Razer Blade (2017) im Test: Qualität hat ihren Preis

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Sexy, aber teuer: das neue Razer Blade.
Sexy, aber teuer: das neue Razer Blade. (© 2017 CURVED)

Ihr seid auf der Suche nach einer idealen Mischung aus portabel, sexy, aber leistungsstark? Dann haltet kurz inne und überprüft sicherheitshalber Euren Kontostand. Denn das aktuelle Razer Blade könnte Euer Herzblatt sein.

Jetzt kaufen oder lieber noch warten? Razer macht es Euch bei der Kaufentscheidung eines Notebooks nicht leicht. Kaum ist die Entscheidung gefallen und der Kauf getätigt, kündigt der auf Gaming-Peripherie spezialisierte Hersteller den Nachfolger an. In unserem Fall handelt es sich dabei um das Razer Blade (2017), das gegenüber dem Vorjahresmodell mit Intels Kaby-Lake-Prozessor ausgestattet ist.

Sex sells

Wer sich für ein Razer Blade entscheidet, macht dies bewusst. Denn bislang sind die Notebooks ausschließlich online erhältlich. Mal eben im Laden vorbeischauen und ausprobieren, das gibt es bei Razer nicht. Dementsprechend sollte man sich vorher gut überlegen, ob das Design den eigenen Vorstellungen entspricht.

Das mattschwarze Finish des Aluminiumgehäuses macht einen robusten Eindruck, ist allerdings anfällig für Fingerabdrücke. Bewunderer solltet Ihr also lieber auf Abstand halten. Mir gefällt das reduzierte Design des Razer Blade, das in seiner Erscheinung schon ein Sex Appeal verströmt. Und klar: Das Schlangenlogo leuchtet während des Betriebs.

Die Hardware

Okay, natürlich sollte die Optik eines technischen Geräts höchstens der zweitwichtigste Grund für die Anschaffung sein. Relevanter für die Kaufentscheidung ist die Hardware und deren Leistung. Als Prozessor hat Razer den Skylake-Nachfolger von Intel verbaut: einen Kaby-Lake i7 mit 2.8 GHz, der sich auf bis zu 3.8 GHz übertakten lässt. Mit 16 Gigabyte DDR4 Arbeitsspeicher und einer Nvidia GTX 1060 mit 6 Gigabyte schnürt Razer ein Gesamtpaket an Leistung, das derzeit potenter kaum sein könnte. Das Ganze verbaut in einem 14 Zoll großen Notebook, das in der Höhe nicht mal zwei Zentimeter misst und weniger wiegt als zwei Liter Milch. Allerdings haben Kompaktheit und Mobilität ihren Preis. Und ich meine nicht den Batzen Geld, den Ihr dafür auf den Tisch legen müsst. Wie Apple bei seinen MacBooks oder Sony und Microsoft bei ihren Konsolen ist auch das Razer Blade ein in sich geschlossenes System. Habt Ihr Euch für eine Konfiguration entschieden, wird diese so lange Euer Begleiter, bis ihr das komplette Notebook gegen ein neues austauscht. Einzelne Komponenten ersetzen, wie man es von Desktop-PCs kennt, ist von Razer nicht vorgesehen und führt bei Öffnen des Gehäuses zum Verlust der Garantie.

Mit Blick auf die verbaute Hardware muss man sich allerdings keine allzu großen Sorgen machen, dass es dem Gerät in naher Zukunft an Leistung fehlen dürfte. Tatsächlich ist sie sogar in der Lage, VR-Spiele zu ermöglichen. Wer jetzt hektisch auf den Kaufen-Button klickt, weil er unbedingt "Superhot VR" draußen im Park spielen will: Daraus wird nichts. In der Praxis ist der Akku dafür einfach nicht ausgelegt. Bei normaler Anwendung (Office, Webbrowsing, Mail-Korrespondenz) kommt Ihr problemlos bis zu acht, neun Stunden damit aus. Wollt Ihr unterwegs spielen, solltet Ihr rechtzeitig Ausschau nach einer Steckdose halten. Wir haben unter anderem "Gears of War 4" und "Overwatch" jeweils in den höchsten Einstellungen "Ultra" und "Episch" gespielt. Während "Overwatch" den vollen Akku nach knapp 90 Minuten geleert hatte, reichte es bei "GoW 4" für gerade einmal für etwas mehr als 60 Minuten.

Die Performance: schnell, dann aber auch laut

Weil sich Razer in erster Linie an Gamer richtet, haben wir auf dem Blade ein paar Triple-A-Spiele installiert, um zu schauen, wie es sich als Spiele-Plattform schlägt. Getestet haben wir "Gears of War 4", "Overwatch", "The Witcher 3", "Mass Effect: Andromeda" und "Battlefield 1". Bei allen fünf Titeln haben wir in den jeweils höchsten Grafikeinstellungen mit vollen Details gespielt und einen FPS-Zähler mitlaufen lassen. Kurzum: Keines der fünf Spiele stürzte in den kritischen Bereich von unter 30 FPS ab. Der rasante Online-Shooter "Overwatch" schafft locker an die 90 FPS, in hektischen Momenten mit mehreren Spielern gleichzeitig auf dem Screen fiel es nie unter 60. Die offene Welt und die realistischere Darstellung bei "The Witcher 3" beanspruchen schon etwas mehr Leistung, pendelte sich aber auch zwischen 35 und 40 Bildern pro Sekunde ein. Über die technische Mankos bei "Mass Effect: Andromeda" kann aber leider auch die butterweiche Performance des Blade nicht hinwegtäuschen.

Dass alle von uns getesteten Spiele anstandslos und ohne Einbrüche liefen, liegt natürlich auch an der sechs Gigabyte starken GTX 1060. Sobald diese anfängt, die Grafik zu berechnen, wird es allerdings schnell laut. Und zwar sehr laut. Die zwei nach unten gerichteten Lüfter drehen derart auf, dass sich Sitznachbarn daran stören und wir uns beim Spielen gefühlt haben, als hätten wir im Windkanal gesessen. Ohne Kopfhörer sind längere Spielsessions kaum zu ertragen. Dafür wird das Blade aber auch unter Vollauslastung nie besorgniserregend heiß.

Übrigens: Solltet Ihr Euch das Blade zum Spielen anschaffen, legt gleich noch eine Maus in den Warenkorb. Das Trackpad ist leider viel zu ungenau, um als adäquater Ersatz herzuhalten. Dafür arbeitet die 16,8 Millionen farbenfrohe Chroma-Tastatur präzise und hat einen angenehm flachen Druckpunkt mit leichtem Widerstand, der etwas Eingewöhnung bedarf.

Der Flaschenhals

Das uns von Razer als Testgerät geliehene Blade ist die kleinste Variante der Blade-Reihe mit Full-HD-Display und einer 256 Gigabyte großen SSD. Und hier offenbaren sich die größten Kritikpunkte an dem neuen Blade. Wer viel mit dem Smartphone spielt, Fotos schießt und Musik darauf speichert, weiß, was für ein knappes Gut der Speicherplatz sein kann. Und ausgerechnet da geizt das teure Notebook. Da hilft es auch nicht, dass es sich um schnellen SSD-Massenspeicher handelt. Allein "Gears of War 4" belegt mit über 100 GB fast die Hälfte der Speicherkapazität. Nach "Overwatch" und "The Witcher 3" bekamen wir bereits die Warnung von Windows 10, dass der Speicher knapp wird. Für "Battlefield 1" und "Mass Effect: Andromeda" mussten wir die drei anderen Spiele zunächst wieder löschen. Das ist im Jahr 2017 ziemlich bitter, zumal wir die Spiele nur in ihrer Originalfassung, also ohne DLCs oder Erweiterung, installiert hatten. Unter Umständen bedeutet das also, dass Ihr Euch auf ein Spiel beschränken müsst, sofern Ihr das Gerät noch für andere Aufgaben nutzen wollt. Denn wie gesagt: Auch die Festplatte ist fest verbaut und nicht gegen eine größere austauschbar.

Ein weiteres Minus kassiert Razer für das Full-HD-Display, das bei 14 Zoll auf 157 Pixel pro Zoll kommt (ppi). Das 2016er MacBook Pro erreicht bei 15 Zoll eine Auflösung von 2880 x 1800 Bildpunkten (220 ppi) – und ist per se gar nicht fürs Spielen ausgelegt. Die niedrige Auflösung des Display kommt allerdings der Leistung zupass, da das Weniger an Pixeln mehr Details in der Berechnung erlaubt. Immerhin. Dass der Rahmen des Bildschirms etwas dick ausfällt, ist Geschmacksache. Ich hatte mich relativ schnell daran gewöhnt.

Fazit

Das Razer Blade (2017) ist eine eindrucksvolle Rechenmaschine im Designer-Outfit. Hinter schlichter Eleganz verbirgt sich genug Power, um aktuelle Titel problemlos in höchster Detailstufe zu genießen. Allerdings hat diese auch ihren Preis, und der ist recht happig. In Deutschland ruft Razer für die kleinste Ausstattung mit Full-HD und 256 GB großer SSD stolze 2150 Euro ab. Angesichts der Tatsache, dass manche Spiele bereits halb so groß sind und Ihr hinterher keine Änderungen mehr an der Hardware vornehmen könnt, solltet Ihr Euch also vorher genau überlegen, für welche Zwecke Ihr das Blade braucht. Wer ohnehin nur zuhause spielen will, bekommt für das Geld einen High-End-Desktop-PC mit Zukunftsperspektive und 4K-Monitor. Bei Blade müsst Ihr Euch mit Full-HD zufriedengeben. Das ist 2017 nicht mehr unbedingt zeitgemäß. Da ist von HDR-Features gar nicht erst die Rede. Nichtsdestotrotz liefert Razer, was sie mit dem Blade versprechen: ein Power-Notebook in erstklassiger Optik und Verarbeitung, das allen Ansprüchen gerecht wird. Und machen wir uns nichts vor: Wie bei Apple ist auch der Name an sich schon Teil des Kaufanreizes.


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