Sennheiser Urbanite XL Wireless im Test: ein bulliger Bassist

Auf der CES 2015 in Las Vegas stellte der deutsche Audiospezialist Sennheiser seinen neusten Bluetooth-Kopfhörer vor und nimmt damit eindeutig den Platzhirsch Beats ins Visier. Wir haben uns die brandneuen Sennheiser Urbanite XL Wireless aufgesetzt und den "Beats" gelauscht.

Der Name Sennheiser steht für wohlklingende und ausgewogene Kopfhörer und Headsets, die ohne übertriebene Bässe auskommen. Denn nur so waren die Sennheiser-Kopfhörer, wie zum Beispiel meine schon zwei Jahre alten Sennheiser Momentum Over-Ear, auch für Akustikmusik, Filme und TV-Serien nutzbar. Bei Kopfhörern mit viel Bass, wie denen von der Marke Beats, führt der Einsatz bei Filmen und TV-Serien für meine Ohren zu einem etwas unbefriedigenden Erlebnis. Interessanterweise springt Sennheiser mit der Urbanite-Serie nun auch auf den Beats-Zug auf und möchte mit druckvolleren Klängen eine junge Zielgruppe erobern. Ob das gutgeht?

Design: Auffallen um jeden Preis

Beim Design geht Sennheiser für seine Verhältnisse richtig aus sich heraus und zeigt mit dem Urbanite XL Wireless, dass Ecken und Kanten durchaus schön sein können. Man sollte sich aber auch etwas Zeit lassen und die schicken Kopfhörer ganz genau anschauen, denn der Hersteller aus Wedemark bei Hannover hat sich zahlreiche pfiffige Detaillösungen einfallen lassen. So sind die Kabel zum Headset nicht nur freihängend, sondern werden beim Verschieben der beweglichen Ohrmuscheln in diese hineingezogen. Auch sind die Metallspangen am Kopfband nicht nur ein Designelement, um das Firmenlogo unterzubringen, sondern werden auch als Klappscharnier verwendet und machen so den Kopfhörer für den Transport kompakter. Das Kopfband selbst ist außen mit einem jeansartigen Stoff bespannt und innen mit einem abwischbaren Gummibezug versehen. Im Großen und Ganzen also ein echter Hingucker.

Tragekomfort und Bedienung: angenehm und Innovativ

Der Urbanite XL Wireless ist auf der Waage ein echtes Schwergewicht. Stolze 300 Gramm versprechen eigentlich einen nicht gerade hohen Tragekomfort. Um so erstaunlicher ist es aber, dass sich dieser Kopfhörer auf dem Kopf gar nicht nach 300 Gramm anfühlt. Das liegt zum einen am geringen Anpressdruck und zum anderen auch an den flauschigen Ohrpolstern mit Samtüberzug. Um den Sitz zu verbessern, kann man das Kopfband durch leichtes Dehnen oder Zusammendrücken verstellen. Natürlich solltet Ihr dabei aber vorsichtig sein, auch wenn Sennheiser ein Metallkopfband unter dem Jeansüberzug verbaut hat.

Bei der Bedienung geht Sennheiser neue Wege. Statt Buttons gibt es beim Urbanite XL Wireless an der Außenseite der rechten Ohrmuschel ein Touchsensor-Feld. Durch Wischgesten nach oben oder unten wird die Lautstärke justiert, während durch Tippen auf das Touchfeld die Musik gestartet oder pausiert wird. Auch Telefonate lassen sich per Fingertipt annehmen. Für die iPhone-Nutzer gibt es dann noch ein kleines Schmankerl: Durch einen schnellen Doppeltap überspringt man einen Track und per Dreifach-Tap gelangt man zum vorherigen Track. Leider hat das Sensorfeld auch seine Nachteile: Beim Auf- und Absetzen kam ich häufig an das Touchfeld und löste ungewollt Aktionen aus.

Bei Bluetooth-Kopfhörern sitzt die Angst immer im Nacken, dass dem geliebten Kopfhörer mal der Saft ausgeht. Zum Glück legt Sennheiser seinem neusten Kopfhörer ein Kabel samt integrierter Remote bei, sodass auch bei leerem Akku der Urbanite nicht als stumme Halskrause herhalten muss.

Sound: Unterhaltsam in allen Genres

Ein Kopfhörer kann noch so schön sein und sich angenehm tragen lassen – aber wenn der Sound nicht stimmt, dann ist der Kopfhörer den Euro nicht wert. Als Fan von ausgewogenen Kopfhörern war ich natürlich gespannt, wie Sennheiser es schafft, die Bässe beim Urbanite hervorzuheben, ohne dabei an Höhen und Mitten zu verlieren. Füttert man die Urbanite XL Wireless schön mit Techno oder Dubstep, dann erntet man druckvollen und lebhaften Sound, bei denen es einem in den Füßen juckt. Aber die Sennheiser-Kopfhörer sind auch gut für leise und entspanntere Musik zu haben, genauso wie für den mobilen Filmgenuß. Als Bonus gibt es dann bei der kabellosen Übertragung auch die Unterstützung für aptX. Besitzer eines Android-Smartphones vom Schlage eines Samsung Galaxy S4, LG G3 oder auch HTC One M8 können dann noch besseren Sound genießen. Vorausgesetzt, man hat solch ein feines Gehör. Meine Ohren hören den Unterschied zwischen aktivierter und deaktivierter aptX-Unterstützung leider nicht mehr heraus.

Fazit: Sehr gut, aber nicht perfekt

Mit dem Urbanite XL Wireless ist Sennheiser der Spagat zwischen fettem Clubsound und warmem und feinem Akustikschmeichler gelungen. Mit dem veranschlagten Preis von 279,- Euro sind diese Kopfhörer eigentlich eine Empfehlung Wert, wenn man nach einer Alternative zu den ebenfalls brandneuen Beats Solo 2 sucht. Für mich persönlich verliert aber gerade Sennheiser mit dem Urbanite XL Wireless etwas an Charakter, denn man versucht mit diesem Produkt zu sehr Beats nachzueifern, statt seinem eigenen, mit der Momentum-Serie geschaffenen Charakter treu zu bleiben. Zum Glück hat Sennheiser aber die Momentum-Serie nicht abgeschafft und komplett durch die Urbanite-Serie ersetzt, sondern führt beide Serien weiter. Also warte ich gespannt auf die ebenfalls auf der CES angekündigten Momentum Wireless.

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