In-Ear, On-Ear oder Over-Ear kaufen: Welcher Kopfhörer sich für wen eignet

Over-Ears – eine von vielen Möglichkeiten.
Over-Ears – eine von vielen Möglichkeiten. (© 2018 Unsplash/Alphacolor 13)

Guten Sound möchte jeder haben – doch welcher Kopfhörer passt am besten zur Lieblingsmusik und zum eigenen Hörverhalten? Wir hauen euch ein paar Fakten um die Ohren, bis ihr alles Wichtige zu In-Ears, On-Ears und Over-Ears gehört habt.

Der Weg zum perfekten Kopfhörer ist manchmal so lang und verworren wie der Kabelsalat, den er mit sich bringt. Lange Zeit mochte man es dezent und setzte auf In-Ears – am besten noch Haare drüber wuscheln, schon konnte niemand sehen, dass man überhaupt Musik hört. Große, klobige Kopfhörer hingegen galten als etwas, das nur Tontechniker oder Hubschrauber-Piloten abseits der eigenen vier Wände tragen. Erst die Hipster brachten die Renaissance – und somit die Bügelkopfhörer zurück auf die Straßen. Bunt, schrill, wuchtig und nicht zuletzt durch ikonische Marken wie Beats wurden sie zum musikalischen Accessoire, das sich sehen und hören lassen konnte.

Doch wer auf der Suche nach den passenden Kopfhörern ist, sollte sich nicht nur vom Hipstertum und Design blenden lassen – letztendlich geht es natürlich um den Klang. Doch wie findet man im (Kabel-)Wirrwar die perfekten Kopfhörer? Wir haben diese Odyssee mal für euch aufgedröselt.

In-Ears: Kompakt und praktisch

Los geht es mit den kleinen In-Ears, auch als Ohrhörer oder Stöpsel bekannt: In Sachen Kompaktheit macht diesen kleinen Kerlchen niemand etwas vor – sie passen in die kleinste Jeans- oder Hemdtasche.

In-Ears sind in keinster Weise mit Ear-Buds gleichzusetzen!(© 2014 CURVED)

Doch Vorsicht, Verwechslungsgefahr! Wenn wir von In-Ears reden, meinen wie NICHT die günstigen Ear-Buds, die vielen Smartphones oder anderen Geräten beiliegen. Sie können zwar Töne wiedergeben, haben im Gegensatz zu den In-Ears aber keine Verlängerung in den Gehörgang – und somit in Sachen Bass keine Chance. Einen einzigen Vorteil haben die kleinen Ear-Buds aber: Man hat in der Regel ganz viele davon. Wer zu Vergesslichkeit neigt, kann direkt mehrere Jackentaschen mit einem Paar ausstatten und hat so zumindest immer die Chance Musik zu hören – wenn auch in überaus mäßiger Qualität.

Doch nun zu den In-Ears: So klein die Dinger auch sind, so groß ist letztendlich der Kompromiss, den man mit ihnen eingeht: Wenige In-Ears erzeugen einen wirklich kolossalen Klang. Doch auch wenn die Stöpsel keine ausfallenden Hörmuscheln haben, die eine konzertartige Räumlichkeit erzeugen, so können sie trotz ihrer mickrigen Größe in Sachen Bass einen entscheiden Vorteil haben: Sie legen diesen nämlich direkt ins Ohr, da die meisten Modelle wie ein Propfen im Gehörgang sitzen. Damit riegeln sie – sofern sie gut passen – auch hermetisch von der Außenwelt ab. Zudem haben sie einen weiteren Vorteil, der nicht von der Hand zu weisen ist: Sie eignen sich prima zum Joggen.

Die wenigsten beiliegenden Kopfhörer sind gut, die Ear Bud von Apple allerdings ganz ok.(© 2018 Unsplash/freestocks.org)

Gibt's was auf die Ohren oder über die Ohren? On-Ears und Over-Ears

Bei den Bügelkopfhörern gibt es zwei Arten, die sich durch die Polster unterscheiden. Bei On-Ears liegen sie auf den Ohren auf, bedecken diese nicht immer komplett. Bei den deutlich größeren Over-Ears umschließen sie die Ohren vollständig (ungefähr so als würdet ihr eure Hände schützend um eure Ohren legen). Auch hier gibt es Vor- und Nachteile sowie persönliche Präferenzen zu beachten.

On-Ear-Kopfhörer bieten eine gute Mischung aus Sound und Mobilität: Ihre Bauweise ist in der Regel etwas kompakter als bei Over-Ears. Dadurch passen sie oft besser in Tasche oder Rucksack, dennoch ermöglichen die mittelgroßen Hörmuscheln einen starken Klang. Manche Modelle lassen sich sogar zusammenfalten oder schieben, sodass sie noch platzsparender sind. Wichtig bei On-Ears ist, dass sie dicht am Ohr abschließen – nur so können die Kopfhörer ohne Verluste ihre kleine Klangwelt aufbauen.

Beats Kopfhörer, On-Ear.(© 2018 CURVED)

Over-Ears sind etwas wuchtiger als On-Ears und legen sich mit ihrem Polster komplett um das Ohr, sodass euer Gehör von einem deutlich größeren Raum umschlossen wird. Auf diese Weise erzielen sie in der Regel ein präziseres Klangbild und schaffen etwa bei Filmen ein kinoartiges Erlebnis. Mit ihren klobigen Muscheln sind sie unterwegs jedoch eher sperrig, lassen sich teilweise aber auch zusammenfalten – heimlich Musik hören werdet ihr mit ihnen aber nicht können.

Kopfhörer, Bose Quiet Comfort 35 wireless: Over Ears mit Noise Cancelling.(© 2018 CURVED)

On-Ear oder Over-Ear: Was ist besser für wen?

Over-Ears warten zumeist mit dem besseren Klang und Tragekomfort auf. Auf der Straße und in der Bahn sieht man diese Art Kopfhörer häufig in der geschlossenen Bauweise (dazu gleich mehr), damit der Umgebungslärm die eigene Klangwelt nicht ruiniert. Oft auch in Verbindung mit Active Noise Cancelling. Die aktive Geräuschunterdrückung versucht die Umgebungsgeräusche herauszufiltern. Der "Umgebungslärm" umfasst allerdings auch wichtige Verkehrsgeräusche, die man nicht komplett ausblenden sollte. Im Heimgebrauch sind Over-Ears unschlagbar.

Wer viel unterwegs ist, ist mit On-Ears also besser bedient: Damit gelingt die Gratwanderung zwischen Soundqualität, Komfort und einer Anteilnahme am Weltgeschehen meist besser.

Die Bauweise der Hörmuschel: Offene, geschlossene oder halboffene Kopfhörer

Bei Bügelkopfhörern unterscheidet man zwischen geschlossenen, offenen und halboffenen Kopfhörern. Damit wird die Durchlässigkeit der Außenwand beschrieben. Wie viel Klang dringt aus den Ohraufsätzen nach außen? Wie viel Umgebungsgeräusche kommen ins Ohr? Bekommen die Ohren Frischluft ab, oder werden sie schnell warm? Hier eine Übersicht mit den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Bauart.

Geschlossene Kopfhörer sind nach außen hin isoliert. Geräusche aus der Außenwelt können kaum eindringen – ebenso wenig kann Klang aus dem Kopfhörer austreten. Luft zirkuliert quasi keine. Die Vorteile müssen wir euch vermutlich nicht lange anpreisen: Bus- und Bahnfahren ohne Gelaber von anderen Fahrgästen oder laute Durchsagen – nur die eigene kleine, heile Klangwelt. Durch die isolierte Bauweise fallen Bässe auch deutlich kräftiger aus. Doch auch geschlossene Kopfhörer haben ihre Nachteile: Der Klang kann unter der Isolierung leiden, es entstehen hörbare Resonanzen. Noch viel wichtiger und potenziell gefährlich: Im Straßenverkehr haben sie nichts verloren! Denn wer seine Umgebungsgeräusche nicht oder kaum wahrnimmt, ist im Straßenverkehr eine Gefahr für sich und andere.

Beats Kopfhörer mit geschlossener Bauart.(© 2018 CURVED)

Ein offener Kopfhörer (wie im Aufmacherbild zu sehen) ist nach außen hin nicht abgedichtet – dadurch bleibt die Umwelt immer etwas hörbar und die Ohren gut belüftet. Der Vorteil ist, dass ihr so trotzdem noch eure Umwelt auf dem Schirm habt und zum Beispiel die Durchsage in der Bahn nicht verpasst. Nachteile bietet das allerdings für eure Sitznachbarn: Wenn ihr zu laut aufdreht, hören alle gezwungener Maßen mit, da die Töne ein Stück weit nach außen dringen. Die Qualität der Töne selbst kann sich allerdings hören lassen: Offene Modelle sind nicht so anfällig für Resonanzen und erzeugen einen sehr räumlichen Klang. Wegen des empfindlichen Hörgefühls und den austretenden Klängen sind sie allerdings eher für die eigenen vier Wände geeignet.

Halboffene Kopfhörer sind ein gangbarer Kompromiss zwischen den obigen Bauweisen: Sie sind besser isoliert als offene Kopfhörer und lassen somit weniger Außengeräusche durch, nabeln das Ohr aber nicht so stark von der Außenwelt und Frischluft ab, wie geschlossene Modelle. Diese Durchlässigkeit sorgt für natürlichere Bässe. Halboffene Kopfhörer eignen sich sowohl für zuhause als auch für unterwegs.

Das Libratone-Logo leuchtet im Betrieb.(© 2017 CURVED)

Fazit: Nicht die Größe macht den Kopfhörer

Wenn ihr es bis hier hin geschafft habt, seid ihr hoffentlich schon um einiges schlauer als vorher. Doch leider ist die Liste der entscheidenden Faktoren mit diesem Artikel noch lange nicht am Ende angekommen: Neben Soundqualität und Tragekomfort kommt es natürlich auch auf die Verarbeitung der Kopfhörer an sowie den Preis, den man bereit ist zu zahlen. Die Frage ob sie ein Kabel brauchen – falls ja: USB-C, Lightning oder 3,5-mm? – oder per Bluetooth verbunden sind, ist ebenso wichtig wie das ganz persönliche Hörgefühl und die Musik, die man am liebsten hört. Hier hat jeder seine ganz eigenen Vorlieben: Mal soll es möglichst viel Bass sein, mal sind klare Akzente bei Mitten und Höhen wichtig.

Ebenso solltet ihr euch fragen: Wo schließe ich meinen Kopfhörer an? Wer ein einfältiges 08/15-Smartphone sein Eigen nennt und hauptsächlich damit hört, wird niemals das Potenzial eines High-End-Kopfhörers ausschöpfen können. Wir legen euch also unbedingt ans Herz, mal in den Fachhandel zu marschieren und dort die eigene Musik an mehreren Modellen Probe zu hören.

Noch mehr Musik gefällig?

Wer an dieser Stelle gerne mehr zum Thema Noise Cancelling hätte, möge sich unseren Test zu den Noise-Cancelling-Kopfhörern Beats Studio3 Wireless reinziehen. Lest außerdem, was CURVED-Chefredakteur Felix sich von der nächsten Generation AirPods erhofft oder auch Jans Tipps, wie AirPods besser im Ohr sitzen. Oder habt ihr euch immer schon gefragt, wie es neue Interpreten überhaupt zu Spotify & Co. schaffen? Für alle, die hauptsächlich Musik am iPhone hören, haben wir noch Tipps, wie ihr den besten Sound ausfindig macht.


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