Snap Spectacles im Test: die Swag-Brille mit dem Hype-Faktor

An die Spectacles kommt man nur sehr schwer heran. Wir konnten trotzdem ein Exemplar ergattern und fragen uns: Ist der Hype um die Snapchat-Brille gerechtfertigt? Der Test.

Es war im September 2016, als Snapchat den Swag so richtig aufdrehte: In einem Atemzug benannte sich das Unternehmen von Snapchat in Snap um – und stellte die Spectacles vor. Eine völlig neue Art von Kamera, hieß es im Unternehmensblog. Das stimmt natürlich nicht so ganz. Die Idee, eine Kamera in einer Brille unterzubringen, hatten vorher schon andere. Allerdings macht es Snap mit den Spectacles viel besser als Google und Co.. Dafür gibt es viele Gründe.

Einer der Wichtigsten: Die Spectacles sehen cool aus. Punkt. Dieses Modell könnte so auch als Sonderedition für Millenials von Ray Ban, Oakley oder einem anderen hippen Hersteller stammen. Dazu kommt die gute Verarbeitung. Zwar besteht das Gestell der Brille fast komplett aus Plastik. Es knarzt aber nirgends, die Scharniere an den Bügeln wirken hochwertig. Einzig die Größe könnte zum Problem werden: Zwar gibt es die Spectacles in drei Farben (Rot, Blau und Schwarz), aber nur in einer Größe. Ich empfand sie als bequem zu tragen, unserem Mediengestalter Sebastian waren sie aber etwas zu klein.

Diese Brille hat Stil

Die Unterschiede zu einer herkömmlichen Sonnenbrille sind der unscheinbare Auslöser auf der linken Seite und die beiden Kreise links und rechts an den Gläsern. In dem einen befindet sich die Kamera, in dem anderen ein LED-Ring. Und mit dem umgeht Snap ein Problem, das Google Glass schlussendlich auch zum Verhängnis wurde. Er zeigt durch sein Aufleuchten nämlich an, wann die Spectacles aufnehmen und ermöglicht es der Brille so, vom Hass- zum Hype-Objekt zu werden. Außerdem könnt Ihr über den Ring die Akkuladung der Brille überprüfen, in dem Ihr zweimal an die Seite tippt. Praktisch!

Ist der Akku mal leer, legt Ihr die Brille einfach ins mitgelieferte Etui. Darin ist ein weiterer Akku verbaut, der die Spectacles bis zu viermal laden kann. Angaben zu Kapazitäten macht Snap keine. Das macht aber nichts: Am Ladecase ist ein Knopf angebracht. Drückt Ihr darauf, seht Ihr anhand von aufleuchtenden LEDs, wie viele Ladungen noch im Case stecken. Ist auch dieser Akku leer, geht es dank des mitgelieferten (und auch sehr schicken) USB-Kabels zum Laden entweder an den PC oder per Stromadapter an die Steckdose. Wie lange der Akku hält, hängt natürlich davon ab, wie viele Snaps Ihr aufnehmt.

Das Case lädt die Spectacles, das Kabel wiederum das Case.(© 2017 CURVED)

Zu Anfang werden das viele sein, denn die Funktionsweise der Spectacles ist so einfach wie genial. Zum Pairen mit dem Smartphone genügt es, einen Snapcode aus Snapchat anzuschauen. Zack, fertig, Verbindung! Und so geht es weiter. Ihr seht, etwas Spannendes, das Ihr mit Euren Freunden teilen wollt? Knopf drücken, anschauen, fertig! Wenn Ihr einen Clip aufnehmt, leuchtet auf der Innenseite der Brille eine kleine LED. Fängt die an zu blinken, geht Eure Aufnahmezeit zu Ende.

Where the magic happens

Die Aufnahmedauer der Clips ist auf zehn Sekunden begrenzt. Das ist die maximale Länge für einen Video-Post bei Snapchat. Ihr könnt die Aufnahme auch verlängern, indem Ihr nochmals auf den Auslöser drückt, wenn die LED anfängt zu blinken. Dann nehmen die Spectacles weitere zehn Sekunden auf. Maximal 30 Sekunden am Stück könnt Ihr auf diese Weise filmen. In der App wird der lange Clip dann in drei kurze aufgeteilt.

Jetzt mögen sich manche fragen: Warum brauche ich diese Brille, wenn ich Videos doch auch mit dem Smartphone für Snapchat aufnehmen kann? Der große Unterschied: Die Spectacles nehmen Videos in einem kreisrunden Format auf. Das heißt für Euch: Wenn Ihr Euer Smartphone vom Hoch- ins Querformat dreht, seht Ihr plötzlich viel mehr von der Aufnahme, ohne dass es an den Bildschirmrändern Balken gibt. Tatsächlich könnt Ihr Euer Smartphone stufenlos hin- und herdrehen, um jeden Winkel der Aufnahme anzusehen. Ruckler gibt es dabei selbst beim betagten iPhone 6 nicht. Respekt an die Entwickler!

Einmal auf den Knopf drücken, schon zeichnen die Spectacles auf.(© 2017 CURVED)

Beim Übertragen aufs Smartphone könnt Ihr außerdem entscheiden, ob Ihr das Material in der "normalen" Auflösung sichern wollt oder in HD. Bei der höher aufgelösten Variante reicht allerdings die Bluetooth-Verbindung nicht mehr. Dann müsst Ihr auf WLAN umsteigen. Wie groß die Speicherkapazität in Mega- oder Gigabyte ist, verrät Snap übrigens nicht. Der Platz reicht nach eigenen Angaben aber für 200 Snaps aus.

Der Struggle ist real

Bis hierhin klingen die Spectacles nach dem perfekten Gadget für Snapchat-Verrückte. Gehört Ihr zu den 158 Millionen monatlichen Nutzern, solltet Ihr Euch aber nicht zu früh freuen. Denn die Spectacles  könnt Ihr nicht einfach im Laden kaufen. Bislang gibt es die Brillen nur in den USA . Und selbst dort brauchen Snapchat-Fans viel Glück. Denn Snap verkauft die Brillen über den Snapbot. Der Automat wird unregelmäßig in zufällig ausgewählten Städten in den USA platziert. Verkauft wird am jeweiligen Standort, bis der Automat leer ist.

Einzige Alternative ist der Pop-up-Store in New York. Auch hier müssen Kaufwillige früh sein und sich ein Bändchen sichern, das zu einer bestimmten Uhrzeit Einlass in den Laden gewährt. Hier in Deutschland ist die Brille überhaupt nicht zu bekommen. Es sei denn, Ihr gebt auf eBay horrende Summen aus. Über die Auktionsplattform wechseln die Spectacles für 300 bis 400 Euro den Besitzer. Im Vergleich zu den von Snap aufgerufenen 130 US-Dollar ist das ganz schön teuer. In Zukunft will Snap die Spectacles aber in größerem Rahmen produzieren. Vielleicht kommen sie dann auch offiziell nach Deutschland.

Fazit: Nasenfahrrad mit Hype-Charakter

Im Test überzeugten die Spectacles mit ihrer einfachen Bedienung und dem hohen Spaßfaktor. In manchen Situationen ist es ein echter Mehrwert, die Kamera direkt auf der Nase zu tragen. So könnt Ihr wichtige Momente mit einem Knopfdruck aufnehmen und müsst nicht erst das Smartphone aus der Tasche kramen, entsperren und die richtige App öffnen. Schade nur, dass es die Brille so gut wie gar nicht zu kaufen gibt. Würde Snap die Spectacles allerdings nach Deutschland bringen, ich würde sie kaufen. Ihr auch?



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