Huawei: Android bleibt? Mate 20 X 5G-Vorstellung im Schatten der US-Sperre

Eigentlich sollte das Huawei Mate 20 X 5G vorgestellt werden – doch alles drehte sich um die US-Handelssperre.
Eigentlich sollte das Huawei Mate 20 X 5G vorgestellt werden – doch alles drehte sich um die US-Handelssperre.(© 2019 Huawei)

In Berlin wurde das neue Mate 20 X 5G von Huawei vorgestellt. Doch über der Veranstaltung lag ein dunkler Schatten. Immerhin belastet die US-Handelssperre das chinesische Unternehmen immer noch – auch wenn sich die Situation mittlerweile etwas entschärft hat. Immerhin stand im Raum, dass Huawei-Handys keine Android-Updates mehr bekommen würden. Auf dem Pressetermin wollten deswegen alle nur eins wissen: Wie geht es für Huawei in Zukunft weiter?

von Verena Dauerer

  • Vorstellung des Huawei Mate 20 X 5G in Berlin am 3. Juli
  • Fokus bei der Presseveranstaltung auf US-Handelsstreit mit China
  • Huawei setzt weiter auf Android
  • Android Q kommt

Eigentlich sollte es ja um das brandneue Huawei Mate 20 X 5G gehen – dem ersten Huawei-Phablet mit 5G-Technik, das diesen Monat auf den deutschen Markt erscheinen soll. Das kommt übrigens mit Android-Betriebssystem. Walter Ji, Vorsitzender Consumer Business Group Westeuropa, und William Tian, Leiter der Consumer Business Group Deutschland, waren nach Berlin gereist, um Fragen von Journalisten zu beantworten.

Doch die aktuelle Lage drängte das 999-Euro-Smartphone in den Hintergrund. Die Frage, ob die Android-Sperre für Huawei nun nach der Lockerung der US-Regierung passé ist, stand im Raum wie ein pinker Elefant. Immerhin kursierten schon erste Gerüchte, dass Huawei an einem eigenen Betriebssystem namens Ark OS arbeite, gleichzeitig gab das Unternehmen bekannt, dass die Top-Smartphones des Herstellers auf jeden Fall das Update auf Android Q bekommen sollen. Was hieße aber ein Android-Aus für Apps wie WhatsApp, Facebook und Co.? Wie sieht es mit der Unterstützung des Play Store aus? Bei der Runde im SoHo House drehte sich alles um die große Frage: Wie sieht die Zukunft von Huawei aus?

Wahrscheinlich doch keine US-Handelssperre

Angesichts des Handelsstreits zwischen den USA und China schien es in den letzten Wochen zunächst ziemlich düster für den Telekommunikations-Giganten aus dem chinesischen Shenzhen. Doch die US-Handelssperre gegen Huawei wird wahrscheinlich aufgehoben und neue Smartphones werden mit der nächsten Android Q-Version herauskommen. Habt ihr ein Huawei-Gerät, gibt es also wieder Grund zur Hoffnung: Android könnt ihr weiter nutzen, auch Updates wird es geben. Zuletzt gerieten sogar ein paar Bilder in den Umlauf, wie Android Q auf dem Huawei P30 aussehen könnte – natürlich weiterhin mit dem Custom-ROM EMUI, dann in der neuen Version 10.

In Berlin stellt William Tian zuerst einmal die neue Sommer-Kampagne "Das Huawei Zukunftsversprechen" vor, inklusive TV-Spots ab Mitte Juli. Die Clips zeigen vor allem, Huawei macht Werbung wie eine Bank: Das Unternehmen möchte beruhigen, beschwichtigen und Sicherheit für die jetzige und zukünftige Zusammenarbeit mit seinen Nutzern ausstrahlen. Verunsicherte Kunden will Huawei auf der Webseite "Huawei antwortet" besänftigen. Dort sollen Gerüchte zerstreut werden.

Auf eine weitere Zusammenarbeit mit amerikanischen Zulieferern – und chinesischen

Beim Gespräch in der Journalistenrunde gibt es von den Mitarbeitern kaum ein klares Ja oder Nein auf die drängenden Fragen, vielmehr ein kunstvolles wie diplomatisches Herauswinden. Letztlich verbleibt das chinesische Unternehmen auf der sogenannten Schwarzen Liste der US-Regierung. Bis das nicht vollständig vom Tisch ist, wird ein eindeutiges Statement zu Android 10 Q, Android-Apps oder eben dem Wechsel auf ein eigenes Betriebssystem noch nicht möglich sein.

Wie geht es also jetzt weiter mit Huawei? Die Smartphone-Hersteller betonen immer wieder den Fokus auf eine "offene Zusammenarbeit" mit Zulieferern. Zum Beispiel auch die aktuelle Kollaboration am neuen Huawei Mate 20 X 5G mit dem deutschen Linsen-Hersteller Leica.

Die gleiche Antwort liefert auch Walter Ji auf die Frage, ob Huawei vermehrt mit chinesischen Partnern arbeiten will. Das bedeutet: Natürlich arbeiten wir mit denen. Und was ist damit, dass Huawei unabhängiger von amerikanischen Zulieferern werden will? Schließlich ist der Konzern auf Handy-Komponenten aus den USA angewiesen. "Unsere Strategie bleibt die gleiche", antwortet Ji mit einem Lächeln. Will heißen: Klar arbeiten wir vorerst mit allen weiter. Alle Unternehmen in der Produktionskette von Huawei-Smartphones sind abhängig voneinander, da könnte sich keines eine Inselmentalität erlauben.

Es bleibt erst mal bei Android

"Wir glauben, Technologien sollten offen sein", sagt Walter Ji auch. Damit meint er aber nicht die Verwendung von Open-Source-Technologien in zukünftigen Handys, wie zum Beispiel ein komplett offenes OS, um von Googles Android unabhängig zu werden. Auch Fragen nach einem eigens entwickelten Betriebssystem werden abgeblockt. Dafür wurde es in einem Video vorher gezeigt: Offen bedeutet, dass Nutzer aus Entwicklungsländern Zugang zu Produkten von Huawei haben.

Zu den Journalisten darf Walter Ji offensichtlich auch nichts Eindeutiges sagen, deshalb verweist er lieber gleich auf gut informierte Online-Quellen: "Mehr Informationen finden Sie im Internet – die richtigen Informationen." Wir halten euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.

Wir empfehlen euch jedenfalls, weiter ruhig zu bleiben und abzuwarten, wie sich die politische Situation in den nächsten Wochen ändern wird. Die Richtung stimmt bisher aber optimistisch, dass ihr eure Huawei-Handys weiterhin nutzen könnt.


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