Samsung Galaxy TabPro S im Test: noch keine Gefahr für das Surface

Der Erfolg des Surface von Microsoft zieht Nachahmer an. Mit dem Galaxy TabPro S bringt Samsung sein erstes 2-in-1-Gerät auf den Markt. Das Windows-Tablet mit Tastatur-Hülle verfügt über ein AMOLED-Display und kommt mit einem einzigen Anschluss aus.

Das zwölf Zoll große Super-AMOLED-Display des TabPro S hat eine Auflösung von 2160 x 1440 Pixeln. Das reicht locker für ein scharfes Bild mit hoher Detailgenauigkeit und satten Farben. Allerdings lässt die Blickwinkelstabilität wie bei Samsungs Smartphones mit dieser Technologie zu wünschen übrig. Schon nach wenigen Grad verändern sich die Farben leicht und bei sehr großen Betrachtungswinkeln, auf die man zum Glück nur selten angewiesen ist, tritt ein Grünstich auf.

Schöner Rahmen, langweilige Rückseite

Das Samsung Galaxy TabPro S zeigt sich insgesamt gut verarbeitet. Mir gefällt der Metallrahmen, die Rückseite aus Kunststoff ist dagegen optisch langweilig geraten. Wahrscheinlich, weil Samsung davon ausgeht, dass sich das Tablet die meiste Zeit im beiliegenden "Galaxy TabPro S Book Cover Keyboard" befindet. Ja, so heißt es wirklich: Galaxy TabPro S Book Cover Keyboard. Das TabPro wartet mit typischer Tablet-Hardware auf. Samsung verbaut den Intel Core m3-6Y30, dessen zwei Rechenkerne regulär mit 900 Megahertz getaktet sind. Im Turbo-Modus sollen sie aber bis zu 2,2 Gigahertz schaffen.

Dem Skylake-Chipsatz stehen vier Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite. Zusammen erreichen sie im Antutu-Benchmark über 180.000 Punkte – ein Wert, von dem Android-Smartphones und -Tablets, deren Spitzenwerte momentan bei rund 150.000 Punkten liegen, noch ein Stück entfernt sind. Ich bin mir allerdings nicht sicher, wie vergleichbar die Ergebnisse des Tests für die verschiedenen Betriebssysteme sind. Davon unabhängig läuft Windows 10 Home auf dem TabPro S flüssig. Browser, Word und andere Alltags-Apps starten schnell. Tablet-Spiele wie Asphalt 8 lassen sich mit bester Grafikqualität zocken, aber bei PC- und Konsolen-Titel wie Dirt3 oder Rocket League steigt das Tablet aus. Dirt3 startete gar nicht erst, und Rocket League war mit fünf bis zehn Frames nicht spielbar. Angesichts der Tatsache, dass sich nur der HD-Grafikchip 515 von Intel und keine dedizierte Grafikkarte im TabPro S befindet, ist das aber keine Überraschung.

Standfuß, Schutzhülle und Tastatur in einem

Zwar ist das Galaxy TabPro S als Tablet auch zur Unterhaltung gedacht, mit der beiliegenden Hülle aus Kunstleder ist es jedoch in erster Linie als transportables Arbeitsgerät vorgesehen. Das Zubehör mit dem sperrigen Namen Galaxy TabPro S Book Cover Keyboard müsst Ihr nicht, wie bei Apple oder Microsoft, extra kaufen, denn es ist im Lieferumfang des Tablets enthalten. Sie erfüllt mehrere Aufgaben: Schutz des Tablets beim Transport, Standfuß mit zwei Aufstellwinkeln und schnelleres Arbeiten mit Tastatur und Touchpad. Mit der Hülle verbindet sich das Tablet über Magneten, die gut halten, aber auf dem Schoß in der Bahn wäre ich trotzdem vorsichtig, da sie nicht wie beim Surface Book durch einen mechanischen Riegel verbunden sind. Mit den zwei Aufstellwinkeln kann ich zwar gut leben, aber insgesamt erscheint mir das Handling der Hülle noch nicht ausgereift. Dies macht sich vor allem bemerkbar, wenn man das Tablet andocken oder wieder herausnehmen will. Tastatur und Touchpad sind als Notlösung zwar in Ordnung, laden aber nicht zur dauerhaften Nutzung ein. Mir sind die Druckpunkte zu weich und die Anordnung der Tasten ist gewöhnungsbedürftig. Darüber hinaus ist die gesamte Konstruktion ähnlich instabil wie das Surface Pro 4 mit seiner Anstecktastatur.

Windows 10, Kameras und ein USB-C-Anschluss

Seinen Android-Tablets verpasst Samsung genau wie den Smartphones die Touchwiz-Oberfläche. Das Galaxy TabPro S kommt dagegen mit der Standard-Optik von Windows 10 daher und bringt zwei erwähnenswerte, aber nicht bahnbrechende Ergänzungen mit. Zum einen ist Samsung Flow vorinstalliert, funktioniert allerdings noch nicht. Die Idee hinter dem Programm ist, dass Ihr Euch auf Eurem Galaxy-Smartphone zum Beispiel per Fingerabdruck identifiziert und damit gleichzeitig das Tablet entsperrt – sofern beide Geräte per Bluetooth verbunden sind.

Die Kameras auf Vorder- und Rückseite lösen beide mit fünf Megapixeln auf. Für Schnappschüsse und Videochats reicht das aus. Dokumente kann man dank eines guten automatischen Weißabgleichs ebenfalls einscannen, sofern man nicht auf eine hohe Detailgenauigkeit angewiesen ist.

Beim TabPro S müsst Ihr mit einem Anschluss auskommen. Das Tablet verfügt nur über eine USB-C-Schnittstelle - und einen Kopfhöreranschluss. Ich weiß, das iPad und viele Android-Tablets haben auch nur eine Schnittstelle zum Aufladen und für mögliches Zubehör. Bei ihnen hat man sich dran gewöhnt, aber bei einem Windows-Tablet dürfen es dann doch gerne mehr Anschlüsse sein. Zum Vergleich: Das Surface Pro 4 verfügt über einen Strom-, einen USB- und einen DisplayPort-Anschluss sowie ein microSD-Kartenlesegerät. Damit lässt es sich sinnvoll in einen Arbeitsplatz integrieren. Beim Samsung klappt das nur mit Bluetooth-Maus und -Tastatur sowie einem USB-C-Monitor, von denen es erste aber noch nicht viele Modelle zur Auswahl gibt.

Auf unserem Testgerät, dessen unverbindliche Preisempfehlung bei 998,99 Euro liegt, läuft Windows 10 Home. Ihr könnt das Galaxy TabPro S aber auch mit Windows 10 Pro oder als LTE-Version mit Platz für eine SIM-Karte bekommen. Die Preise steigen dann auf 1099 und 1199 Euro an. Das Betriebssystem und die vorinstallierten Programme lassen etwa 87 Gigabyte des 128 Gigabyte großen internen Speichers für Eure Daten frei. Insgesamt bringt das Galaxy Tab Pro S 693 Gramm auf die Waage, fühlt sich in der Hand aber überraschend leicht an. Der fest verbaute Akku hat eine Kapazität von 5200 mAh und hält, je nach Nutzung des Tablets, bis zu zehn Stunden durch. Beim Zocken ist die Batterie allerdings schon deutlich schneller leer.

Fazit: Microsoft muss sich keine großen Sorgen machen

Das Galaxy TabPro S ist noch keine ernsthafte Konkurrenz für das Surface von Microsoft. Preislich und bei der Ausstattung liegen Samsungs 2-in-1-Tablet und das Surface Pro 4 auf einer Höhe - wobei Ihr das Type Cover von Microsoft für 150 Euro extra kaufen müsst, wenn nicht gerade eine Verschenk-Aktion wie im Moment läuft. Unterschiede beim Betriebssystem gibt es quasi nicht und auch die Verarbeitung beider Geräte ist gut. Allerdings bietet das Surface mehr Anschlüsse und lässt sich als mobiles Gerät besser in einen Arbeitsplatz integrieren. Ebenfalls in meinen Augen ein Pluspunkt ist, dass der Standfuß bei Microsofts Tablet im Metallgehäuse integriert ist und ich zum Aufstellen nicht auf eine Hülle angewiesen bin.


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