Das OnePlus 5 im Test [mit Video]

Update 8. August 2017: Durch die letzten Betriebssystemupdates haben sich viele anfängliche Schwierigkeiten mit dem OnePlus 5 verbessert. Wir haben die entsprechenden Absätze aktualisiert.

OnePlus hat seinen fünften Flaggschiff-Killer präsentiert: das OnePlus 5. Es ist dünner und leichter als bisher und kommt zum ersten Mal mit einer Dual-Kamera. Der Test.

Design: schmaler, dünner und edler

OnePlus macht einen weiteren Schritt in Richtung Premium. Das Smartphone ist nun schmaler und dünner als bisher, weil die Kamera von der Mitte der Rückseite in die obere linke Ecke gewandert ist. Alle Kanten und Ecken wurden zudem stärker abgerundet, damit es besser in der Hand liegt. Durch die mattschwarze Farbe wirkt es edler als die grauen Modelle der Vorjahre. Der Rücken sowie die Seiten sind wie bisher aus Aluminium gefertigt. Einen Pluspunkt gibt es für den Kopfhöreranschluss, auf den OnePlus nicht verzichtet hat.

Auf den ersten Blick erinnert das Design schon an das iPhone 7 Plus. Doch bei genauerer Betrachtung treten doch viele Unterschiede zutage. Ich würde sagen, es übernimmt die Designsprache aktueller Highend-Smartphones: Metallkörper, abgerundete Ecken und Kanten, so dünn wie möglich.

Etwas schade ist es dennoch, dass OnePlus über die Jahre sein eigenes, besonderes Konzept verloren hat. An den Start gegangen waren die China-Smartphones mit einem konvexen Körper und der rauen Sandstone-Rückseite. Doch auch in diesem Jahr gibt es die Sandstone-Rückseite wieder nur als Hülle zum Draufstecken.

Die OnePlus-Familie: One, Two, X, 3(T) und 5(© 2017 CURVED)

Das 5,5-Zoll-Display löst mit Full-HD (1920 x 1080 Pixeln) auf. Durch die AMOLED-Technologie profitiert der Bildschirm von einem tiefen Schwarz und satten Farben. Vor Kratzern geschützt wird das Smartphone durch 2.5D Gorilla Glass 5. Ausgeliefert wird es mit einer dünnen Schutzfolie.

Arbeitsspeicher: Mehr RAM als mancher Laptop

OnePlus verbaut in seinem neuen Gerät acht Gigabyte Arbeitsspeicher. Mehr als in vielen Laptops dieser Tage. Stellt sich die Frage: Braucht man das überhaupt? Und wofür? Oder ist das eigentlich Geldverschwendung? OnePlus antwortet mit einer Gegenfrage:

Warum sollten wir es nicht machen, wenn wir es doch können?

Die Entwickler hätten dadurch mehr Freiheiten und der Nutzer keine Nachteile. Im Gegenteil: Vor allem Multitasker, die häufig zwischen mehreren geöffneten Apps hin- und herwechseln, profitieren vom zusätzlichen Arbeitsspeicher. Damit ist das OnePlus 5 das erste Smartphone mit acht Gigabyte RAM.

Den bekommt Ihr allerdings nur im Modell mit 128 Gigabyte internen Speicher. Entscheidet Ihr Euch für die 64-Gigabyte-Variante, erhaltet Ihr wie beim OnePlus 3/3T sechs Gigabyte RAM.

Chipsatz: sehr viel Performance

Unter der Haube arbeitet der achtkernige Snapdragon 835 (bis zu 2,45GHz). In den Benchmarks landet das OnePlus 5 damit etwa gleichauf mit dem Samsung Galaxy S8 und dem HTC U11. Das iPhone 7 Plus ist aber noch um einiges schneller.

Bei AnTuTu erreichte das OnePlus 5 in unseren Tests durchschnittlich um die 174.934 Punkte (Samsung Galaxy S8: 173.398 Punkte, iPhone 7 Plus:  181.412 Punkte). Bei Geekbench 4 kommt das OnePlus 5 auf 1944 Punkt im Singlecore- und 6752 im Multicore-Test (Samsung Galaxy S8: Singlecore 2009 Punkte/Multicore 6766 Punkte, iPhone 7 Plus: Singlecore 3429 Punkte/Multicore 5550 Punkte).

Das sind freilich theoretische Maximalwerte, die mit Vorsicht zu genießen sind. XDA Developers zufolge könnte der Hersteller einige Testgeräte manipuliert haben, um bessere Werte zu erzielen.

In der Praxis läuft etwa das Öffnen und Wechseln von Apps deutlich schneller ab als bei anderen Smartphones. Grafisch aufwendige Spiele laufen flüssig. Auch das Speichern funktioniert umso zügiger.

Spiele wie "Asphalt 8" laufen sehr flüssig(© 2017 CURVED)

Apropos zügig: Der Fingerabdruck-Sensor aus Keramik befindet sich noch immer in der Home-Taste unter dem Display - er entsperrt das Smartphone nun aber schneller als bisher.

Der Akku ist 3300 mAh groß und wird per Dash-Charge schnell aufgeladen. Laut OnePlus hält der Akku etwa 20 Prozent länger als beim OnePlus 3/3T, obwohl er 100 mAh kleiner ist. Davon wirklich etwas gemerkt habe ich nicht während des Tests. Die Batterie brachte mich gut über den Tag während ich im Netz surfte, Videos schaute und per Chat und Mails schrieb. Beim Aufnehmen von Fotos entlud sich der Akku dafür umso schneller. Nach einer halben Stunde warem bereits knapp zehn Prozent runter.

Dual-Kamera: Zoom und Bokeh-Effekt

Die rückseitige Hauptkamera nimmt Fotos mit 16 Megapixeln bei einer Blende von f/1.7 auf. Laut OnePlus empfängt der Sony-Sensor 34 Prozent mehr Licht als noch beim OnePlus 3/3T. Die Tele-Linse der Dual-Kamera nimmt mit 20 Megapixeln bei f/2.6 auf.

OnePlus wirbt mit einem "verlustfreien zweifachen Zoom". Heißt: Bis "1,6x Zoom" greift das Smartphone auf die Optik zurück, danach wird der Zoom per Software erzeugt. Bis zweifach soll man es nicht merken, doch darüber hinaus geht es zulasten der Qualität.

Die Dual-Kamera sorgt außerdem im Portrait-Modus für den Bokeh-Effekt, bei dem der Hintergrund unscharf und Personen im Bild scharf dargestellt werden. Auch ein schnellerer Autofokus ist mit an Bord.  Videos könnt Ihr in 4K-Qualität mit 30 Bildern pro Sekunde aufnehmen, bei Full-HD-Qualität sind es 60 Bilder pro Sekunde. Im Pro-Modus stellt Ihr manuell alle wichtigen Faktoren wie ISO, Weißabgleich, Belichtung und Co. selbst ein und könnt die Fotos sogar im RAW-Format speichern, um sie am Computer besser nachzubearbeiten.

Um die Qualität der Fotos zu verbessern, hat OnePlus für das neue Smartphone eine Partnerschaft mit den Kameraexperten von DxO geschlossen. Den Bokeh-Effekt im Portrait-Modus empfanden wir im Juni noch teilweise als zu stark. Vor allem die Kanten des Objekts waren oft unscharf. Mit den letzten Updates hat OnePlus hier ordentlich nachgebessert. Schade ist trotzdem, dass es keine Möglichkeit gibt, den Bokeh-Effekt manuell zu "entschärfen".

Insgesamt arbeiten die verbauten Kamerasensoren im Smartphone sehr gut, die Bilder sind von hoher Qualität. Auch bei wenig Licht gelingen noch akzeptable Resultate. Die Farben werden allerdings etwas zu intensiv und übersättigt dargestellt.

Viele praktische Software-Features

Als Betriebssystem kam zum Release das hauseigene Oxygen OS 4.5.0 zum Einsatz. Inzwischen sind wir durch Updates auf Version 4.5.8. Die basiert auf Android 7.1.1, wurde aber softwareseitig um einige Funktionen erweitert. So gibt es zum Beispiel mehr Gesten. Malt Ihr mit dem Finger Buchstaben auf das Display, könnt Ihr diese Gesten z.B. mit dem Öffnen einer App verknüpfen. Euch stehen O, V, S, M und W zur Verfügung. Außerdem lässt sich das Smartphone bei einem Anruf stumm schalten, wenn Ihr es auf den Bildschirm legt.

Mehr Gesten, beispielsweise für das Öffnen von Apps(© 2017 CURVED)

Praktisch finde ich auch einen Lesemodus für das Ebook-Reader-Gefühl am Smartphone. Der Bildschirm wird dabei auf Schwarz-Weiß umgestellt, sodass sich Texte angenehmer lesen lassen.

Ein Schwarz-Weiß-Modus

Wenn Euch das starke Vibrieren bei Nachrichten oder Anrufen gestört hat, könnt Ihr jetzt die Intensität des Brummens für Anrufe, Benachrichtigungen und des haptischen Feedbacks in drei Stufen einstellen. Für eingehende Anrufe wählt Ihr außerdem eines von fünf verschiedenen Vibrationsmustern.

Für eingehende Anrufe gibt es verschiedene Vibrationsmuster(© 2017 CURVED)

Preise und Verfügbarkeit

Inzwischen sind die Smartphones des chinesischen Herstellers im Premium-Segment angesiedelt. Trotzdem liegt das Highend-Smartphone noch mehr als 200 Euro unter Samsungs Galaxy S8 oder dem iPhone 7 Plus.

Die 64-Gigabyte-Version mit sechs Gigabyte Arbeitsspeicher kostet 499 Euro und kommt in einem dunklen Grau (Slate Grey) oder in der limitierten Gold-Variante (Soft Gold). Das Modell mit 128 Gigabyte Speicher und acht Gigabyte RAM ist Schwarz (Midnight Black) und kostet 559 Euro. Bald soll das teurere Modell auch in Grau erhältlich sein. Alle drei Farben lassen sich derzeit bestellen.

Fazit: Technik top

Das OnePlus 5 punktet mit viel Leistung und guten Kameras. Das AMOLED-Display bietet satte Farben. Der überarbeitete Formfaktor sorgt für ein angenehmes Handling. Schade ist aber, dass für den Datentransfer nur USB 2.0 und nicht 3.1 zur Verfügung steht und die Fotos mit recht übersättigten Farben aufgenommen werden.


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