Handystrahlung: Wie schädlich ist sie wirklich?

Die Schädlichkeit von Handystrahlung ist umstritten.
Die Schädlichkeit von Handystrahlung ist umstritten.(© 2014 CC: Flickr/nayukim)

Viele Menschen fragen sich, ob Handystrahlung schädlich ist. Bis heute zählt eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2011 zu den wichtigsten Untersuchungen zu diesem Thema, da die Forscher über zehn Jahre eine breite Datenbasis ausgewertet haben. Ihre Schlussfolgerung: Die Strahlung von Handys ist „möglicherweise krebserregend“.

Diese Warnung ist jedoch eher eine Vorsichtsmaßnahme, denn eindeutige Forschungsergebnisse konnte die von der WHO durchgeführte Studie nicht liefern: Sie ergab einerseits, dass Menschen, die häufig ein Mobiltelefon nutzten, seltener einen Hirntumor bekamen. Diejenigen, die jedoch mehr als zwölf Stunden pro Tag ein Handy nutzten, hatten ein erhöhtes Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken.

Wie sind solch widersprüchliche Ergebnisse zu erklären? Methodische Schwächen der Studie können ein Grund dafür sein. So haben die Forscher die Nutzungsdauer der Mobiltelefone nicht objektiv gemessen, sondern anhand von Befragungen der Studienteilnehmer erhoben. Dabei können verzerrte Erinnerungen die Antworten der Befragten verfälschen.

Schwedische Studie stellt Krebsrisiko durch Handystrahlung fest

Die WHO bezog sich für ihre Bewertung zum Risiko von Handystrahlung unter anderem auf eine schwedische epidemiologische Studie aus dem Jahr 2007. Darin hatte Lennart Hardell vom Universitätskrankenhaus Örebro einen Zusammenhang zwischen der Strahlung von Mobiltelefonen und Tumorerkrankungen festgestellt: Das Krebsrisiko sei zwei- bis dreimal höher, bei Jugendlichen sei das Risiko für einen Hirntumor sogar um ein Fünffaches höher.

Wann immer die Gefährlichkeit von Handystrahlung Gegenstand von Diskussionen ist: Bis heute wird diese vermeintlich eindeutige Studie Hardells zitiert. Doch viele Wissenschaftler kritisieren den Forscher, da weder andere epidemiologischen Studien, noch experimentelle Untersuchungen seine Ergebnisse hätten bestätigen können. Außerdem stellten Ärzte in den letzten Jahren keine Zunahme von Hirntumoren fest, obwohl die Handynutzung stark gestiegen ist.

Aktuelle Studien bringen keine Klarheit

Auch aktuellere Studien können keine klare Antwort auf die Frage geben, ob Handystrahlung schädlich ist. Im September 2012 etwa gaben Forscher des norwegischen Gesundheitsinstituts Entwarnung: Handys lösten weder Krebs aus, noch führten sie zu Unfruchtbarkeit oder schädigten Kinder im Mutterleib. Eine 2013 veröffentlichte Untersuchung des israelischen Mediziners Yaniv Hamzany hingegen schlussfolgerte, dass beim Telefonieren die Ohrspeicheldrüse bestrahlt werde und die Zahl an freien Radikalen in den Zellen ansteigt – solche Peroxide gelten als Risikofaktoren für Krebs.

Das Ergebnis all dieser Studien bleibt somit unbefriedigend, da sie zu keinem einheitlichen Schluss kommen. Solange es keine eindeutigen Ergebnisse gibt, sollten alle, die Angst vor Handystrahlung haben, ein möglichst strahlungsarmes Mobiltelefon nutzen und Tipps befolgen, mit denen die Strahlung beim Telefonieren reduziert werden kann. Alle anderen können einfach weitertelefonieren.

Zusammenfassung

  • Wissenschaftliche Studien konnten bisher nicht zweifelsfrei belegen, dass Handystrahlung schädlich ist
  • Die WHO warnt Vieltelefonierer seit 2011 vorsichtshalber vor einem möglicherweise erhöhten Gesundheitsrisiko
  • Vermeintlich eindeutige Studienergebnisse können durch methodische Fehler begünstigt werden
  • Wer trotzdem Angst um seine Gesundheit hat, sollte strahlungsarme Handys nutzen und Tipps zum Verringern der Strahlenbelastung beachten

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