Razer Phone 2 im Test: Flagship Gaming im Hands-On

Das Razer Phone 2 lässt sich auch kabellos laden. Eine entsprechende Station hat Razer gleich mit vorgestellt.
Das Razer Phone 2 lässt sich auch kabellos laden. Eine entsprechende Station hat Razer gleich mit vorgestellt.(© 2018 CURVED)

Die Verkaufszahlen des Razer Phone müssen sehr zufriedenstellend gewesen sein. Anders lässt sich kaum erklären, warum Razer nach nicht mal einem Jahr einen Nachfolger vorstellt. Das Razer Phone 2 soll die Kinderkrankheiten des Erstlings ausmerzen und das Werbeversprechen vom sogenannten "Flagship Gaming" mit entsprechender Leistung untermauern.

In unserem Test konnte das Razer Phone seinerzeit mit potenter Hardware und technischer Finesse überzeugen, wies allerdings eklatante Schwächen unter anderem bei der Kamera auf. Eine Baustelle, der sich Razer durchaus bewusst ist, und für das Razer Phone 2 entsprechende Nachbesserungen verspricht, sowohl was die Kamera als auch die Software betrifft.

Optisch nahezu identisch

Die auffälligste Änderung gegenüber dem Vorjahresmodell offenbart sich auf der Rückseite: Die weiterhin horizontal ausgerichtete Dualkamera (12-Megapixel-Weitwinkel mit optischem Bildstabilisator und 12-MP-Teleobjektiv mit zweifachem Zoom) liegt nun mittig über dem Schlangenlogo. Der Grund dafür sei, so die Antwort von Razer, vor allem pragmatischer Natur: Das Telefon wackelt dadurch nicht mehr einseitig, wenn es auf dem Tisch oder ähnlichem liegt.

Allerdings bietet es sich beim Razer Phone 2 ohnehin an, es bei Nichtnutzung aufs Gesicht zu legen – denn eine zweite Neuerung befindet sich ebenfalls auf der Rückseite: Das ikonische Logo unterstützt nun Razer-typisch eine RGB-Beleuchtung mit 16,8 Millionen Farben. Damit das Farbwechselspiel aber nicht bloß reine Zierde bleibt, lassen sich darüber Benachrichtigungen über entgangene Anrufe oder etwa WhatsApp-Nachrichten illuminieren.

Über die vom PC bekannte Software Razer Chroma lässt sich definieren, wie intensiv das Logo leuchten soll (auch mit Hinblick auf den Akku), ob statisch in einer Farbe oder dynamisch wechselnd. Inwieweit sich auch einzelnen Diensten eigene Farben zuweisen lassen – zum Beispiel grün für WhatsApp oder blau für den Facebook Messenger –, ließ sich in unserem Hands-On nicht ausprobieren.

Am übrigen Design hat sich nicht viel getan; direkt nebeneinander liegend fällt auf, dass das Razer Phone 2 minimal länger ist als der Vorgänger. Das LC-Display von IZGO misst weiterhin 5,7 Zoll in der Diagonale und löst mit 1440 mal 2560 Pixel auf. Die 120-Hz-Technologie sorgt wieder für flüssige Animationen, während Razer die Farbtiefe von acht auf zehn Bit erhöht hat. Allerdings profitieren weiterhin nur eine Handvoll Spiele tatsächlich von der hohen Bildwiederholrate, zum Beispiel "Arena of Valor".

Ausnahmslos allen Anwendungen zugute kommt die deutlich intensivere Helligkeit des Screens. Razer spricht von einer Steigerung von bis zu 50 Prozent – der positive Unterschied ist auf den ersten Blick zu sehen.

Auch der Game Booster ist wieder Teil der vorinstallierten Software. Allerdings nicht mehr eigenständig, sondern integriert in Razer Cortex.(© 2018 CURVED)

Endlich kabellos laden

Darüber hinaus haben die Frontkamera (8 Megapixel, nimmt Videos in Full-HD auf) und der Helligkeitssensor die Plätze getauscht – das war es dann aber auch schon an optischen Neuerungen. Weil sich das Razer Phone 2 endlich auch kabellos aufladen lässt, ist die Rückseite entsprechend aus Glas gefertigt. 30 Minuten sollen bereits reichen, um den 4000-mAh-Akku per Qualcomm QuickCharge 4+ auf 50 Prozent aufzuladen.

Auch beim Razer Phone 2 steht mobiles Spielen weiterhin im Vordergrund. Zugunsten des Spielerlebnis’ verzichtet Razer deshalb auf zeitgeistige Anpassungen wie randlose Displays oder eine Notch. Stattdessen verbaut Razer erneut ober- und unterhalb des Screens Stereo-Lautsprecher mit Dolby-Atmos-Unterstützung, die zudem lauter und sauberer klingen sollen als beim Erstling. Inwieweit Nutzer tatsächlich im öffentlichen Raum Gebrauch von dem Stereo-Sound machen, bleibt hingegen unbeantwortet.

Wer sein Umfeld beim Spielen akustisch nicht belästigen will, koppelt entweder kabellose Kopfhörer per Bluetooth 5.0 mit dem Smartphone oder aber nutzt den DAC-Adapter am USB-C-Anschluss als Ersatz für die fehlende Klinkenbuchse. Immerhin: Razer hat die Lautsprecher versiegelt und auf IP67 getestet, sodass das Telefon zumindest gegen eindringendes Wasser geschützt ist – ebenfalls eine subtile Verbesserung.

Auf der Höhe der Zeit – aber ihr nicht voraus

Die technischen Spezifikationen lesen sich wie ein typisches 2018er Update: Im Inneren werkelt ein Snapdragon 845 mit 2,8 Ghz nebst Adreno 630 Grafikprozessor und acht Gigabyte Arbeitsspeicher. Bis zu 30 Prozent mehr Leistung gegenüber dem Vorgänger will der Hardware-Experte mit den verbauten Komponenten erreichen. Mal sehen, inwieweit sich diese Behauptung in Benchmark-Tests beweisen kann.

Damit der Leistungsschub wirklich bei den Spielen ankommt, integriert Razer erneut den Game Booster in die Software. Mithilfe dieses Managers lässt sich die Leistung für einzelne Spiele individuell verteilen, angefangen bei der Taktzahl der CPU über die Auflösung bis hin zur Bildrate. Razer verwebt die Software beim Razer Phone 2 noch stärker mit seinem eigenen Ökosystem, indem der Game Booster nun keine eigene App mehr ist, sondern Teil von Razer Cortex, das schon auf dem PC für die Performance- und Systemleistung zuständig ist, und nun erstmals auch auf dem Razer Phone 2 vorinstalliert ist.

Ebenfalls vorinstalliert ist übrigens nur Android 8.1 Oreo und erneut der angepasste Nova Launcher für mehr Anpassungsmöglichkeiten bei der Benutzeroberfläche. Ein Update auf Android 9 Pie will Razer nachliefern, allerdings noch ohne konkreten Termin. Beim Vorgänger lagen zwischen Erscheinen des Telefons und dem Android-Update immerhin gut sechs Monate. Hoffen wir, dass Razer das Update dieses Mal schneller ausrollt.

Gleiches gilt übrigens auch für neue Kamera-Funktionen. Das Razer Phone 2 verfügt immerhin von vornherein über einen Porträt- und Panorama-Modus, weitere sollten allerdings nicht wieder so lange auf sich warten lassen.

Vorläufiges Fazit

Mit dem Razer Phone 2 bringt der Gaming-Spezialist einen wenig überraschenden Nachfolger in den Handel, der letztlich vor allem in den Details verbessert wurde. Allerdings steht das Razer Phone 2 nicht mehr alleine, sondern muss sich gegen eine wachsende Zahl an Mitbewerbern behaupten, die ebenfalls mit Gaming-Smartphones die Mobilspieler erreichen wollen – zum Teil zu niedrigeren Preisen wie das Honor Play oder mit ungewöhnlichen Funktionen wie das Asus ROG Phone.

Darüber hinaus stellt sich natürlich weiterhin die Frage, ob marketingwirksames "Flagship Gaming" auf dem Smartphone einen Preis jenseits der 800 Euro rechtfertigt. Eine Antwort darauf liefert hoffentlich der finale Test.

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