Sony Xperia XZ Premium im Test [mit Video]

Top-Display, Top-Hardware, Top-Verarbeitung: Mit dem Xperia XZ Premium lieferte Sony auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona ein Premium-Smartphone ab. Ob sich der sehr gute erste Eindruck bestätigt hat, klärt der Test.

Mehr geht kaum. Diesen Eindruck bekommt man, wenn man sich einmal das Datenblatt zum Xperia XZ Premium durchliest: hochauflösender 4K-Bildschirm, der brandneue Qualcomm-Chipsatz Snapdragon 835 und eine Kamera, die Videos erstmals mit einer Zeitlupe mit bis zu knapp 1000 Bildern pro Sekunde aufnimmt. Aus technischer Sicht gibt es am neuen Sony-Flaggschiff nichts auszusetzen.

Look & Feel

Das Gehäuse: groß, aber überraschend handlich

Hochwertig schaut es aus. Fast schon zu hochwertig – wenn das überhaupt eine Kritik an der Verarbeitung sein kann. Eingefasst ist das 195 Gramm schwere Smartphone auf beiden Seiten in Gorilla Glass 5. Es schützt nicht nur das Display vor Kratzern und Stürzen, sondern verleiht auch der Rückseite einen eleganten Look. Nur die Kameramodule auf der Rückseite unterbrechen den sonst kühlen, industriellen Look des XZ Premium. Wie schon bei der X-Reihe aus 2016 sind die Kanten links und rechts am Gehäuse sowohl vorne als auch hinten abgerundet, wodurch es trotz der Größe von 5,5 Zoll immer noch handlich bleibt.

Auch wenn es nicht handlich aussieht. Das ist den dicken Rändern über und unter dem Display geschuldet. Wirft man einen Blick auf die Konkurrenz, allen voran das Galaxy S8 und das LG G6, dann muss man sagen: Wirklich zeitgemäß ist das nicht mehr. Schade! Denn ich bin ein großer Fan des Xperia-Looks. Schön wäre nur, wenn bei all dem Minimalismus auch die Displayränder reduziert worden wären. Und wenn das Premium-Sony-Smartphone dünner geworden wäre. 7,9 Millimeter sind nicht gerade wenig. Zum Vergleich: Das iPhone 7 Plus kommt auf 7,3 Millimeter.

Das Display: 4K mit HDR sehen verdammt gut aus

Auch die Anordnung der Buttons ist Xperia-üblich, wie etwa der Powerbutton mit integriertem Fingerabdrucksensor an der rechten Gehäuseseite. Bekannt vom Xperia Z5 Premium ist das 4K-Display. Allerdings kommt beim XZ Premium zusätzlich eine HDR-Technologie zum Einsatz, die Farben mit noch mehr Tiefe wiedergeben soll. So verkündete man in Barcelona auch stolz, dass sich mit dem neuen Premium-Smartphone die Inhalte von Amazon Instant Prime Video in 4K mit HDR ansehen lassen. Das haben wir nun nachgeholt. Für den Video-on-Demand-Dienst von Amazon kann ich bestätigen: Die HDR-Unterstützung sieht man. Allerdings ist dafür die Voraussetzung, dass man die Streamingqualität in der App auf die höchste Stufe schraubt. Das setzt dann auch voraus, dass für eine Stunde Videoinhalte im Schnitt rund sieben Gigabyte an Daten zwischengespeichert werden. Die Folge ist ein Bild mit hohem Dynamikumfang. Der Bildschirm kann so seine Stärke vor allem bei dunklen Szenen ausspielen. Hier lassen sich mehr Nuancen ausmachen als auf Displays ohne HDR-Unterstützung. Leider funktioniert dieses Feature nicht automatisch. Sony ist hier auf die Inhalteanbieter angewiesen. So funktioniert die Wiedergabe von HDR-Videos über die Netflix-App noch nicht.

Unterschiedliche Farbskalen auf dem Sony Xperia XZ Premium(© 2017 CURVED)

Doch fest steht: Das Bild mit einer Auflösung von 2160 x 3840 Pixeln auf 5,5 Zoll ist tatsächlich knackscharf – zumindest mit Blick auf das Benutzermenü und 4K-Videomaterial. Ansonsten skaliert auch das neue Premium-Smartphone von Sony die restlichen Bildinhalte auf Full-HD "herunter". Das kennen wir auch schon vom Z5 Premium. Fällt das unangenehm auf und sieht unscharf aus in der Bedienung? Keineswegs. Was mir gut gefällt: In den Einstellungen hat der Nutzer die Möglichkeit, zwischen mehreren Farbskalen zu wählen. Neben der Standard-Einstellungen unter anderem eine sRGB-Skala sowie ein "Superlebendiger Modus", bei dem Farben insgesamt noch stärker leuchten.

Das Material: gelungene "In your Face"-Optik

Beide von uns getesteten Gehäusevarianten, also Chrom und Schwarz, haben ein schönes Finish, sind allerdings aufgrund der Glasschicht extrem anfällig für Fingerabdrücke. So lässt sich das chromfarbene Modell fast nur mit Handschuhen benutzen. Bei der schwarzen Ausführung fallen diese weniger stark auf. Und trotz der Anfälligkeit für Verschmutzungen bin ich ziemlich angetan von diesem Blender. Denn tatsächlich ist das Xperia XZ Premium in der Chrom-Ausführung ein Spiegel, so stark reflektiert die Rückseite. Das ist ganz klar nicht jedermanns Geschmack, doch mir gefällt diese brachiale "In your Face"-Optik. So versucht das Premium gar nicht erst seine Größe durch stark abgerundete Kanten oder sonstige optische Tricks zu kaschieren, sondern macht seine vermeintlich größte Schwäche zur Stärke: indem es seine Größe dazu verwendet, der Umwelt im wahrsten Sinne des Wortes den Spiegel vorzuhalten.

Hält uns den Spiegel vor: das Sony Xperia XZ Premium(© 2017 CURVED)

Was mich auch nach etlichen Tagen in Benutzung wundert: So kühl das XZ Premium wirkt, so warm fühlt es sich an. Nicht heiß von der Benutzung, sondern angenehm weich. Das liegt zum einem am Gorilla Glass 5, das Vorder- und Rückseite einfasst, aber auch an den abgerundeten Kanten. Wenn ich es etwa mit dem 5,5 Zoll großen P10 Plus vergleiche, dann ist das Premium-Xperia überraschenderweise griffiger. Logisch, denn die Haut der Fingerkuppen haftet besser als auf der stark geriffelten Fläche einer Hyper-Diamond-Cut-Rückseite. Auch wenn die Griffigkeit zu vielen Fingerabdrücken führt.

Die Kamera

Beeindruckende Hardware, umständliche Software

Viel Wert legte Sony bei der Vorstellung auf den neuen Sony-Kamerasensor, der erstmalig HD-Slowmotion-Videos mit 960 Bildern pro Sekunde aufnehmen kann. Möglich macht das ein schneller DRAM-Speicher, der direkt auf dem Kamerasensor sitzt. So lassen sich Bildinformationen schneller zwischenspeichern. Zum Vergleich: Das iPhone 7 Plus nimmt Slowmotion-Videos in Full-HD-Auflösung mit 120 Bildern pro Sekunde auf. 4K-Videos (3840 x 2160 Pixel) sind mit dem Sony-Sensor theoretisch mit 60 Bildern pro Sekunde möglich, im XZ Premium allerdings auf 30 Bilder pro Sekunde reglementiert. Warum Sony nicht einfach den 4K-Modus in die Standard-Video-Aufnahme integriert und mich zwischen den unterschiedlichen Auflösungen wählen lässt, ist mir schleierhaft. Das gilt übrigens auch für den Panorama-Modus, den man nicht im normalen Foto-Aufnahmefenster auswählen kann. Stattdessen gelten beide Features als Sonderfunktion. Fotos schießt die Kamera auf der Rückseite übrigens mit 19 Megapixeln, Selfies nimmt die Frontkamera mit 13 Megapixeln auf.

Die Fotoqualität

Die Qualität der Aufnahmen überzeugt mich. Auch wenn die Foto-App recht träge wirkt, der Auslösesound und die Bestätigung der Aufnahme kommt nicht unverzüglich, gelingen mit dem XZ Premium schöne Bilder mit großem Dynamikumfang, natürlichen Farben und guter Schärfe. Auch bei wenig Licht ermöglicht die f/2.0er Blende noch Aufnahmen, die in Ordnung gehen.

Selfies sehen mit dem Xperia XZ Premium überdurchschnittlich gut aus. Das liegt zum einen an der hohen Auflösung von zwölf Megapixeln, zum anderen an lichtstarken (f/2.0) und weitwinkligen (22mm) Objektiv.

Die Videoqualität

Besonders interessiert hat mich natürlich die Qualität der Superzeitlupen-Aufnahmen. Denn eine Aufnahme mit 960 Bildern pro Sekunde mit einer Smartphone-Kamera zu realisieren ist alles andere als einfach. Angefangen bei der schieren Datenmenge. Normalerweise werden Videos mit 30 oder 60 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet. So braucht eine Superzeitlupe nicht nur viel mehr Speicherplatz, sondern muss die Daten vor allem innerhalb kürzester Zeit speichern können. Dafür hat sich Sony Mobile drei Kniffe überlegt. Zum einen sitzt Speicher direkt auf dem Kamerasensor. Der kurze Weg ermöglicht das schnelle Buffern von Slowmos. Zum anderen wird die Auflösung auf 720p reduziert. Darüber hinaus sind jeweils nur knapp 0,2 Sekunden Superzeitlupe möglich. Dazu drückt man innerhalb der Videoaufnahme auf einen Extra-Button. Nach kurzer Zeit ist das erneut während der Aufnahme möglich. Im Playback wechseln sich dann normale Aufnahmen mit Superzeitlupen ab, bei denen die 0,2 Sekunden auf rund fünf Sekunden gestreckt werden.

Die Qualität dieser Aufnahmen, nun ja, geht in Ordnung. Als interessante Spielerei für zwischendurch ist das absolut gelungen, aber erwartet nicht allzu viel. Startet man den Modus in der Video-App, weist schon die Software daraufhin, eine Umgebung mit viel Licht zu wählen. Und so sorgen schon Umgebungen ohne viel Tageslicht für relativ starkes Bildrauschen. Vergleiche ich diese 720p-Aufnahme zudem mit anderen 720p- bzw. HD-Aufnahmen, dann lässt die Qualität zudem zu wünschen übrig. Insgesamt wirkt das Bild dann doch unschärfer, Farben insgesamt nicht gerade knackig und Kontraste nicht hoch. Schade!

Die weitere Hardware

Die Performance: Schnell und ausdauernd dank Snapdragon 835

Auch im Inneren scheint das Sony-Smartphone sein Premium-Versprechen zu halten. Dem Highend-Chipsatz Snapdragon 835 stehen vier GB Arbeitsspeicher zur Seite. Diese Kombo schlägt sich im Benchmark-Test außerordentlich gut: 159.923 Punkte in Antutu und 1924 bzw. 6464 Punkte (Single- und Multicore) in Geekbench 4.

Die 64 GB interner Spreicher lassen sich mit einer microSD-Karte erweitern. Wem das nicht reicht, der kann zum "Xperia XZ Premium Dual" greifen, das zwei SIM-Karten sowie eine micro-SD-Karte beherbergen kann. Dennoch schade, dass Sony Mobile sein Oberflaggschiff nicht auch mit 128 GB internem Speicher anbietet, wie Huawei etwa beim P10 Plus.

Der Akku ist mit 3230 mAh für ein Gerät mit dieser immensen Displayauflösung nicht unbedingt üppig geraten, doch der verbaute Snapdragon 835 scheint ganze Arbeit zu leisten in Sachen Energiemanagement – und verbraucht nicht nur auch aufgrund seiner kompakteren Fertigung im Schnitt 25 Prozent weniger Strom als seine Vorgänger. So hielt das Smartphone im Test trotz intensiver Benutzung mindestens einen Tag durch, meist sogar anderthalb. Dank Quickcharge 4.0 ist die Batterie auch wieder extrem schnell vollgeladen. So war nach zehn Minuten am Ladegerät wieder genug Energie getankt für die nächsten fünf Stunden. On-top sorgt die adaptive Ladetechnologie von Qnovo dafür, dass der Akku etwa über Nacht nicht permanent randvoll geladen wird, wieder langsam entlädt und wieder vollaufgeladen wird. Weil dieser Prozess zulasten der Batterie gehen kann, erkennt die Software nach einiger Zeit, wann man für gewöhnlich aus dem Bett steigt und gibt erst in den letzten Minuten die restlichen Prozent Ladung hinzu.

Was es sonst noch zu wissen gilt:

  • Daten lassen sich mit Hilfe des USB 3.1 Typ C-Anschlusses schnell übertragen.
  • Das Smartphone ist nach IP68 entsprechend gegen Wasser und Staub geschützt ist.
  • Mit dem XZ Premium lassen sich dank Bluetooth 5.0 zwei Lautsprecher oder Kopfhörer gleichzeitig verbinden, die Lautstärke aber einzeln regeln.
  • PS4 Remote Play ist auch mit dem XZ Premium möglich.

Fazit: Respekt, Sony!

749 Euro ist die unverbindliche Preisempfehlung. Damit liegt es auf Niveau mit schlechter ausgestatteten P10 Plus, ist aber sogar 150 Euro günstiger als das Galaxy S8+. So geht der Preis meiner Meinung nach absolut in Ordnung. Denn das XZ Premium ist Highend pur. Der 4K-Bildschirm ist kein Muss, erfreut aber das Auge und punktet beim Filme- und Serienschauen mit HDR-Qualität. Die Rechenleistung ist beeindruckend. Beides macht das Smartphone zum perfekten Gespielen für die Virtual Reality. Ich bin zudem ein Fan des Xperia-Looks, allerdings sind die großen Displayränder mit Blick auf die Konkurrenz nicht mehr zeitgemäß. Während mich die Fotoqualität überzeugt, bleibt die Superzeitlupe eine nette Spielerei. Dennoch: Das Paket stimmt und bringt Sony nach langer Zeit wieder dahin, wo es hingehört: unter die besten Smartphones des Jahres.


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