ZTE Axon Mini im Test: 3D Touch für die Mittelklasse

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ZTE Axon Mini: Kleiner Metall-Androide mit Force Touch.
ZTE Axon Mini: Kleiner Metall-Androide mit Force Touch.(© 2016 CURVED)

Wer zur Mini-Version eines Smartphones greift, muss oft große Abstriche hinnehmen. Das ist beim ZTE Axon Mini anders. Fast. Der Hersteller greift an einer Stelle zwar ebenfalls zum Rotstift, spendiert aber auf dem anderen Seite einem der ersten Android-Smartphones 3D Touch, das hier Force Touch heißt.

Das iPhone SE hat gezeigt, dass ein Smartphone im Jahr 2016 nicht groß sein muss, sondern dass es eine große Nachfrage nach kleineren Modellen gibt. Das ZTE Axon Mini ist mit seinem 5,2 Zoll großen Display allerdings viel größer als Apples neuester Streich. Im direkten Vergleich mit dem ZTE Axon Elite, dessen Display 5,5 Zoll groß ist, wirkt die Mini-Version allerdings deutlich handlicher - trotz nur 0,3 Zoll Unterschied beim Full-HD-Display. Das nebenbei bemerkt keinen Grund für Kritik liefert: Detailgenauigkeit, Farben und Blickwinkelstabilität sind sehr gut.

ZTE spart nur beim Prozessor

Das Design ist dagegen unverändert. Es bleibt beim Metallgehäuse mit Gitternetzmuster über den Lautsprechern. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber immerhin hebt sich das Display nicht so stark vom restlichen Gehäuse ab. Meiner Meinung nach immer noch kein Stück schöner geworden sind die Kunstleder-Applikationen mit aufgesetzter Naht am oberen und unteren Rand der Rückseite.

In dem je nach Geschmack sehr schönem oder sehr hässlichem Gehäuse des Axon Mini verrichtet der Snapdragon 616 seine Arbeit. Obwohl ihm ebenfalls drei Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite stehen, ist er im Benchmark-Test deutlich langsamer als das große ZTE Axon. Im Antutu-Benchmark reicht es nur für rund 37.000 Punkte, bei Geekbench 3 für 706 Single-Core- und 2986 Multi-Core-Punkte. In der Praxis bedeuten diese Werte, dass die Nutzeroberfläche flüssig animiert ist, Ihr aber bei größeren Apps längere Wartezeiten in Kauf nehmen müsst. Asphalt 8 lässt sich beispielsweise auch nicht mit der besten, sondern nur mit der zweitbesten Grafikqualität spielen.

Android 5.1.1, vorinstallierte Apps und Sicherheitsfeatures, wie der Fingerabdruckscanner oder der Iris-Scan, belegen insgesamt über zehn Gigabyte des 32 Gigabyte großen internen Speichers. Ein Update auf Android 6.0 Marshmallow ist noch nicht in Sicht. Unter den vorinstallierten Programmen befindet sich wenig komplett unbrauchbare Software.

Der Fingerabdrucksensor dient zum Entsperren des Smartphones und erkennt den Finger in der Regel schnell und zuverlässig, allerdings gefühlt nicht ganz so schnell und zuverlässig, wie zum Beispiel das Huawei P9 oder das LG G5. Nette Zusatzfunktion: Wenn Ihr es in den Einstellungen aktiviert, könnt Ihr mit dem Sensor auch Fotos auslösen oder einen Anruf annehmen. Der Iris-Scan mit der Frontkamera ist dagegen unbrauchbar. Ihr müsst genau einen kleinen Ausschnitt mit der Kamera treffen und zudem noch eine gefühlte Ewigkeit warten. Da ist Windows Hello auf dem Lumia 950 XL mit einem zusätzlichen Infrarotsensor deutlich nutzerfreundlicher.

Force Touch: von Apple inspiriertes druckempfindliches Display

Mit Force Touch verbaut ZTE beim Axon Mini erstmals eine Technologie, deren Prinzip mit 3D Touch im iPhone 6s identisch ist. Das Display erkennt, wie stark Ihr drückt und führt dementsprechend unterschiedliche Aktionen aus. Berührt Ihr die App-Icons nur kurz, startet Ihr die App. Haltet Ihr sie dagegen leicht gedrückt, könnt Ihr sie verschieben oder löschen. Drückt Ihr einen Moment sehr fest auf das Symbol, öffnet sich bei vielen der vorinstallierten Anwendungen ein kleines Schnellstartmenü.

ZTE Axon Mini: Force Touch sorgt für kurze Wege.(© 2016 CURVED)

So muss ich bei der Kamera nicht immer über den Haupt-Bildschirm gehen, sondern kann direkt die Selfie-Kamera, die Videoaufzeichnung oder eine Zeitlupen-Aufnahme starten. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Mir erscheint das je nach App und angebotenen Shortcuts durchaus praktisch. Allerdings passiert es mir noch oft, dass ich nicht stark genug drücke. Schwer zu sagen, ob man sich daran gewöhnt und das im Alltag benutzt.

Die Kameras des ZTE Axon Mini lösen, wie beim großen Schwestermodell, mit 13 und acht Megapixeln auf. Allerdings verfügt die Hauptkamera nur über eine und nicht über zwei Linsen. Die Bildqualität bewegt sich im guten Smartphone-Durchschnitt. Die Farben wirken teilweise etwas blass, die Detailgenauigkeit ist ok, aber nicht beeindruckend. Die HDR-Funktion leuchtet dunkle und helle Bereiche gleichmäßig aus. Die Selfies sind deutlich überdurchschnittlich.

Fazit: Mini-Smartphone mit Mini-Einsparungen

Das ZTE Axon Mini ist eine geschrumpfte Version des ZTE Axon Elite geworden. Aber nur fast, denn gerade beim Prozessor hat Hersteller gespart. Die fehlende Power macht sich vor allem bei aufwändigen Apps bemerkbar. Die Kamera liefert auch etwas weniger gute Bilder, aber insgesamt hat ZTE das Axon Mini nicht so massiv zusammengestrichen, wie manch anderer Hersteller seine Mini-Version vom Topmodell. Dafür ist das kleine Smartphone aber deutlich handlicher geworden.

Die unverbindliche Preisempfehlung für das ZTE Axon Mini liegt bei 379 Euro, im Handel ist es teils schon für knapp über 300 Euro erhältlich. Damit ist es nur etwas günstiger als das große ZTE Axon, dessen regulärer Preis auf 349 Euro gesunken ist. Insgesamt ist das Mini ein gutes Mittelklasse-Gerät, bei dem man für 250 Euro guten Gewissens zuschlagen kann. Force Touch ist eine nette Zugabe, sorgt aber nicht dafür, dass das Smartphone zu einem Gerät wird, das man unbedingt haben muss.


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