Spire im Test: der Achtsamkeitstracker

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Der Spire misst die Atmung und erkennt daran, ob der Nutzer gestresst ist.
Der Spire misst die Atmung und erkennt daran, ob der Nutzer gestresst ist.(© 2017 CURVED)

Fitnesstracker, die Schritte zählen und sportliche Trainings festhalten, gibt es viele. Spire will anders sein. Der Tracker in Steinform zählt zwar auch Eure Schritte, versteht sich aber auf das Erkennen von Stresssituationen. Ob das ein Weg zu mehr Achtsamkeit sein kann, zeigt der Test.

Anders als die Fitnesstracker, die Ihr als Armband um Euer Handgelenk tragt, ist Spire etwas größer und sieht aus wie ein Kieselsein mit Metallbügel. Ihr tagt ihn entweder am BH oder am Hosenbund, sodass die graue Fläche eng am Körper liegt. Durch seine Größe habe ich ihn beim Tragen leider oft gespürt. Das hat auf Dauer gestört.

Spire misst jeden Atemzug

Per Bluetooth verbindet Ihr das Gerät mit Eurem Smartphone (App für Android und iOS verfügbar). Spire misst in Folge jeden tiefen Atemzug. Dadurch erkennt das Gadget Eure Atemmuster und folgert daraus, wann Ihr ruhig, konzentriert oder angespannt seid. Wenige, gleichmäßige Atemzüge sind dabei ein Zeichen für Ruhe, schnelle und unregelmäßige deuten auf Stress hin, während schnell und gleichmäßig ein Zeichen für Konzentration ist. Mit Benachrichtigungen möchte Euch die App dann daran erinnern, dass Ihr doch etwas Abwechslung gebrauchen könntet, weil Ihr wieder mal in einer angespannten Phase steckt. Um Euch vom Stress zu erholen, findet Ihr verschiedene Atemübungen oder geführte Meditationen direkt in der App.

Ist der Spire mit Eurem Smartphone verbunden, seht Ihr eine sich nach oben und unten bewegende Linie, die Eure Atmung abbildet. Beim Einatmen geht die Kurve nach oben, beim Ausatmen nach unten. Ebenfalls zu sehen ist die durchschnittliche Anzahl an Atemzügen pro Minute.

Ihr könnt der App zusätzlich Berechtigungen erteilen, wie zum Beispiel Euren GPS-Standort zu nutzen oder in Euren Kalender zu schauen. Damit könnt Ihr feststellen, ob Ihr in bestimmten Umgebungen oder bei Terminen schneller gestresst oder ruhiger seid als sonst.

Leider gibt es keine Information, wenn der Akkustand niedrig ist. Den sehe ich nur, wenn ich in der App nach dem Eintrag suche. So ist es beim Testen auch passiert, dass ich den Spire zwar getragen habe, er aber nichts aufgezeichnet hat, weil er keinen Strom mehr hatte. Laut Hersteller soll eine Ladung bis zu sieben Tage halten. Bei unserem Test waren es eher vier bis fünf. Kabellos aufgeladen wird das Gadget mit einer hübschen Ladeschale.

Ist das alles hilfreich?

Für mich interessant war, dass die Vorbereitungen am Tag vor Weihnachten anscheinend doch stressiger für mich waren, als ich wahrgenommen habe. Weihnachten selbst war durchwachsen, aber am 27. Dezember hatte ich plötzlich sehr viele lange Ruhephasen, obwohl ich unterwegs war. Seltsam fand ich auch die Auswertung eines klassischen Konzertbesuchs. Während die Musiker spielten, war ich fokussiert – das ist nachvollziehbar. In der Pause war ich aber angeblich total gestresst – und das obwohl ich mit Freunden, die ich lange nicht gesehen habe, ein Glas Sekt getrunken habe. Wahrscheinlich kam der Stress hier unterbewusst, weil so viele Menschen in einem kleinen Vorraum zusammenkamen.

Insgesamt habe ich den Spire drei Wochen lang getragen. Am Ende des Tages habe ich mir meine Statistiken angeschaut. War er zu stressig oder hatte zu wenig Ruhepausen, habe ich versucht, den folgenden anders zu strukturieren – meist mit Erfolg. Die Frage ist, warum man dafür diesen kleinen Stein braucht? Ich denke, dass das Gadget vor allem für Leute geschaffen wurde, die nicht genug auf sich selbst achten (können).

Wenn wir im Stress sind, merken wir das meist selbst. In dem Moment hilft es wenig, dass die App sagt "Hey, du bist schon seit drei Minuten in einem angespannten Modus". Im Gegenteil. Dann denken wir doch eher "Mist, ich kriege es nicht auf die Reihe, jetzt bin ich schon wieder unentspannt", weil wir vielleicht gerade gehetzt unterwegs waren. Und das stresst meist noch mehr. als dass es gut tut. Doch wenn am Ende des Tages die absoluten Zahlen auf dem Display stehen und beweisen, dass das Verhältnis zwischen Spannung und Entspannung nicht stimmt und sich das täglich wiederholt, überlegt der Betroffene vielleicht eher, etwas zu ändern. Insgesamt hat das Konzept drei Schwächen:

  • Unübersichtlich: Schade ist, dass die Werte recht unübersichtlich dargestellt werden. Im Tageslauf sehen wir große bunte Blöcke, die uns zum Beispiel sagen, dass wir zwei Minuten angespannt waren, dann eine Minute fokussiert, dann wieder vier Minuten angespannt und mal zwei Minuten ruhig. Sich auf diese Art und Weise durch den Tag zu scrollen nervt, kann aber helfen um anhand der Uhrzeiten die eigentlichen Stressfaktoren ausfindig zu machen.
  • Unzuverlässig: Leider hat der Spire manchmal einfach aufgehört Daten zu messen. Zum Beispiel an Silvester: 16:30 Uhr finde ich die letzten Daten, obwohl ich mein Outfit nicht mehr gewechselt habe und der Akku voll aufgeladen war.
  • Meditationen: Es ist eine schöne Idee, Atemübungen direkt in die App zu integrieren. Dabei wäre es aber toll, wenn die Meditationen auf mein Atemmuster abgestimmt wären. Beispielsweise sagt die Stimme, dass ich drei Mal tief einatmen soll. Vielleicht bin ich damit ja noch nicht fertig, wenn die Stimme schon weiter macht. Immerhin werden mit dem Gadget meine Atemzüge protokolliert, da könnten sich die Übungen doch daran anpassen.

Preis und Verfügbarkeit

Der Spire-Sensor kostet knapp 120 Euro und ist in Onlineshops und im Apple Stores erhältlich.

Fazit: Nett, aber was jetzt?

So interessant und spannend es auch ist, Statistiken über seine Atmung zu verfolgen, so unschön empfinde ich es, dass mir das Smartphone immer nur dann Bescheid sagt, wenn ich bereits gestresst bin. Sehr gut gefallen haben mir aber die Erinnerungen, dass ich mich bewegen soll oder dass ich mal wieder tief durchatmen könnte. Doch dafür brauche ich eigentlich kein 120 Euro teures Gadget.


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