Xiaomi Mi4s im Test: die neue Premium-Mittelklasse der Chinesen

Das Xiaomi Mi 4s hat als erstes Mittelklasse-Smartphone des chinesischen Herstellers einen Fingerabdrucksensor erhalten. Den probieren wir im Test genauso aus wie die Kamera und freuen uns über den größer gewordenen Speicher.

Das Xiaomi Mi 4s stand bei seiner Vorstellung auf dem Mobile World Congress im Schatten des Mi 5. Doch auch das Mittelklasse-Smartphone hat einiges zu bieten, ist aber zumindest als Importgerät gar nicht so viel günstiger als das neue Flaggschiff-Modell.

Metallrahmen und Fingerabdrucksensor

Xiaomi aktualisiert regelmäßig seine Mittelklasse-Smartphones. Auf das Mi4i folgte das Mi4c und auf das jetzt das Mi4s. Gemeinsam haben alle drei Smartphones das fünf Zoll große Full-HD-Display, das auch beim aktuellen Modell durch eine hohe Auflösung und satte, kräftige Farben überzeugt. Einzig die Blickwinkelstabilität könnte größer sein, ist aber völlig ausreichend. Im Vergleich zu seinen Vorgängermodellen ist das Mi4s nochmal ein Gramm schwerer sowie je etwa einen Millimeter breiter und höher.

Auch nach diesem geringen Größenzuwachs bleibt das Xiaomi Mi4s ein handliches Smartphones, das sich fast komplett mit einer Hand bedienen lässt. Durch den neuen Metallrahmen wirkt es hochwertig und ist insgesamt gut verarbeitet. Auf der glatten Rückseite aus Kunststoff, die aber nicht ganz so glatt wie beim OnePlus X ist, befindet sich ein Fingerabdrucksensor. Er dient vor allem dazu, das Smartphone zu entsperren und in Zukunft eventuell dazu, Transaktionen über mobile Bezahlsysteme zu bestätigen - sofern sie denn nach Deutschland kommen. Im Test arbeitete der Sensor einwandfrei und entsperrte das Mi4s direkt.

Großer interner Speicher und die MIUI

Unter der Haube befindet sich, wie schon bei Mi4c der Snapdragon 808 mit dem Adreno 418-Grafikchip, dem jetzt drei Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Im Antutu Benchmark reicht das für rund 60.000 Punkte, beim Geekbench 3 für 1106 und 2801 Punkte im Single-Core- und Multi-Core-Test. Übersetzt in den Alltag: Die Animationen der Nutzeroberfläche sind superflüssig, die Apps starten schnell, Spiele wie Asphalt 8 lassen sich in höchster Grafikqualität zocken.

Für ein Mittelklasse-Smartphone ist der interne Speicher des Mi4s mit 64 Gigabyte sehr groß. 57 Gigabyte sind davon noch für Eure Daten frei. Wenn das nicht reichen sollte, könnt Ihr die Kapazität noch mit einer microSD-Karte erhöhen. Oder stattdessen eine zwei SIM-Karte in das Smartphone einlegen.

Xiaomi hat das Mi4s mit Android 6.0 Marshmallow angekündigt, liefert das Smartphone allerdings vorerst mit Android 5.1.1 aus. Das Update soll aber bald kommen. Als Nutzeroberfläche kommt, wie bei allen Xiaomi-Geräten, die MIUI zum Einsatz, als deren Fan ich mich hier oute. Ich mag sie einfach. Es sind viele Kleinigkeiten, die anders als bei die sonst üblichen Android-Oberflächen sind und irgendwie freue ich mich auch einfach darüber, mal etwas anderes auf einem Testgerät zu sehen.

Zu den Kleinigkeiten gehören neben Design und Animationen etwa Gimmicks, wie die Möglichkeit, WLAN-Passwörter per QR-Code zu teilen, Fotos in verstecken Alben zu speichern. Ein Kinder-Modus ist ebenfalls integriert. In diesem wählt Ihr die Apps aus, auf die Eure Kinder Zugriff erhalten. Eine Remote-App ist außerdem installiert, die zusammen mit dem Infrarot-Sender das Mi4s in eine Universalfernbedienung verwandelt. Kleiner Nachteil: Standardmäßig haben die Xiaomi-Geräte keine Google-Anbindung. Viele Import-Shops - und auch TradingShenzen, die uns freundlicherweise das Testgerät zur Verfügung gestellt haben - installieren allerdings vorab den Play Store auf dem Smartphone, über den Ihr alle weiteren benötigten Apps installieren könnt.

Fotos mit Grauschleier

Die Hauptkamera des Xiaomi Mi 4s nimmt Fotos mit 13 Megapixeln auf, die viele Details enthalten und scharf wirken. Allerdings erscheinen mir die Farben ein wenig zu blass. Es sieht aus, als würde ein Grauschleier über ihnen liegen. Ich empfehle hier, den HDR-Modus dauerhaft einzuschalten, da er für kräftigere und schönere Farben sorgt. Zudem handelt es sich um eine Schönwetterkamera, die auf gute Beleuchtung angewiesen ist. Bereits bei Zimmerbeleuchtung ist ein Bildrauschen klar zu erkennen.

Die Selfie-Kamera auf der Vorderseite liefert Bilder mit fünf Megapixeln und hält ein Gimmick bereit. Die Kamera-App versucht, erkannten Gesichtern ein Alter und ein Geschlecht zuzuordnen. Das sorgt oft für Erheiterung, denn das Geschlecht erkennt die Software sehr zuverlässig, liegt aber beim Alter auch mal gerne 15 Jahre daneben - in beide Richtungen. Die Bildqualität der Selbstporträts ist völlig in Ordnung, allerdings sind auch hier die Farben blass. Einen HDR-Modus gibt es für die Frontkamera nicht.

Fazit: starke Konkurrenz aus dem eigenen Haus

Das Xiaomi Mi4s ist ein gelungenes Mittelklasse-Smartphone mit gutem Display, flotter Hardware, ansprechendem Design und brauchbaren Kameras, das sich an den richtigen Stellen vom Vorgänger unterscheidet: Fingerabdrucksensor, Metallrahmen, größerer interner Speicher und etwas mehr Akkukapazität. Dafür müsst Ihr bei Importhändlern wie TradingShenzen, der uns das Testgerät zur Verfügung gestellt hat, rund 300 Euro bezahlen.

Allerdings droht große Konkurrenz aus dem eigenen Haus: Das neue Flaggschiff Xiaomi Mi5 kostet als Importgerät je nach Ausführung nur 80 bis 130 Euro mehr - und kann zumindest auf dem Datenblatt deutlich mehr.


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