"Shadow of the Colossus" im Test: ein Klassiker in seiner schönsten Form

Shadow of the Colossus: der zeitlose Klassiker erscheint optisch aufpoliert für die PS4.
Shadow of the Colossus: der zeitlose Klassiker erscheint optisch aufpoliert für die PS4.(© 2018 Sony Interactive Entertainment)

Zwischen einer ominösen Andeutung für ein neues Spiel und dem Langzeitprojekt "The Last Guardian" schickt sich "Shadow of the Colossus" auch auf der PlayStation 4 an, erneut zum Kritikerliebling zu avancieren.

Der PS2-Klassiker galt seinerzeit als eines der wichtigsten Spiele für Sonys Spielkonsole. Hinter der Entwicklung steckte das japanische Studio Team ICO, das vor allem dafür bekannt war, außergewöhnliche Spielerfahrungen zu präsentieren. Auch wenn das mitunter bedeutete, mehrere Jahre auf ein neues Spiel warten zu müssen, wie zuletzt im Fall von "The Last Guardian".

Wie schon für die PS3 erscheint dieser Tage nun auch "Shadow of the Colossus" (SotC) in einer Neuauflage für Sonys aktuelle Konsole. Für die Portierung zuständig war erneut Bluepoint Games. Und – so viel vorab – auch zwei Generationen später hat der Titel nichts an seiner Faszination eingebüßt. Aber der Reihe nach.

Kolossale Folgen

Es ist der fatale Wunsch eines jungen Mannes, der die Heldenreise von Wander in SotC einleitet. Gemeinsam mit seinem Pferd Argo macht sich der Held auf den Weg, seine verstorbene Liebe zu retten. Dafür reist er ins verbotene Land, um die Hilfe der Gottheit Dormin zu ersuchen. Doch sein Wunsch erfüllt sich nur, wenn er zuvor eine Herausforderung meistert: 16 Kolosse, riesige Urgestalten, soll er bezwingen, damit seine Liebste von den Toten aufersteht. Doch der Preis, den Wander dafür wird zahlen müssen, ist weitaus höher ...

Auf unserem treuen Ross machen wir uns alsdann auf den Weg, um uns unserer Aufgabe zu stellen. Wer nun ein typisches Action-Adventure oder gar ein Rollenspiel erwartet, sei gewarnt. SotC ist mit nichts zu vergleichen. Es gibt keine Quests, die zu erfüllen sind, keine Gegenstände, die unterwegs eingesammelt werden müssen – nichts, was ein modernes Videospiel auszeichnet, findet sich in SotC. Und dennoch oder gerade deshalb zählt es wohl als zeitloser Klassiker. Nur mit Schwert und Bogen reiten wir durch das nahezu unbelebte Land auf der Suche nach den Giganten dieser Welt. Egal, wie viele wir davon auch schon besiegt haben, unsere Waffen und unsere Fähigkeiten bleiben stets die selben. Der einzige Antrieb weiterzumachen, besteht in dem Wunsch, das Mädchen zu retten.

Die Kolosse: Rätsel in sich

Um die Kolosse ausfindig zu machen, hilft uns das Schwert weiter. Recken wir es im Sonnenlicht in die Höhe, bündelt sich der Lichtstrahl und weist uns die Richtung. Doch nicht alle Kolosse stapfen bereits gut aus der Ferne sichtbar durch die Gegend wie der erste. Die meisten müssen wir zunächst entdecken oder aufwecken, indem wir ihre Aufmerksamkeit auf uns lenken. Hinweise, wie wir das bewerkstelligen sollen, gibt es erfrischend wenige. Nur ab und an wirft uns Dormin einen Tipp zu – und selbst diese Hilfsfunktion lässt sich deaktivieren. Überhaupt verzichtet SotC auf unnötige Einblendungen: Ein Ausdauerbalken und eine Lebensleiste, mehr braucht es nicht. Alles andere bleibt, wie so oft in SotC, im Unklaren. Die Welt, die Kolosse, die Gottheit Dormin – Team ICO verzichtete bewusst auf zu viele Informationen. Aus den Ruinen der Welt lassen sich zwar Vermutungen ableiten; Gewissheit über die Ursprünge der Wesen bekommen wir aber nie.

Haben wir einen der friedfertigen Riesen entdeckt, gilt es, seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Denn nur so lassen sie sich bezwingen. Natürlich sind die kirchturmhohen Kolosse an den meisten Stellen ihres steinernen Körpers immun gegen unsere Angriffe mit Schwert und Bogen. Um sie zu Fall zu bringen, müssen wir sie zunächst erklimmen. Das heißt: Wir müssen herausfinden, wo ihre Schwachpunkte sind und wie wir diese erreichen können. Jeder Koloss ist ein Rätsel in sich, dessen Lösung wie so oft vor einem liegt, sich aber nicht unmittelbar zu erkennen gibt. Auch hier hilft uns die Reflexion des Schwerts. Doch so einfach, wie es sich vielleicht anhört, sind die Kämpfe beileibe nicht. Wenngleich die Kolosse von sich aus friedlich sind, so setzen sie sich doch zur Wehr, sobald wir sie angreifen, und versuchen uns abzuschütteln. Neben unserem Ziel müssen wir deshalb stets auch unsere Ausdauer im Blick behalten. Geht diese zur Neige, stürzen wir in die Tiefe.

Nach jedem dramaturgisch meisterhaft in Szene gesetzten Kampf auf Leben und Tod gehen die Kolosse zu Boden, während Wander ihre Essenz aufsaugt und anschließend im Tempel neben Mono, seiner verstorbenen Freundin, aufwacht. Anschließend gibt Dormin einen vagen Hinweis auf den nächsten Koloss und die Suche und der Kampf beginnen von vorn. Insgesamt 16 Mal. Was sich zunächst repetitiv anhört, birgt schon aufgrund der unterschiedlichen Gestaltung der Kolosse und der damit verbundenen Rätsellösungen reichlich Abwechslung.

In dem PS4-Remake sind die Kolosse bis ins letzte Detail ausmodelliert. Ihr Fell wiegt sich entsprechend ihre Bewegungen so sauber animiert, dass man sich kaum daran satt sehen kann. Überhaupt hat BluePoint Games bei der Überarbeitung großartige Arbeit geleistet. Flüssige Animationen, tolle Motion-Blur-Effekte und endlich eine stabile Framerate machen SotC auf der PS4 zur besten Version des Titels und damit fast zwangsläufig zum Pflichtspiel. Zuweilen zeigt sich die Kamera zwar immer noch etwas störrisch, das aber so selten, dass es den Spielspaß nicht beeinträchtigt.

Fazit

Keine DLCs, keine Lootboxen, kein Schnickschnack – "Shadow of the Colossus" ist ein in sich geschlossenes Meisterwerk, das jeder PS4-Besitzer zumindest mal gespielt haben sollte. In der neuen, verbesserten Version präsentiert sich der Titel in nie da gewesener Schönheit. Darüber hinaus ist es nicht zuletzt dem unglaublich traurig-schönen Ende geschuldet, dass SotC gedanklich so lange nachhallt und bis heute gefeiert und gespielt wird.

"Shadow of the Colossus" erscheint am 7. Februar 2018 zum Preis von knapp 40 Euro für die PlayStation 4.

Noch mehr Gaming

Ihr wollt keine Kolosse bezwingen, sondern lieber Monster jagen? Dann solltet ihr euch unseren Test zu "Monster Hunter World" anschauen. Für alle Neueinsteiger hat Boris eine paar Tipps für Anfänger zusammengetragen und falls ihr in der Welt von Monster Hunter schon länger unterwegs seid, gibt's hier noch sieben Fakten rund um den Online-Modus.

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