Phicomm Passion im Test: Ein Smartphone auf neuen Wegen

Her damit !23
Das Phicomm Passion punktet mit besonderen Ausstattungsmerkmalen.
Das Phicomm Passion punktet mit besonderen Ausstattungsmerkmalen.(© 2015 CURVED)

Das Phicomm Passion ist das Spitzenmodell des chinesischen Herstellers, der hierzulande noch weitgehend unbekannt ist, aber mit neuen Ideen bei seinem Smartphone beweist, dass man ihn auf dem Zettel haben sollte.

Auf der IFA haben wir bereits einen ersten Blick auf das Phicomm Passion geworfen, doch erst jetzt ist das Smartphone in Deutschland auch wirklich verfügbar. Grund genug, sich das Android-Telefon mit Dual-SIM-Kapazitäten und Achtkern-Prozessor noch einmal genauer anzuschauen.

Android ohne Google

Phicomm installiert auf dem Passion zwar Android 4.4.4 Kitkat, schafft es aber auf die eigentlich von Google vorgeschriebenen Apps zu verzichten. Als einzige Anwendung aus Mountain View ist der Play Store vorinstalliert, über den Ihr bei Bedarf weitere Google-Apps problemlos installiert. Es ist echt ungewohnt, ein Android-Smartphone in der Hand zu halten und die gewohnten Anwendungen nicht vorzufinden — aber gleichzeitig wird somit auch deutlich, dass auf die meisten gut verzichtet werden kann.

Phicomm verpasst dem Passion eine eigene Nutzeroberfläche und installiert natürlich auch eigene Anwendungen auf dem Smartphone. Dabei verzichtet der Hersteller nach meinem Empfinden aber löblicherweise auf total überflüssige Beigaben und konzentriert sich auf Programme zur Befriedigung der Grundbedürfnisse der Nutzer: Eine besondere Erwähnung haben in meinen Augen das FM-Radio, das leider ständig abstürzt, das Backup-Tool, der Kompass, das Barometer, der Schrittzähler und der WLAN-Speicher, der Euch direkten Zugriff von einem PC im gleichen drahtlosen Netzwerk auf die Daten des Smartphones gibt, verdient. Ein wenig Verbesserungsbedarf besteht bei einigen Übersetzungen beziehungsweise Trennstrichen in längeren Wörtern. Hier sollte Phicomm für ein optimal gepflegtes Erscheinungsbild noch ein wenig nachbessern.

Smartphone bedienen ohne es zu berühren

Das fünf Zoll große Display des Phicomm Passion verfügt über eine Full-HD-Auflösung mit 1920 x 1080 Pixeln. Es strahlt kräftig und hat eine detaillierte Darstellung. Bei direkter Sonneneinstrahlung kommt es allerdings an sein Grenzen und lässt sich nicht mehr gut erkennen. Der Hersteller verspricht, dass sich der Touchscreen auch mit Handschuhen bedienen lassen würde. Das habe ich trotz des nahenden Frühlings ausprobiert und bin enttäuscht worden. Solange meine Finger den Bildschirm nicht direkt berührt haben, reagierte er nicht.

Phicomm versieht das Passion mit einer Bewegungssteuerung. Habt Ihr sie aktiviert, versucht das Smartphone über seine Frontkamera Handbewegungen in einem Abstand von bis zu 40 Zentimetern zu erkennen. Mit der richtigen Geste schaltet Ihr es aus dem Standby-Modus ein, navigiert durch Bildergalerien, öffnet die Statusleiste oder wechselt im Musikplayer zum nächsten oder vorherigen Song. Das funktioniert in der Praxis gut und erleichtert an einigen Punkten wirklich die Bedienung. Allerdings ist die Bewegungssteuerung, da sie eben die Kamera als Sensor nutzt, auf eine gute Belichtung angewiesen und in der Praxis stellte ich fest, dass vor allem die Statusleiste deutlich häufiger auf dem Bildschirm erschien, als ich wollte.

Mittelklasse-Hardware und vorbildlicher Speicher

Phicomm verbaut im Passion den Snapdragon 615 von Qualcomm, dessen acht Rechenkerne mit 1,5 Gigahertz getaktet sind. Zusammen mit dem zwei Gigabyte großen Arbeitsspeicher erreicht das Smartphone im Antutu-Benchmark Ergebnisse, die zwischen 23.000 und 29.000 Punkten schwanken. Das System und die Benutzeroberfläche sowie weit verbreitete Apps laufen damit auf jeden Fall flüssig. Auch Spiele, die größere Ansprüche an die Leistungsfähigkeit stellen, könnt Ihr auf dem Passion zocken — allerdings nicht immer mit der höchstmöglichen Grafikqualität und mitunter fallen die Ladezeiten etwas länger aus, als auf Geräten mit schnelleren Prozessoren. Asphalt 8 läuft zum Beispiel bei mittlerer Grafikeinstellung ruckelfrei.

Vorbildlich ist Ausstattung des Phicomm Passion beim internen Speicher: Er ist 32 Gigabyte groß und 27 Gigabyte davon stehen für Eure Daten zur Verfügung. Sollte das nicht ausreichen, könnt Ihr die Kapazität mit einer microSD-Karte um bis zu 64 Gigabyte erweitern, müsst dann allerdings auf die zweite SIM-Karte verzichten, da Ihr in den zweiten Kartenschacht sowohl eine Nano-SIM- als auch eine microSD-Karte einlegen könnt — aber immer nur eine zur Zeit.

Die gesamte Hardware des Phicomm Passion steckt in einem 7,4 Millimeter dünnen Gehäuse aus Kunststoff, das aus einem Guss gefertigt ist und angenehm in der Hand liegt. Die Seitenteile aus Metall lassen das Smartphone noch etwas edler wirken, aber ich finde schon den matten Kunststoff für sich alleine ansprechend.

Kamera: nicht genau hinschauen

Die Kamera auf der Rückseite des Phicomm Passion nimmt Fotos mit 13 Megapixeln auf. Der Bildsensor stammt nach Angaben des Herstellers von Sony. Auf den ersten Blick und vor allem auf dem fünf Zoll großen Display des Smartphones, sehen die Aufnahmen gut aus. Die Farben wirken satt und die Bilder insgesamt detailreich. Schaut man allerdings genau hin — zum Beispiel auf einem PC-Monitor und in Originalgröße — dann fallen nicht nur Unschärfen, sondern auch starke Artefakte auf. So ist etwa ein auf den ersten Blick blauer Himmel mit vielen grauen, weißen und roten Pixeln durchsetzt.

Mit Licht und Schatten kommt die Kamera gut zurecht, aber zu einem wirklichen Verkaufsargument reicht die angepriesene HDR-Funtktion des Passion nicht. Die Frontkamera mit einer Auflösung von fünf Megapixeln steht qualitativ noch hinter der Rückkamera, sollten den meisten Menschen für ein schnelles Selfies allerdings völlig ausreichen.

Das Phicomm Passion bietet keine Top-Ausstattung, sollte jedoch viele Nutzer völlig zufrieden stellen. In meinen Augen sind der Verzicht auf die Google-Apps, die Dual-SIM-Funktion und neue Ideen wie die Bewegungssteuerung Merkmale, mit denen das Smartphone punkten kann. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 399 Euro, was ich trotz des vielen Lobes sehr hoch finde; der aktuelle Straßenpreis liegt knapp unter 300 Euro und ist deutlich angemessener.


Weitere Artikel zum Thema
CURVED-Cast #25: Virtual-Reality-Porn in Sach­sen?!
Marco Engelien
CURVED Cast 25
Im CURVED-Cast geht es heiß her, denn die Sachsen sind VR-Porn-Meister. Außerdem wundern sich Felix und Marco über Huaweis Update-Politik.
iPhone 7: Über­lebt es Flüs­sig­stick­stoff in einem Knet­ball?
Michael Keller
iPhone 7 Knete
Kennt Ihr intelligente Knete? TechRax schon. Der YouTuber verschließt darin ein iPhone 7, bevor er es Flüssigstickstoff aussetzt.
BlackBerry Mercury: So soll das Smart­pho­nes in freier Wild­bahn ausse­hen
Michael Keller1
Mit dem BlackBerry Mercury könnte eine Ära zu Ende gehen
BalckBerry will mit dem Mercury ein letztes Smartphone mit physischer Tastatur herausbringen. Fotos sollen das Gerät nun in freier Wildbahn zeigen.