Sony SmartBand Talk im Test: Die abgespeckte Smartwatch

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Das SmartBand Talk von Sony kann mehr als nur die Uhrzeit anzeigen.
Das SmartBand Talk von Sony kann mehr als nur die Uhrzeit anzeigen.(© 2015 CURVED)

Das Sony SmartBand Talk ist mehr als ein Fitnesstracker und weniger als eine Smartwatch. Das Armband zählt Schritte, steht über Bluetooth mit Eurem Smartphone in Verbindung und fungiert sogar als drahtlose Freisprecheinrichtung.

Mit seinem rechteckigen Display ist SmartBand Talk ähnlich groß wie das Microsoft Band und kleiner als Smartwatches wie die Moto 360, die G Watch R von LG oder die Sony Smartwatch 3. Zudem lässt das E-Ink-Display auf eine lange Akkulaufzeit hoffen.

Querformat gehört am Handgelenk verboten

Sony legt dem SmartBand Talk zwar Wechselarmbänder in zwei verschiedenen Größen bei, sie ändern jedoch nichts daran, dass das starre Gehäuse nur bei wenigen Handgelenken genau passt. Bei den meisten Menschen ist es zu breit oder zu schmal. Doch auch, wenn es nicht optimal passt, lässt es sich gut tragen und stört im Alltag nicht mehr als eine Armbanduhr. Ein wenig mehr Flexibilität wäre aber schön gewesen.

Das E-Ink-Display des SmartBand Talk ist leicht gekrümmt und verfügt über eine Diagonale von 1,4 Zoll. Die Auflösung liegt bei 296 x 128 Pixel. Das genügt, um Symbole und Texte klar und scharf anzuzeigen. Der Bildschirm ist auch bei Sonnenlicht sehr gut zu erkennen, allerdings im Dunkeln nicht, da Sony auf eine Beleuchtung verzichtet. Und so kann man die Uhrzeit nur raten, wenn einen das Armband am morgen mit seiner "sanften Weckfunktion" im richtigen Moment aus dem leichten Schlaf holt.

Die Apps auf dem SmartBand Talk starten alle im Hochformat, so dass sie bequem am Handgelenk zu betrachten sind. Sobald sie allerdings ein wenig mehr Text anzeigen, wechseln sie ins Querformat, und da ist es ganz schnell vorbei mit dem Komfort. Denn zum Lesen muss ich meinen Arm halb verdrehen. Dabei reicht die Auflösung aus, um die meisten Benachrichtigungen auch im Hochformat anzuzeigen. Allerdings könntet Ihr bei langen Nachrichten nicht scrollen, da das Display kein Touchscreen ist.

Das SmartBand Talk bringt 24 Gramm auf die Waage und ist damit so leicht, dass es am Handgelenk nicht stört und man auch schnell vergisst, dass man das Armband trägt. Die gesamte Elektronik ist wasserdicht verpackt, so dass Ihr mit dem SmartBand auch Schwimmen gehen könnt. Nur zu tief solltet Ihr dabei nicht tauchen. Sony gibt einer Wassertiefe von 1,5 Metern an, die das SmartBand unbeschadet übersteht.

Das alles kann das SmartBand Talk

Auf ihrem Startbildschirm zeigt Euch das Sony SmartBand Talk die Uhrzeit an und verrät darunter mit einer Grafik, welchen Anteil der als Ziel festgelegten 10.000 Schritte am Tag Ihr schon gelaufen seit. Mit einem Druck auf die Taste an der Seite wechselt Ihr zur nächsten App.

Von den kleinen Anwendungen stehen 15 Stück zur Auswahl, die Ihr teilweise nachträglich aus dem Play Store herunterladen müsst und teilweise schon in der App des SmartBands vorfindet. Zur Auswahl stehen unter anderem eine Fernbedienung für den Musikplayer auf dem Smartphone, eine Such-App, die Euer Handy klingeln lässt oder ein praktischer Fernauslöser für die Smartphone-Kamera.

In das SmartBand Talk ist ein Mikrofon und ein Lautsprecher eingebaut, so dass Ihr mit ihm nicht nur Sprachnotizen aufzeichnen und eine Sprachsteuerung benutzen, sondern es auch als Freisprecheinrichtung für Euer Smartphone benutzen könnt. Eingehende Anrufe nehmt Ihr einfach mit einem kräftigen Druck auf das Display - das Armband reagiert auf die Erschütterungen und nicht auf Berührungen des Display - an.

Anrufe könnt Ihr von dem Armband aus nur zu einer vorher als Favorit festgelegten Nummer starten. Euer Gesprächspartner ist sogar noch gut zu verstehen, wenn Ihr die Hand nicht vor das Gesicht haltet, sondern nach unten hängen lasst. Er versteht Euch dann ebenfalls noch - zumindest wenn Ihr laut genug sprecht. Am besten ist die Sprachqualität aber, wenn Ihr direkt in die Uhr sprecht.

Lebensprotokollierung mit Unterbrechungen

Zusammen mit der Lifelogging-App von Sony soll das SmartBand Talk alle Eure Aktivitäten aufzeichnen - sofern Ihr denn die Server des Herstellers überhaupt daran teilhaben lassen wollt. Allerdings müsst Ihr fast jeden Tag eine Lücke einplanen, denn der Akku hat nur eine Kapazität von 70 Milliamperestunden.

Nach Angaben von Sony soll das für eine Laufzeit von bis zu drei Tagen reichen, in der Praxis waren es bei dauerhafter Bluetooth-Verbindung zum Smartphone allerdings nur rund 30 Stunden. Einen Tag hält das Armband also problemlos durch, aber spätestens im Laufe des nächsten Vormittags braucht der Akku Energienachschub. Immerhin ist er sehr schnell - in weniger als einer Stunde - wieder komplett aufgeladen.

Als Schrittzähler funktioniert das SmartBand Talk sehr präzise. Beim Abzählen von 1000 Schritten kam es auf 1001 Schritte, eine Abweichung von 0,1 Prozent und damit getrost zu vernachlässigen. So genau hat bisher nur das Jawbone Up24 gezählt. Zusätzlich versucht es zu erkennen, ob Ihr gegangen oder gelaufen seit, was im Test auch recht zuverlässig funktionierte. Auch die Erkennung der Schlafzeiten war in der Regel korrekt.

So genau zählt das Sony SmartBand Talk |Create infographics

Schrittzähler hui! Akkulaufzeit pfui!

Beim Tragekomfort könnte Sony noch nachbessern, der Schrittzähler ist dagegen schon quasi perfekt. Das SmartBand Talk hat es geschafft, mich zu überzeugen, dass es grundsätzlich praktisch und komfortabel ist, mit einem kurzen Blick auf das Handgelenk festzustellen, ob der Inhalt der Benachrichtigung wichtig ist oder nicht, und ich nicht jedes Mal mein Smartphone aus der Tasche oder vom Tisch nehmen muss.

Es gibt auch Momente, in denen die Uhr als Freisprecheinrichtung sehr praktisch ist, aber insgesamt weist das Armband mir persönlich noch zu viele Defizite auf, als dass ich es dauerhaft verwenden würde. Der Funke, es unbedingt haben zu wollen, springt noch nicht über.

Am Ende bleibt ein sehr genauer Schrittzähler, für den mir alleine der Preis von 160 Euro aber zu hoch wäre, zumal der volle Funktionsumfang nur unter Android zur Verfügung steht. iPhone-Besitzer treibt Sony damit direkt zur Apple Watch. Auch die vier farbigen Armbänder, die man zusätzlich erwerben kann, sind keine Konkurrenz für die vielen verschiedenen Designs der Smartwatch aus Cupertino.


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