TomTom Runner Cardio im Test: die Smartwatch für Läufer

Unfassbar !19
TomTom Runner Cardio
TomTom Runner Cardio(© 2014 CURVED)

Wer viel läuft, weiß: Brustgurte zur Pulsmessung nerven! TomTom hat bei der Runner Cardio die nötige Technik deswegen in eine Uhr gepackt. Was taugt die Läufer-Smartwatch? Dafür habe ich mich nicht nur auf die Laufstrecke begeben.

Mein erster Gedanke beim Auspacken der TomTom Runner Cardio war: "Boah, ist die klobig". Und das ist die GPS-Uhr auch wirklich - zumindest optisch. Die Waage zeigt aber nur 63 Gramm an und am Handgelenk stört sie beim Training überraschenderweise nicht.

Für das Training, nicht für den Alltag

So viel steht fest: Die Cardio Runner hat TomTom eindeutig nur als Trainingsgerät entwickelt. Ich würde die GPS-Uhr zumindest nicht den ganzen Tag lang tragen, da sind andere Fitnesstracker auf Dauer angenehmer. Das breite Armband hat viele eng nebeneinander liegende Lochreihen, sodass sich die Uhr präzise am Handgelenk befestigen lässt. Damit die Pulsmessung funktioniert, muss sie fest anliegen, soll aber auch nicht drücken, was bei mir im Test gut klappte. Um es vorweg zu nehmen: Mich störte die Cardio Runner weder beim Laufen noch beim Radfahren oder Schwimmen. So soll ein Trainingsbegleiter sein.

Die Runner Cardio verfügt über ein 2,2 x 2,5 Zentimeter großes Display mit mehreren Graufstufen. Es ist kein Touchscreen, nur der rechte Rand reagiert auf Berührungen. Dort schalte ich bei Bedarf die Beleuchtung ein. Die Bedienung erfolgt über eine Tastenfeld unterhalb des Bildschirms. Mehr als links, rechts, oben und unten steht nicht zur Verfügung. Das Menü ist aber übersichtlich, sodass ich es schon fünf Minuten nach dem Auspacken halbwegs gut beherrscht habe. Nur um herauszufinden, wie ich eine Messung stoppe, braucht es etwas länger. So geht's: Einfach die linke Taste - quasi die Zurück-Taste - nicht nur kurz drücken, sondern für einige Sekunden halten.

Die Verbindung zu den GPS-Satelliten bestand nach weniger als einer Minute, sodass ich vor dem Joggen nur kurz warten musste, um keine Daten zu verlieren. Wichtig ist noch, dass Ihr das Pulsmessgerät mindestens einmal von Hand einschaltet. Keine Angst, es belastet nicht dauerhaft den Akku, sondern wird nur aktiv, wenn Ihr eine Aufzeichnung startet. Hat die einmal begonnen, müsst Ihr sie sonst - so wie ich beim ersten Lauf - abbrechen und die Herzfrequenzmessung im Menü einschalten.

Stets gut informiert

Die Uhr zeigt auf dem Display wahlweise die Pulsfrequenz, die gelaufene Zeit, die zurückgelegte Distanz, das Tempo, die Uhrzeit, die rechnerisch verbrauchten Kalorien und den Intensitätsbereich an, in dem Ihr gerade lauft. So hat man die gewünschten Infos schnell im Blick. Beim Joggen kurz mal auf die Runner Cardio zu schauen brachte mich nicht aus dem Rhythmus. Die Intensitätsbereiche berechnen sich aus Euren persönlichen Daten. Ihr könnt die Grenzen für "Einfach, Fitness, Ausdauer, Tempo, Geschwindigkeit und Sprint" aber auch eigenhändig anpassen. Trainingsvorgaben lassen sich anhand von Zielen (Distanz, Zeit oder Kalorienverbrauch), Intervallen, Runden oder Zeit- und Tempo-Zonen festlegen. Für Motivation sorgt auch die Möglichkeit, gegen eigene alte Renndaten anzutreten und Euch selbst zu schlagen. Das bieten anderen Fitness-Uhren von Garmin und Polar allerdings auch an.

Gut für Studiobesucher. Die Runner Cardio könnt Ihr nicht nur beim Joggen im Freien benutzen, sondern auch auf dem Laufband. Schaltet Ihr den gleichnamigen Aktivitätsmodus an, erhebt sie zwar alle Messdaten, lässt aber die GPS-Ortung ausgeschaltet und schont so den Akku. In geschlossenen Räumen funktioniert die Positionsbestimmung über Satelliten sowieso nur stark eingeschränkt.

Die aufgezeichneten Strecken stimmten mit Google Maps überein. Auch sonst wirkten die Daten in sich logisch und plausibel. Die Pulsmessung funktionierte trotz der vielen Bewegung und dem obligatorischen Schwitzen bei diesem Sommerwetter ohne Unterbrechung. Bei der Gear Fit von Samsung musste ich den Arm dagegen sehr still halten, um meinen Puls messen zu können.

Datenaustausch mit anderen Portalen ist möglich

Der Akku der Runner Cardio soll bei eingeschalteten GPS und Pulsmessgerät acht Stunden lang durchhalten. Für meine sportlichen Aktivitäten reicht das völlig aus. Im Uhrbetrieb ist der Stromverbrauch dank des sparsamen Display minimal. Zum Aufladen der Batterie benötigt Ihr das mitgelieferte USB-Kabel mit Adapter. Schaut man sich den Mechanismus genau an, dann lässt sich die Uhr leicht "einklippen" und wieder entfernen. Hier besteht aber noch Verbesserungspotenzial.

Wichtig: Mit dem Adapter ladet Ihr nicht nur den Akku auf, sondern verwaltet die Cardio Runner über die zugehörige Software "TomTom MySports Connect", die für Windows und OS X zum Download bereitsteht. Zusätzlich übertragt Ihr über die Messdaten zum MySports-Portal von TomTom, das sie grafisch ansprechend aufbereitet. Deutlich bequemer finde ich die Datensynchronisierung per Bluetooth. Das funktioniert momentan aber nur mit iOS-Geräten. Die Android-App soll nach Auskunft von TomTom aber noch im August 2014 im Play Store erhältlich sein.

So sehen die von der Runner Cardio gesammelten Daten auf dem mySports-Portal von TomTom aus

Die Aktivitätsdaten stehen zudem in verschiedenen Dateiformaten (.tcx, .kml, .gpx und .fit) bereit und können so in viele andere Programme übertragen werden. Nutzt Ihr Runkeeper, Strava, Endomondo, Trainnigspeaks oder MapMyFitness, könnt Ihr die Runner Cardio so einstellen, dass sie Ihre Daten direkt zu diesen Portalen überträgt. Ihr müsst also nicht zwangsweise MySports von TomTom nutzen, sondern könnt bei Eurer Community bleiben.

Perfekt für Triathleten

Neben der Runner Cardio bietet TomTom noch die Multi-Sport Cardio an. Sie ist optisch und den technischen Daten nach identisch, verfügt nur über eine andere Software. Diese ist in der Lage, die Messdaten nicht nur für Laufstrecken aufzubereiten, sondern auch beim Radfahren und Schwimmen verlässlich zu messen. Zusätzlich erfasst sie über ein zusätzliches Messgerät noch die Trittfrequenz beim Radfahren - wenn Ihr das denn wollt. Aus diesem Grund habe ich mit der Runner Cardio einen kleinen Triathlon gemacht und kann bestätigen, dass die Uhr auch auf dem Fahrrad und im Wasser verlässlich den Puls misst und am Handgelenk nicht stört. Das Testgerät bereitete die Daten allerdings nur für Läufer auf - was beim Radfahren löbliche Werte ergab und beim Schwimmen aussah, als wäre ich über den Boden gekrochen.

Fazit: Ein bequemer Begleiter

Die unverbindliche Preisempfehlung für die TomTom Cardio Runner liegt bei 269 Euro, die Multi-Sport-Variante zum Schwimmen und Radfahren soll 299 Euro kosten. Beide gibt es auch ohne Herzfrequenzmessfunktion als reine GPS-Variante, für 169 und 199 Euro. Teuer? Nicht wirklich. Die Top-Modelle von Polar und Garmin kosten derzeit um die 400 Euro.

Wer beim Training seinen Puls im Auge behalten will, findet in der Cardio Runner eine gute Alternative zum Brustgurt - zu dem ja immer auch ein Armband zum Ablesen der Messdaten gehört. Die klobig wirkende Uhr sitzt bequemer als erwartet, liefert verlässliche Messdaten - und die Nutzung wird hoffentlich bald auch für Besitzer eines Android-Smartphones komfortabler.

Bis jetzt gibt sich die Cardio Runner allerdings schon weitaus smarter als viele vergleichbare Modelle der etablierten Läufer-Marken Garmin und Polar, die zwar solide GPS- und Herzfrequenzzonen messen, aber weder den Export der gesammelten Datenmenge zu vielen anderen Portalen zulassen, noch über eine ausgereifte, übersichtliche Software verfügen.  Dass das nervige Brustgurt wegfällt, ist vor allem für Männer ein großes Plus in Sachen Laufkomfort.

Ich würde 30 Euro mehr auf den Tisch legen und die Multi-Sport-Version kaufen. Dann klappt's auch mit dem Triathlon!


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