Wiko U Feel Prime im Test: ein Quantum Premium

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Das Wiko U Feel Prime
Das Wiko U Feel Prime(© 2016 CURVED)

Wiko U Feel Prime. Schon mal gehört? Sehr wahrscheinlich nicht. Doch ist das Smartphone das aktuelle Spitzenmodell des französischen Herstellers und bietet mit Full-HD-Display und Metallgehäuse auch eine schöne Verpackung. Doch überzeugt das Gesamtpaket? Der Test.

Bei anderen Herstellern wäre das U Feel Prime nur ein Mittelklasse-Modell, bei Wiko ist es das Top-Gerät. Aber keine Angst: Mittelklasse bedeutet ja nicht automatisch schlecht. Mit dem Metallgehäuse macht Wiko schon viel richtig. Die Antennenstreifen sind allerdings als Einkerbungen angelegt. Da bleibt man mit der Kleidung schon mal hängen. Das Hersteller-Logo auf der Rückseite ist eingraviert, was beim Betrachten für einen schönen 3D-Effekt sorgt. Doch die Kanten sind zu scharf.

Langsamer Snapdragon und bunte Nutzeroberfläche

Schaut Ihr auf die Vorderseite, fällt Euer Blick auf ein fünf Zoll großes Display mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Viele Details, schöne Farben und stabile Blickwinkel. Hier ist die Welt völlig in Ordnung. Unter der Haube verlassen wir aber teilweise die Mittelklasse und begeben uns in den Einsteigerbereich. Etwa mit dem verbauten Snapdragon 430. Er schmückt sich zwar mit acht Rechenkernen und 1,4 Gigahertz, schafft im Benchmark aber keine Ergebnisse, die ihn für die Mittelklasse qualifizieren – auch nicht mit vier Gigabyte Arbeitsspeicher an seiner Seite.

Das heißt jetzt aber nicht, dass das Wiko U Feel Prime zu langsam wäre. Die Nutzeroberfläche läuft flüssig, Apps starten zügig. Sogar Spiele wie Asphalt Xtreme lassen sich zocken. Nur die Ladezeiten fallen teilweise länger aus als bei Smartphones mit schnelleren Chipsätzen.

Wiko installiert Android 6.0 Marshmallow auf dem U Feel Prime und versieht sie mit der hauseigenen Nutzeroberfläche Wiko UI. Diese empfängt Euch mit runden Symbolen und einem alphabetisch sortierten App Drawer. Dass dabei die eigenen kleinen, durchaus hilfreichen, Apps offensiv präsentiert werden, stört mich zwar, lässt sich aber mit einer paar Fingerbewegungen ändern. Analog zu HTCs Blinkfeed gibt es eine Art Widget-Bereich in der Wiko UI, in der auch die "News Republic"-App integriert ist. Spannend finde ich, dass Ihr Dateien und Apps mit einem Muster oder PIN-Code sichern könnt. Auch wenn ich die Qualität des Schutzes nicht überprüfen kann, so verhindert sie doch den schnellen Zugriff auf bestimmte Inhalte für Unbefugte. Und wenn es nur die Kinder sind, die nicht über WhatsApp Nachrichten verschicken sollen, wenn sie bei Spotify ein Hörspiel hören.

Optisch sagt mir die Wiko UI aber nicht zu. Ich würde mir das U Feel Prime mit einem Launcher anders einrichten. Dann hätte ich trotzdem Zugriff auf die "Smart Actions" und die "Smart Gestures". Bei den Smart Actions kann ich zum Beispiel einstellen, dass sich das Display nach einem Doppelklick einschaltet oder ausschaltet, wenn ich das Smartphone umdrehe. Smart Gestures öffnen direkt eine App, wenn ich ein zuvor festgelegtes Symbol auf dem Touchscreen zeichne. Bei der Bedienung seid Ihr auf Soft Keys auf dem Display angewiesen. Die Home-Taste ist der einzige physische Button.

Gute Kamera und schneller Fingerabdrucksensor

Nachdem ich über die Software gemeckert habe, wird es Zeit, die Kamera des Wiko U Feel Prime zu loben. Die löst mit 13 Megapixeln auf und überzeugt bei guter Beleuchtung mit vielen Details und kräftigen Farben. Starke Kontraste bügelt sie aber erst im HDR-Modus aus, der dafür aber sehr viel am Bild herumschraubt. Nahaufnahmen und Panorama-Fotos stellen ebenfalls kein Problem dar. Die Selfies der Frontkamera mit einer Auflösung von acht Megapixel überzeugen ebenfalls. Allerdings ist auch hier nicht alles perfekt: Bei schlechter Beleuchtung können die Kameras ihre Qualität nicht halten und liefern schon bei Zimmerbeleuchtung stark verrauschte und unscharfe Aufnahmen.

Der interne Speicher des Wiko U Feel Prime ist 32 Gigabyte groß. Falls Euch die 21 Gigabyte, die davon für Eure Daten zur Verfügung stehen, nicht ausreichen, könnt Ihr die Kapazität mit einer microSD-Karte erhöhen. Dann findet allerdings nur noch eine SIM-Karte im Kartenschacht Platz. Ohne Speichererweiterung haltet Ihr Dual-SIM-Smartphone in der Hand.

In der Home-Taste befindet sich ein Fingerabdrucksensor, über den sich das Wiko U Feel Prime schnell und zuverlässig entsperren lässt. Ihr könnt zudem für fünf Fingerabdrücke einen Schnellzugriff abspeichern und dann zum Beispiel mit dem linken Mittelfinger immer direkt die Kamera öffnen. Der 3000-mAh-Akku hält gut einen Tag durch. Ihr ladet ihn über den micro-USB-Anschluss auf. Die Lautsprecher sind nach unten ausgerichtet. Beim Spielen passiert es häufig, dass man sie aus Versehen zuhält. Aber Ihr könnt an den 3,5mm-Anschluss ja einen Kopfhörer anschließen und so den Sound hören.

Fazit: gute Ideen, aber noch nicht perfekt umgesetzt

Das Wiko U Feel Prime ist ein Mittelklasse-Smartphone, das nicht schlecht, aber an vielen Stellen verbesserungsfähig ist. Das eigentlich schicke Metallgehäuse hat scharfe Kanten, die Kamera liefert nur bei Tageslicht sehr gute Fotos, während der Prozessor fix genug ist, aber auch gerne noch etwas schneller sein dürfte. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Smartphone 250 Euro kosten soll. Wiko hat schon vieles richtig gemacht – aber noch zu wenig, um ein perfektes Mittelklasse-Smartphone abzuliefern.


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