Samsung Galaxy S5 im Test: Da geht noch was!

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Evolution, keine Revolution: Samung hat sein Galaxy S5 unter der Oberfläche weiterentwickelt – aber reicht das für den 'Wow'-Effekt?
Evolution, keine Revolution: Samung hat sein Galaxy S5 unter der Oberfläche weiterentwickelt – aber reicht das für den 'Wow'-Effekt?(© 2014 CURVED)

"Klotzen und nicht kleckern" ist das Motto von Samsung beim Galaxy S5. Das Smartphone ist vollgestopft mit moderner Technik. Die steckt aber auch in anderen Top-Modellen. So entscheiden am Ende Verarbeitung, Software und besondere Merkmale darüber, welches Android-Gerät der stärkste Konkurrent für das iPhone 5s ist.

Display: heller und stromsparender als beim S4

Samsung hat sich beim Galaxy S5 für ein Display mit einer Bilddiagonalen von 5,1 Zoll entschieden. Damit erfüllt es die Nachfrage nach großen Bildschirmen, ist aber immer noch klein genug, um sich größtenteils mit einer Hand bedienen zu lassen. Der 12,95 cm messende Touchscreen ist schon vorab mit viel Lob überschüttet worden: Die Bildschirm-Experten von DisplayMate kürten es zum besten Smartphone-Display, das sie bisher getestet haben.

Dazu trägt sicherlich die Super-AMOLED-Technik bei. Die organischen Leuchtdioden sorgen für kräftige und leuchtende Farben. Selbst bei Sonnenlicht sind die Bildschirminhalte gut zu erkennen, und die bei Touchscreens weit verbreiteten Spiegelungen halten sich in akzeptablen Grenzen. Die Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten reicht für eine hohe Pixeldichte von 432 ppi und ist so für einen klaren Display-Eindruck verantwortlich.

Das Full-HD-Super-AMOLED-Display des Samsung Galaxy S5 ist deutlich besser als das des Vorgängers. Das hat der Labortest von DisplayMate ergeben. Der Bildschirm hat einen extrem hohen Helligkeitswert von 698 cd/m2. Dieser ist um 47 Prozent höher als der des Galaxy S4. Damit sind die Darstellungen auch bei sehr hellem Umgebungslicht noch klar zu erkennen.

Auch in puncto Energieeffizienz schlägt das Samsung Galaxy S5 seinen Vorgänger. Ihm gegenüber arbeitet das neue Display um 27 Prozent stromsparender. Dabei hat sich die Auflösung des neuen Smartphone-Flaggschiffs nicht geändert. Sie beträgt weiterhin 1920 x 1080 Pixel. Die aufgrund des größeren Displays niedrigere Pixeldichte von 432 PPI zu 441 PPI beim Galaxy S4, macht sich im Test allerdings nicht negativ bemerkbar.

Hardware: Viel Leistung verbraucht viel

Die Hardware-Ausstattung des Galaxy S5 ist Oberklasse. Mehr geht momentan nicht! Der verbaute Quad-Core-Prozessor (Snapdragon 801 von Qualcomm) ist mit einer Taktrate von 2,5 Ghz in den Test gezogen - unterstützt von zwei GB Arbeitsspeicher. Zusammen sorgen sie nicht nur für ein schnell laufendes Betriebssystem, sondern haben auch mit rechenintensiven Anwendungen keine Probleme.

Samsung bietet das Galaxy S5 wahlweise mit einem 16 GB oder 32 GB großen internen Speicher an. Reicht Euch der Platz nicht aus, könnt Ihr ihn mit einer microSD-Karte um bis zu 128 GB erweitern. Online gelangt Ihr mit dem Smartphone wahlweise per WLAN oder über eine mobile Datenverbindung. Könnt Ihr einen Download nicht abwarten, ist es Euch mit dem S5 ein Leichtes, LTE und das drahtlose Netzwerk für eine höherer Datenrate zu kombinieren.

Mit NFC, Bluetooth und einem Micro-USB-Anschluss sind alle bei Smartphones üblichen Schnittstellen vorhanden. Nutzt Ihr Euer Smartphone ohne Unterbrechung, geht der Akku mit einer Kapazität von 2800 mAh noch vor Ablauf eines Tages in die Knie. Im ersten Test hielt dieser tatsächlich einen Tag bei starker Benutzung durch. Wollt Ihr dagegen die letzte verbleibende Energie für einen wichtigen Anruf sparen oder einfach nur länger erreichbar sein, müsst Ihr nur den "Ultra Power Saving Mode" aktivieren, der einige Stromsparweisheiten auf Knopfdruck umsetzt und unnötige Verbindungen abschaltet, Apps beendet sowie die Benutzeroberfläche in ein nicht besonders schönes, aber stromsparendes Design umschaltet.

Gehäuse: leider immer noch Plastik

Während Apple beim iPhone schon lange und inzwischen auch HTC beim One auf Gehäuse aus Metall setzen, verwendet Samsung beim Galaxy S5 weiterhin Kunststoff. Meh! Die mit feinen Poren überzogene Rückseite des Smartphones ist Geschmackssache. Die einen finden, es sieht wie ein farbiges Pflaster aus, die anderen loben die Griffigkeit. Wir meinen:  Samsung hätte die Rückseite auch etwas hochwertiger gestalten können. Vor allem die Kanten aus Plastik im Chrome-Look wirken, als wären sie vom Galaxy Note 3 übernommen worden. Aber hey: Geschmack ist subjektiv!

Das Galaxy S5 könnt Ihr (fast) ohne Bedenken mit an den Strand nehmen und müsst weder im Frühlingsregen noch beim Herbstschauer aufhören zu twittern oder Nachrichten auf WhatsApp zu schreiben. Das Gehäuse hat nämlich eine IP67-Zertifizierung erhalten: Das bedeutet, dass das Smartphone nicht nur komplett staubdicht ist, sondern auch in bis zu einem Meter Tiefe für 30 Minuten auch wasserdicht bleibt. Feiner Sand oder grobe Steine an Strand können allerdings trotzdem noch zu Kratzern führen, so dass Ihr nicht komplett sorglos sein solltet. Aber schließlich handelt es sich beim S5 ja auch nicht um ein Outdoor-Smartphone - wobei ein Galaxy S5 Active bestimmt schon in Planung ist.

Im Falltest erwies sich das Plastikgehäuse allerdings als nützlich. Während das iPhone 5s unglücklich auf der Displayseite landete und sprang, hielt das S5 länger durch. Allerdings ist ein solcher Drop-Test nur bedingt aussagekräftig, da sich der Sturz nicht kontrollieren lässt.

Software: Das S5 macht es Dieben schwer

Auf dem S5 läuft Android Kitkat 4.4.2. Das bringt unter anderem so nützliche Features wie das 360-Grad-Panorama PhotoSphere mit sich. Aber viel interessanter finden wir die mitgelieferten Sicherheitsfeatures. Die beiden Apps "Find My Mobile" und "Reactivation Lock" sind bereits vorinstalliert.

"Find my mobile" funktioniert wie Apples "Mein iPhone suchen": Das Galaxy S5 lässt sich von einem anderen Rechner aus anpingen und meldet seinen Standort zurück. Das "Reactivation Lock" (auf deutsch: Reaktivierungssperre) blockiert das Smartphone bei einem versuchten Reset: nur mit dem originalen Samsung-Account lässt es sich wiederbeleben.

"Die Entscheidung, das Galaxy S5 mit Samsungs Find My Mobile und Reactivation Lock auszustatten und diese Features gratis zur Verfügung zu stellen, ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu unserem Ziel, dass die Industrie jedes in Amerika verkaufte Smartphone mit effektiven Abschreckungsmitteln zum Schutz vor Diebstahl ausstattet", ließen New Yorks und San Franciscos Generalstaatsanwälte Eric Schneiderman und George Gascon verlauten.

Mit der Bereitstellung der neuen Sicherheits-Features kommt Samsung einem amerikanischen Gesetzesvorschlag zuvor. Die internationale Initiative "Secure Our Smartphone" unterstützt die an das Repräsentantenhaus und den US-Senat herangetragene Forderung, dass alle Smartphone-Hersteller ihre Mobilgeräte künftig mit einem sogenannten "Killswitch" ausstatten - einer per Fernsteuerung aktivierbaren Sperre, die ein geklautes Handy uninteressant für den Verkauf auf dem Schwarzmarkt macht.

Kamera: Auch beim S5 könnt Ihr nachschärfen – irgendwie

Die Kamera auf der Rückseite des Galaxy S5 nimmt Bilder mit einer Auflösung von 16 Megapixeln auf. Als neue Funktionen preist Samsung den schnellen Autofokus, eine HDR-Funktion und einen selektiven Fokus an. Während die automatische Scharfstellung von Motiven wirklich schneller als beim HTC One M8 erfolgt, überzeugte uns auch die HDR-Funktion, die schon auf dem Display anzeigt, wie sie das Foto verbessern wird.

Bekannt vom HTC One M8: Der selektive Fokus des Galaxy S5 erlaubt es Euch, den scharf gestellten Bereich auf den Aufnahmen nachträglich zu verändern. Eigentlich! Im Test zeigte sich: So einfach wie beim One M8 könnt Ihr beim S5 nicht Bilder nachschärfen. Ihr habt lediglich die Möglichkeit, den Vorder- oder Hintergrund zu fokussieren. Alles andere wird dann recht verwaschen dargestellt. Intuitiv ist das nicht. Bitte nachbessern, Samsung!

Videos zeichnet das S5 in UHD-, bzw. 4K-Auflösung mit 30 Frames in der Sekunde auf. Auf dem Smartphone mit seinem Full-HD-Display könnt Ihr die volle Pracht der Aufnahmen leider nicht erkennen. Dafür benötigt Ihr ein externes Display, dass für UHD/4K-Auflösung geeignet ist. Mit deutlich weniger Pixeln - zwei an der Zahl, was immerhin noch für eine Full-HD-Auflösung genügt - kommt die Frontkamera für Videochats und Selfies zum Einsatz.

Gimmicks: Fingerabdruckscanner und Babyfon

Da Apples jüngstes Flaggschiff, das iPhone 5s, über eine Fingerabdruckscanner-Funktion namens Touch ID verfügt, war es zu erwarten, dass Konkurrent Samsung bei seinem neusten Smartphone nachlegt. Wie ein neues YouTube-Video aber schon vor dem offiziellen Verkaufsstart des Galaxy S5 offenbart, ist Apples Touch ID der Samsung-Technik anscheinend überlegen. Während das iPhone 5s den Finger des Nutzers in nahezu jeder Position erkennt, muss der S5-Besitzer den eingescannten Finger mitunter mehrfach über den Sensor ziehen, bis er gelesen wird.

Während die Einstellungen des Fingerabdrucksensors noch in beiden Smartphones ähnlich einfach festzulegen sind, unterscheiden sich die Sensoren anscheinend in puncto Zuverlässigkeit. Das liegt an den unterschiedlichen Technologien, die zum Einsatz kommen.

Hinter Apples Touch ID steckt ein kapazitiver Sensor, der ein Signal durch den aufgelegten Finger sendet und die Struktur der Hautschicht erkennt. Eine Bewegung über den Sensor wie beim Galaxy S5 ist nicht nötig - einfaches Auflegen genügt. Samsung hingegen setzt auf die für diesen Einsatzzweck offensichtlich weniger geeignete Zeilensensor-Technik, wie sie in ähnlicher Weise auch bei Flachbettscannern Verwendung findet. Für das Entsperren des S5 muss der Finger deshalb möglichst gleichmäßig von oben nach unten über den Sensor gezogen werden. Ansonsten bleibt das Android-Smartphone gesperrt. Im Test bestätigte sich: Das S5 lässt sich nicht so flink entsperren wie das das iPhone 5s.

Das wird Eltern freuen:  Baby Crying Detector heißt ein etwas ungewöhnliche Feature, das vom Tech-Blog SoyaCincau entdeckt wurde. Ist es aktiviert, nimmt das Samsung Galaxy S5 via Mikrofon das Weinen Eures Sprosses wahr und schickt in einem solchen Fall ein Alarmsignal an Eure Gear-Smartwatch, damit Ihr mit vibrierendem Handgelenk herbei eilen könnt.

Getestet wurde der Baby Crying Detector des Galaxy S5 bislang noch nicht. Allerdings hinterlässt die Funktion doch einen fragwürdigen Eindruck. Das Smartphone zurücklassen zu müssen, erscheint nicht unbedingt wie eine praktische Lösung, zumal unter dem entsprechenden Menüpunkt in den Einstellungen des Geräts empfohlen wird, das Galaxy S5 in einem Meter Nähe zum schlafenden Kind zu platzieren. Und sollte man das Smartphone nicht vorher noch stumm schalten? Ansonsten wird der Nachwuchs bei jedem Bimmeln geweckt.

Fazit: Samsung muss nachbessern

Das Samsung Galaxy S5 kostet zum Verkaufsstart ohne Vertrag 699 Euro. Damit ist es sogar teurer als das iPhone 5s, dessen Preis oft kritisiert wird. In Deutschland steht es in Weiß, Schwarz und Blau zur Auswahl. Mit seinem wasserdichten Gehäuse und den nachschärfbaren Fotos vereint es die Kernfeatures von Sonys und HTCs Top-Modellen. Genügt das, um weiterhin den Android-Thron für sich zu beanspruchen? Wir meinen: Ja. Das S5 ist nicht nur ein grundsolides Smartphone, sondern neben der State-of-the-Art-Hardware auch mit allerlei nützlichen Features ausgestattet. Nur beim Fingerabdruckscanner hätten wir uns mehr Zuverlässigkeit gewünscht. Das funktioniert beim iPhone 5s einfach um Längen besser.

Allerdings tritt das Samsung-Flaggschiff auch nicht wirklich gegen das iOS-Smartphone, sondern gegen das HTC One M8 und seine Android-Brüder an. Beim One hat uns  sein stilsicherer Alu-Look besonders gut gefallen. Abgesehen vom wasserdichten Gehäuse lassen sich auch beim HTC-Gerät die Fotos nachschärfen.

Müssten wir uns zwischen dem One M8 und dem S5 entscheiden - unsere Wahl wurde aktuell wohl auf das HTC fallen. Denn Smartphones sind längst mehr als nur tragbare Technik. Sie sind auch ein Fashion-Statement. Und das ist den Taiwanesen ein wenig besser gelungen. In Sachen Technik lassen sich beiden Geräte sowieso kaum unterscheiden. Da spielt das Samsung Galaxy S5 fraglos in der Königsklasse.

 


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