Yotaphone 2 angetestet: Die Kraft der zwei Displays

Ein großes Display hat ja inzwischen wohl jedes aktuelle Smartphone. Aber zwei Displays – das hat nur das Yotaphone 2. Wir konnten bei der Premiere in London einen Blick auf das gemischte Doppel werfen.

Eines der größten Probleme der modernen Gesellschaft ist ein schwacher Smartphone-Akku. Da wird man durch die vielen tollen technischen Möglichkeiten quasi gezwungen, ständig sein Telefon in die Hand zu nehmen, auf das Display zu drücken und im Internet tolle Dinge zu veranstalten – und dann reicht eine Batterieladung nur mit Glück einen Tag. Für Vlad Martynov, Chef des gerade einmal drei Jahre jungen Handyherstellers Yota, ist diese Sorge unbegründet. Mit seinem Yotaphone 2 wird die Laufzeit nach seiner Aussage künftig verdoppelt.

Bei der Premiere des Smartphones in London erklärt der Russe, wie man künftig Strom sparen kann, ohne dabei auf Komfort verzichten zu müssen. Und so paradox es klingen mag: Seine Lösung heißt: "Ein zweites Display muss her". So verfügt das Yotaphone 2 nicht nur über einen Standard-Bildschirm auf der Vorderseite, sondern zusätzlich über ein E-Ink-Display auf der Rückseite.

Ordentlich was unterm Deckel

Bei der Präsentation konnten wir schon mal einen Blick auf das gemischte Doppel werfen. Das Gehäuse des Yotaphone 2 ist mit 9 Millimetern recht dünn. Das Smartphone schmiegt sich durch die leicht gewölbte Rückseite sehr schön in die Hand. Und trotz der schlanken Bauform müsst Ihr auf nichts verzichten, was andere aktuelle Smartphones bieten: Als Prozessor dient der Quadcore Snapdragon 800, der vordere Bildschirm ist mit 5 Zoll ausreichend groß und der verbaute Speicher ist mit 32 Gigabyte zwar nicht üppig, aber immerhin ausreichend bestückt.

Für die Simkarte gibt es keinen sichtbaren Einschub: Wollt Ihr die Karte Eures Vertrauens einlegen, müsst Ihr die Lautstärke-Wippe herausziehen – diese dient gleichzeitig als Schublade für die Simkarte. Installiert ist mit Kitkat Googles Android-Betriebssystem mit der Versionsnummer 4.4, doch Lollipop soll in Kürze per Update folgen.

Ein schöner Rücken

Doch viel interessanter als die auch bei anderen Smartphones gängigen Werte ist das Display auf der Rückseite. Hier hat Yota ein E-Ink-Bildschirm mit 4,7 Zoll verbaut. Laut Yota bietet dieses berührungsempfindliche Display die Möglichkeit, die Akkulaufzeit deutlich zu verlängern.

Wie das geht? Ganz einfach: Um sich über aktuelle Nachrichten, Twittermeldungen oder verpasste Anrufe zu informieren, müsst Ihr nicht ständig auf den Hauptschirm schauen – und so viel Strom zu verbrauchen. Ihr könnt stattdessen einfach einen Blick auf die Rückseite werfen. Wie beim Kindle und Co. werden Texte und Bilder monochrom dargestellt. Animationen und Videos sind nicht möglich, Fotos werden dagegen in einer vernünftigen Qualität angezeigt.

Da sich das Bild auf einem E-Ink-Display nur einmal aufbauen muss, bleibt es so lange auf dem Schirm, bis ein neues Bild "gebaut" wird – und verbraucht so auch nur jeweils einmal Energie. Selbst wenn der Akku zur Neige geht, wird das Bild angezeigt. Als Beispiel für einen praktischen Nutzen wurde bei der Veranstaltung immer wieder eine digitale Boardkarte gezeigt, damit man auch mit leerem Akku noch für seinen Flug einchecken kann.

Doch das scheint für Vlad Martynov nicht der einzige Vorteil des Displays zu sein. Für ihn ist es wichtig, dass man auch bei starker Sonneinstrahlung Informationen gut lesen kann – und das ist mit dem E-Ink-Display kein Problem.

Immer mit der Ruhe

Der hintere Touchscreen reagiert allerdings sehr träge auf Berührungen. Das liegt zum einen natürlich an der Funktionsweise eines solchen Displays. Ihr kennt das von einem E-Reader: Wenn Ihr zur nächsten Seite umblättert, kann das schon einmal bis zu einer Sekunde dauern. Aber auch ohne dieses nachvollziehbare Manko hakte es an allen Ecken und Enden. Die virtuellen Schaltflächen reagierten nicht auf jeden Fingerzeig. Das kann man sicherlich digitale Entschleunigung nennen – im täglichen Gebrauch wird es aber nerven, wenn mehrfach gedrückt werden muss, damit man zwischen Funktionen und Bildschirmdarstellungen wechseln kann.

Auch erklärt sich nicht auf den ersten Blick, welche Funktionen des Smartphones für beide Seiten taugen. Dass nicht alles geht, wird klar, wenn man sich die speziellen Apps für die E-Ink-Rückseite anschaut. Statt einfach die eh installieren Android-Funktionen darzustellen, bietet Yota für das spezielle Display überarbeitete Anwendungen an, beispielsweise fürs Wetter und fürs Lesen von Nachrichten oder von Büchern. Bei der Veranstaltung kündigte Martynov noch eine Twitter-App an, die den eigenen Feed auf der Rückseite optimiert darstellen kann.

Mir gefällt nicht, dass der hintere Bildschirm zudem nie wirklich ohne eine Anzeige ist: Er zeigt immer die letzten Inhalte an. Habe ich gerade auf dem E-Ink-Display eine E-Mail abgerufen, bleibt diese so lange sichtbar, bis ich eine andere Funktion aufgerufen habe – selbst wenn ich auf den Hauptbildschirm wechsle. So könnte mein Gegenüber sehen, was ich zuletzt gemacht habe, während ich gerade auf dem Hauptschirm bei Facebook surfe. Aber wahrscheinlich ist das nur eine Einstellungssache.

In London hat pünktlich zum Start des Smartphones ein Yota-Shop eröffnet, der das Gerät für 699 Euro anbietet. Wer dafür nicht in die britische Hauptstadt reisen will, kann sich das Yotaphone 2 auch online bestellen.

Sobald wir das Yotaphone 2 für einen ausführlichen Test zur Verfügung haben, werden wir Euch verraten, wie sich das Smartphone mit den zwei Gesichtern im Alltag schlägt.


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