Android-UIs: So unterscheiden sich Touchwiz und Co.

Auch ohne Google steht Ihr mit Android nicht im Regen.
Auch ohne Google steht Ihr mit Android nicht im Regen.(© 2014 CC: Flickr/Kham Tran)

Ein Android-Smartphone ist nicht gleich Android-Smartphone: Die meisten Hersteller haben für ihre Geräte benutzerdefinierte Oberflächen, sogenannte User Interfaces (UI) installiert, sodass die Optik und die Funktionen von Hersteller zu Hersteller variieren. Wir geben Euch einen Überblick, was die gängigsten Android-UIs sind und wie sie sich unterscheiden.

Samsung Touchwiz: Viele Features

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Kaum ein Android-UI bietet so viele zusätzliche Features und Möglichkeiten zur Personalisierung wie Touchwiz von Samsung. Alleine für den Homescreen sind sieben unterschiedliche Ansichten möglich – dort können auf einer festen Leiste vier App-Icons platziert werden. Leider gibt es im App Drawer keine eigene Suchfunktion; die Apps werden entweder frei oder alphabetisch angeordnet und können über Google Now gefunden werden.

Eine besonderes Feature ist das sogenannte Multi-Window, das über den App-Drawer oder den Homescreen eingeblendet werden kann. Darüber kann auf vordefinierte Apps zugegriffen werden. Die Tastatur hat ein übersichtliches Design und bietet genügend Raum zwischen den einzelnen Tasten; lediglich die fehlenden Umlaute sind auf dem deutschen Markt ein ärgerlicher Umstand.

Stock Android: Strukturierte Menüführung

Nexus 5_2014

Das deutlichste Merkmal von der Benutzeroberfläche Stock-Android ist seine Schlichtheit: Es ist weist ein wenig verspieltes Design auf und bietet eine übersichtliche Menüführung mit klarer Struktur. Der Homescreen bietet fünf verschiedene Ansichten, Apps können beliebig angeordnet werden. Auch der App Drawer überzeugt durch Schlichtheit, die Sortierung erfolgt alphabetisch. Über Stock-Android müssen Apps per Google Now gesucht werden, da der App Drawer keine Suchfunktion beinhaltet. Die Multitasking-Ansicht erlaubt ein schnelles Wechseln zwischen Apps; wie bei iOS können Anwendungen durch einen Wisch beendet werden. Die Tastatur besitzt wie die gesamte UI ein schlichtes Design; für Umlaute muss ein Vokal länger gedrückt werden.

Der größte Vorteil von Stock-Android: Das Betriebssystem ist unmodifiert, sodass die von Google entwickelten Updates sofort zur Verfügung stehen – und nicht etwa von dem Smartphone-Hersteller angepasst werden müssen.

Sony UI: Minimalistische Optik

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Übersichtlichkeit und einfache Bedienung stehen auch bei der Sony UI im Vordergrund. Der Homescreen kann aus bis zu sieben Seiten bestehen, durch die Ihr Euch in einer Pseudo-3D-Ansicht durchwählen können. Im App Drawer können Ordner für die Sammlung von Anwendungen angelegt werden, eine Suchfunktion gibt es ebenfalls. Ein besonderes Feature sind die sogenannten Small-Apps, zu denen beispielsweise ein Timer und ein Taschenrechner gehören. Diese können parallel zu jeder App genutzt werden. Vom Sperrbildschirm aus kann zum Beispiel direkt die Kamera-App aufgerufen werden. Die Tastatur ist ebenfalls minimalistisch und bietet Tasten mit einer ausreichenden Entfernung voneinander. Leider gibt es weder Umlaute noch Ziffern auf der ersten Ebene.

LG Optimus UI: Bunt und verspielt

LG G2 Mini

Eine bunte und detailreiche Optik bietet das LG Optimus UI, die Menüführung ist aufgrund der Verschachtelung teilweise etwas unübersichtlich geraten. Der Homescreen bietet bis zu sieben Ansichten, in denen eine Leiste für bis zu sieben App-Icons fest installiert ist. Der App-Drawer bietet Ordner, Suchfunktion und die Möglichkeit, Anwendungen nach Belieben zu sortieren. Das Feature QSlide ermöglicht es, bis zu zwei Apps parallel zu anderen zu nutzen, beispielsweise eine Kalenderfunktion. Das Aussehen der QSLide-Apps kann angepasst werden. Durch das Feature Quick Memo können handschriftliche Notizen auf dem Display festgehalten werden – sogar während eines Telefonats. Die Tastatur ist gut zu bedienen, Umlaute sind nur durch langes Drücken aufrufbar.

HTC Sense: Nachrichten per Blinkfeed

HTC One M8

HTC Sense wirkt insgesamt modern und aufgeräumt: Im App-Drawer beispielsweise können die Anwendungen nach Belieben sortiert und die Größe der Icons angepasst werden. Außerdem gibt es dort eine Suchfunktion und die Möglichkeit, Apps in Ordnern zu gruppieren. Der Homescreen bietet bis zu fünf Seiten und einen Button für die Aktivierung des Blinkfeeds. Dieser ist ein besonderes Feature von HTC Sense, mit dem zum Beispiel Nachrichten oder Statusmeldungen auf das Display gestreamt werden können. Die Tasten auf dem Keyboard weisen zwar keine Abstände auf, sind aber ausreichend groß für eine komfortable Bedienung. Auch hier fehlen Umlaute und Ziffern auf der ersten Ebene, können aber durch ein längeres Drücken aktiviert werden.

Huawei Emotion UI: Schlankes Design

HuaweiG700_2014

In der Huawei Emotion UI sind App Drawer und Homescreen in einer Ansicht zusammengefasst. Über eine Helikopter-Ansicht können alle Homescreens in einer Miniaturansicht angezeigt und ausgewählt werden. Eine besondere Funktion dieser Benutzeroberfläche ist der Berechtigungsmanager, mit dem festgelegt werden kann, welche App auf welche Inhalte zugreifen darf und wie die Internetverbindung hergestellt werden soll. Die Tastatur ist gut zu bedienen, für Umlaute und Ziffern muss allerdings ein Umweg gewählt werden.

Fazit

Samsung Touchwiz bietet von allen Benutzeroberflächen die meisten Features – wovon Neulinge überfordert werden könnten. Demgegenüber ist Stock-Android sehr schlicht und übersichtlich, mit einer klaren und intuitiven Menüführung. Die Sony UI ist vom Design her einfach, bietet aber einige Sonderfunktionen, die etwas Gewöhnung erfordern, wie beispielsweise die Small-Apps. Die Benutzeroberfläche von LG Optimus weist von allen die bunteste und am meisten verspielte Optik auf; praktisch ist hier die Quick Memo-Funktion. HTC Sense zeichnet in erster Linie der Blinkfeed aus. Die Huawei Emotion UI überzeugt durch den Berechtigungsmanager, mit dem die Zugriffsrechte für die Anwendungen definiert werden können.


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