Razer Phone 2 im Test: Das Gaming-Smartphone sinnvoll verbessert

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Bis zu 50 Prozent heller strahlt der Bildschirm des Razer Phone 2 – ein sichtbare Verbesserung.
Bis zu 50 Prozent heller strahlt der Bildschirm des Razer Phone 2 – ein sichtbare Verbesserung.(© 2018 CURVED)

Lauter, heller, bunter – mit diesen Attributen hätte Razer das Razer Phone 2 Mitte Oktober ankündigen können. Denn während sich äußerlich nur in Nuancen Veränderungen zeigen, sind es vor allem die innenliegenden Werte, die das Smartphone von seinem Vorgänger unterscheiden.

Es ist noch kein Jahr her, da hatte Razer das aus dem Nextbit Robin hervorgegangene Razer Phone vorgestellt – ein Smartphone, das ganz auf die Bedürfnisse von Spielern ausgerichtet sein sollte, die gerne mobil zocken. Und in der Tat: Im Test konnte das Smartphone-Debüt von Razer durchaus überzeugen; retrospektiv gäbe es gleichwohl einiges zu bemängeln.

Beim Razer Phone 2 will der ursprünglich auf PC-Gaming spezialisierte Hersteller die Fehler des Vorgängers nicht wiederholen – sondern im Gegenteil, das Feedback der Community einfließen lassen, zumindest in Teilen.

Endlich bunt und kabellos

Die typische Chroma-Beleuchtung, die nahezu das gesamte Razer-Portfolio durchzieht, findet sich endlich auch bei ihrem Smartphone wieder. Über die neue Chroma-App lässt sich definieren, in welcher der 16,8 Millionen Farben des RGB-Spektrums das rückseitige Schlangenlogo aufleuchten soll. Alternativ lässt sich der Effekt in den Einstellungen auf statisch, atmend oder permanent die Farbe wechselnd festlegen.

Die RGB-Beleuchtung ist aber nicht bloß Zierde, sondern informiert darüber hinaus über eingehende Benachrichtigungen. Allerdings lassen sich für einzelne Dienste keine gesonderten Farben manuell definieren, stattdessen orientieren sich diese an den System- oder App-Vorgaben, etwa blau bei Facebook und grün bei WhatsApp – hoffentlich ändert sich das mit einem Update noch.

Mit der aus Gorilla Glas 5 gefertigten Rückseite greift Razer zudem eine technische Entwicklung auf, die in der Preisklasse sukzessive zum Standard wird: kabelloses Aufladen. Musste der Erstling noch jedes Mal ans USB-C-Kabel, sobald die 4000 mAh des Akkus aufgebraucht waren, bietet sich beim Razer Phone 2 alternativ an, es auf eine induktive Ladestation zu legen, um die Batterie aufzuladen.

Optionales Zubehör

Passenderweise hat Razer gleich entsprechendes, chroma-illuminiertes Zubehör vorgestellt: Mit 109,99 Euro ist der sogenannte Wireless Charger zwar nicht gerade günstig, dank des offenen Qi-Standards funktioniert das kabellose Schnellladen (Quickcharge 4.0+) des Razer Phone 2 aber auch mit Ladestationen anderer Hersteller.

Apropos Zubehör: Neben dem Wireless Charger bietet Razer mit dem Raiju Mobile einen Controller speziell für Smartphones an. Dieser verfügt über eine Halterung, in die sich das Telefon im Querformat direkt am Gamepad befestigen lässt. An sich nichts Neues, aber immerhin eine konsequente Ergänzung zum Gaming-Smartphone. Testen konnten wir den 149,99 Euro teuren Raiju Mobile allerdings nicht.

Vorne fast alles beim Alten

Vorderseitig hat Razer auf große Designänderungen verzichten. Nutzern des Vorgängers dürfte höchstens auffallen, dass der Helligkeitssensor und die unveränderte 8-Megapixel-Frontkamera die Plätze getauscht haben. Das kommt vor allem Streamern zugute, da sie die nun außenliegende Kamera beim Spielen nicht mehr so leicht mit der Hand verdecken.

Auch das Razer Phone 2 glänzt weiterhin mit einem 5,7 Zoll großen IGZO-Display, das in QHD mit bis zu 1440 x 2560 Pixel auflöst. Damit erreicht es eine Pixeldichte von 513 ppi. Spannender als die variable Auflösung und die Pixeldichte ist aber die gesteigerte Helligkeit um fast 50 Prozent auf 580 nits. Im direkten Vergleich zum Vorgänger buchstäblich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Im Nachhinein frage ich mich, wie ich auf dem ersten Razer Phone überhaupt etwas erkennen konnte.

Von dem Plus an Helligkeit profitiert auch die Bildtiefe, die Razer von acht auf zehn Bit erhöht hat (Wide Color Gamut), wodurch die Farben intensiver leuchten. Mit einem AMOLED-Display kann die Bildqualität in diesem Punkt allerdings weiterhin nicht mithalten.

Dolby Atmos, THX und Stereo-Sound

Auch beim Razer Phone 2 steht mobiles Spielen weiterhin im Vordergrund. Zugunsten des Spielerlebnis verzichtet Razer deshalb auf zeitgeistige Anpassungen wie randlose Displays oder eine Notch. Stattdessen verbaut Razer erneut ober- und unterhalb des Screens Stereo-Lautsprecher mit Dolby-Atmos-Unterstützung, die lauter und sauberer klingen als beim Einser. Netflix-Abonnenten dürfte zudem freuen, dass das Razer Phone 2 das bislang einzige Smartphone ist, das HDR und Dolby Surround 5.1 bei dem Streaming-Dienst unterstützt.

Weil die Lautsprecher versiegelt sind, kann kein Wasser mehr ins Innere eindringen. Damit ist das Razer Phone 2 nach IP67 vor Wasser und Staub geschützt. Regenschauer sind somit kein Problem mehr, in der Badewanne sollte man aber lieber darauf verzichten. Zumal das Razer Phone 2 bei nassen Händen schnell rutschig wie ein Stück Seife wird.

So sehr ich den kraftvollen Stereo-Sound zu schätzen weiß, der dank Dolby Atmos und THX einen hörbaren Unterschied zur Konkurrenz ausmacht, so anfällig sind die winzigen Öffnungen allerdings auch für Staub. Die Hardware mag nach IP67 gegen Staub geschützt sein, für das Gehäuse gilt das leider nicht.

Wer sein Umfeld beim Spielen hingegen akustisch nicht belästigen will, koppelt entweder kabellose Kopfhörer per Bluetooth 5.0 mit dem Smartphone oder aber nutzt den DAC-Adapter Am USB-C-Anschluss als Ersatz für die fehlende Klinkenbuchse.

Die Kamera – weiterhin ein Schwachpunkt

Die Kamera des ersten Razer Phones war dessen Achillesferse – und für den Nachfolger folgerichtig eine zentrale Baustelle. Die Dualkamera knipst zwar immer noch mit jeweils zwölf Megapixel ihre Fotos, dafür verfügt das Weitwinkelobjektiv über einen optischen Bildstabilisator, während das Teleobjektiv unverändert einen zweifachen optischen Zoom bietet.

Die damit geknipsten Fotos können sich durchaus sehen lassen, zumal der Bildstabilisator endlich dafür sorgt, dass nicht mehr jedes zweite Bild verwackelt ist. Darüber hinaus hat der direkte Vergleich gezeigt, dass der Autofokus weniger Zeit benötigt, um Objekte im Zentrum scharf zu stellen, und die Kamera insgesamt schneller auslöst.

Motive mit ausreichender Beleuchtung, zum Beispiel Außenaufnahmen bei Sonnenlicht, liefern saubere, detailreiche Fotos von guter Qualität. Schwierig wird es bei Fotos mit geringen Lichtverhältnissen: Schummrige Innenaufnahmen oder Dämmerung lassen an Schärfe und Details vermissen, Bildrauschen trübt den Gesamteindruck. Insgesamt wirken die Fotos etwas blass und farbarm.

Bessere Software, fehlende Funktionen

Immerhin hat Razer bei der Software nachgebessert, die im Vergleich aber immer noch sehr rudimentär ausfällt. So gibt es neben dem bekannten Porträtmodus nun auch eine Panoramafunktion und einen Beautymodus. Letzteres meint es mit der kosmetischen Korrektur allerdings etwas zu gut, indem er die Ergebnisse künstlich überzeichnet.

Videos nimmt die Hauptkamera mit bis 4K bei 30 Bildern pro Sekunden (fps) auf – das macht sie gut, aber nicht überragend. Die Konkurrenz, zum Beispiel von Asus, ist mit 60 Bildern bei 4K darüber hinaus technisch schon weiter. Außerdem fehlte zum Verkaufsstart des Razer Phone 2 eine angekündigte und auch auf der Homepage beworbene Funktion: Zeitlupenaufnahmen mit 120 Bildern pro Sekunden sind bislang nicht möglich, gleiches gilt für die 60 fps der Frontkamera. Beides sollte Razer möglichst zeitnah per Update nachliefern.

Rechenleistung für komplexe Anwendungen

Die technischen Spezifikationen des Razer Phone 2 lesen sich wie ein typisches 2018er Update: Im Inneren werkelt ein Snapdragon 845 mit 2,8 Ghz nebst Adreno-630-Grafikprozessor und acht Gigabyte Arbeitsspeicher. Bis zu 30 Prozent mehr Leistung gegenüber dem Vorgänger will der Hardware-Experte mit den verbauten Komponenten erreichen, wobei so ein Leistungszuwachs ja ohnehin immer eine theoretische Größe ist. Denn schon auf dem Vorgänger liefen alle Spiele und Apps anstandslos und ruckelfrei. Auch im direkten Vergleich zwischen den beiden Jahrgängen fallen keine gravierenden Unterschiede bei der Performance bei "PUBG" (Grafik auf HDR und Bildrate auf Ultra) und "Asphalt 9" auf.

Die Benchmark-Tests bei Antutu belegen die leistungsstarke, aber nicht herausragende Hardware. Je nach Präferenz auf "Leistung", "Energie sparen" oder "benutzerdefiniert" variiert die Punktzahl zwischen 272.844 und 284.369 Punkten. Im Top-10-Ranking findet es sich damit auf den hinteren Plätzen wieder, während das Asus ROG Phone, ebenfalls ein preisgleiches Gaming-Smartphone, die Tabelle mit 299.706 Punkten anführt. Die Werte bei Geekbench: Multi-Core: 8906, Single-Core: 2324.

Weder "PUBG" noch "Asphalt 9" gehören übrigens zu der noch überschaubaren Liste der Spiele, die für die 120 Hertz des Bildschirms optimiert sind. Ist die Bildwiederholrate auf 120 Hz gestellt und die Helligkeit auf Maximum, reichen die 4000 mAh des Akkus bei "PUBG" für knapp drei Stunden durchgehenden Spielspaß. Dank der sogenannten Vapor-Chamber-Kühlung wird das Razer Phone 2 dabei nie unangenehm heiß, weil es die entstehende Wärme in verdampfender Flüssigkeit gleichmäßig vom Prozessor weg auf das Gehäuse verteilt.

Veraltetes Betriebssystem

Um die Leistung der Hardware individuell auf einzelne Spiele oder andere Anwendungen anzupassen, integriert Razer erneut den Game Booster in die Software. Mithilfe dieses Managers lässt sich die Leistung für einzelne Spiele individuell und unabhängig von den Systemeinstellungen verteilen, angefangen bei der Taktzahl der CPU über die Auflösung (720P, 1080P oder 1440P) bis hin zur Bildrate (60, 90 oder 120 Hertz), was sich natürlich auch auf die Akkulaufzeit auswirkt.

Razer verwebt die Software beim Razer Phone 2 noch stärker mit seinem eigenen Ökosystem, indem der Game Booster nun keine eigene App mehr ist, sondern Teil von Razer Cortex, das schon auf dem PC für die Performance- und Systemleistung zuständig ist, und nun erstmals auch auf dem Razer Phone 2 vorinstalliert ist. Razer Cortex wiederum ist eine Art kuratierter Store, in dem Razer Spiele empfiehlt, die für das Razer Phone 2 optimiert sind. Der Download der Spiele findet aber wie gewohnt über Googles Play Store statt.

Leider hat Razer es versäumt, das Razer Phone 2 zum Start mit Android 9 Pie ausliefern. Stattdessen läuft ein weitestgehend sauberes und frei von vorinstallierten Apps Android 8.1 Oreo darauf. Der angepasste Nova Launcher ist ebenfalls wieder mit an Bord und erlaubt tiefergehende Anpassungen in der Benutzeroberfläche. Ein Update auf das aktuelle Android hat Razer bereits in Aussicht gestellt, zieht man den Zeitraum des Vorgängers allerdings als Maßstab heran, dürfte es noch bis zum Frühjahr dauern.

Fazit: Auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel

Das Razer Phone 2 glänzt vor allem durch dezente Verbesserungen. Während die Hardware lediglich auf den Stand von 2018 aktualisiert wurde, sind es vor allem die überfälligen, beim Vorgänger bemängelten Defizite, die Razer auszugleicht. IP67 und Wireless Charging sind zwei sinnvolle und logische Neuerungen, zumal gerade ersteres nicht zulasten der Sound-Qualität geht – sehr schön, dass Razer hier keinen faulen Kompromiss eingegangen ist. Auch die RGB-Beleuchtung des Logos ist eine coole Dreingabe, aber kein Verkaufsargument.

Wie Razer die 100 Euro Aufpreis gegenüber dem Vorjahresmodell rechtfertigen will, leuchtet mir auch nach dem Test nur bedingt ein. Denn sowohl der Schutz vor eindringendem Wasser als auch kabelloses Aufladen sind in dem Preissegment längst Standard. Darüber hinaus ist die Kamera weiterhin die Schwäche des Razer Phones in beiden Versionen. Dass sich in der deutschen Übersetzung der Kamera-Einstellungen dann auch noch ein paar Fehler eingeschlichen haben, komplettiert den Eindruck eines noch nicht gelösten Problems.

Was das Razer Phone 2 dennoch besonders – aber nicht mehr einzigartig – macht, ist der Fokus auf Gaming. Nicht grundlos stellte Razer das Smartphone unter dem Slogan "Flagship Gaming" vor. Der Game Booster, der die Leistung optimal für einzelne Spiele auslotet, ist PC-Spielern nur allzu vertraut. Deutlich vom Rest hebt sich das Razer Phone 2 durch seinen 120-Hz-Bildschirm, die HDR-Unterstützung, Dolby Atmos und das fast schon unterverkaufte Bluetooth 5.0 ab. Klar, die 120 Hertz sind kein Muss, bieten aber flüssige Animationen und Scrollbewegungen, schon beim normalen Surfen, die sich so bei derzeit keinem anderen Smartphone finden. Und wer will, kann die Bildwiederholrate auf 90 oder 60 Hz runtersetzen. Aber wer sollte das schon wollen?

Das ist wie 4K-HDR am Fernseher, das das Spielerlebnis zwar verbessert, aber nicht zwingend notwendig ist, um überhaupt spielen zu können. Andererseits: Hat man diese technische Finesse einmal erlebt, möchte man ungern wieder darauf verzichten.

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