OnePlus 6 im Test: Das günstigste Top-Smartphone [mit Video]

Das OnePlus 6 ist da. Erneut hat der chinesische Hersteller ein attraktives Paket aus Top-Hardware, schickem Design, einzigartigen Details und einem attraktiven Preis geschnürt. Der Test.

Gleich vorweg: Das Display des OnePlus 6 ist wieder etwas größer geworden, das Gehäuse bleibt aber größentechnisch im Vergleich zum Vorgänger unverändert. Stattdessen gibt es ein neues Material für die Rückseite.

Großes Display mit Notch und eine Rückseite aus Glas

Der Bildschirm des OnePlus 6 misst in der Diagonalen 6,28 Zoll und damit 0,27 Zoll mehr als beim OnePlus 5T. Eine große Zahl, die u.a. durch das 19:9-Seitenverhältnis und die "Notch" genannte Aussparung für die Frontkamera erreicht wird. Die Auflösung von 2280 x 1080 Pixeln sorgt auf dem lichtstarken und farbintensiven AMOLED-Display mit stabilen Blickwinkeln für eine sehr hohe Detailgenauigkeit und ein angenehm scharfes und klares Bild.

Ich gebe zu, das Prinzip der Notch hat mich bisher nicht wirklich überzeugt. Ich würde eher einen etwas breiteren Rand über dem Display in Kauf nehmen. Von daher gefällt mir die Option, die Notch beim OnePlus 6 "auszublenden", sehr gut. Die Bereiche links und rechts von der Aussparung werden dann ebenfalls Schwarz, bleiben aber als Symbol- und Benachrichtigungsleiste erhalten. Was mir immer mehr als eine sehr elegante Lösung erscheint. Optisch ist die Notch weg, aber die Benachrichtigungen machen den sichtbaren Bereich des Displays nicht kleiner.

Die Rückseite des OnePlus 6 besteht aus kratzfestem Gorilla Glass 5, das aber so bearbeitet ist, das es optisch an Keramik erinnert. Die drei Farben entstehen durch unterschiedliche Beimischungen im Glas – etwa Perlmutt bei der "Silk White"-Variante. Unabhängig von der Farbe verfügt das Smartphone über einen Metallrahmen. In der Packung des Smartphones befindet sich eine schlichte Silikonhülle. Weitere, etwa aus Holz, Kevlar oder Sandstone, könnt ihr zusätzlich kaufen. Das OnePlus 6 hat zwar keine IP-Zertifizierung erhalten, ist nach Herstellerangaben trotzdem wasserdicht. Eine genaue Schutzklasse gibt es nicht und es ist auch nicht für die Nutzung unter Wasser gedacht. Aber Regen oder ein unabsichtliches Bad soll das Smartphone aushalten.

Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite befindet sich mittig unterhalb der Kamera. Dort ist er gut zu erreichen, wenn man das OnePlus 6 in der Hand hält. Alternativ könnt ihr das Smartphone mit Hilfe einer Gesichtserkennung entsperren. Die hört auf den Namen Face Unlock und gibt das Smartphone in Sekundenbruchteilen frei, wenn man es anschaut – und das sogar, wenn es nicht mehr taghell ist. Die Straßenlaternen in der Nacht genügten im Test. Mit einem Foto konnte ich sie hingegen nicht austricksen, allerdings weist selbst OnePlus darauf hin, dass die Technik nicht so sicher wie der Fingerabdrucksensor ist.

Gestensteuerung und Alert Slider

Standardmäßig bedient man das OnePlus 6 über Onscreen-Tasten, die auf dem Display erscheinen. Ich freue mich aber, sie durch eine Gestensteuerung ersetzen zu können. So belegen sie nicht dauerhaft Platz auf dem Bildschirm und sorgen bei einigen Apps durch Ein- und Ausblenden nicht für Verwirrung. Nach einem Tag hatte ich mich an die Gestensteuerung gewöhnt und vermisse die Tasten zum Drücken nicht mehr. Wischt man in der Mitte unten am Display nach oben, landet man direkt auf der Startseite, lässt man den Finger nach der Wischbewegung kurz auf dem Touchscreen ruhen, öffnet sich die App-Übersicht. Bewegt man den Finger etwas weiter links oder rechts am unteren Displayrand nach oben, geht man jeweils einen Schritt zurück.

Der Alert Slider hat beim OnePlus 6 die Seite gewechselt: von links nach rechts. Nach Angaben des Herstellers sogar auf Wunsch vieler Nutzer, da der Schieberegler so mit der rechten Hand besser zu erreichen ist. Das stimmt auch, ich musste allerdings feststellen, dass ich als Rechtshänder mein Smartphone öfter mit links halte. Da ist der Seitenwechsel ein Nachteil. Was mir dagegen ohne Einschränkung gefällt, sind die kurzen Benachrichtigungsblasen, die direkt neben dem Alert Slider auf dem Display erscheinen. Bei den Vorgängermodellen tauchten sie nur oben in der Benachrichtigungsleiste auf.

Wenn euch der Sound direkt vom Smartphone sehr wichtig ist, dürfte es das OnePlus 6 sehr schwer haben. Es hat nur einen Lautsprecher, der unten im Rahmen verbaut ist. Stereosound gibt es also nicht. Und beim Spielen im Querformat hält man ihn oft aus Versehen zu. Klanglich ist er gutes Mittelmaß. Sprich: Man versteht alles und kann ein Zimmer beschallen, aber wirklich überzeugend ist der Sound nicht.

Dualkamera für die Nacht, aber nicht für Menschen

Die Kamera wandert beim OnePlus 6 wieder in die Mitte der Rückseite – wo sie sich auch schon beim OnePlus One befand. Die zwei Linsen der Dualkamera haben jeweils eine f/1.7-Blende und Auflösungen von 16 und 20 Megapixeln, wobei die Fotos am Ende immer 16 Megapixel groß sind. Durch die Dualkamera steht einem beim OnePlus 6 ein zweifacher Zoom zur Verfügung, der im Vergleich zu digital vergrößerten Aufnahmen eine bessere Bildqualität liefert. Zusätzlich nutzt das Smartphone die zwei Linsen für einen Bokeh-Effekt, bzw. eine Tiefenunschärfe, wie sie bei Spiegelreflexkameras üblich ist. Der unscharfe Hintergrund soll dabei das Motiv im Vordergrund mehr ins Auge des Betrachters rücken. Das klappt beim OnePlus 6 allerdings nicht perfekt. Bei all unseren Testbildern war der Hintergrund zwar unscharf, aber auch das Gesicht wirkte schwammig und pixelig – vor allem im Vergleich zur Kleidung. Das bekommen andere Smartphones deutlich besser hin. Selbst ohne Bokeh-Effekt bereiten der Bart und Gesichter der Kamera Probleme.

Die Kamera war anfangs das Sorgenkind bei OnePlus, spielt aber inzwischen ganz oben mit. Euch erwarten wie bei anderen Top-Smartphones eine hohe Detailgenauigkeit und kräftige Farben. Mit starken Kontrasten kommt die Kamera auch ohne HDR-Modus, der aber unter Umständen noch etwas mehr Ausgleich bringt, gut zurecht. Wird es dunkel, nimmt die Detailgenauigkeit allerdings ab und fällt hinter andere Top-Modelle zurück. Jedoch schafft es nur das Huawei P20 (Pro) besser, ein erleuchtetes Schaufenster in der Nacht erkennbar darzustellen. An diesem Punkt lässt das OnePlus 6 ansonsten die gesamte Konkurrenz hinter sich.

Die 16-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite liefert auf den ersten Blick schöne Bilder und natürlich wirkenden Farben, wobei es sich hier wesentlich mehr lohnt, den HDR-Effekt einzuschalten. Betrachtet man die Selfies allerdings nicht nur auf dem Smartphone, sondern in Originalgröße auf einem größeren Bildschirm, fällt auf, dass die Detailgenauigkeit trotz der hohen Auflösung nicht besonders hoch ist.

Leistungsfähige Hardware und aktuelle Software

Bei der Hardwareausstattung liegt das OnePlus 6 mit anderen Top-Smartphones, die mitunter deutlich teurer sind, auf Augenhöhe. Der Snapdragon 845 ist der momentan leistungsfähigste Chipsatz von Qualcomm und sorgt nicht nur im Alltag dafür, dass das Smartphone flott läuft. Es erreicht in Benchmark-Tests Top-Werte, lässt Apps schnell starten und hat auch mit aufwendigen Spielen wie dem aktuell sehr beliebten PUBG Mobile in höchster Grafikqualität keine Probleme. Je nach Modellvariante ist der Arbeitsspeicher sechs oder acht Gigabyte groß und der interne Speicher 64, 128 oder 256 Gigabyte. Er lässt sich allerdings nicht mit einer microSD-Karte erweitern.

Als Betriebssystem läuft Android 8.1 Oreo auf dem OnePlus 6, bzw. OxygenOS. So nennt OnePlus seine Variante von Googles Betriebssystem, die schon etwas mehr als nur eine Benutzeroberfläche ist. Zu ihr gehören z.B. die bereits erwähnte Gestensteuerung, eine eigene Schriftart, die Möglichkeit VPN-Dienste einzurichten oder ein "Spielmodus" mit verschiedenen Optionen für Games, wie etwa das Umleiten von eingehende Anrufen auf einen verbundenen Lautsprecher. Die Beta-Version von Android P lässt sich bereits auf dem OnePlus 6 ausprobieren. Das macht Hoffnung auf ein schnelles Update, sobald die finale Version von Android P fertig ist.

Der Akku hat mit 3300 mAh eine für Top-Smartphones typische Kapazität und hält bei herkömmlicher Nutzung einen Tag lang durch. Über den USB-C-Anschluss lässt sich die Batterie dank Schnellladefunktion übrigens fix aufladen. Aber nur per Kabel, eine drahtlose Ladefunktion ist nicht vorhanden. Dafür aber immer noch eine 3,5mm-Buchse für Kopfhörer, die immer mehr Hersteller bei ihren Smartphones einsparen.

Verfügbarkeit und Farbvarianten

Das OnePlus 6 ist ab dem 22. Mai erhältlich und steht in drei Farben zur Auswahl. Dabei sind das glänzende "Mirror Black" und das matte "Midnight Black" die Standard-Farben. Die "Silk White"-Variante erscheint etwas später in einer limitierten Auflage.

Die weiße Version ist eine Sonder-Edition. Die glänzende und die matte schwarze Variante kommen regulär in den Handel.(© 2018 CURVED)

Die günstigste Variante mit 64 Gigabyte internen Speicher und sechs Gigabyte Arbeitsspeicher erscheint nur in Mirror Black und kostet 519 Euro. Die mittlere Version mit 128 Gigabyte internem Speicher und acht Gigabyte Arbeitsspeicher steht in allen drei Farben für 569 Euro zur Auswahl. Das teuerste Modell mit 256 Gigabyte internem Speicher und acht Gigabyte Arbeitsspeicher gibt es nur in Midnight Black.

Fazit: Günstiges Top-Smartphone mit ein bisschen Luft nach oben

Das OnePlus 6 ist vor allem mit seinen vergleichsweise niedrigen Preis gegenüber anderen Top-Smartphones klar im Vorteil. An der Verarbeitung, der Hardware und Software gibt es nichts auszusetzen. Beim Design kann es nur sein, dass es nicht ganz eurem persönlichen Geschmack trifft. Die Kamera hält zwar den Anschluss zu anderen Top-Smartphones, ist allerdings der kleine Makel des OnePlus 6 – vor allem wenn ihr Menschen fotografieren wollt. Ob der Hersteller da mit einem Software-Update Abhilfe nachbessern kann? Es wäre nicht das erste Mal.

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