Sony Xperia Z3+ im Test: ein teurer Taschenwärmer

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Sony Xperia Z3+: Alles so schön bunt hier
Sony Xperia Z3+: Alles so schön bunt hier(© 2015 CURVED)

Verwundert rieb nicht nur ich mir die Augen, als Sony das Xperia Z3+ vorstellte, das der Konzern in Japan sogar als Xperia Z4 verkauft. Die Unterschiede zum Vorgänger Xperia Z3 fallen so gering aus, dass die zwei bei einem Zwillings-Wettbewerb nicht disqualifiziert werden würden. Ich habe mir das Topmodell von 2015 genauer angeschaut und sage Euch, ob das Xperia Z3+ eine lohnende Investition ist.

Sony hat das Xperia Z3+ im Vergleich zum Xperia Z3 zwar leichter, dünner, schmaler und kürzer gemacht, aber der Unterschied beträgt jeweils nur wenige Gramm bzw. Millimeter und fällt nur auf, wenn man beide Geräte nebeneinander legt und genau hinschaut. Das Gehäuse ist weiterhin bis zu einer Tiefe von 1,5 Metern wasserdicht und folgt der gleichen Designsprache. Die größte optische Veränderung sind die Lautsprecher auf der Vorderseite, die als dünner Schlitz fast komplett zwischen Rahmen und Front des Smartphones verschwinden und das Xperia Z3+ so eleganter wirken lassen.

Besser und mehr, weniger und heißer

Bei der technischen Ausstattung hat sich mehr verändert, als das Äußere zunächst vermuten lässt. Das immer noch 5,2 Zoll große Display verfügt weiterhin über eine Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln, hat dank der Verwendung eines IPS-Panels aber noch stabilere Blickwinkel. In Sachen Detailgenauigkeit, Farben, Kontrast und Auflösung gibt es weiterhin nichts am Xperia Z3+ aussetzen. Den internen Speicher verdoppelt Sony auf 32 Gigabyte, von denen aber bereits rund zehn Gigabyte durch Systemsoftware und vorinstallierte Apps belegt sind. Im Gegenzug hat sich die Kapazität des Akku geringfügig um 170 auf 2930 Milliamperestunden verringert. Im Test überzeugte das Z3+ nicht nur deswegen nicht mit einer so langen Akkulaufzeit wie das Xperia Z3. Gut über den Tag kommt man mit der Batterie trotzdem, sofern man nicht stundenlang Spiele zockt oder ähnliche Sachen anstellt. Für einen zweiten Tag reicht es aber auch hier nur bei zurückhaltender Nutzung und aktiviertem Energiesparmodus.

Auf dem Papier ist der Snapdragon 810 des Z3+ leistungsfähiger als der Snapdragon 801 des Z3. Praktisch zeigt der aktuelle Top-Prozessor von Qualcomm allerdings auch im neuen Xperia Probleme mit der Hitzeentwicklung. Er läuft heiß und muss deswegen vom System gedrosselt werden. Damit erreicht er in Benchmarks nur geringfügig bessere Werte als sein Vorgänger-Chip von 2014. In der Praxis bleibt das Z3+ ein leistungsfähiges Smartphone, dessen Software und Benutzeroberfläche anstandslos und schnell laufen. Selbst grafisch aufwändigere Spiele stellen für das Xperia kein Problem dar. Nur eben im Vergleich zu dem ein Jahr alten Z3 gibt es keine spürbare Verbesserung - und gegenüber dem Galaxy S6 von Samsung mit seinem Exynos-Prozessor bleibt das Z3+ weit zurück.

Gute Kamera - aus dem letzten Jahr

Die Hitze sorgt nicht nur dafür, dass der Prozessor weniger Leistung bringt, sondern bewirkt auch, dass sich die Kamera abschaltet, wenn die Temperatur zu hoch steigt. Das kann je nach Verwendung der Kamera innerhalb weniger Minuten der Fall sein. Solange die Kamera aber läuft, liefert sie tagsüber schöne Bilder mit einer guten Bildqualität. In unserem ausführlichen Kamera-Test wurde aber auch deutlich, dass sie nachts keine Chance gegen die Linsen, Sensoren und Software vom Samsung Galaxy S6 und LG G4 hat. Das verwundert aber auch nicht, wenn man bedenkt, dass es es sich um die gleiche 20,7-Megapixel-Kamera wie im Z3 von 2014 handelt.

Eine Ausnahme stellt die Selfie-Kamera auf der Frontseite dar. Im Vergleich zum Vorgänger hat Sony die Auflösung beim Xperia Z3+ um 2,8 Megapixel auf fünf Megapixel erhöht. Im Vergleich zum LG G4 sind die Selfies deutlich besser und können auch mit dem Galaxy S6 mithalten.

Android, microSD und eine Kamera-Taste

Sony liefert das Xperia Z3+ mit Android 5.0.2 aus und versieht das Betriebssystem mit seiner Xperia UI. Zur Nutzeroberfläche gehören mehrere Widgets und Apps, die ich nicht brauche. Von daher ist erst einmal Aufräumen angesagt. Das bin ich schon von anderen Sony-Smartphones gewohnt - und bei Samsung, HTC oder LG sieht es auch nicht wirklich besser aus. So mancher "kleine" Hersteller wie Phicommm ist in dieser Hinsicht eine lobenswerte Ausnahme.

SIM-Karte und microSD-Karte teilen sich eine Halterung, in die Ihr sie einlegt und anschließend wieder in das Z3+ herein schiebt. Allerdings bekam ich das Ende der Halterung nicht zu fassen, sondern musste ein Hilfsmittel zur Hand nehmen. Insgesamt hinterlässt das Gehäuse des Xperia aber einen sehr wertigen Eindruck. Der Metallrahmen und die Rückseite aus Glas sind einwandfrei verarbeitet und wirken elegant - wobei Design natürlich immer Geschmacksache ist und einem das Z3+ sehr bekannt und fast altbacken vorkommt, da es selbst dem Xperia Z3 noch sehr ähnlich sieht.

Das Xperia Z3+ liegt angenehm in der Hand, und wenn ich den Daumen etwas strecke, dann erreiche ich auch den gesamten Bildschirm mit einer Hand. Hätte Sony die Ränder über und unter dem Display schmaler gemacht, ließe sich der 5,2-Zoll-Touchscreen noch besser einhändig bedienen. Der Einschaltknopf und die Lautstärkewippe sind mittig an der Seite des Gehäuses positioniert. Dort erreicht man sie gut, aber für meinen Geschmack dürften sie auch noch zwei Zentimeter nach oben rutschen. Smartphone-Fotografen können sich über die Kamera-Taste freuen, die die Foto-App startet und als Auslöser fungiert.

Upgrade lohnt sich nicht

Wer bereits ein Sony Xperia Z3 besitzt, sollte keinen Gedanken daran verschwenden auf das Xperia Z3+ umzusteigen. Die Verbesserungen beim Display, dem internen Speicher und der Selfie-Kamera reichen nicht aus, um mit den aktuellen Flaggschiffen mitzuhalten. Selbst wer sich unbedingt ein Top-Smarpthone von Sony zulegen will, sollte lieber zum Z3 greifen. Im Alltag wird man nur selten einen Nachteil bemerken. Übrigens: Das Z3+ ist sogar noch 50 Euro teurer als der Vorgänger. Die UVP liegt bei 699 Euro. Ein teurer Taschenwärmer.


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