Popslate im Test: Die E-Ink-Hülle fürs iPhone 6 enttäuscht

Peinlich !52
Das iPhone 6 mit E-Ink-Screen auf der Rückseite
Das iPhone 6 mit E-Ink-Screen auf der Rückseite(© 2015 CURVED)

Das Popslate hätte aus dem iPhone 6 ein YotaPhone mit zweitem, stromsparenden E-Ink-Screen auf der Rückseite machen können. Hätte... - Wenn die Macher ihr Versprechen gehalten hätten.

Ach, es hätte so schön sein können. Eine richtige E-Ink-Hülle, die aus dem iPhone ein Quasi-YotaPhone mit E-Ink-Display auf der Rückseite gemacht hätte. Um Strom zu sparen, hätte man sich Informationen, wie Uhrzeit, Wetter oder die kommenden Termine auf der Rückseite anzeigen lassen können. Ja, es hätte so schön sein können.

Drei Jahre Wartezeit

Ja, es hätte wirklich so schön sein können. Doch was stattdessen passiert, war eine Lektion in Geduld. Bestellt bzw. crowdgefunded hatte ich mein Popslate im September 2012. Damals nutzte ich noch ein iPhone 5. Ein Jahr später war immer noch kein Popslate im Briefkasten. Dafür kam das iPhone 5s. Puh, Glück gehabt, derselbe Formfaktor. Doch auch im September 2014: kein Popslate. Langsam wuchs bei mir der Unmut. Immerhin hatte ich schon zwei Jahre gewartet. Mittlerweile war klar, dass das Case-Design nicht mehr für das neue iPhone passen wird.

Dann Anfang des Jahres ein Lebenszeichen: Die Serienproduktion beginnt. Die Early Birds, ich war einer davon, würden ihre Geräte zuerst bekommen. Doch Pustekuchen. Erst jetzt, rund vier Monate später, auch noch durch den Poststreik verzögert, lag das kleine Päckchen in meinen Briefkasten.

Design: Wie gewollt und nicht gekonnt

Hat sich das Warten gelohnt? Leider nein, leider gar nicht. Das Popslate ist rundherum eine Enttäuschung. Fangen wir einmal beim Gehäusedesign an: Dick und nicht gerade elegant. Wirklich unschön ist die komplett unterbrochene Gehäusekante rund um die Lautstärkebuttons. Anstatt Aussparungen zu designen, bietet das Case an dieser Stelle überhaupt keinen Schutz. Warum nur? Wer hat das designt? Und warum darf sich diese Person überhaupt Designer nennen? Ebenfalls unschön: Das Gehäuse besteht aus zwei Teilen, die zusammengesteckt werden. So schiebt Ihr das iPhone zuerst in den Schlitten und dockt dann die Unterseite des Cases an. Dadurch hat das Case ein weitere optische Unterbrechung. Unschön, die Dritte: Der micro-USB-Anschluss zum Aufladen des internen Akkus ist nicht auf der Unterseite und nicht verdeckt. Plus: Das Gehäuse verfügt über einen Knopf, mit dem Ihr das Display aus und anschalten könnt. Und wo ich gerade schon dabei bin: Selbst das Display auf der Rückseite bildet nicht eine Ebene mit dem Rest des Cases, sondern liegt ein wenig tiefer. Dadurch soll es wohl bei Stürzen geschützt sein. Schön ist das nicht.

Mein Urteil zum Design: Sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt.

Das vier Zoll große Display löst mit 400 x 240 Pixeln auf und kommt so auf eine Pixeldichte von 115 ppi. Zum Vergleich: Der Kindle Paperwhite bringt es auf 212 ppi. Konkret bedeutet das, dass der Popslate-Bildschirm nicht ansatzweise so scharf ist wie der aktuelle E-Reader. Bilder mit guten Kontrasten sehen trotzdem noch passabel aus, Schriftzüge hingegen wirken grob. Der Akku im Gehäuse hat eine Kapazität von 240 Milliamperestunden, was laut Hersteller für eine Woche Betrieb reichen soll. Das kann ich bestätigen. Danach muss das Popslate für einige Zeit an die Steckdose.

App (in die Tonne)

Bilder und Texte werden mittels Bluetooth vom iPhone auf das Popslate übertragen. In der App müsst Ihr Euch zunächst zwangsweise einen Account anlegen. Denn die Macher wollen möglichst viel Abwechslung für Eure Popslates bieten und geben Euch deswegen Zugriff auf die hochgeladenen Motive anderer “Popslater”. Künstlerisch besonders wertvolle Bilder und Accounts werden sogar in der App gefeatured. Zusätzlich habt Ihr noch die Möglichkeit, Euren Instagram-Account hinzuzufügen. Was mich kolossal nervt: Jedes Bild, dass Ihr aus der eigenen Bildergalerie auf das Popslate schickt, wird verfügbar in Eurem öffentlich aufrufbaren Profil. WTF?! Ich will nicht, dass die ganze Welt eventuell Zugriff auf Motive hat, mit denen ich schöne persönliche Momente verbinde. Will ich das nicht, muss ich meinen Account aufrufen und das Bild dauerhaft löschen. Anders geht es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Auch ist der Funktionsumfang der App generell eher bescheiden. Ich kann noch den Batteriestatus abfragen und die Firmware des Popslates aktualisieren.

Habe ich ein passendes Bild gefunden, genügt ein kurzer Tipp auf das “Pop”-Symbol im rechten oberen Bildrand. Wenige Sekunden später taucht das Bild dann auf meinem Popslate auf. Gut schauen allerdings nur Hochkantbilder aus. Motive im Querformat lassen sich nicht zuschneiden, sondern werden entweder unschön abgeschnitten oder vertikal eingeblendet. Meh.

Ach, und hab ich schön erwähnt, dass sich App und Popslate nicht automatisch wieder verbinden, wenn die Bluetooth-Verbindung einmal unterbrochen war? Das ist ärgerlich, denn befindet sich einmal ein neues Motiv auf dem Popslate, braucht es Bluetooth eigentlich nicht.

Fazit: Anspruch und Wirklichkeit

Der Hersteller vermarktet das Popslate als “Second Screen fürs iPhone”. Dass ich nicht lache! Aktuell ist das Gadget nur eine klobige, schlecht designte Hülle mit einem unscharfen E-Ink-Display und eine funktionsarmen App. Eine To-Do-App oder ein Kalender-Widget für die iPhone-Rückseite? Fehlanzeige. Touchsteuerung zum Lesen von E-Books oder Magazinen auf dem stromsparenden E-Ink-Dispay. Fehlanzeige. Wenn Ihr das für übertrieben haltet: Genau so haben die Macher auf Indiegogo für ihre Kampagne geworben. Und erreichten so mit rund 219.000 Dollar 146 Prozent ihres Finanzierungszieles von 150.000 Dollar.

Zwar wollen die Macher in den kommenden Monaten ein Entwicklerkit bereitstellen, mit dem sich weitere Apps verknüpfen lassen. Doch zum jetzigen Zeitpunkt kann ich vom Gebrauch und Kauf dieses Gerätes nur abraten. Zumal das Case 129 Dollar plus Versandkosten aus den USA kostet. Zum Vergleich: Der Kindle Paperwhite kostet gerade einmal 119 Euro. Es hätte so schön sein können...


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