Vuzix Blade im Hands-on: Ein Blick in die Zukunft [mit Video]

Die Vuzix Blade ist das, was Google Glass vor Jahren sein wollte: eine smarte Brille, die im Alltag nicht auffällt. Was sie kann, verrät das Hands-on.

Sechs Jahre nach der ersten öffentlichen Präsentation von Google Glass auf der Google I/O 2012 werden smarte Brillen endlich salonfähig. Denn Hersteller haben jetzt endlich die Möglichkeit, die Technik adäquat zu verstecken und die Brillen aussehen zu lassen, wie richtige Brillen. Ein Hersteller, der mit seinem Gadget schon auf der CES in Las Vegas groß aufgetrumpft ist, ist Vuzix. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona konnten wir uns die Vuzix Blade nun auch ansehen.

Was macht die Brille besonders?

Klar, so richtig schlank sieht die Brille noch nicht aus. Das liegt zum einen daran, dass wir es auf der Messe mit einem frühen Modell für Entwickler zu tun hatten. Zum anderen ist in dem rechten Bügel ein Projektor eingebaut, der euch das Bild direkt aufs Glas vors Auge projiziert. Der braucht, aller Modernität zum Trotz, auch ein bisschen Platz. Trotzdem: Wie ein Nerd der Extra-Klasse sieht man mit der Brille nicht aus.

Zu schwer ist das Gadget auf der Nase auch nicht. Tatsächlich gewöhnt man sich recht schnell daran, die Vuzix zu tragen. Und wenn der Projektor gerade nicht aktiv ist, kann man sogar glatt vergessen, dass die Brille smart ist. Denn Bilder werden nur dann projiziert, wenn ihr die Blade über das Touchpad am rechten Bügel aktiviert oder ihr eine neue Nachricht auf das Smartphone bekommt.

Letzteres verbindet ihr per Bluetooth und der passenden App mit der Brille. In der App könnt ihr einstellen, welche Nachrichten vom Smartphone and die Blade gesendet werden. Wollt ihr zum Beispiel nur über neue WhatsApp-Nachrichten, nicht aber über jedes "Gefällt mir" von Facebook informiert werden, könnt ihr das in der App festlegen. Der Vorteil: So könnt ihr mit offenen Augen durch die Welt gehen, ohne etwas Wichtiges zu verpassen.

Apps für eine Brille?

Aber auch den Funktionsumfang der Brille könnt ihr mit Apps erweitern. Auf dem smarten Nasenfahrrad läuft ein Android-Betriebssystem. Sinnvolle Anwendungen zeigt der Hersteller gleich am Messestand: So könnt ihr euch etwa beim Navigieren durch eine fremde Stadt die Anweisungen direkt ins Sichtfeld holen.

In einer weiteren Demonstration erweckte per Augmented Reality einen Gebäudegrundriss zum Leben. Wo eben noch nur Linien aufgemalt waren, stand plötzlich ein mehrstöckiges Gebäude zur genauen Betrachtung parat. Ähnlich funktionierte das auch mit einem Gefährt aus den "Star Wars"-Filmen. "In Zukunft könnte dann zum Beispiel der Trailer zu einem Film starten, wenn ihr euch das Plaket ansieht", stellt Lance Anderson, Vice President of Enterprise Sales, ein Anwendungsbeispiel. Außerdem wird es noch Spiele und Anwendungen für Sportler geben.

Für einen schnellen Schnappschuss ist außerdem eine Kamera an Bord. Anders als damals bei Google Glass müsst ihr aber keine Sorge haben, dass ihr von smarten Brillenträgern heimlich gefilmt werdet. An der Blade ist unter der Kamera eine LED angebracht, die beginnt zu leuchten, sobald die Kamera aktiviert wird. Neben Fotos könnt ihr auch Videos aufnehmen oder direkt livestreamen. Das wirkt sich natürlich auf den Akku aus. Wer viel streamt, darf nicht mit mehr als 30 Minuten Laufzeit rechnen. Wenn ihr nur Notifikationen vom Telefon auf die Brille bekommt, soll der Akku aber immerhin acht Stunden durchhalten. Verlängern könnt ihr die Laufzeit mit einem externen Akku.

Wie lässt sich die Brille bedienen?

Ihr habt mehrere Möglichkeiten, die Vuzix Balde zu bedienen. Zum einen ist da das bereits erwähnte Touchpad. Einmal darauf tippen startet den Projektor und bringt euch ins Hauptmenü, das eingegangene Nachrichten anzeigt. Über Wischgesten navigiert ihr durch die Menüs, über einen Tipp öffnet ihr Apps. Um ins Hauptmenü zurückzukehren wischt ihr mit zwei Fingern über das Touchpad.

Eine weitere Möglichkeit, die Brille zu bedienen, ist über die integrierte Sprachassistenz Alexa von Amazon. Wie bei den smarten Echo-Lautsprechern sagt ihr einfach "Alexa" und lasst ein Kommando folgen, etwa: "Wie wird das Wetter?" Schon bekommt ihr den Wetterbericht direkt vor die Augen projiziert. Darüber hinaus könnt ihr über Alexa auch Timer stellen oder Smart-Home-Geräte steuern. Einziges Manko: Wollt ihr die Antworten hören, braucht ihr Kopfhörer, die ihr per Bluetooth mit der Brille verbindet. Einen Lautsprecher gibt es nämlich nicht.

Vorläufiges Fazit: Der beste Versuch bis jetzt

Wenn es um smarte Brillen geht, ist die Vuzix Blade der beste Versuch, den ich bis jetzt auf der Nase hatte. Die Brille ist leicht und vom Design gar nicht so nerdig wie andere Brillen. Dass es noch etwas schmaler geht, zeigte zuletzt aber Intel mit der Vaunt. Allerdings ist der Umfang des Intel-Gadgets etwas eingeschränkter. Und wer weiß? Vielleicht schafft es Vuzix ja zum Marktstart, der laut Anderson "später im Jahr" geplant ist, das Gehäuse noch etwas kleiner zu machen. Wir blicken gespannt in die Zukunft.


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