Tuxedo InfinityBook im Test: der MacBook-Klon mit Linux [mit Video]

Her damit !31
Das Tuxedo InfinityBook ist ein Ultrabook
Das Tuxedo InfinityBook ist ein Ultrabook(© 2016 CURVED)

Ein Linux-Laptop im MacBook-Design: Der deutsche Vertrieb Tuxedo achtet bei seinem InfinityBook nach eigenen Angaben sehr darauf, dass wir viel Leistung bekommen, die gleichzeitig sehr gut mit dem Linux-Betriebssystem harmonieren soll. Wir haben das 13-Zoll-Ultrabok getestet.

Linux-Geräte haben am Markt meist nicht viel zu melden. Kein Wunder: Smartphones und Tablets mit Ubuntu laufen instabil und können bei der Performance nicht mithalten. Und auch im Computer-Bereich gibt es des Öfteren Treiber-Probleme. Tuxedo hat im InfinityBook eine Hardware-Kombination zusammengestellt, bei der genau das vermieden oder zumindest minimiert werden soll.

Hardware frei zusammenstellbar

Beim InfinityBook könnt Ihr nicht nur, wie bei anderen Herstellern oder Vertrieben, aus vorgefertigten Kombinationen aus Festplatte, Arbeitsspeicher und Co. wählen. Ihr seid viel freier in dem, was Ihr gerne unter Haube hättet und könnt auch nach dem Kauf selbst Festplatten und RAM austauschen. Dazu lässt sich die Unterseite mit zwölf Schrauben lösen. Das Einzige, das beim Kauf festgelegt ist, sind der Prozessor und der Grafikchip. Zum Einsatz kommt das typische Modell für Ultrabooks: Intels Skylake i7-6500U Prozessor (zwei Kerne, vier Threads), der zwischen 2,5 GHz und 3,1 GHz im Turbo-Modus taktet. Dazu gibt es Intels HD 520 für die Grafik.

Die Standard-Version des Laptops kommt mit vier Gigabyte Arbeitsspeicher. In unserem Testgerät wurde das bereits auf acht aufgerüstet (26,50 Euro Aufpreis). Bis zu 16 Gigabyte RAM sind möglich. Im Inneren ist außerdem Platz für zwei Festplatten oder SSDs. Eine wird per SATA III und eine per M.2 angeschlossen. Das 13-Zoll-IPS-Display hat eine Full-HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel) und überzeugt mit seiner Helligkeit und den stabilen Blickwinkeln. Außerdem ist es matt und spiegelt nicht, sodass wir das Notebook auch draußen ohne Probleme benutzen können. Leider lässt es sich nur nicht wirklich weit aufklappen, der Winkel liegt bei ca. 130 Grad. Das MacBook Air geht zum Beispiel noch etwas weiter auf - und das fühlt sich angenehmer an, wenn es auf dem Schreibtisch steht.

Beim Design kann man sich streiten, ob es nun toll ist, dass es wie ein MacBook Air aussieht oder eben nicht. Das Tuxedo hat einen Körper, der komplett aus Aluminium besteht und ist sehr gut verarbeitet. Es verfügt über einen festen Stand und bietet viele Anschlüsse: 1x USB 2.0, 1x USB 3.0, 1x USB 3.1 als Typ-C-Anschluss, Kopfhörerausgang, ein kombinierter SD-Kartenleser und einen HDMI-Ausgang.

Elementary OS als Betriebssystem

Beim Kauf könnt Ihr Euch entscheiden, welches Betriebssystem installiert wird. Standardmäßig ist das elementary OS, welches auf Ubuntu 14.04 basiert. Ohne Aufpreis sind aber auch Ubuntu/Kubuntu/Xubuntu in Version 16.04 oder openSUSE 42.1 (KDE oder XFCE) möglich. Wollt Ihr auch eine Windows-Partition oder eine virtuelle Maschine mit Windows auf dem Laptop, müsst Ihr die Lizenzgebühren extra berappen (je nach Version ca. 119 - 169 Euro).

Elementary OS gibt dem "MacBook"-Gehäuse auch von Seiten des Betriebssystem den Apple-Look. Wie das Dock unter MacOS gibt es auch hier an der unteren Bildschirmseite eine optisch ähnliche Leiste, auf der sich die Programme befinden. Ich war etwas verwundert, dass elementary OS auf Ubuntu 14.04 Kernel 4.2 basiert, da die Skylake-Prozessoren eigentlich erst ab Kernel 4.3 umfangreich unterstützt werden. Vom reinen Benutzen her empfinde ich elementary OS auch als unausgereift. Außerdem haben die Knöpfe für die Helligkeitsregulierung (Zweitbelegung der F-Tasten) nicht funktioniert. Auch die Akku-Anzeige war unter Linux nicht zu gebrauchen. Erst steht die Anzeige auf 4:51 verbleibenden Stunden, zwei Minuten später auf 4:03, eine Minute später auf 3:32 und nach einer weiteren halben Stunde Nichtstun, geht der Laptop plötzlich aus. Das scheint sich nach weiteren Aufladezyklen aber einzupegeln. Verwirrend  ist nur, dass das Icon für den Akku bei nahezu jedem Ladestand als "fast voll" angezeigt wird.

Aber das ist ja das Schöne an Linux: Jeder kann sich jederzeit eine andere Distribution aufspielen. Privat nutze ich Ubuntu Gnome 16.04, was mir auf dem Tuxedo auch besser gefallen würde.

Tastatur und Klickpad sind suboptimal

Sehr flache Tastaturen haben ihre Fans - ich gehöre definitiv nicht dazu. So finde ich auch die im Tuxedo InfinityBook viel zu niedrig. Gefühlt ist sie höher als beim MacBook Air und hat einen klaren Druckpunkt, auch wenn die Tasten an den Rändern wackeln. Im Auslieferungszustand sind die Tasten angeraut, was sie ein bisschen griffiger macht. Ob und wie schnell sich das abnutzt, können wir noch nicht sagen. Mein Kollege Marco, der sonst immer am MacBook Air arbeitet, war mit der Tastatur auch nicht zufrieden. Ihm war der Hub viel zu weich.

Auch wurden seltsame Entscheidung beim Design getroffen: So ist die Fn-Taste nicht unten links in der Ecke, sondern an zweiter Position. Ganz links befindet sich die STRG-Taste. So komme ich beim Blindtippen immer durcheinander. Außerdem sind die Pfeil-Tasten unterschiedlich groß. Süß ist das Icon auf der "Windows"-Taste, welches passenderweise das Tuxedo-Logo zeigt: einen kleinen, mopsigen Pinguin. Leider hat dieser unter elementary OS keine Funktion.

Das Touchpad hat teilweise sogar richtig genervt, weil der Rechtsklick nicht immer ans System (elementary OS) übergeben wurde. Vor allem bei Spielen ist es zu oft passiert. Außerdem ist die Mausbewegung auf dem Display sehr verzögert. Beim Klicken bewegt sich die Maus meistens mit, dadurch sind wir sehr unpräzise. Dazu kommt, dass beim Klicken ein lautes Geräusch ausgelöst wird, das uns beim Arbeiten gestört hat.

Gute Performance

Die Leistung des Laptops hat im Test überzeugt. Sogar einige Spiele konnten wir problemlos zocken. Klar sind das keine aktuellen Blockbuster gewesen, aber "Half-Life" oder "Portal" liefen auf niedrigen Einstellung flüssig. Wenn wir mit dem InfinityBook normal arbeiten, also Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, E-Mails und Internet blieb das Notebook sehr leise. Doch sobald Leistung gebraucht wird, dreht der Lüfter aber richtig auf.

Tuxedo Infinity Book: "Portal" lässt sich problemlos spielen(© 2016 CURVED)

Auch mit der Akku-Laufzeit kann man durchaus zufrieden sein. Bei voller Display-Helligkeit und Tastaturbeleuchtung, mit WLAN und Bluetooth aktiviert kamen wir bei eben genannten Arbeitstätigkeiten plus ein paar YouTube-Videos auf etwas mehr als fünf Stunden. Der Hersteller gibt eine Laufzeit von 15 Stunden an. Die gilt aber nur bei ausgeschalteten Funkverbindungen und minimaler Helligkeit. Einen großen Pluspunkt gibt es für den Akku (45 Wattstunden Lithium-Ionen), weil wir ihn austauschen können.

Fazit: ein solides Ultrabook mit kleinen Macken

Positiv sticht hervor, dass das Ultrabook mit Alumiumkörper sehr komfortabel aufgeschraubt und aufgerüstet werden kann. Arbeitsspeicher, Festplatten und Akku lassen sich austauschen. Auch an der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern. Negativ aufgefallen sind Tastatur und Trackpad sowie das Betriebssystem - aber das könnt Ihr beim Kauf ja gleich durch eine andere Linux-Distribution ersetzen.

Das Tuxedo InfinityBook ist ab 899 Euro zu haben. Die Standardkonfiguration beinhaltet vier Gigabyte Arbeitsspeicher und eine 500 Gigabyte große Festplatte. Unser Modell mit acht Gigabyte RAM und zusätzlicher 120 Gigabyte SSD kommt auf einen Gesamtpreis von 1032,50 Euro (plus Windows-Lizenz für den Dual-Boot-Modus).


Weitere Artikel zum Thema
Android 7.1.1 Nougat ist da: die Neuhei­ten im Über­blick
Marco Engelien
Android 7.1.1 bringt Launcher Shortcuts auch aufs Nexus 5X.
Die wenigsten Smartphones haben das Update auf Android 7.0 Nougat erhalten, da legt Google schon die Android 7.1.1 für Pixel- und Nexus-Geräte nach.
Die besten Geschenke für Foto-Verrückte
Jan Johannsen
Auf der Suche nach dem passenden Geschenke für Foto-Begeisterte?
Smartphone-Fotografie ist ein Trend. Doch was schenkt man solchen Mobil-Fotografen zum Fest? Die besten Ideen haben wir zusammengetragen.
Samsung Gear S2: Update bringt etli­che Featu­res des Nach­fol­gers
Christoph Groth
Mit dem jüngsten Update erhält die Gear S2 so manche Funktion der Gear S3 nachgereicht
Samsung gibt den Rollout des sogenannten "Value Pack Updates" für die Gear S2 bekannt. Das bringt unter anderem alternative Zifferblätter auf die Uhr.