Xiaomi Mi Note: Das edle China-Phablet im Test

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Xiaomi Mi Note
Xiaomi Mi Note(© 2015 CURVED)

Software: Ein Hauch iOS auf Android 4.4-Fundament

Anders als mein geschätzter Kollege Amir bin ich ein großer Fan von Hersteller-Benutzeroberflächen, insbesondere wenn diese so gut gelungen sind wie zum Beispiel Huaweis EMUI und auch Xiaomis MIUI. Seit dem Test des Xiaomi Mi4 hat die Software einen großen Sprung gemacht, auch wenn die Basis immer noch Android 4.4.4 ist. Die UI-Elemente folgen in der neusten Version dem Flat-Design-Trend und wirken sehr farbenfroh und modern. Dabei hat die gefühlte Geschmeidigkeit und Performance nicht gelitten und genau wie das Mi4 "rennt" auch das Mi Note nur so durch die Homescreens, Menüs und Widgets. Klasse ist der Einhandmodus, den man bei Phablets dieser Größe sehr gut gebrauchen kann. Statt wie bei Apple einfach den oberen Screen durch Doppel-Tap auf den Homebutton nach unten zu bringen, reicht beim Xiaomi ein Wisch vom Homebutton nach rechts oder links, um den gesamten Bildschirm zu verkleinern und an den Rand des Displays zu verlagern. Die Ausmaße der Miniaturansicht könnt Ihr in den Einstellungen sogar selbst definieren. Hier stehen Größen zwischen 3 Zoll und 4,5 Zoll zur Auswahl, zwischen denen Ihr in 0,5-Zoll-Schritten wählen dürft.

Bei unserem Testgerät wurde vom Importeur unseres Vertrauens schon eine lokalisierte Version von MIUI vorinstalliert. Solch ein Service ist nicht bei jedem Importeur gegeben. Durch die gute Arbeit der deutschen Xiaomi-Community ist die komplette Software fast durchgängig korrekt ins Deutsche übersetzt, nur wenige Xiaomi-eigene und in Deutschland kaum nutzbare Dienste bleiben weiterhin unangetastet in chinesischer Sprache. Aktuell ist es noch so, dass die wöchentlichen Updates von Decuro nicht per OTA-Installation zu beziehen sind, sondern manuell auf das Smartphone gebracht werden müssen. Dies funktioniert aber sehr simpel, da man nur die neuste Firmware auf das Mi Note laden und dann ein Update vom internen Speicher aus starten muss. Keine Angst: Dabei bleiben alle Daten erhalten.

Kamera: Zauberhafte Kamera mit Unterhaltungswert

Im Mi Note verwendet Xiaomi den sehr guten und häufig eingesetzten 13-Megapixel-Sensor von Sony und eine aus sechs Elementen bestehende Optik, welche auch noch über einen optischen Bildstabilisator verfügt. Die Blende von f/2.0 ist top und unterbietet die f/2.2-Gegenstücke im Apple iPhone 6 Plus und Samsung Galaxy Note 4. Genau wie bei der Konkurrenz aus Seoul und Cupertino sorgen zwei LEDs mit unterschiedlichen Farben für bessere Bilder in dunkler Umgebung.

Die allgemeine Bildqualität ist gut, aber wir haben schon bessere Aufnahmen gesehen. Das soll nun aber nicht heißen, dass die Kamera des Mi Note schlecht ist. Sie ist qualitativ gut, löst aber keinen Wow-Effekt aus. Dafür arbeitet sie schnell und kann dank OIS und einem maximalen ISO-Wert von 3200 auch in schummriger Umgebung für ein Smartphone gute Bilder schießen.

Interessant an der Kamera ist der Neufokussierungsmodus. Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich die Technik, die beim HTC One M8 unter UFocus läuft beziehungsweise aus dem Honor 6 Plus als nachträgliche Fokussierung bekannt ist. Während diese beiden Smartphones für das Feature aber zwei Kameras benötigen, genügt Xiaomi nur eine. Der Effekt ist dennoch erstaunlich gut, kommt aber nur dann zur Geltung, wenn sich im Bild sowohl nahe als auch weit entfernte Objekte befinden. Beim Neufokussieren entstehen auch keine sichtbaren Übergänge mit Artefakten. Die Vermutung liegt hier nahe, dass Xiaomi einfach mehrere Bilder mit unterschiedlichen Fokuspunkten schießt und dadurch den Tiefenschärfe-Effekt erreicht.

Für Selfie-Freunde hat Xiaomi eine ungewöhnliche 4-Megapixel-Frontkamera verbaut. Ungewöhnlich ist dabei die Megapixel-Anzahl und auch der Sensor. Während die meisten Smartphones hier mit 2, 5 oder 8 Megapixeln ausgestattet sind, kommt das Mi Note mit 4 Megapixeln aus. Pfiffige Leser werden schon jetzt wissen, aus welchem Regal sich Xiaomi hier bedient hat: Die Technik stammt von HTCs One M8. Genau wie die Hauptkamera des HTC-Flaggschiffs des vergangenen Jahres verfügt der Sensor über extra große Pixel, welche mehr Licht aufsaugen sollen. Aber genau wie beim HTC One M8 ist das Bild nicht Spitzenklasse, sondern nur gut. Aber immerhin nutzt Xiaomi diese Technologie nicht bei der Hauptkamera, sondern in der Selfie-Cam, deshalb geht die Qualtät vollkommen in Ordnung. Typisch für Smartphones aus dem Reich der Mitte gibt es dann noch ein paar Spielereien, wie zum Beispiel einen Beautify-Modus, bei dem ein Weichzeichner-Filter aktiviert wird, der Falten wegbügelt. Ein Gesichtserkennungsmodus, der versucht, Geschlecht und Alter der Person zu erkennen, ist ebenso enthalten. Beides sind eher nette Party-Gimmicks ohne echten Nutzen.

Natürlich kann das Mi Note auch Videos aufzeichnen – und das sogar nicht nur in Full-HD mit 30 Bildern pro Sekunde, sondern auch in 4K. Wie zu erwarten sind die Aufnahmen für ein Smartphone gut, aber natürlich nicht mit der Qualität einer DSLR- oder einer vollwertigen Videokamera zu vergleichen.

Akku & Sound: Unauffällig und gut

Unspektakulär ist der Sound des Mi Note von Xiaomi. Die Gesprächslautstärke ist angenehm hoch und Gesprächspartner klingen klar und deutlich durch den Äther. Auch meine Gesprächspartner haben mir eine gute Sprachqualität attestiert. Der Lautsprecher ist laut, aber bei voller Lautstärke klirrt der Sound sehr stark.

Der Akku verfügt über eine nicht gerade gigantische Kapazität von 3000 mAh. Das ist kein schlechter Wert, aber für ein Phablet auch kein herausragender. Das Samsung Galaxy Note 4 zum Beispiel verfügt über einen mit 3220 mAh. Dazu muss man aber auch sagen, dass das Mi Note auch nur ein Full HD-Display mit Energie versorgen muss. In meinem Alltagseinsatz mit häufiger Internetnutzung, gelegentlichem Spielen und Schauen von Videos hielt das Mi Note aber einen guten Arbeitstag durch und hatte am Ende des Tages noch knapp 30 Prozent Akkuladung übrig. Dabei lief das Gerät bei mir in der normalen Energieeinstellung ohne merkliche Performance-Verluste. Wer sein Mi Note permanent im Modus "Hohe Leistung" betreibt, der wird mit Sicherheit nicht so lange damit unterwegs sein können.

Fazit:

Das Mi Note ist technisch gesehen ein auf 5,7 Zoll aufgepustetes Mi4. Genau wie sein kleinerer Bruder verfügt es über eine tolle Kamera, gute Performance, ein feines Display und gute Akkulaufzeiten. Auch wenn Design und Haptik immer ein subjektiver Eindruck sind, so sind sie beim Mi Note über jeden Zweifel erhaben. Das gebogene Gorilla Glass auf der Rückseite verleiht dem Mi Note sogar noch eine wertigere Haptik, als sie das Mi4 bietet, und toppt meiner Meinung nach auch das Galaxy Note 4 um Längen.

Alles im allem ist es ein rundum gelungenes Phablet-Paket. Der Preis von knapp 470 Euro für die 64 GB-Variante ist wahrlich kein Schnäppchen, denn immerhin bekommt man für 399 Euro auch ein Huawei Ascend Mate 7. Im Vergleich mit einem Samsung Galaxy Note 4, das über 600 Euro kostet, ist es allerdings günstig. Würde ich nicht schon seit Ewigkeiten im iOS-Kosmos hängen, in dem ich entsprechend bereits sehr viel Geld in Apps investiert habe, dann wäre das Xiaomi Mi Note eines der wenigen Android-Phablets, die ich mir anschaffen würde. Vielleicht wird mich das Mi Note Pro, welches in wenigen Wochen in den Verkauf gehen soll, komplett aus der iOS-Welt befreien können.


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