Fitnesstracker Daten: Noch Wearable oder schon ein medizinisches Gerät?

Fitnesstracker werden immer beliebter: Mit den Gesundheitsdaten solltet ihr jedoch vorsichtig umgehen.
Fitnesstracker werden immer beliebter: Mit den Gesundheitsdaten solltet ihr jedoch vorsichtig umgehen.(© 2020 Getty Images)

Fitnesstracker liegen voll im Trend. Immer mehr Menschen setzen auf die kleinen Wearables, mit denen sich sportliche Aktivitäten gezielt messen lassen. Doch viele von euch haben sich bestimmt schon mal gefragt, wie verlässlich die angezeigten Fitnesstracker Daten sind und was mit ihnen passiert. Wir zeigen euch, worauf ihr achten müsst.

Über die Hälfte der deutschen Bevölkerung zeichnet bereits Gesundheitsdaten auf – das geht aus einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Splendid Research hervor. Ein Drittel der Befragten verwendet demnach Gesundheits- oder Fitness-Apps, ein Viertel eine Smartwatch oder Fitnesstracker. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Nutzer wollen gesünder leben, sportlicher werden und sich zusätzliche Motivation für Sport und Ernährung verschaffen.

Gehört ihr auch zu dieser Gruppe? Falls ja, habt ihr sicher schon mal darüber nachgedacht, wie zuverlässig die gelieferten Daten sind. Generell lässt sich sagen: Die meisten Fitnesstracker sind relativ genau, aber keinesfalls frei von Fehlern.

Fitnesstracker: Was sie messen

Mit Fitnesstrackern könnt ihr verschiedenste Aktivitäten aufzeichnen und überprüfen: Schlaf, Ernährung oder eben sportliche Höchstleistungen. Die Geräte von Anbietern wie Samsung, Garmin oder Fitbit werden direkt am Körper bzw. am Arm getragen. Abhängig vom Modell sind die Tracker mit Bewegungssensoren sowie mit optischen und bioelektrischen Sensoren ausgerüstet. Diese sind in der Lage, den Puls, die Anzahl der Schritte und die Gesamtdistanz der zurückgelegten Strecke und viele weitere Daten punktgenau zu messen.

Fitnesstracker mit integriertem GPS bieten für Läufer, Radfahrer oder Bergsportler überdies die Möglichkeit, die zurückgelegte Strecke via Internet auf einer Map zu markieren – ein gern genutztes Feature auf Lauf- und Sportportalen.

Fitnesstracker: Wie genau sie messen

Woran liegt es, wenn euer Fitnesstracker viel zu viele Schritte anzeigt, obwohl ihr euch den ganzen Tag kaum bewegt habt? Fitnesstracker können Schritte falsch zählen, weil sie Bewegungsabläufe falsch interpretieren. Was ihr für die Genauigkeit des Schrittzählers tun könnt, haben wir euch in einem gesonderten Beitrag ausführlich dargestellt.

Kurz zusammengefasst: Das Armband sollte fest sitzen und ihr solltet es an eurer schwachen Hand tragen. Der Grund: Eure starke Seite ist meist aktiver als die schwache und verursacht so potenziell zu mehr aufgezeichneten Schritte, als ihr eigentlich zurückgelegt habt. Darüber hinaus könnt ihr noch festlegen, wann euer Fitnesstracker als Schrittzähler wirklich zum Einsatz kommen soll. Bei längeren Ruhephasen könnt ihr festlegen, dass keine Schritte gezählt werden sollen.

Der Schrittzähler gehört zu den Kernfunktionen jedes Fitnesstrackers. Doch auch der Kalorienrechner ist für viele gesundheitsbewusste Menschen ein wichtiges Tool. Die gelieferten Daten zum Kalorienverbrauch sind erst einmal eine Schätzung, denn dieser hängt von verschiedenen individuellen Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Gewicht ab. Ausgehend von diesen biometrischen Daten gibt es wissenschaftlich ermittelte Durchschnittswerte, diese bilden die Grundlage für die Schätzung des Kalorienverbrauchs. Andere wichtige individuelle Faktoren wie der relative Anteil von Muskeln und Fett werden hingegen nicht berücksichtigt, womit exakte Angaben zur Kalorienverbrennung schwierig sind.

Auch die Herzfrequenzmessung ist eine wichtige Funktion von Fitnesstrackern. Zwei Methoden haben sich dabei etabliert: die Messung mittels angelegten Brustgurt sowie die integrierte optisch-elektrische Messung am Handgelenk. Letztere Methode liefert zumindest beim Laufen und Radfahren durchaus genaue Werte. Wichtig: Für genaue Messwerte solltet ihr auch hier vor allem darauf achten, dass das Armband fest am Handgelenk sitzt.

Fitnesstracker – Werable oder medizinisches Gerät?

Die  Herzfrequenzmessung bei Fitnesstrackern zeigt, dass sich die Grenze zwischen reinen "Fitness-Wearables" und medizinischen Geräten immer stärker auflöst. Auch wenn Hersteller wie Garmin betonen, dass die Daten ihrer Fitnesstracker nicht für medizinische Zwecke vorgesehen sind – die Möglichkeiten für den medizinischen Anwendungsbereich sind vielfältig: Diabetiker, Herzpatienten und chronisch Kranke können ihren Blutzucker, den Herzrhythmus oder ihren Krankheitsverlauf mit bestimmten Geräten bereits eigenständig überwachen.

Klar ist: Hier geht es um äußerst sensible Daten, die geschützt werden müssen. Wie eine Bitkom-Studie zu diesem Thema zeigt, sind sich die meisten von euch dieser Tatsache bewusst: 32 Prozent stimmten der Aussage zu, dass die persönlichen Gesundheitsdaten niemanden etwas angingen, weitere 49 Prozent wollten selber bestimmen, wer die Gesundheitsdaten erhält, nur 5 Prozent der Befragten war es egal, wer auf die persönlichen Gesundheitsdaten Zugriff hat.

Fitnesstracker liefern besonders sensible Daten

Gerade für Krankenkassen sind die erhobenen Gesundheitsdaten natürlich von großem Interesse. Kritiker mahnen: Es dürfe nicht so weit kommen, dass man bei Krankenversicherungen Nachteile erleidet, nur weil man seine Gesundheitsdaten nicht zur Verfügung stellt. Umso wichtiger erscheint es daher, dass ihr bei der Auswahl von Fitnesstrackern auf die technischen Sicherheitsmerkmale achtet und die Datenschutzerklärung  sorgfältig durchlest.

Anbieter wie das Schweizer Start-up Vorn haben die Zeichen der Zeit erkannt: Sie warnen davor, dass die Gesundheitsdaten der Fitnesstracker-User nicht sicher seien. Sie könnten von den Herstellern für Vermarktungszwecke missbraucht oder aus Cloud-Speicherorten gehackt werden, so der Vorwurf.  Vorn wirbt daher als Gegenmodell mit einem Fitness-Device, das 100 Prozent Datenhoheit durch Krypto-Verschlüsselung verspricht.

Egal für welchen Fitnesstracker ihr euch entscheidet: Er sollte keinen Ersatz für eine professionelle Beratung oder gar einen Arztbesuch sein. Den Gesundheitsdaten solltet ihr nicht immer blind vertrauen – und sie vor allem nicht zu leichtfertig weitergeben. Seht den Fitnesstracker einfach als Motivationshilfe für euer Sportprogramm, dann macht das Training oft mehr Spaß als zuvor.


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