Sony Xperia L1 im Test: solide Basis für Smartphone-Neulinge

Her damit !9
Unverkennbar ein Xperia: das Sony Xperia L1.
Unverkennbar ein Xperia: das Sony Xperia L1.(© 2017 CURVED)

Mitte März hatte Sony unerwartet das Xperia L1 vorgestellt. Den Nachfolger des vier Jahren alten Einsteiger-Smartphones sortiert Sony erneut im Niedrigpreis-Sektor ein. Das spiegelt sich auch in der Hardware wider. Im Test macht das Phablet dennoch eine passable Figur.

In der Höhe setzt Sony auf Highend, in der Breite auf Quantität. Aber ist das automatisch ein Ausschlusskriterium für Qualität? Schon die Mittelklasse-Geräte Xperia XA1 und Xperia XA1 Ultra haben uns im Test weitestgehend überzeugt. Kann das noch günstigere L1 dazu aufschließen?

Das Design: eindeutig ein Xperia

Eins muss man dem eigensinnigen Design der Xperia-Telefone lassen: Sie sind immer eindeutig als Sony-Smartphones zu identifizieren. Die breiten Streifen ober- und unterhalb des Displays behält Sony so konsequent und wider den Trend bei, dass ich den Trotz und den Willen zur eigenen Designsprache nur goutieren kann. Auch wenn es mich rein optisch nicht erreicht. Wobei ich tatsächlich einräumen muss, dass ich mich nach mehreren Xperia-Tests an das Design gewöhnt habe. Plus: Die seitlich abgerundeten Kanten sorgen für einen sicheren Halt.

Was mir beim Xperia L1 weniger gut gefällt, sind die vielen, teils gut sichtbaren Spalten zwischen den einzelnen Elementen, aus denen das Gehäuse besteht. Es mag dem Umstand geschuldet sein, dass wir für den Test ein Demo-Gerät bekommen haben, aber der Deckel der Rückseite schließt nicht vollständig mit dem Rahmen ab: Auf Höhe der Powertaste komme ich problemlos mit dem Fingernagel unter das eigentlich fest verbauten Gehäuse. Auch die an den Ecken viel zu deutlich erkennbaren Spalten sehe ich vor meinem geistigen Auge schon voller Staub und Schmutz. Gleiches gilt für das Displayglas, das in den Rahmen des Gehäuses eingebettet ist. Zwischen Glas und Rahmen ergeben sich dadurch hervorragende Staubsammelbecken.

Das IPS-Display löst übrigens mit 720 mal 1280 Bildpunkten auf, also lediglich HD (720p) bei 5,5 Zoll Größe. Die Pixeldichte liegt damit bei 267 ppi.

Die Hardware: nichts für Benchmark-Apologeten

Bei einem Smartphone, für das der Hersteller 200 Euro aufruft, liegen die Erwartungen an die Performance auf etwa gleichem Niveau mit dem Preis. Ein MediaTek-Vierkernprozessor (4 mal 1,45 GHz) und zwei Gigabyte RAM Arbeitsspeicher sind sicherlich keine Werte zum Angeben, aber eine solide Basis für Normalnutzer. In den Benchmark-Tests erreicht das Xperia L1 entsprechend glanzlose Scores: bei Geekbench 665 Punkte (Single-Core) bzw. 1864 Punkte (Multi-Core) und 38.164 Punkte bei Antutu. Zum Vergleich die Werte des rund 100 Euro teureren XA1: 825 Punkte im Single-Core, 3705 Punkte Multi-Core, 60.256 Punkte bei Antutu.

Auf technischer Ebene sieht das L1 gegenüber dem XA1 und dem XA1 Ultra alt aus. Andererseits dürfte den meisten Käufern eines Kleinwagens auch egal sein, wie lange er von null auf 100 braucht. Hauptsache, er fährt zuverlässig. Gleiches gilt für das L1: Trotz mäßigem Motor liefen unsere Testfahrten in "Asphalt 8", "Real Racing 3" und "Need for Speed: No Limits" zu jeder Zeit flüssig. "Asphalt 8" schlägt sogar von sich auf die höchste Grafikqualität vor, während der Ego-Shooter "Dead Trigger 2" bei "Mittel" auf Nummer sicher geht.

Dank Android 7 Nougat als Betriebssystem reagiert die Eingabe auf dem Homescreen trotz vergleichsweise schwacher Hardware flott und zuverlässig. Lediglich die Kamera-App benötigt mitunter drei, vier Sekunden, bis sie startklar ist. Für Schnappschüsse ein eher kritischer Wert.

Fazit

Das L1 hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits bietet Sony mit dem Xperia L1 ein Smartphone für sparsame Nutzer, die trotz des niedrigen Preises immer noch solide Hardware samt aufgeräumter Software (wenig vorinstallierte Apps) bekommen. Andererseits ist ebendieser Preis wiederum ein Grund für das Fehlen von Features, die ich gerne gesehen hätte: Ein Full-HD-Display hätte dem 5,5 Zoll großen Smartphone zum Beispiel gut zu Gesicht gestanden. Oder mehr Speicherplatz. Von den 16 GB Speicher sind bereits sechs GB von Android belegt. Um Fotos oder Musik offline auf dem L1 zu speichern, benötigt Ihr also fast zwangsläufig eine microSD-Karte, die ebenfalls 20 bis 30 Euro kostet. Dass das Gehäuse nicht sauber verarbeitet ist, wäre ein weiterer Kritikpunkt. Allerdings unter dem Vorbehalt, dass unser Test-L1 ein Demo-Gerät ist.

In Summe bleibt das Sony Xperia L1 als passables Smartphone in Erinnerung, das sich aufgrund seiner Spezifikationen in erster Linie an Smartphone-Neulinge richtet oder als Zweitgerät anbietet. Wer nicht so genau aufs Geld schauen will, ist mit dem Xperia XA1 besser beraten.


Weitere Artikel zum Thema
Gratis, aber gut: 6 kosten­lose Play­sta­tion-Spiele, die sich lohnen
Boris Connemann
Gleich ist er Futter für den Greif.
Ebbe in der Haushaltskasse, aber Bock auf neue Games? Diese sechs kostenlosen Playstation-Spiele solltet ihr unbedingt mal ausprobieren.
Können Play­sta­tion-Spie­ler bald ihren PSN-Namen ändern? Keine gute Idee!
Boris Connemann
Können wir bald unseren PSN-Nick ändern? Vielleicht ist das keine so gute Idee.
Laut Sony CEO Shawn Layden dürfen Playstation-Spieler vielleicht bald den PSN-Nick ändern. Warum das keine so gute Idee ist, erörtern wir hier.
"Get the fuck out!": Bei diesem Koop-Shoo­ter ist der Name Programm
Boris Connemann1
Vorsicht, die Monster greifen hier gleich um Dutzend an.
Der neue Koop-Shooter "GTFO" präsentiert sich im ersten Video. Das Gezeigte macht eindeutig Lust auf mehr.