Wiko Wax: Günstiges Tegra 4-Phone mit LTE im Test

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Wiko Wax
Wiko Wax(© 2014 CURVED)

Im vergangenen Jahr wollte Nvidia mit dem Tegra 4 den Olymp der Mobil-Prozessoren erklimmen. Daraus wurde nichts, auch weil der Chipsatz damals keine LTE-Konnektivität bot. Mit dem Wiko Wax erreicht uns mit einjähriger Verspätung nun endlich eines der ersten Smartphones mit Tegra 4i-SoC und damit dem schnellen 4G-Datenstandard. Wir haben den 4,7 Zoller getestet und geprüft, ob er gute Mittelklasse-Alternative für Gamer und Datenspeedfreaks ist.

Zugegeben: 720p-Display, 1 GB RAM und nur 4 GB interner Speicher — in Zeiten von WQHD-Screens, Snapdragon 801-Chips und und 32 GB-Speichermonstern machen die Kernspezifikationen des Wiko Wax auf dem Papier nicht viel her. Aber sie klingen nach einem ordentlichen Mittelklassegerät, das all jene Nutzer ansprechen dürfte, die keinen 600-Euro Hochleistungsrechner in der Hosentasche brauchen, sondern ein Gerät suchen, das ordentliche Leistung auf ein ordentliches Display zaubert, ordentliche Laufzeiten liefert — und zu einem mehr als ordentlichen Preis den Besitzer wechselt.

Lediglich rund 200 Euro werden aktuell für das Tegra 4i-Smartphone mit 4,7 Zoll-Display fällig; und dieser Preis dürfte in den kommenden Wochen weiter fallen und sich auf Höhe der etwa 150 Euro, die Ihr aktuell zum Beispiel für ein Moto G hinblättern müsst, einpendeln. Geräte wie das Moto G oder auch das Samsung Galaxy S3, das neu allerdings noch immer deutlich über 200 kostet, sind daher auch Konkurrenten, mit denen sich das Wiko Wax messen muss. Denn zu ihnen will es eine Alternative darstellen, die sich aber nicht nur über den Preis, sondern auch durch Mehrwerte wie allen voran die LTE-Konnektivität und die vermeintliche Potenz des Tegra 4-Chipsatzes ergeben soll. Prüfen wir also nach, ob das Wax diesen Ansprüchen gerecht wird.

Design und Verarbeitung

Das Wax ist pragmatisch gestaltet — was nicht bedeutet, dass es unattraktiv wäre: Der abnehmbare Plastikrücken, unter dem sich sowohl der wechselbare 2.000 mAh-Akku als auch die Einschübe für Micro SIM- und MicroSD-Karte verbergen, sieht dank matt-schwarzer oder -weißer Lackierung gut aus und fühlt sich ebenso gut an. Entgegen entsprechender Rezensionen von Käufern des Gerätes in manchen Online-Shops saß die Abdeckung bei unserem Testgerät fest, knarzte nicht, ließ sich nicht eindrücken und hat somit auch den Akku stets am Platz gehalten.

Der matte Rücken des Wax ist abnehmbar

Auf der Front wirkt das Wax durch den klar als aus Kunststoff in Chromoptik bestehenden Streifen unterhalb des Screens sowie den Einsatz unterschiedlicher Plastik-Arten beim Display-Rahmen und dem unteren Geräterand etwas billig, aber nicht hässlich. Im Ansatz hat das Wax einen gefälligen Look, der leider wohl aus Kostengründen mit den falschen Materialien umgesetzt wurde. Auch ist das Gerät, obwohl es ja nur über ein 4,7 Zoll-Display verfügt, mit 140,1 x 67,5 x 8,8 Millimetern vor allem in der Länge recht groß geraten, mit nur 119 Gramm ist es dafür aber erstaunlich leicht.

Vor allem, falls Ihr beim Smartphone eine zurückhaltende, dezente Optik schätzt, dürfte das schwarze Wax — zumal im Vergleich mit dem Galaxy S3 — Euren Geschmack treffen. Und da es nicht ganz so abgerundet ist, wirkt es auch "erwachsener" und weniger "knuffig" als das Moto G.

Das Display des Wiko Wax

Der von Gorilla Glass 2 geschützte Screen des Wax ist gutes Mittelmaß und kann mit den Displays des Moto G oder des S3 durchaus mithalten — ein nerviges Manko ausgenommen: Die 720p-Auflösung zeichnet ein ausreichend scharfes Bild, die maximale Helligkeit sowie die automatische Justierung sind ebenfalls sehr in Ordnung.

Alles ein bisschen "überstrahlend"

Gleich zu Beginn meines Tests allerdings störte mich — und nach einer Recherche in anderen Rezensionen des Gerätes — ein "Überstrahlen" weißer Flächen und Icons massiv: Es wirkt so, als würden helle Bereiche zu stark angesteuert und verblassten dadurch enorm in ihren Konturen. Die Lösung diese Phänomens liegt leider auch nicht in den Display-Einstellungen, wo unter dem Menüpunkt "Farbkorrektur-Voreinstellungen" zwischen den Modi "sRGB" und "Native" gewählt werden kann; das bringt subjektiv leider gar nichts. Das Problem wird mit höherer Gesamthelligkeit zunehmend deutlicher und trübt das Display-Erleben mit dem Wax vor allem auf dem Homescreen, im App Drawer und zuweilen auch in Spielen; in Videos und beim Betrachten von Fotos tritt es weniger deutlich zutage.

Hardware und Performance

Tegra 4! Trotzdem sich Nvidia auf dem Markt der mobilen Prozessoren eigentlich im Sinkflug befindet und den Zweikampf mit Qualcomm in den vergangenen Jahren stets deutlich verloren hat, weckt der Name ihres mobilen Chipsatzes immer noch die Hoffnungen auf tolle Gaming-Erlebnisse auf dem Smartphone. Und im Wax feiert wie erwähnt der Tegra 4i mit integriertem LTE-Modem sein Quasi-Debüt.

Wiko Wax im AnTuTu-Benchmark

Auf dem Papier punktet der Tegra 4i mit vier plus eins ARM Cortex-A9 r4 Rechenkernen sowie 60 Grafikeinheiten und einem maximalen Systemtakt von 2,3 GHz. Klingt beeindruckend, ist es im Ergebnis gemessen an 2014er-Standards aber nicht so sehr. Im AnTuTu erreicht das Wax rund 25.000 Punkte, im CF Benchmark 20.000. Damit kann das Gerät mit Snapdragon 800- oder gar 801-Geräten natürlich nicht mehr mithalten. Aber sehr wohl mit unseren Vergleichs-Kandidaten Galaxy S3 und Moto G: Die landen mit ihren vierkernigen Exynos 4412- beziehungsweise Snapdragon 400-Chips unterhalb der 20.000er-Marke im AnTuTu und sogar unterhalb von 15.000 Punkten im CF Benchmark.

Wiko Wax im CF Bench

Im Alltag bedeutet das, dass das Wax auch für anspruchsvollere Spiele genügen Power hat: Real Racing 3 lässt sich gut spielen (dieser Titel skaliert die Grafikpracht auf dem Wax allerdings sichtbar), Rayman springt lagfrei über den Screen und selbst Anomaly 2 mit all seinen gigantischen Explosionen macht auf dem 4,7 Zoller stotterfrei Spaß. Für das Wax, mit seiner Positionierung im Smartphone-Mittelfeld ist der Tegra 4i also mehr als ausreichend leistungsstark und macht das Gerät vor allem für Spieler zu einer sinnvollen Alternative zu Moto G oder Galaxy S3.

Merkliches Manko: Wiko verbaut im Wax nur 1 GB RAM, obwohl Nvidia dem Tegra 4i in seinen Spezifikationen eigentlich 2 GB zuspricht. Das bekommt Ihr leider ab und an in der Benutzung zu spüren — wenn der Ladebildschirm einer App dann doch mal etwas länger steht oder das ganze System selten aber dennoch zuweilen komplett einfriert, weil vermutlich der RAM vollgelaufen ist. Ziemlich ärgerlich, um nicht zu sagen dämlich, dass Wiko hier (wie auch am festen Speicher) derart geknausert hat und damit das eigentliche Plus des Wax, nämlich seine an sich hervorragende Leistung, faktisch sabotiert.

Software und Spezialeinstellungen

Auf dem Wiko Wax ist aktuell Android 4.3 installiert, zu einem zukünftigen Update auf 4.4 KitKat oder gar "L" liegen uns noch keine Informationen vor; allerdings bestehen berechtigte Hoffnungen, zumindest auf die erstgenannte OS-Version, da Wiko bereits mehrere Geräte mit 4.4 im Portfolio hat, jüngst das bereits gelaunchte "Highway" eine solche Aktualisierung erfahren hat und die Franzosen weitestgehend auf Anpassungen der Benutzeroberfläche verzichten.

Wiko Wax

Auf dem Homescreen und im App Drawer des Wax erhaltet Ihr also eine Android Experience fast wie auf einem Nexus-Gerät, lediglich im Einstellungsmenü gibt es zusätzliche Optionen, die dem Nvidia-Chipsatz geschuldet sind: Unter dem Punkt "Stromsparen" dürft Ihr zu einem die dynamische PRISM-Hintergrundbeleuchtung ein- oder ausschalten und per Schiebregler den Prozessortakt sowie dessen aktive Kerne festlegen (keine Sorge, in den obigen Leistungstest hatten wir natürlich alles auf Anschlag geregelt). Wie sinnvoll eine solches manuelles Justieren zum Zwecke des Energiesparen im Ergebnis und als Feature per se ist, sei derweil dahingestellt ...

Wiko Wax

Eine letzte Besonderheit, die wohl der Verhaftung des Wax in alten Android-Tagen als 720p High End waren, geschuldet oder als Hommage an Samsung gedacht ist: Das Gerät verfügt über Hardware-Touchkeys zur Navigation, und die sind wie beim S3 "falsch herum" angeordnet — also links "Menü", dann "Home" und rechts "Zurück".

Kamera

8 MP hinten und 5 MP vorne bietet das Wax

8 MP auf dem Rücken, 5 MP vorne, das klingt solide. Ist es auch: Die Fotos und Selfies, die das Wax, wohlgemerkt ab Werk auch nur mit der Standard-Android-Kamera schießt, laufen nicht Gefahr, Detail-, Schärfe- oder Brillanz-Maßstäbe zu setzen, sind aber akzeptabel für ein Gerät dieser Kategorie.  Allerdings haben der Prozessor und das bisschen RAM mit HDR-Fotos alle Hände voll zu tun und braucht nach dem Auslösen durchaus einige Sekunden, bis die Kamera-App dann wieder bereit für das nächste Foto ist.

Videos nimmt das Wax in bis zu 1080p auf, und für die gilt das Gleiche wie für die Fotos: Sie gehen vollkommen in Ordnung, wenn man nicht gerade Aufnahmen vom Schlage eines LG G3 oder Galaxy S5 erwartet.

Telefonie, LTE und Speicher

Neben dem mickrigen RAM ist das größte Manko des Wiko Wax der schon in Relation zum Standard von vor zwei Jahren noch mickrigere interne Speicher: 4 GB sind schlicht ein Witz für ein Gerät, das ja schon ob seines Chipsatzes zum Spielen und damit zum Installieren voluminöser Apps einlädt. Glücklicherweise und zur Rettung des Gerätes — denn sonst wäre es tatsächlich ein komplette Fehlentwicklung — verfügt das Wax über einen microSD-Kartenslot der Module bis zu 32 GB Größe schluckt. Ohne Karte ist nach zwei, drei installierten Anwendungen so gut wie Schluss, erst mit Karte ist dann ausreichend Platz für speicherhungrige Games. Erwägt Ihr also die Anschaffung eines Wiko Wax, plant gleich ein paar Euro zusätzlich für eine microSD-Karte ein.

Wiko Wax Der micro-USB-Port des Wax sitzt wie die Kopfhörerbuchse oben

Punkten kann das Wax dann aber wieder mit seiner LTE Cat3-Konnektivität, die es sowohl dem Galaxy S3 als auch dem Moto G voraus hat. Wer also eine 4G-Tarifoption besitzt oder sie in Betracht zieht, der kann mit dem Wax mit theoretischen Transferraten von bis zu 100 Mbit/S down und 50 Mbit/s up mobil surfen. Theoretisch  — auch deswegen, weil das Wax die Verbindung zu Sendemasten im Alltag nicht ganz so optimal herstellt und hält: Im direkten Vergleich mit einem Nexus 5 hielt sich das Wiko-Smartphone zuweilen deutlich länger noch im teuflischen Edge- oder 3G-Netz auf, bevor der Wechsel zu 4G zustande kam. Ist die Verbindung aber da, dann klappt's auch problemlos und eben sehr rasant mit den schnellen Downloadraten.

Keine Besonderheiten bei der Telefonie: Gesprächspartner verstanden mich ohne Schwierigkeiten und umgekehrt ebenso. Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann nur, dass der Hörer des Wax und damit der Teilnehmer am anderen Ende der Leitung etwas dumpf klingt.

Akku

Wiko Wax

2.000 mAh sind nicht überbordend viel Saft für ein recht performantes Smartphone, aber damit befindet sich das Wax auf Augenhöhe mit dem S3 (2.100 mAh) und dem Moto G (2.000 mAh). Und es kommt locker über den Tag: Wir hatten trotz recht intensiver Nutzung im Testzeitraum, mit viel Display-on-Zeit und ständig startenden und laufenden Apps und Spielen zum Ende eines langen Tages, also nach etwa 13 Stunden, immer noch genügend Saft für ein oder zwei weitere Stündchen.

Fazit

Auf der einen Seite stehen also gute Akkulaufzeiten, ziemlich viel Leistung in Spielen und die LTE-Konnektivität, dagegen stellen sich der viel zu klein geratene interne Speicher, das nicht ganz so überzeugende Display und die durch den mageren RAM bedingten Aussetzer, die das Wiko Wax zuweilen plagen. Und dann ist da noch der Preis.

Unser Fazit lautet also, dass das Wax eine gleichwertige Alternative zu Moto G und Samsung Galaxy S3 (und ähnlichen Geräten) ist, die andere Schwerpunkte setzt und damit andere Nutzer anspricht: Sucht Ihr ein Gerät für einen Kostenpunkt um die 200 Euro oder darunter und wollt damit Spiele spielen und mit 4G im Netz surfen, dann ist das Wax Euer Smartphone. Legt Ihr hingegen mehr wert auf ein tolles Display, greift zum S3. Und wollt ihr eine aktuellere Android-Version dann ist das Moto G das passendere Gerät — zumal das dieser Tage auch als 4G-Variante in Deutschland ankommt, für ebenfalls 199 Euro.


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