Thimbleweed Park im Test: Die gelungene Rückkehr der "Monkey Island"-Macher

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Diese fünf Charaktere könnt Ihr in "Thimbleweed Park" steuern - alle hängen miteinander zusammen, wissen es bloß noch nicht
Diese fünf Charaktere könnt Ihr in "Thimbleweed Park" steuern - alle hängen miteinander zusammen, wissen es bloß noch nicht(© 2017 Terrible Toybox, Inc.)

Wir schreiben das Jahr 1987. Eine Wasserleiche in der Nähe von der stark verlassenen Stadt Thimbleweed Park sorgt für Aufsehen und zwei selbst etwas verdächtig wirkende Agenten sind unabhängig voneinander her gereist, um den Fall zu lösen. Aber jeder von beiden hat ein Geheimnis. Die Geschichte hat uns schnell in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Der Test.

Ron Gilbert und Gary Winnick sind die beiden großen Namen hinter dem Spiel, das uns an die alten LucasArts-Adventure aus unserer Kindheit erinnert. Kein Wunder, denn die beiden haben damals mit "Maniac Mansion" und "Monkey Island" Geschichte geschrieben. "Thimbleweed Park" wird nun ihr Comeback zu diesem klassischen Genre und erinnert durch seine wunderschöne Pixelgrafik und den einzigartigen Humor an das Gefühl, das uns schon damals beim Zocken so begeistert hat.

Die Story

"In einer Stadt wie Thimbleweed Park ist eine Leiche dein kleinstes Problem" heißt es schon im Trailer für das Pixel-Adventure. Kein Wunder, denn nicht nur die Stadt ist verlassen – auch ein Zirkus in der Nähe scheint wie ausgestorben zu sein. Hier gibt es ein Hotel, in dem es spukt,  eine ausgebrannte Kissenfabrik und scheinbar wird jegliche Energie mit seltsam aussehenden Vakuum-Röhren generiert.

Die Agenten Reyes (links) und Ray untersuchen die Wasserleiche(© 2017 Terrible Toybox, Inc.)

Die beiden Agenten Ray und Reyes versuchen ihr bestes, um den Mord aufzuklären. Doch während die Leiche unter der Brücke verpixelt, ergeben sich für die Helden des Spiels immer neue Verstrickungen. Niemand aus Rays Team scheint zu wissen, dass sie hier ermittelt. Was sucht sie wirklich in der Stadt? Auch Reyes scheint mehr über die ausgebrannte Kissenfabrik zu wissen, als er zugibt.

Insgesamt könnt Ihr fünf Charaktere spielen: Die beiden Agenten Ray und Reyes, Delores, die gerne Spiele-Entwicklerin werden möchte, den Geist Franklin und den Clown Ransome. Fünf Leute, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch gibt es etwas, das alle miteinander verbindet – auch wenn sie das zu Beginn noch nicht wissen. Und irgendetwas scheint sie außerdem alle zu beobachten.

Steuerung und Rätsel

Wie früher steuert der Spieler die Handlungen seiner Figur mit der Maus. Dafür stehen neun Verben zur Verfügung, die angeklickt und dann mit Gegenständen oder anderen Charakteren benutzt werden können. Zum Beispiel "Öffne Schrank" oder "Nehme Flasche". Wer nicht am Computer spielt und keine Maus hat, steuert die Maus am Gamecontroller der Konsolen mit einem analogen Stick oder nutzt auf Smartphones oder Tablets die Touch-Oberfläche.

Neben den neun Verben findet Ihr Euer Inventar. Dort landen alle Gegenstände, die Ihr in der Welt von "Thimbleweed Park" einsammelt. Ihr könnt die Gegenstände auch zwischen den Spielfiguren hin und her tauschen. An der rechten Bildschirmseite wechselt Ihr zwischen den aktuell spielbaren Charakteren hin und her.

Die Rätsel erfordern teilweise richtiges "Um die Ecke"-Denken. Manchmal sind sie aber auch recht eindeutig. Zum Beispiel muss zu Beginn des Spiels ein Foto von der Leiche gemacht werden. Während einer der Agenten die Polaroid-Kamera ohne Film hat, hat der andere den Film ohne Kamera. Ich möchte Euch hier nichts verraten, kann Euch aber versichern, dass die Lösung eine ausgewogene Mischung zwischen knifflig und offensichtlich ist.

Die Pixelgrafik strahlt einen besonderen Charme aus. Insgesamt gibt es 87 Screens zu entdecken(© 2017 Terrible Toybox, Inc.)

Für alle, die schon damals Adventure-Games geliebt haben, gibt es einen Hardcore-Modus mit mehr Rätseln. Das macht das ganze schwieriger, aber für Rätselfans um einiges interessanter. Wenn Ihr nicht so viel nachdenken wollt und lieber die spannende Geschichte verfolgen möchtet, startet Ihr das Spiel im Casual-Mode. Hier wurden die schwierigen Rätsel entfernt, sodass Ihr schneller voran kommt.

Außerdem hat jeder Charakter ein Notizbuch oder eine To-Do-Liste im Inventar. So habt Ihr immer den Überblick darüber, was denn gerade das Ziel Eures Charakters ist. Das hilft auch sehr, wenn Ihr wieder in das Spiel reinfinden wollt, nachdem Ihr es beim letzten Mal beendet habt.

Das Spiel

Von Beginn an fühlte ich mich in meine Kindheit zurückversetzt, in der ich viele Pixel-Adventures gespielt habe. Doch "Thimbleweed Park" ist technisch am Zahn der Zeit, bedient sich aber am alten Charme. Diese Mischung passt sehr gut in unsere heutige Gaming-Welt.

Die Story wird spannend erzählt. Die Stimmen der englischen Sprachausgabe (deutsche Untertitel sind möglich) sind sehr gut ausgewählt und verleihen den teilweise sehr abstrusen Charakteren eine tolle Ausstrahlung. Da haben wir zum Beispiel Ransome, den arroganten und vulgären Clown, der während eines Auftrittes mit seinen Witzen über die Zuschauer zu weit gegangen ist und von einer Hexe verflucht wurde. Oder Delores, die auf nerdige Gadgets wie eine Schreibmaschine mit Roboterarmen steht und liebend gerne Spiele programmieren möchte. In einem der ersten Abschnitte erfahren wir, wie sie sich bei einem großen Entwicklerstudio bewirbt. Doch ihr Onkel Chuck Edmund ist davon gar nicht begeistert. Er wollte, dass seine Lieblingsnichte eines Tages die Kissenfabrik übernimmt. Als er schließlich stirbt und ihr Vater verschwindet, muss sie sich auch noch allein mit ihrer Schwester um das Erbe streiten – und ihr Anwalt geht nicht ans Telefon. Sie macht also ganz schön was durch.

Der Humor des Spiels hat mich sehr oft zum Lachen gebracht. Die Charaktere, Orte und Gegenstände sind an sich schon ziemlich witzig und dann hauen sie alle paar Minuten auch noch einen Witz raus. Besonders der Briefträger George hat mir gefallen, weil er sich selbst total wichtig nimmt und denkt er arbeite in einer der höchsten Regierungsstellen. Und er kennt sehr viele Briefträgerwitze. Großartig geschrieben! So vermischen sich während des Spiels eine spannende Story, die ich immer weiter verfolgen wollte, bis ich endlich erfahren hatte wie alle Charaktere zusammenhängen, mit dem lustigen Charme der Personen. Außerdem gibt es ständig wieder neue Wendungen, die man nicht vorhergesehen hat. So hat mich das Spiel immer wieder überrascht.

Ursprünglich wurde "Thimbleweed Park" auf Kickstarter durch Fans finanziert. Die Unterstützer durften dann eine Anrufbeantworteransage aufnehmen, die im Spiel gelandet ist. In der Stadt findet Ihr an manchen Stellen dicke Telefonbücher mit haufenweise Nummern, die Ihr anrufen könnt. Viele der Fan-Ansagen sind von deutschen Spielern eingesprochen. Auch gibt es eine Bibliothek, wo Spieler sich Buchtitel und deren Inhalt ausdenken konnten. Diese könnt Ihr Euch ebenfalls anschauen.

Preis und Verfügbarkeit

"Thimbleweed Park" ist ab dem 30. März auf Steam für PC, Mac und Linux für 19,99 Dollar (Euro-Preis folgt) erhältlich. Auch auf der DRM-Plattform GOG.com wird es angeboten. "Xbox One"-Spieler bekommen das Download-Spiel zum selben Preis auf Xbox Live. Das Spiel erscheint außerdem später für Playstation 4 und als mobile Version für Android und iOS. Preise für diese Plattformen sind uns hier noch nicht bekannt.

Fazit: Spannend, lustig, retro, genial!

Jeder, der damals und heute gerne interaktive Geschichten erlebt, muss "Thimbleweed Park" einfach spielen. Ron Gilbert, Gary Winnick und ihr Team bei Terrible Toybox haben hier ein kleines Meisterwerk geschaffen, das durch Witz, Grafik und einer spannenden Geschichte den Charme der alten Adventures einfängt und zurück in unsere Zeit bringt. Zwischen den ganzen Blockbuster-auf-Hochglanz-polierten-3D-Actiongames, die wir sonst die ganze Zeit spielen, ist das Pixel-Adventure als Mystery-Krimi die optimale Abwechslung.


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