Samsung Galaxy A5 im Test: Heavy bepreistes Metal

Weg damit !80
Irgendwie zwischen den Stühlen: Das Samsung Galaxy A5
Irgendwie zwischen den Stühlen: Das Samsung Galaxy A5(© 2015 CURVED)

Drei Modelle im Alu-Unibody-Design hat Samsung im Oktober 2014 offiziell gemacht, zwei davon haben nun den deutschen Handel erreicht: Das Einsteiger-Modell Galaxy A3 sowie das etwas größere Galaxy A5. Wo das kleine A3 ob seiner geringen Display-Auflösung nicht zeitgemäß erscheint, bietet das A5 wenigstens 720p. Reicht das gemeinsam mit dem attraktiven Gehäuse aus, um es zu einer guten Alternative in der unteren Mittelklasse zu machen?

5 Zoll-Display mit 720p-Auflösung, ein schickes Alu-Gehäuse, eine ordentliche 13 MP-Kamera auf dem Rücken ein 2.300 mAh-Akku, der ob der nicht übermäßig anspruchsvollen Hardware richtig lange Laufzeiten bietet — Samsungs Galaxy A5 hat in vielerlei Hinsicht Potenzial; und eigentlich nur eine große Schwäche: Mit 399 Euro kostet es so viel wie manch älteres oder gar aktuelles Modell aus dem High End-Sektor.

Um aber mit diesen Geräten beispielsweise aus China oder den Vorjahren ernsthaft konkurrieren zu können, fehlen ihm ein paar wichtige Spezifikationen, vor allem hinsichtlich des antreibenden Chipsatzes. Beim ersten Hands-On vor ein paar Tagen war das ein Faktor, der mich am Galaxy A5 noch besonders störte:

Wie sieht es nun nach mehreren Tagen der Benutzung aus — kann das A5 trotz vermeintlicher Untermotorisierung überzeugen? Rechtfertigen die genannten Pluspunkte den hohen Preis oder tun sich im Alltag weitere Mängel auf?

Design: Einmal S II in Alu, bitte!

Visuell und haptisch ist Samsungs Ausflug in die Welt des hochwertigen Smartphone-Designs gelungen. Wie das A3 punktet auch das A5 in der uns vorliegenden schwarz-blauen Version durch edle Anmutung. Es fühlt sich dank der mattierten Oberfläche wertig an und liegt sicher in der Hand — auch ob seiner recht kompakten Abmessungen von 139,3 x 69,7 x 6,7 mm (damit ist es noch dünner als das kleinere A3) und dem geringen Gewicht von 123 Gramm. Spaltmaße, Knarzen oder sonstige Verarbeitungsmängel suchte ich vergebens.

Wenn auch keine umwerfende Schönheit à la HTC One M7 und M8 — eigentlich sieht das Galaxy A5 ziemlich exakt aus wie ein in Metall gegossenes Galaxy S II —, ist die neue A-Klasse ein äußerst ansprechendes Ergebnis Samsungs neuer Wertigkeits-Offensive, zumal in dieser Geräteklasse. Das darf man den Koreanern, die uns zuletzt so oft mit lieblos verbasteltem Polycarbonat enttäuscht haben, attestieren.

Wie beim kleineren A3 befindet sich am – von vorne betrachtet – rechten Geräterand der Powerbutton, linkerhand — und für meinen Geschmack ein wenig zu hoch platziert, um sie noch entspannt mit dem Zeigefinger zu erreichen — die Lautstärkewippe. Der Kopfhöreranschluss liegt unten, neben dem Micro-USB-Port.

Der unterstützt übrigens kein USB-OTG, dafür findet sich am rechten Rand neben dem Einschub für die SIM-Karte ein Schlitten für microSD-Karten, über den die vorhandenen 16 GB internen Speicher (11,5 GB davon stehen dem Nutzer zur Verfügung) erweitert werden können. Auf der metallenen Rückseite ist der Lautsprecher von unten links nach oben, rechts neben die 13 MP-Kamera gewandert und sieht dort im Chrom-Look durchaus ansprechend aus.

Display: ein paar Pixel zu wenig

Es muss nicht immer gleich QHD sein, wirklich nicht, aber 1080p wären bei der vorliegenden Displaygröße schon ansprechender als die im A5 anzutreffenden 720p gewesen. Schlimm ist es in der alltäglichen Benutzung zunächst nicht übermäßig, dass der Super AMOLED-Screen des  5 Zollers lediglich 720 x 1280 Pixel zeichnet: Inhalte werden für sich betrachtet ausreichend scharf dargestellt, legt Ihr aber auch nur einmal kurz ein gleichgroßes Gerät mit FHD-Auflösung neben das A5, wird der Unterschied in der Bildqualität frappierend deutlich — 294 ppi statt 445 ppi fallen dann eben doch schnell ins Auge.

Für sich genommen lässt es sich aber mit der Darstellung von Inhalten auf dem A5 gut leben, Spiele, Videos und auch Web- oder eBook-Seiten werden nicht etwa verpixelt angezeigt, nur eben nicht ganz so knackscharf, wie Nutzer es heutzutage zuweilen auch in der Mittelklasse schon gewohnt sind.

Positiv ist zu vermerken, dass das A5-Display bei Bedarf sehr hell strahlen kann, auch wenn die automatische Helligkeitsregelung etwas zu dunkel justiert, und dass mir im Test außer der für AMOLED-Screens typischen insgesamt dunkleren Anmutung keine Verfärbungen oder problematischen Blickwinkel aufgefallen sind.

Performance: Zu wenig Power

Unter der Haube des Galaxy A5 werkelt das gleiche Snapdragon 410-SoC, das auch das mit 540 x 960 Pixeln deutlich niedriger auflösende A3 antreibt. Mag das auf dem 4,5 Zoller noch ausreichen, um auch anspruchsvollere Spiele flüssig darzustellen, ist der mit 1,2 GHz getaktete Vierkerner mit der 720p-Auflösung bei aufwändigeren 3D-Szenarien zuweilen merklich überfordert. Trotz der 2 GB RAM schafft das Galaxy A5 nur 21.000 Punkte im AnTuTu und gerade mal so 20.000 im CF Benchmark. 2D-Spiele wie Rayman Jungle Run laufen zwar flüssig, aber schon bei Titeln wie Reckless Racing 3, Sky Force, Assassins Creed Pirates oder Batman: Arkham Origins gerät das Smartphone merklich ins Stottern.

Über den Homescreen und den App Drawer lässt es sich grundsätzlich recht flott wischen, allerdings genehmigt sich das A5 auch hier, speziell beim Öffnen von Menüs oder dem Herunterziehen der Benachrichtigungsleiste ab und an eine kleine aber merkliche Gedenkzehntelsekunde.

Damit ist das Galaxy A5 leider untermotorisiert und definitiv kein Gerät für Euch, wenn Ihr gerne auf Eurem Smartphone zockt — kurioserweise lägt Ihr da beim kleineren Galaxy A3 leistungstechnisch richtiger; müsstet dann aber auch mit der noch pixeligeren Auflösung leben. Fazit: Der Snapdragon 410, der bereits im Vorjahr Einsteiger-Smartphones vom Schlage eines HTC Desire 510 oder Huawei Y550 antrieb, ist anno 2015 erst recht kein angemessener Chipsatz für die Mittelklasse.

Kamera: Gut, wie vom Galaxy S4 gewohnt

Die 13 MP-Kamera auf der Rückseite des Galaxy A5 ist das gleiche Modul, das auch schon im Galaxy S4 seine gute Arbeit verrichtete. Zwar gelang auch damit nicht jeder im Testzeitraum geschossene Schnappschuss immer ganz unverwackelt, in meisten Fällen aber überzeugte das Ergebnis auch bei ungünstigeren Lichtverhältnissen mit guter Schärfe und realistischen Farben.

Glücklicherweise teilt das A5 nicht das Problem des A3, dass Motive im Sucher ob der zu geringen Auflösung oft nicht sicher scharf zu stellen sind. Die Frontkamera mit ihren 5 MP garantiert brauchbare Selfies, die durch Halten der Handfläche vor die Kamera ausgelöst werden können.

Videos, aufgenommen maximal in 1080p, überzeugen ebenfalls: Der Fokus stellt relativ schnell eigenständig von Panorama- auf Nahaufnahme um, der Rolling Shutter-Effekt hält sich in Grenzen und wechselnde Lichteinfälle steckt die Kamera des A5 souverän weg. Was das Gerät hinsichtlich seiner Performance nicht bietet, macht es wenigstens mit der guten Kamera wieder weg. Für Nutzer, die gerne knipsen, ist das Galaxy A5 also durchaus eine gute Option —  das inzwischen deutlich günstiger zu habende Galaxy S4 aber so gesehen auch.

Akku, Sound, Software: Lang, laut, Lollipop?

Ein 2.300 mAh-Akku sitzt unter der metallenen Haube des A5 und ob der Unibody-Bauart ist dieser nicht wechselbar. Das ist zumindest aus Gründen der Kapazitätserweiterung aber auch gar nicht nötig: Das A5 hält und hält und hält — wenigstens gemessen an dem, was heutzutage so von einem Smartphone zu erwarten ist. Im Testzeitraum waren Laufzeiten von anderthalb bis zwei Tagen trotz eigentlich energieintensiver, mehrstündiger Zugfahrten die Regel.

Stichwort Zugfahrten respektive allgemeine Empfangsleistung: Bei suboptimaler Netzabdeckung zeigt sich die Schwäche des Alu-Gehäuses in Kombination mit den vermutlich nicht ganz so leistungsfähigen Empfangseinheiten, die Samsung im A5 verbaut hat: Beim direkten Vergleich mit dem Honor 6 und dem Nexus 5 zeigte das A5 unterwegs oder in grundsätzlich netzarmen Örtlichkeiten stets weniger Netzbalken an oder wechselte gar ins schlechtere Netz.

Nicht nur optisch ansprechend, sondern auch akustisch wuchtig, gibt sich der Lautsprecher auf der Rückseite: Ob in Spielen oder bei Videos und Filmen — bei Bedarf kommt da ordentlich was raus, ohne dass der Sound dabei aber scheppernd oder zu dumpf wird.

Auf dem Galaxy A5 ist derzeit Android 4.4.4 mit Samsungs darüber liegendem TouchWiz installiert. Ein Update auf Android 5.0 Lollipop wurde seitens Samsung nach unserem Kenntnisstand aber noch nicht bestätigt. Dafür finden sich in der TouchWiz-Version, die auf dem A5 und dem A3 werkelt bereits die vor ein paar Wochen geleakten Themes. Davon aktuell aber lediglich vier, die auch nur den Hintergrund und die App-Symbole verändern; sämtliche Menüs und auch System-Anwendungen wie Dialer oder die Nachrichtenzentrale bleiben visuell unverändert.

Fazit: Bei Preis-Leistung hat die Konkurrenz die Nase vorn

Bleibt das Problem mit dem Preis, den Samsung für das A5 veranschlagt, und das sich das Mittelklasse-Gerät leider mit dem A3 sowie mit den meisten Einsteiger- und Midrange-Smartphones der Koreaner teilt: Die UVP für das Galaxy A5 liegt bei 399 Euro, aktuell ist der 5 Zoller im Handel ab etwa 360 Euro zu haben.

Das Dilemma daran: Ein Honor 6 beispielsweise, mit 1080p-Display und einem Kirin-Prozessor, der etwa doppelt so hohe Benchmarkwerte erzielt und ein insgesamt flüssigeres Erleben bietet, gibt es für 300 Euro. Ein HTC One M7, das zwar aus dem Jahr 2013 stammt, dem A5 aber visuell in nichts nachsteht (über Geschmack lässt sich streiten, darüber, dass das One M7 aber mindestens ebenso schick ist, nicht wirklich), ebenfalls mit FHD auflöst, einen potenteren Snapdragon 600-Prozessor besitzt und mit tollen BoomSound-Lautsprechern aufwartet, erhält der geneigte Kunde für derzeit etwa 340 Euro. Und das sind nur zwei Beispiele.

Es stellt sich also die Frage, wem der Kauf des Samsung Galaxy A5 also zu empfehlen ist? Nach jetzigem Stand niemandem, der ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis möchte. Vielleicht Samsung-Fans, denen keine andere Marke ins Haus kommt und die sich über das erste Gerät im Alu-Gewand so sehr freuen, dass sie darüber die nicht so berauschenden inneren Werte vernachlässigen können.

Warum Samsung es nicht geschafft oder warum sie nicht willens waren, in ein Smartphone, das äußerlich so gelungen ist, so viel verspricht, wenigstens adäquate Mittelklasse-Hardware einzubauen oder es alternativ wenigstens preislich deutlich attraktiver zu machen, ist eine Frage, deren Antwort leider ziemlich offensichtlich ist — weil das aber unschöne Implikationen hätte, geben wir sie an dieser Stelle nicht.


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