Xiaomi Mi8 im Test: Chinas next Top-Smartphone [mit Video]

Wenn euch das iPhone X zu klein ist und ihr ohnehin lieber Android statt iOS nutzt, dann ist das Xiaomi Mi8 genau das richtige Smartphone für euch. Aber auch ohne Vergleiche mit Apples Smartphone gehört es mit seiner Ausstattung eindeutig zu den Top-Smartphones, ist aber vergleichsweise günstig. Geduld könnte sich allerdings lohnen.

Im ersten Moment springen einen die optischen Ähnlichkeiten zwischen dem Xiaomi Mi8 und dem iPhone X an. Vor allem die "Notch" genannte Aussparung im Display sowie die Position der Dualkamera auf der Rückseite lassen beide Smartphones sehr ähnlich aussehen. Auf den zweiten Blick fällt auf, dass der Bildschirm vom iPhone X unten weniger Rand hat, sich auf der Rückseite des Mi8 ein Fingerabdrucksensor befindet und von der Seite betrachtet die Ränder komplett unterschiedlich aussehen.

Großes Display und flotte Hardware

Bis zum Xiaomi Mi6 gehörten die Top-Modelle des chinesischen Herstellers zu den kleineren Vertretern unter den Flaggschiff-Smartphones. Das ändert sich mit dem Mi8. Sein Display misst 6,21 Zoll in der Diagonalen. In einer Hand lässt sich das Smartphone zwar noch gut halten, auch die Tasten an der Seite erreicht man problemlos, für den Touchscreen benötigt man in der Regel aber seine zweite Hand. Mit einer Auflösung von 2248 x 1080 Pixeln verfügt das AMOLED-Display über eine hohe Auflösung und eine entsprechend detailreiche und scharfe Bilddarstellung. Die Helligkeit, die kräftigen Farben und die stabilen Blickwinkel sorgen zusätzlich dafür, dass man das Display gerne anschaut. Den Bereich neben der Notch nutzt Xiaomi zur Anzeige der Uhrzeit und der Darstellung von Benachrichtigungssymbolen. Ist der Bildschirm ausgeschaltet, kann man sich über die Always-on-Funktion jederzeit die Uhrzeit und andere hilfreiche Details anzeigen lassen – natürlich stromsparend.

Standardmäßig blendet das Xiaomi Mi8 virtuelle Tasten auf dem Bildschirm ein. Ihr könnt den Platz für diese aber Einsparen und auf eine Gestensteuerung umschalten. Nach kurzer Eingewöhnung hat man die Gesten verinnerlicht und vermisst die Tasten nicht. Für den Homescreen wischt man vom unteren Rand nach oben. Hält man den Finger nach der Wischbewegung auf den Touchscreen gedrückt, öffnet sich die Multitasking-Übersicht. Um einen Schritt zurück zu gehen, wischt ihr links oder rechts von der Seite in Richtung Bildschirmmitte.

Mit dem Snapdragon 845 als Chipsatz sowie sechs Gigabyte Arbeitsspeicher ist das Xiaomi Mi8 nicht nur im Alltag flott und lässt euch mit kurzen App-Ladezeiten nicht lange warten, sondern hat auch mit grafisch anspruchsvollen Spielen wie dem aktuell beliebten PUBG Mobile sowie AR- und VR-Anwendungen keine Probleme. Beim internen Speicher habt ihr die Wahl zwischen Kapazitäten von 64, 128 oder 256 Gigabyte. Da sich die Speicherkapazität nicht mit einer microSD-Karte erweitern lässt, solltet ihr vor dem Kauf genau überlegen, welche Variante ihr benötigt.

Dualkamera mi künstlicher Intelligenz

Die Dualkamera des Xiaomi Mi8 liefert Fotos mit einer Auflösung von zwölf Megapixeln. Ihre zwei Linsen nutzt sie für einen zweifachen Zoom und einen Bokeh-Effekt, der den Hintergrund bei der Aufnahme extra unscharf macht. Das klappt auch ganz gut, aber kleine Fehler bleiben nicht aus, etwa wenn die Lücke zwischen Arm und Körper nicht als Teil des Hintergrunds erkannt wird. Mit dem Zoom kommt man näher ans Motiv heran und muss dabei deutlich weniger Qualitätseinbußen als bei einem digitalen Zoom hinnehmen.

Insgesamt überzeugen die Fotos des Mi8 mit natürlich wirkenden, kräftigen Farben und einer hohen Detailgenauigkeit. Schaut man allerdings ganz genau hin, ist sie nicht so hoch wie bei anderen Top-Smartphones. Der HDR-Modus hellt dunkle Bereiche nur geringfügig auf, da bereits die Automatik starke Kontraste gut ausgleicht.

In der Nacht kommt die Kamera des Xiaomi Mi8 auch mit wenig Licht zurecht. Auf dem Smartphone-Display sehen die Aufnahmen gut aus. Vergleicht man sie aber in Originalgröße mit anderen Top-Smartphones spielt das das Mi8 bei der Detailgenauigkeit nicht mehr ganz vorne mit.

Ihr könnt beim Mi8 eine AI-Kamera aktivieren. Dann versucht eine künstliche Intelligenz, das Motiv zu erkennen und die Belichtungseinstellungen anzupassen. Pflanzen, Gebäude, Personen oder die Nacht erkennt die Kamera recht zuverlässig. Die Aufnahmen sehen aber nur geringfügig anders als bei Verwendung der herkömmlichen Automatik aus. Im Vergleich zur AI CAM des LG G7 ThinQ aber ein deutlicher Fortschritt.

Die Frontkamera des Xiaomi Mi8 nimmt Selfies mit einer Auflösung von 20 Megapixeln auf. Ihre Detailgenauigkeit ist vergleichsweise hoch, die Farben könnten aber noch etwas kräftiger sein. Für eine bessere Belichtung des Hintergrunds lohnt sich der HDR-Modus, der bei unserem Beispielbild allerdings etwas Farbe aus dem Vordergrund geklaut hat. Der sehr helle Sonnenschein war allerdings auch eine große Herausforderung für die Kamera.

Noch keine deutsche Software

Auf dem Mi8 läuft ab Werk Android 8.1 Oreo. Xiaomi versieht das Betriebssystem von Google mit seiner Nutzeroberfläche MIUI 10. Diese nimmt nicht nur optische Veränderungen vor, sondern ergänzt einige Funktionen wie die Möglichkeit Apps zu klonen oder WLAN-Passwörter zu teilen. Der Sprachassistent Xiao AI ist nur hilfreich, wenn ihr Chinesisch sprechen könnt.

Denn: Momentan gibt es das Xiaomi Mi8 nur mit chinesischer Software. Das bedeutet Google-Apps müsste man nachträglich installieren und mit einigen vorinstallierten chinesischen Apps leben, die aber nutzlos sind. Als einzige europäische Sprache steht Englisch zur Auswahl. Derzeit ist unklar, wann die sogenannte "Global ROM" erscheint, die auch Deutsch als Sprache enthält und die Google-Dienste auf dem Smartphone vorinstalliert. Xiaomi pausiert aktuell die Entwicklung von Software-Updates. Wie lange ist unbekannt.

Der Akku des Xiaomi Mi8 hat mit 3400 mAh eine für ein Top-Smartphone typische Kapazität. Mit ihm kommt man bei typischer Nutzung gut über den Tag. Mehr aber auch nicht. Über den USB-C-Anschluss lässt sich die Batterie dank Schnellladetechnologie fix wieder aufladen.

Ihr könnt das Xiaomi Mi8 wahlweise per Passwort- oder PIN-Eingabe und den gut auf der Rückseite positionierten Fingerabdrucksensor entsperren. Zusätzlich verfügt das Smartphone über eine Gesichtserkennung, die sehr schnell und zuverlässig arbeitet. Durch die Nutzung von Infrarot-Technik, dürfte sie sicherer als ähnliche Mechanismen sein, die nur auf eine Kamera zurückgreifen. Xiaomi warnt bei der Einrichtung aber selbst, dass der Fingerabdrucksensor immer noch die sichere Entsperrmethode sei.

Fazit

In Sachen Preis-Leistung schlägt das Xiaomi Mi8 sogar noch das OnePlus 6. Bei der Verarbeitung und der Hardware gibt es nichts zu bemängeln. Die Kamera ist zwar gut, kann aber nicht mit den besten mithalten. Beim Design werdet ihr damit leben müssen, dass euch Sprüche über die Ähnlichkeit mit dem iPhone X um die Ohren gehauen werden. Größtes Manko ist aber in meinen Augen die momentan noch fehlende Global ROM. Ich würde empfehlen, auf jeden Fall noch zu warten, bis die Software zur Verfügung steht.

Als Importgerät gibt es das Xiaomi Mi8 zum Beispiel bei Tradingshenzhen, die uns freundlicherweise das Testgerät zur Verfügung gestellt haben. Für die Variante mit 64 Gigabyte Speicherplatz zahlt ihr dort momentan 417 Euro. Für 128 Gigabyte müsst ihr 427 Euro und für 256 Gigabyte 497 Euro zahlen.

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