist noch nicht bekannt. So lange wie beim Vorgänger wird es hoffentlich nicht dauern. Lollipop kam erst über fünf Monate nach Release auf das OnePlus One.

Fazit: Tolles Smartphone, kein Killer

Mit dem OnePlus 2 hat OnePlus eine deutlich edlere Variante des ohnehin schon tollen OnePlus One vorgelegt. Wirklich revolutionär ist das Gerät nicht, allerdings ist es in fast jeder Hinsicht ein Upgrade. Die Verarbeitung und das Design sind noch einmal besser gelungen, auch unter der Haube hat OnePlus kräftig draufgelegt. Hier ist vor allem die bei Tageslicht wirklich starke Kamera zu nennen. Zudem sind mit USB-C und dem Fingerabdruck-Scanner sinnvolle neue Features hinzugekommen. Leider gibt es auch Problem-Zonen - und die sind nicht zu klein. Denn die von anderen Top-Geräten mit dem Snapdragon 810 bekannte Hitzeentwicklung hat auch OnePlus nicht in den Griff bekommen. Das OnePlus 2 wird gefühlt sogar eher heißer als die Konkurrenten. Schade, denn Abseits der merkwürdigen Entscheidung, auf NFC zu verzichten, wäre das OnePlus 2 mit einem kühleren Kopf ein echter Konkurrent für die diesjährigen Spitzen-Smartphones - zu einem fantastischen Preis. Als Flaggschiff-Killer 2016 hätte es aber selbst dann wohl nicht gereicht. Dafür fehlen Quick Charge, kabelloeses Laden oder zumindest ein eigenes, innovatives Feature.

So ist das OnePlus 2 immer noch ein tolles Smartphone zu einem guten Preis geworden, allerdings eben mit Einschränkungen. Ein Game-Changer, wie es das OnePlus One letztes Jahr war, ist es aber nicht mehr.

Bei Oneplus selber bekommt Ihr das Oneplus 2 derzeit nur mit einem Invite und zahl 339 Euro für die 16 Gigabyte-Version und 399 Euro für die Variante mit 64 Gigabyte internen Speicher. Händler wie Gearbest - die uns ein Testgerät zur Verfügung gestellt haben - verkaufen das Oneplus 2 auch ohne Invites, wobei Ihr mit einem Aufschlag rechnen müsst. So kostet das Oneplus 2 mit 16 Gigabyte dort momentan 346 Euro und das Oneplus 2 mit 64 Gigabyte 410 Euro - wobei die Preise dort immer wieder schwanken.


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