Xiaomi Mi4i im Test: eine prächtige, preiswerte Plastikbombe

Knallige Farben, gute Ausstattung und ein sehr, sehr attraktiver Preis: Xiaomi hat Ende April sein neues Mi4i vorgestellt. Wir haben es getestet.

“Du bist vielleicht ganz schön, aber du bist aus Plastik”, tönte einst Jan Delay im gleichnamigen Song. Soll heißen: Plastik ist fake, billig und ganz und gar nicht begehrenswert. Dabei waren doch auch die ersten Smartphones aus Plastik - bis Apple mit dem iPhone auf Glas und Metall setzte und HTC mit dem One M7 der Android-Konkurrenz vorführte, dass ein Android auch elegant sein kann. Seitdem sind Plastik-Smartphones etwas in Verruf geraten - zu Unrecht.

In den vergangenen Tagen konnten wir in der Redaktion mit dem Mi4i herumspielen, dem Plastikflaggschiff von Xiaomi - unser Dank geht an dieser Stelle an das Team von TradingShenzen für die Bereitstellung eines Testexemplars! Zwischen Redmi 2 und Mi4 angesiedelt schließt das Mi4i die Lücke zwischen Einsteiger und Oberklasse: Mit 2 GB RAM, Snapdragon 615-Power und Adreno 405 GPU ist der 5 Zoller mit Full HD-Screen immer noch potent genug für aktuelle Anwendungen und die meisten Spiele, sein Akku ist mit 3120 mAh sogar noch ein bisschen größer als der des Mi4, das Gerät dennoch 50 Euro günstiger. Der Grund: Statt mit Alurahmen kommt das Mi4i im kompletten Kunststoffgewand.

Wie beim Mi4 sind die 16 GB interner Speicher nicht per micro-SD-Karte erweiterbar. Während auf der Rückseite die gleiche 13 MP-Kamera verbaut ist, muss vorne ein 5 MP-Modul für Selfies und Videotelefonie reichen. So viel zu den Specs. Aber was taugt es?

Benutzeroberfläche: schön schnell

Fangen wir mal bei der Benutzeroberfläche an. Ich hab seit jeher ein Auge auf MIUI geworfen. Warum ich das UI von Xiaomi so mag, ist schnell erklärt: Es ist sauschnell. Im Sinne von “unmittelbar” schnell. Egal ob Ordnerstruktur, System-App oder der Wechsel zwischen mehreren Homescreens: Alles funktioniert unter MIUI 6, das auf Android Lollipop basiert, extrem schnell, ohne dass man auf kleine visuelle Effekte verzichten muss. Da kann sich selbst iOS eine Scheibe von abschneiden.

Apropos iOS: MIUI verzichtet auf den Android-typischen App-Drawer und packt installierte Apps direkt auf den Homescreen. Ich mag’s. Aber alteingesessene Android-Nutzer wohl ja bekanntlich nicht mehr ohne ihren App-Drawer leben. Damit aber auch die Google-Dienste, darunter natürlich auch Google Play, ihren Dienst tun, solltet Ihr Euch nach dem Kauf unbedingt das aktuellste ROM herunterladen - und zusätzlich die APK von Google Play sideloaden. Ansonsten stürzten im Test sämtliche Google-Dienste ab, und Google Play brach größere Downloads ab.

Leistung: Könnte besser sein

Im Innern arbeitet die zweite Generation des Snapdragon 615 mit 4 Kernen mit 1,7 GHz Taktung und 4 stromsparenden Kernen mit 1,1 GHz Taktung. Grafikunterstützung gibt es von der Adreno 405 GPU. Kurzum: Das Ding ist ein Mittelklasse-Gerät. Da erwarte ich keine Höchstleistungen, aber ein bisschen mehr kann es dann doch sein:  Im Antutu landete das Mi4i mit 35.366 Punkten ganz knapp hinter dem LG G3. Die von Xiaomi kommunizierten rund 38.000 Punkte konnte es in mehrfachen Durchläufen jedoch nicht erreichen. Zum Hintergrund: Im vergangenen Jahr hatten Qualcomm (mit dem Snapdragon 400) und Mediatek (mit dem MT6592) gute Chips für die Mittelklasse. Doch schon damals hängte Mediatek den Snapdragon-Chipsatz gemessen an der puren Rechenpower ab. Und Qualcomm scheint daraus nichts gelernt zu haben. Es ist, als hängt der Hersteller auch in Mittelklasse hinterher - als wäre das Abstand im Highend-Bereich zu Samsung nicht schön groß genug.

Benchmarks mal beiseite heißt das für Euch folgendes: Das Mi4i liefert in Sachen Gaming solide Leistungen, aber kein Feuerwerk. Das gilt auch für die Grafik. Im Test mit Real Racing 3 und dem Redaktions-Lieblingsgeballer Sky Force 2014 machte das Mi4i einen guten Job, allerdings wird das Gerät auf Höhe der Kamera auf der Rückseite auch knackig warm. Zum Glück leitet Plastik nicht so gut Hitze, sonst würde Eure Hände schnell schwitzig werden. Von Games einmal abgesehen starten etwa Apps wie Spotify zügig.

Verarbeitung: trotz Plastik schön hochwertig

Apropos Plastik: Für einen Plastikbomber macht das Mi4i eine extrem gute Figur. Die Oberfläche der Rückseite und an den Rändern hat genau den richtige Mix zwischen Matt und Glossy, dass beim in unserem Fall weißen Gehäuse - verfügbar sind außerdem noch Schwarz, Gelb, Hellblau und Pink - keine Fingerabdrücke oder winzige Kratzer zu sehen waren. Die minimal angeraute Oberfläche schluckt gekonnt das Licht. Dennoch fühlt sich das Plastik hochwertig an. Auch knarzt nichts, wenn man das Smartphone fest in der Hand hält. Das liegt daran, dass die Plastikhülle auf einer Aluminium-Trägerstruktur aufsetzt. Durch diese Kombination ist das Mi4i angenehm leicht mit gerade einmal 130 Gramm. Zum Vergleich: Das iPhone 5c wiegt 132 Gramm mit einem 4 Zoll großen Display und einem 1507mAh-Akku. Die Batterie des Mi4i verfügt über 3120mAh.

Zurück zur Verarbeitung: Die einzige Metallapplikation auf der Rückseite ist der Ring um die Kamera, der optisch nur minimal hervorsticht, weil die Kanten auf der Rückseite ein wenig abgerundet sind. Die seitlich angebrachten Buttons für Lautstärke und Power sind ebenfalls aus Metall. Dadurch liegt das Smartphone angenehm in der Hand, allerdings ist der Ring um die Kamera damit ein wenig anfälliger für Kratzer. Den Trend anderer chinesischer Hersteller, Smartphone-Display quasi ohne Rand zu verbauen, macht Xiaomi mit dem Mi4i jedoch nicht mit.

Display: typisch Mittelklasse

Das Display selbst ist mit fünf Zoll und Full-HD-Auflösung gute Mittelklasse, neigt aber bei höherem Betrachtungswinkel zu einem leichten Grünstich. Für diese Preisklasse aber nichts Ungewöhnliches, schließlich müssen die Hersteller irgendwo Abstriche in der Qualität machen im Vergleich zur Oberklasse. Ansonsten liefert der Bildschirm satte Farben und kontrastreiche Bilder.

Ein besonderes Highlight des Mi4i-Displays soll die sogenannte Sunlight-Technologie sein. Diese passt den Kontrast jedes einzelnen Pixels in Echtzeit an und verbessert so dramatisch die Lesbarkeit im Sonnenlicht. Aufgrund mangelnden Sonnenlichts in den vergangenen Tagen ließ sich das nur schwer nachvollziehen.

Kamera: gute Bilder, sehr gute Software

Die Bilder des Xiaomi Mi4i lösen mit 13 Megapixeln auf. Wichtiger als diese Specs ist die Tatsache, dass der Sensor des Mi Note zum Einsatz kommt. Und der macht richtig schöne Fotos gemessen daran, dass wir es mit einem Mittelklasse-Smartphone zu tun haben. Das bestätigt auch unsere Bildredakteurin. Für Facebook, Instagram und Co. reicht die Qualität locker aus. Zudem liefert die Software mit einem HDR-Live-Feature eine gute Automatik - auch wenn in dieser Einstellung etwas Kontrast und Schärfe verloren gehen.

Abgesehen davon kann die Kamera-Software aber voll überzeugen: unterschiedlichste Profile für Aufnahmen bei schlechtem Licht, vordefinierte Filter, umfangreicher manueller Modus und und und. Was die Kamera angeht, macht dem Mi4i so schnell niemand etwas vor. Das untermauert der Hersteller noch mit einer lichtstarken f2.0-Blende. Für Selfies steht eine Optik mit fünf Megapixeln auf der Vorderseite zur Verfügung.

Akku: schön groß

3120 mAh sind eine Ansage. So viel Energie speichert sonst nur das OnePlus One, das S6 mit 2550 mAh, das iPhone 6 mit 1810 mAh liegen weit darunter. Weil die Batterie auch “nur” ein Full-HD-Display und einen Mittelklasse-Chip mit Energie versorgen muss, hält das Mi4i sehr lange durch. Trotz ausgiebigen Testens waren auch nach anderthalb Tagen noch knapp 10 Prozent verfügbar. Und mit der Schnellladefunktion sind 40 Prozent des Akkus wieder in einer Stunde geladen.

Klang: überrascht

Ganz angenehm überrascht hat mich der auf der Rückseite verbaute Lautsprecher des Mi4i. Im Test mit Spotify quer durch die Musikgenres lieferte das Gerät angenehmen Sound - der durch die Architektur Oberflächen wie Tische als Klangkörper mitnutzt.

Hab ich noch was vergessen? Ach ja: Das Mi4i verfügt über eine Dual-Slim-Slot für 2G / 3G / 4G und Unterstützung für bis zu 16 Frequenzen. Der Snapdragon 615 unterstützt 64-Bit-Anwendungen. Und der 802.11ac Wi-Fi Standard soll schnellere Downloads im WLAN ermöglichen. Kleines Manko: es gibt keinen micro-SD-Kartenslot. Mit den 16 Gigabyte internem Speicher müsst Ihr also gut haushalten.

Fazit: Wenn Apple einen Androiden bauen würde…

...dann sähe er vermutlich so aus wie das Mi4i: angenehmes Design, akzeptable Leistung und eine verdammt gute Software auf Kamera- und Systemseite. Für eine Importpreis von 247 Euro ist das Smartphone eine gute Alternative zu heimischen Mittelklasse-Smartphones, kommt zusätzlich mit großem Akku und guter Kamera.


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