Samsung Galaxy Note 8 im Test: Viel Smartphone für viel Geld [mit Video]

Ist das Galaxy Note 8 nach dem Note-7-Debakel der Heilsbringer oder doch nur ein großes Galaxy S8 Plus mit Stylus? Die Antwort gibt's im Test.

Die Fußstapfen für das Samsung Galaxy Note 8 sind groß. Denn das Galaxy Note 7 war 2016 eine echt heiße Sache. Vor dem Marktstart kam das Smartphone nicht nur in unserem Hands-on gut weg. US-Magazine wie The Verge oder Engadget, die schon Zugang zu einem Testmuster hatten, überschütteten das Gerät förmlich mit Lob. Vom besten Samsung-Gerät, ach was, vom vielleicht besten Android-Smartphone, das man für Geld kaufen kann, war damals die Rede. Statt zum Kassenschlager wurde das Note 7 für Samsung aber zum Debakel. Probleme mit dem Akku ließen mehrere Geräte in Flammen aufgehen. Rückruf. Verkaufsstopp. Ende!

Ein Smartphone für die Fans

Weil die Anhängerschaft der Note-Geräte so groß ist, stand für Samsung aber recht früh fest, die Serie mit dem Galaxy Note 8 fortzuführen. Allerdings scheinen die Südkoreaner den Mut zum Vorpreschen etwas verloren zu haben. Denn das Note 8 sieht dem Galaxy S8 Plus ganz schön ähnlich. Frontal betrachtet ist es etwas kantiger. Sonst sitzt aber alles an seinem Platz: Einschalter rechts, Lautstärke- und Bixby-Tasten links, USB-C unten. Das kennen wir alles schon vom großen Modell der S-Klasse.

Die wenigen Unterschiede im Vergleich zum S8 Plus sind schnell aufgezählt: Natürlich kommt das Note 8 mit dem für die Serie typischen Einschub für den S Pen auf der Unterseite neben dem Lautsprecher. Außerdem verbaut Samsung erstmals bei einem Galaxy-Gerät eine Dualkamera auf der Rückseite. Eine Einkerbung soll außerdem dafür sorgen, dass man den Fingerabdrucksensor einfacher findet. Das war ein Kritikpunkt bei den S8-Geräten, den Samsung durch die Lage direkt neben der Kamera auf der Rückseite aber nicht beseitigen konnte. Wer das Note 8 mit Hilfe des Sensors entsperren will, wird nach wie vor über die Kamera wischen. So ist es uns zumindest im Test ergangen.

Natürlich zeugen all die Gemeinsamkeiten der S- und Note-Smartphones nicht nur von einer vielleicht etwas uninspirierten Designabteilung. Sie garantieren Euch auch die gleichen edlen Materialien und die perfekte Verarbeitung der Galaxy-S8-Geräte. Beim Note 8 setzt Samsung nämlich erneut auf eine Rückseite aus Glas und einen stabilen Rahmen aus Metall. Wasserdicht ist das Gerät, auch wenn der Stift nicht im Schacht steckt, darüber hinaus nach IP68. Ein kurzes Bad besteht das Note 8 also folgenlos. Nötig hätte es das Smartphone hin und wieder. Denn viel zu schnell ist die glänzende Rückseite des Note 8 mit Fingerabdrücken überzogen.

Das Display ist ganz großes Kino

Auch das riesige, nahezu randlose AMOLED-Display kennt man so eigentlich schon vom Galaxy S8 Plus. Beim Note 8 ist aber noch ein Stück größer. Es kommt auf 6,3 statt 6,2 Zoll. An der Auflösung ändert Samsung nichts. Warum auch? 2960 x 1440 Pixel sind ein Brett, die Pixeldichte von 522 ppi definitiv mehr als ausreichend, um auch feine Details auf Bildern oder in Videos zu erkennen, die Farben sind satt, der Kontrast hoch. Man kann das Display auch kurz in einem Wort zusammenfassen: wunderschön! Diese Brillanz führt dazu, dass die Bildschirmexperten von DisplayMate das Display des Galaxy Note 8 kürzlich zum besten Smartphone-Display kürten. Passend dazu unterstützt das Note 8 unter anderem die HDR-Modi von Netflix und YouTube. So wird das Smartphone zum Taschenkino.

Probleme machte nur das Displayformat bei einigen Anwendungen. Wie LG setzt auch Samsung seit dem Galaxy S8 auf 18:9 beziehungsweise 2:1. Das Problem: Viele Inhalte in diversen Streaming-Portalen gibt es nur in 16:9. Im Fall von zum Beispiel YouTube ist das kein so großes Problem. Inhalte lassen sich mit einem Tastendruck an das Format anpassen und sehen trotzdem fantastisch aus. Auch Apps wie "Real Racing 3" unterstützen den Modus bereits. Andere, wie "Super Mario Run" sind noch nicht dafür ausgelegt und zeigen nervige schwarze Balken oben und unten. Schade. So wird das grandiose Display verschenkt.

In Sachen Leistung liegt das Note 8 den Ergebnissen aus Geekbench 4 und AnTuTu zufolge auf dem gleichen Niveau wie das Galaxy S8 oder das OnePlus 5. Dafür sorgen der auch in der S-Klasse verwendete Exynos 8895 und 6 Gigabyte Arbeitsspeicher. Zwar setzt Samsung mit der Ausstattung keinen neuen Benchmark. Apps, die das Note 8 an seine Grenzen bringen, gibt es aber ohnehin nicht. Die Ausstattung komplettieren 64 Gigabyte erweiterbarer Speicher und ein Akku, der mit einer Kapazität von 3300 mAh etwas kleiner ist als der des S8 Plus (3500 mAh). Unterschiede gibt es bei normaler Nutzung kaum. Jeder, der das Note 8 im Alltag mit sich führt, wird es abends aufladen, aber bis dahin nicht ins Schwitzen kommen müssen.

Die Kamera

Während sich bis hier hin vieles mit dem Galaxy S8 Plus gedeckt hat, betritt Samsung in Sachen Kamera Neuland. Denn zum ersten Mal kommt eine Dualkamera in einem Galaxy-Gerät zum Einsatz. Samsung geht dabei den Apple-Weg. Denn die Kamera besteht aus einer Telelinse (12 MP, Blende von f/2.4) und einer Weitwinkel-Linse (12 MP, Blende von f/1.7). Beide verfügen über einen optischen Bildstabilisator (OIS). Mit dieser Lösung könnt Ihr verlustfrei zweifach an ein Objekt heranzoomen, indem Ihr wie auf dem iPhone 7 Plus in der Kamera-App einfach aufs entsprechende Symbol tippt.

Die Dualkamera des Samsung Galaxy Note 8.(© 2017 CURVED)

Der bevorzugte Effekte dürfte aber der bekannte Bokeh-Modus sein, der bei Samsung "Live Fokus" heißt. Dessen Intensität lässt sich wie bei Huawei-Smartphones oder dem Nokia 8 nicht nur während der Aufnahme justieren, sondern auch noch im Nachhinein anpassen. Zu sehr solltet Ihr den Regler aber nicht nach oben drehen. Auf einigen Bildern erkannte die Software das Objekt im Vordergrund nicht mehr einwandfrei und blurrte Details wie Haare mit aus. Mit vorsichtigem Finger gelingen aber durchaus schicke Aufnahmen. Netter Bonus: Neben dem Porträt speichert das Note 8 außerdem die Weitwinkelaufnahme.

Auch bei normalen Fotos kann die Kamera des Note 8 überzeugen. Sie liefert lebendige, natürliche Farben, viele Details und kommt auch mit Kontrasten sehr gut zurecht. Samsung-typisch gehört die Kamera wieder zu den besten auf dem Markt. Die Frontkamera zeichnet derweil detailreiche Selfies mit acht Megapixeln und einer Blende von f/1.8 auf. In der Kamera-App spendiert Euch Samsung erneut die lustigen Filter vom Galaxy S8. Im Snapchat-Style verwandelt Ihr Euch in Häschen oder Bären, setzt Euch digital Brillen oder Mützen auf. Die Objekterkennung Bixby Vision, die Euch als Einkaufshilfe dienen soll, komplettiert die Kamera-App. Videos nimmt das Note 8 in 4K auf, bald auch mit 60 Bildern pro Sekunde.

Der S Pen macht das Smartphone zum Block

Das größte Highlight für Note-Fans dürfte aber der bereits erwähnte S Pen sein. Zieht Ihr den Stift aus dem Gehäuse, öffnet sich ein Schnellauswahl mit Apps, die auf den Stift zugeschnitten sind. Besonders handschriftliche Notizen sollt Ihr mit dem Note 8 natürlich fix festhalten können. Dazu hat Samsung eine mit dem Note 7 eingeführte Notizfunktion weiterentwickelt: Im Sperrbildschirm könnt Ihr mit dem S Pen auf Wunsch bis zu 100 Seiten vollkritzeln, als Notiz abspeichern und auf Wunsch für einen kurzen Zeitraum auf dem Always-on-Display anzeigen lassen.

Die zweite große Neuerung im Umgang mit dem S Pen sind die "Live Messages". Ihr könnt kurze Botschaften mit dem Stift aufschreiben. Der Schreibvorgang wird dann von einer Software animiert. Als Nachricht versendet, sieht es so aus, als würdet Ihr direkt auf dem Bildschirm des Empfängers schreiben. Eine nette Spielerei, mehr aber auch nicht. Darüber hinaus könnt Ihr Nachrichten statt über die digitale Tastatur auch über die Handschrifterkennung mit dem Stift schreiben. Das funktioniert auch bei meiner Sauklaue ganz gut, aber nicht einwandfrei. Satzzeichen hat das Note 8 zum Beispiel nur selten erkennt.

Außerdem spendiert Euch Samsung eine App zum Malen und eine Bildschirmlupe, die Ihr mit dem S Pen bedient. Ziemlich cool ist die "Übersetzen"-Funktion. Wenn Ihr den Stift in einem englischen Text kurz über ein Wort haltet, zeigt das Galaxy Note 8 die Übersetzung in der gewünschten Sprache an. Warum man dafür aber den Stift braucht, erschließt sich mir nicht so ganz.

Die Software: 1000 Euro für Nougat?

In Sachen Software setzt Samsung auf das mittlerweile ein Jahr alte Android Nougat. Da scheint Sony mit dem Xperia XZ1 die bessere Strategie zu fahren. Die Japaner kommen mit ihrem Gerät etwas später auf den Markt, dafür ist Android 8.0 Oreo ab Werk installiert. Bei einem Smartphone, das 999 Euro kostet, darf man eigentlich auch vom Hersteller verlangen, die neueste Version zu installieren. Die Problematik um langsame Android-Updates seitens Samsung ist ja bekannt. Immerhin hat das Unternehmen bereits angekündigt, dass das Update in Arbeit ist.

Nichtsdestotrotz spendiert Samsung dem Note 8 neben den "S Pen"-Features noch ein paar weitere Software-Tricks. Mit dabei sind natürlich die Edge-Funktionen, über die Ihr zum Beispiel VIP-Kontakte oder Sportergebnisse über den Edge-Screen aufrufen könnt. Ganz neu sind die "App Pairs". Was steckt dahinter? Mit Android Nougat hat Google eine Splitscreen-Funktion in das System integriert. Samsung denkt sie weiter. Ihr könnt Apps auf Wunsch permanent zu Pärchen bündeln und direkt gleichzeitig aufrufen. Rechts Spotify, links Google Maps, oder rechts YouTube, links Chrome? Beides kein Problem mehr.

Zum Start in Deutschland wird auch Bixby, Samsungs eigener Assistant zur Verfügung stehen – allerdings nur auf Englisch. Über Bixby lassen sich, ein Samsung-Konto vorausgesetzt, die üblichen Aktionen, etwa einen Wecker oder Timer stellen, durchführen. Das kann aber auch der ebenfalls vorhandene Google Assistant. Nett, aber auch nicht zwingend nötig ist Bixby Vision. Mit der Kamerafunktion fotografiert Ihr zum Beispiel ein Produkt und der Assistent verrät, wo Ihr es kaufen könnt.

Fazit: Das krassere Galaxy S8 Plus

Display, Leistung, Kamera: alles top! Der S Pen lässt darüber hinaus die Herzen der Note-Fans höher schlagen. Mit dem Note 8 legt Samsung sein vielleicht bestes Smartphone aller Zeiten hin. Das lassen sich die Südkoreaner aber fürstlich bezahlen. 999 Euro ruft der Hersteller als UVP aus. Ganz schön teuer! Wer nur auf das geniale Display scharf ist, greift deshalb zum Samsung Galaxy S8 Plus. Die Unterschiede zwischen beiden Geräten sind, bis auf Stift und Dualkamera, marginal. Allerdings gibt es das Galaxy S8 Plus bereits für 200 Euro weniger.


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