Panasonic CM1 im Test: Kein Smartphone knipst schöner

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Mehr Kamera als Smartphone: das Panasonic CM1
Mehr Kamera als Smartphone: das Panasonic CM1(© 2015 CURVED)

Das Panasonic CM1 hängt die Messlatte für Smartphone-Kameras ein gutes Stück höhrer. Da müssen sich selbst das iPhone 6 und das Samsung Galaxy S6 noch sehr lang machen, wie unser Test der "Smart Camera" zeigt.

Mit dem CM1 verkauft Panasonic nach dem 2013 eingestellten Eluga erneut ein Smartphone in Deutschland, das sich dieses Mal vor allem durch seine Kamera von anderen Smartphones abhebt. Wobei Panasonic selber das CM1 gar nicht als Smartphone vertreibt, sondern als erste Smart Camera der Welt bewirbt. Gegenüber älteren Kameras mit Android als Betriebssystem geht das CM1 aber in meinen Augen noch als Smartphone durch.

Riesiger Bildsensor und Leica-Objektiv

Panasonic ist es gelungen, eine hochwertige Kompaktkamera zu schrumpfen und in das CM1 zu stecken. In dem Smartphone finden ein ein Zoll großer MOS-Bildsensor, dessen Fläche etwa sieben Mal so groß wie bei herkömmlichen Smartphone-Sensoren ist, mit einer Auflösung von 20,1 Megapixeln und die Venus-Engine, die sich um die Verarbeitung der Aufnahmen auch in anderen Kameras des Herstellers kümmert, Platz.

Das Objektiv stammt von Leica und hat eine Lichtstärke von f2.8 und eine Festbrennweite mit 10,2 Millimetern. Je nachdem, welches Bildformat Ihr auswählt, ergibt sich daraus jeweils eine andere Umrechnung ins Kleinbildformat. So sind es beim 3:2-Format 28 Millimeter, beim 4:3-Format 31 Millimeter sowie 30 Millimeter beim 16:9-Format und sogar 43 Millimeter bei 4K-Videoaufnahmen. In diesem Punkt haben richtige Kameras noch einen deutlichen Vorteil und locken mit größeren Linsen, die mehr Licht durchlassen, und Zoom-Objektiven.

Über die Schnellstarttaste habt Ihr direkten Zugriff auf die Kamera und umgeht sogar den Startbildschirm - sofern er nicht durch einen Code oder Passwort gesichert ist. So schnell wie die CM1 ist kaum eine andere Smartphone-Kamera einsatzbereit. Der Auslöser für die Bilder hat zwei klare Druckpunkte und erleichtert mir die Nutzung des Autofokus und sorgt auch dafür, dass die Aufnahmen weniger verwackeln als beim Antippen des Touchscreens zum Schießen eines Fotos - was man auch bei der CM1 machen könnte, aber gar nicht will.

Die Bildqualität des CM1 ist für ein Smartphone einzigartig und übertrifft auch das Galaxy 6 und iPhone 6 deutlich. Die Aufnahmen sind sehr scharf und weisen eine sehr hohe Detailgenauigkeit auf. Die Farben wirken natürlich und selbst mit wenig Licht kommt der Bildsensor gut zurecht - auch dank der bis ISO 12800 einstellbaren Lichtempfindlichkeit. Allerdings bleibt dann ein deutliches Bildrauschen nicht aus. Wer will kann, seine Fotos in RAW aufnehmen und später selbst entwicklen.

Eine App wie aus einer Kamera

Panasonic stattet das CM1 mit einer umfangreichen Kamera-App aus, die über alle wichtigen Einstellungen und Funktionen einer Kompaktkamera verfügt. So stehen von einer intelligenten Automatik bis zur manuellen Belichtung insgesamt neun verschiedene Aufnahmeprogramme zur Auswahl, in denen Ihr jeweils unterschiedlich viele Einstellungen selber festlegt oder der Kamera überlasst. So bestimmt Ihr unter anderem über den Bildstil, die Bildgröße, die Aufnahmequalität, den Antriebsmodus, die Messmethode, den Fokus- und den AF-Modus oder schaltet die GPS-Ortung oder den HDR-Modus ein.

Trotz der umfangreichen Optionen hat man schnell verstanden, welche Einstellungen sich wo in der App anpassen lassen. Beim Fotografieren findet man sich gut in der Oberfläche zurecht und gelangt schnell an die gewünschten Optionen.

Neben der Kamera-App installiert Panasonic nur noch vier weitere Anwendungen sowie die von Google vorgegeben Programme auf dem CM1 ab Werk. Und diese vier Apps sind für das Kamera-Smartphone durchaus sinnvoll: Timelapse fertigt, wie der Name vermuten lässt, Zeitrafferaufnahmen an, 4K Photo macht Screenshots mit acht Megapixeln aus 4K-Videos und 4K Pre-Burst liefert etwa 44 Bilder aus den 1,5 Sekunden bevor und nachdem Ihr den Auslöser drückt. Anschließend wählt man das beste Foto aus. Dabei ist die Kamera allerdings die ganze Zeit aktiv und wird mit der Zeit heiß und schaltet sich bei zu hoher Temperatur automatisch ab. Die Photo Search zeigt Euch Bilder aus dem Panoramio-Portal auf Google Maps an. Für die Bearbeitung der Bilder müsst Ihr selber eine App installieren und neben Instagram stehen mit Snapseed, Pixlr, VSCO und einigen anderen Anwendungen genug Programme hierfür zur Auswahl.

Was mir in Sachen Software beim CM1 fehlt ist ein Update auf Android Lollipop, dass der Hersteller aber für Mai angekündigt hat. Bisher läuft das Panasonic-Smartphone noch mit Android 4.4.4 Kitkat, was noch nicht komplett veraltet, aber auch nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist.

So viel Funktionen haben ihren Preis: Im Vergleich mit anderen Smartphones ist das Panasonic CM1 mit einem Gewicht von knapp über 200 Gramm ein echtes Schwergewicht, was man auch beim Tragen in der Hosentasche spürt. Zudem ist das Gehäuse mit dem hervorstehenden Objektiv 2,1 Zentimeter dick - da sind drei aufeinandergestapelte iPhone 6 dünner. Man hat zwar das Gefühl, einen kleinen Klotz in der Hand zu haben, aber trotzdem lässt sich das CM1 noch gut als Smartphone benutzen. Der Kunstleder-Überzug auf der Frontseite verleiht dem Smartphone zusammen mit den Metallrändern den Look einer Retro-Kamera - ist aber Geschmacksache und wäre nicht meine erste Wahl, wenn ich mir ein Smartphone aussuche.

Gute Perfomance, aber nicht High-End

Als ich das Panasonic CM1 auf der Photokina im September 2014 das erste Mal in der Hand hatte, überzeugte mich das Smartphone nicht nur mit seiner beeindruckend klingenden Kamera, sondern auch mit einer Hardware-Ausstattung auf Höhe der Zeit. Allerdings ist seitdem ein Dreivierteljahr vergangen und ein Snapdragon 801 mit vier Rechenkernen und einer Taktrate von 2,3 Gigahertz gehört nicht mehr zur ersten Garde. Dort stehen der Snapdragon 810 von Qualcomm und der Exynos 7420 von Samsung.

Trotzdem erreicht das CM1 mit dem Chip und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher über 41.000 Punkte im Antutu-Benchmark und bewegt sich damit im Bereich der Flaggschiff-Modelle von 2014 wie dem LG G3, dem Sony Xperia Z3 oder dem Samsung Galaxy S5. Die Benutzeroberfläche läuft flüssig, die Kamera startet schnell und verarbeitet die Aufnahmen zügig - nur bei Raw-Aufnahmen müsst Ihr einen Moment warten, bis die großen Datenmengen abgespeichert sind - und Spiele wie Asphalt 8 lassen sich auch bei höchster Grafikqualität ohne Einschränkung zocken.

16 Gigabyte sind für den internen Speicher angesichts der Tatsache, dass das Panasonic CM1 RAW-Fotos und 4K-Videos aufnehmen kann, nicht besonders üppig - zumal da schon rund fünf Gigabyte von Systemdateien und vorinstallierten Apps belegt sind. Mit einer microSD-Karte könnt Ihr die Speicherkapazität der Smart Camera aber um bis zu 128 Gigabyte erhöhen.

Mehr Kamera als Smartphone

Die gute Bildqualität der Panasonic CM1 hat ihren Preis. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 899 Euro rangiert das Panasonic CM1 in einer Liga mit dem iPhone 6 und den Android-Topmodellen. Für das viele Geld - bisher halten sich noch alle Händler an die Preisvorgabe des Herstellers - bekommt Ihr einen Kompromiss aus einer hochwertigen Kamera und einem guten Smartphone.

Für den Preis des CM1 würde man auch eine hochwertige Kamera mit 1-Zoll-Sensor und ein Flaggschiff-Smartphone aus dem vergangenen Jahr bekommen. Allerdings hätte man dann die gute Kamera eben doch wieder nicht immer dabei. Denn an der Binsenweisheit, dass die beste Kamera diejenige ist, die man dabei hat, ist immer noch was Wahres. Die Investition in die Smart Camera von Panasonic lohnt sich vor allem, wenn Euch die Bildqualität der Fotos wichtiger ist als ein kompaktes Gehäuse des Smartphones - was nicht bedeutet, dass das CM1 als Smartphone untauglich wäre. Es bewegt sich auf einer Ebene mit den Flaggschiff-Modellen von 2014 - und die gehören ja noch lange nicht zum alten Eisen.

Die Testbilder der Panasonic CM1 in Originalauflösung findet Ihr in unserer Dropbox.


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