Vernee Thor und Coolpad Porto S im Test: So gut sind 130 Euro-Smartphones

Peinlich !55
Zwei Smartphones für 130 Euro, die unterschiedlich viel für wenig Geld bieten
Zwei Smartphones für 130 Euro, die unterschiedlich viel für wenig Geld bieten(© 2016 CURVED)

 Wie viel Smartphone bekommt man für 130 Euro? Um diese Frage zu beantworten, haben wir mit dem Vernee Thor und dem Coolpad Porto S zwei Smartphones dieser Preisklasse getestet.

Bei beiden Herstellern handelt es sich um Newcomer auf dem deutschen Markt. Während Coolpad seit Anfang des Jahres in Deutschland aktiv ist und beim MWC bereits mit einem Fremdgeh-Smartphone für Aufsehen sorgte, ist ein Vernee ein neues Unternehmen aus China. Das Thor ist das erste Smartphone der Firma, die mit dem Apollo und dem Apollo Light neben dem Einsteiger-Modell noch ein Flaggschiff- und ein Mittelklasse-Gerät angekündigt hat.

Vernee Thor: Viel mehr als nur ein Uber-Smartphone

Vernee ist als Smartphone-Hersteller zwar ein Neuling, konnte aber trotzdem den Mitfahrdienst und Taxi-Konkurrenten Uber als Partner für das Thor gewinnen. In der Praxis äußert sich die Kooperation durch die vorinstallierte Uber-App sowie einen Rabatt-Code für eine Fahrt, die dem Telefon beiliegt. Die Ridesharing-App ist aber das einzige vorinstallierte Programm, das ich als Bloatware bezeichnen würde. Ansonsten erwartet Euch eine sehr aufgeräumte Android-Version, die nahe am Stock-Android ist. Beim Coolpad Porto S gibt es mehr vorinstallierte Google-Apps sowie mit Facebook, WPS Office und Zuimei Wheater etwas mehr Bloatware. Aber vor allem erwartet Euch hier nur Android 5.1 Lollipop, während das Vernee Thor über Android 6.0 Marshmallow verfügt.

Nicht der einzige Punkt, bei dem das Vernee Thor in diesem Vergleich vorne liegt. Auf dem Datenblatt klingen die fünf Zoll große HD-Displays gleich gut, aber betrachtet man beide nebeneinander, so wirkt das Coolpad Porto S stumpfer, weniger hell und seine Farben erscheinen weniger kräftig. Die Detailgenauigkeit ist bei beiden in Ordnung, aber Coolpad verschenkt mit Onscreen-Tasten und dem Verzicht auf Buttons neben dem Display viel Platz beim Bildschirm.

In den ordentlich verarbeiteten Kunststoffgehäusen beider Smartphones – das beim Thor etwas weicher und griffiger ist und mir deswegen besser gefällt – zeigen sich weitere deutliche Unterschiede. Vernee verbaut den MTK6753, dessen acht Rechenkerne mit 1,3 Gigahertz getaktet sind und drei Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite gestellt bekommen. Coolpad hält dagegen den MT6735P mit vier 1-Gigahertz-Kernen und einem Gigabyte Arbeitsspeicher für ausreichend. Da überrascht es nicht, dass das Porto S im Antutu-Benchmark mit rund 23.500 Punkten deutlich hinter dem Thor mit etwa über 38.000 Punkten liegt. Bei Geekbench 3 setzt sich dieses Bild mit 467 und 1348 Punkten im Single- und Multi-Core-Test beim Coolpad gegenüber 632 und 2927 Punkten bei Vernee fort. In der Praxis laufen Betriebssystem und Nutzeroberfläche bei beiden Smartphones flüssig, doch nur beim Vernee Thor lässt sich etwa Asphalt 8 mit höchster Grafikqualität spielen. Beim Porto S müsst Ihr Euch mit mittlerer Qualität zufriedengeben und Geduld für die langen Ladezeiten aufbringen.

Coolpad Porto S: Wenig ist zu wenig

Mit seinem nur acht Gigabyte großen internen Speicher disqualifiziert sich das Coolpad Porto S sogar als günstigstes Einsteigergerät. Ihr könnt die Speicherkapazität zwar bei beiden Smartphones mit einer microSD-Karte erhöhen, habt ohne diese aber nur noch 1,55 Gigabyte frei. Beim Vernee Thor mit seinen 16 GB stehen Euch dagegen nach dem Einschalten etwa 9,5 GB zur Verfügung – mehr als das Coolpad insgesamt zu bieten hat. Beide Smartphones bieten Platz für zwei SIM-Karten, aber beim Porto S könnt Ihr nur eine zweite SIM- oder eine Speicherkarte einlegen. Das Thor bietet dagegen Platz für insgesamt drei Karten.

Dreizehn und fünf Megapixel stehen acht und zwei Megapixel gegenüber. Zwar sind Megapixel nicht alles, aber die unterschiedlich hohen Auflösungen sind ein erstes Indiz dafür, dass das Vernee Thor die besseren Fotos liefert. Bei einer kleinen Fototour bestätigte sich das. Die Aufnahmen des Coolpad Porto S gehören schon fast in die Kategorie "unbrauchbar" – vor allem die Frontkamera liefert Selfies, die man nicht verschicken will. Beim Vernee Thor ist zwar auch nicht alles perfekt, vor allem könnten die Bilder insgesamt heller sein, aber sie sind vorzeigbar. Die Detailgenauigkeit ist ausreichend, die Farben kräftig.

Darüber hinaus steckt im Vernee Thor der Akku mit der deutlich größeren Kapazität – 2800 gegenüber 2000 mAh – und auf seiner Rückseite befindet sich ein Fingerabdrucksensor. Das ist für ein Einsteigergerät dieser Preisklasse etwas besonderes. Im Test musste Ich mich erst an ihn gewöhnen, denn wenn ich den Finger nicht fest genug auf ihn presste, erkannte er mich nicht. Nur wenn ich stark genug drückte, entsperrte er zuverlässig das Smartphone.

Fazit: 130 Euro können sich lohnen - oder auch nicht

Für 130 Euro kann ich das Vernee Thor guten Gewissens empfehlen. Gutes Display, ausreichende Hardware, brauchbare Kamera, aktuelle Software, ordentlich verarbeitet und sogar noch ein Fingerabdrucksensor. Höchstens der Speicher könnte noch zu knapp sein. Das Coolpad Porto S kann nur bei der Verarbeitung mithalten, bleibt sonst aber deutlich zurück und dürfte auch einem Smartphone-Neuling nur wenig Freude bereiten. Hier sind die 130 Euro eher rausgeworfenes Geld.

Die unverbindliche Preisempfehlung für das Coolpad Porto S liegt bei 129,99 Euro, das Smartphone ist bereits erhältlich. Der Verkauf des Vernee Thor startet im Juni. Sein Hersteller empfiehlt einen Preis von 119,99 Dollar. Das Unternehmen hat zwar einen Kundensupport in Deutschland angekündigt, doch vorerst bleibt nur der Import nach Deutschland. Bei Amazon bieten Händler es bereits  an – für 139,99 Euro.

Zum Release gibt es allerdings auch immer wieder Sonderangebote vom Vernee Thor. Zum Beispiel bekommt Ihr es beim AliExpress-Händler BlackPeach für 99 Dollar - wenn Ihr nach der Bestellung und vor der Bezahlung den Code "HT1133557799" eingebt.


Weitere Artikel zum Thema
Galaxy S7 und S7 Edge: Nougat-Update direkt auf Android 7.1.1
Supergeil !5Nach der Beta könnten das Galaxy S7 und S7 Edge direkt das Update auf Android 7.1.1 Nougat erhalten
Das Galaxy S7 und S7 Edge könnten direkt Android 7.1.1 Nougat erhalten: Dies geht zumindest aus dem Screenshot eines Beta-Testers hervor.
Videos herun­ter­la­den in Chrome für Android: So funk­tio­niert's
Marco Engelien
Zum Herunterladen tippt Ihr in Chrome einfach auf den Pfeil.
Der Chrome-Browser für Android hat eine neue Funktion erhalten. Ab sofort könnt Ihr Webseiten und Videos offline speichern. So geht's.
Onli­ne­zwang für "Super Mario Run": Darum soll es keinen Offli­ne­mo­dus geben
Marco Engelien6
Weg damit !17"Super Mario Run" setzt eine aktive Internetverbindung voraus.
"Super Mario Run" unterwegs in der Bahn oder im Flugzeug zocken? Das wird wohl nichts. Das Spiel setzt brauchen eine aktive Internetverbindung voraus.