Prestigio Grace im Test: Acht Kerne im flachen Gehäuse

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Prestigio Grace
Prestigio Grace(© 2014 CURVED)

Das Prestigio Grace weckte mit einem schicken Design, guten Leistungsdaten und einem niedrigen Preis unser Interesse und überraschte uns mit frischen Ideen bei der Software.

Falls Euch Prestigio noch nichts sagt: Der Hersteller aus Zypern ist in Deutschland noch größtenteils unbekannt und war bisher vor allem in Osteuropa und Russland auf der Suche nach Käufern, will jetzt aber auch Verbraucher in Deutschland glücklich machen - was mit dem Grace durchaus gelingen kann.

Display, Gehäuse und Verarbeitung

Das Prestigio Grace verfügt über ein fünf Zoll großes Super-AMOLED-Display mit einer Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Das sorgt nicht nur für ein gestochen scharfes Bild, sondern auch für sehr kräftige Farben, die viele andere Smartphone-Displays blass erscheinen lassen, aber auch manchem Betrachter zu leuchtend sein können.

Der Touchscreen soll sowohl mit Handschuhen als auch mit nassen Fingern zu bedienen sein. Im Selbstversuch überprüfte ich dieses Versprechen und kann bestätigen, dass Ihr nicht nur Anrufe annehmen könnt, ohne Euch die Hände abzutrocknen. Mit Handschuhen funktioniert die Bedienung allerdings nicht verlässlich, so dass teilweise mehrere Anläufe nötig sind oder sich eine Aktion gar nicht durchführen lässt.

Geschützt wird das Grace durch Gorilla Glass 3 auf der Vorder- und Rückseite, was es zum perfekten Android-Smartphone für Liebhaber des iPhone 4 macht. Der Rahmen besteht aus eine Magnesium-Legierung, so dass das Smartphone insgesamt edel wirkt. Und laut Hersteller nur 5,5 Millimeter dick ist, doch wir haben das iPhone 6 mit seinen 6,9 Millimeter daneben gelegt und konnten mit den Augen keinen Unterschied erkennen. Bei der Größenangabe des Herstellers kommt zudem hinzu, dass die Kamera wie bei den neuen iPhones hervorsteht und das Grace an dieser Stelle sowieso dicker ist. Bei der Verarbeitung sind kein Fehler zu erkennen.

Im Inneren des Grace verrichtet ein mit 1,7 Gigahertz getakteter Achtkern-Prozessor - unterstützt von zwei Gigabyte Arbeitsspeicher - seine Arbeit. Er sorgt dafür, dass Android und die Apps flüssig laufen. Trotz der doppelten Zahl an Rechenkernen kann er aber nicht mit den Quad-Core-Chips anderer Top-Modelle wie dem LG G3, Samsung Galaxy S5 oder HTC One M8 mithalten. Im Antutu-Benchmark erreicht das Prestigio etwas mehr als 30.000 Punkten und bei Spielen, wählt es nicht von alleine die bestmögliche Grafikqualität aus, sorgt so aber dafür, dass Titel wie Asphalt 8 flüssig laufen.

Viele Software-Zugaben und eine neue Idee für den Speerbildschirm

Prestigio installiert Android 4.4.2 und damit fast die aktuellste Version von Googles Betriebssystem, das schon bei 4.4.4 angekommen ist, auf dem Grace. Zusätzlich lädt der Hersteller sehr viele eigene Apps wie einen E-Book-Reader, einen App Store, einen Cloud-Dienst sowie Wartungstools auf das Smartphone. Das ist gut gemeint, und wenn Ihr noch zum ersten Mal ein Android-Gerät nutzt, durchaus hilfreich. Wechselt Ihr aber von einem anderen Smartphone, werdet Ihr schon Eure eigene Auswahl an Apps gefunden haben und freut Euch wahrscheinlich darüber, dass sich die Prestigio-Apps leichter deinstallieren lassen als die vorinstallierten Programme aus dem Hause Google.

Der Multistart-Lockscreen vom Prestigio Grace.(© 2014 CURVED)

Nicht deinstallieren würde ich dagegen den Multistart-Lockscreen, der eine frische Idee für den Lockscreen ist. Wollt Ihr mit dem Sperrbildschirm allerdings unbefugten Zugriff auf Euer Smartphone verhindern, dann ist die App nicht die richtige Anwendung für Euch. Über eine Seitenleiste könnt Ihr Schnellzugriffe auf verschiedene Programme wie Facebook, Twitter, den Musikplayer, die Suche, Youtube-Channels, RSS-Feeds, Flickr oder die Wetter-App von Yahoo einrichten. Mit dem Schloss entsperrt Ihr den Bildschirm nicht nur, sondern könnt gezielt eine Messaging-App, eine Multimedia-App oder eine der zuletzt geöffneten Apps starten oder einen Eurer letzten Kontakte direkt anrufen.

Der 16 Gigabyte große interne Speicher des Prestigio sollte für die meisten Nutzer ausreichen, nur wer eine umfangreiche Musiksammlung mitnehmen oder viele Videos aufzeichnet, wird sich ärgern, dass er keine microSD-Karte zur Erweiterung der Speicherkapazität einlegen kann.

Ansonsten erwarten Euch bei der Ausstattung Standards wie GPS, WLAN und Bluetooth. Der mobile Internetzugang erfolgt per UMTS, LTE beherrscht das Grace nicht. Der Akku bietet ein Kapazität von 2300 Milliamperestunden und liegt damit bei den Android-Geräten im unteren Bereich - die reale Laufzeit hängt am Ende aber wieder stark von Eurem Nutzungsverhalten ab.

13 Megapixel und ein Multiwinkelansichtsmodus

Die Kameralinse auf der Rückseite des Grace steht wie beim iPhone 6 etwas ab, was im Alltag aber nicht für Probleme sorgt. Die Kamera liefert Fotos mit einer Auflösung von 13 Megapixeln, die nicht zu besten Aufnahmen eines Smartphones gehören, für Schnappschüsse aber mehr als ausreichend ist. Die Frontkamera liefert Selfies mit fünf Megapixeln.

Beim ersten Start der Kamera-App stand diese auf dem Kopf, was die Bedienung erschwerte, aber nach einem Neustart behoben war. Neben dem normalen Aufnahmemodus bietet sie Euch einen Bewegungserkennungsmodus für Serienaufnahmen von sich bewegenden Motiven, einen Panoramamodus und einen Multiwinkelansichtsmodus, bei dem Ihr mit dem Kamera um das Motiv herum fahrt und es später aus mehreren Blickwinkeln betrachten könnt. Für Videos steht Euch ein elektronischer Bildstabilisator und eine Zeitraffer-Funktion zur Verfügung.

Fazit

Insgesamt liefert Prestigio mit dem Grace ein gelungenes Smartphone ab, das nicht in die Spitzengruppe gehört, aber weit oben mitspielt. Das Design ist wie immer Geschmacksache, aber die verwendeten Materialien und die Verarbeitung lassen es edel wirken. Das Display ist hochauflösend mit knackigen Farben.

Die Hardware steht etwas hinter den Top-Smartphones zurück, reicht aber mehr als aus, am ehesten fehlt die Möglichkeit den Speicherplatz mit einer microSD-Karte zu erweitern. In Sachen Software bewegt sich das Grace auf der Höhe der Zeit, ist allerdings mit Programmen vom Hersteller voll gestopft, die sich aber relativ leicht entfernen lassen.

Das Prestigio Grace soll noch im September 2014 in Deutschland erhältlich sein, wobei die unverbindliche Preisempfehlung bei 349 Euro liegt. Angesichts der Ausstattung, Verarbeitung und Qualität des Smartphones ein Preis der völlig in Ordnung ist.


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